Chemie · Verstehen und üben

Kunststoffrecycling

Polymerketten erhalten oder spalten? Vergleiche Recyclingwege, erkläre die PET-Hydrolyse und berechne nutzbare Materialmengen.

Polymer → neues Material oder chemische Bausteine

Kettenstruktur · Reaktion · Stoffstrom

Die chemische Struktur bestimmt den Recyclingweg

Polyethen · C–C-Hauptkette…–CH₂–CH₂–CH₂–CH₂–…PET · Estergruppen in der HauptketteOCH₂CH₂OCC₆H₄COO

Kunststoffe bestehen aus langen Polymerketten. Beim Recycling werden gebrauchte Kunststoffe zu neuem Material aufbereitet. Entscheidend ist: Bleiben die Ketten überwiegend erhalten, oder werden ihre kovalenten Bindungen gezielt gespalten?

Polyethen (PE) besitzt eine C–C-Hauptkette. PET ist ein Polyester mit Estergruppen –C(=O)–O–. Diese Gruppen können hydrolytisch gespalten werden. Im PET-Ausschnitt steht C₆H₄ für einen para-disubstituierten Benzolring.

Drei Verwertungswege chemisch unterscheiden

Werkstofflich · Ketten überwiegend erhalten

Sortieren, waschen, zerkleinern und aufschmelzen: Ein Thermoplast wird neu geformt. Es werden nicht gezielt Monomere hergestellt.

Chemisch · Ketten spalten

Hydrolyse, andere Solvolysen oder Pyrolyse zerlegen Polymere in kleinere Moleküle. Diese müssen aufbereitet werden, bevor sie als Rohstoffe dienen.

Energetisch · Verbrennen

Der Kunststoff reagiert mit Sauerstoff. Energie wird genutzt, aber der Werkstoff geht verloren. Das ist kein stoffliches Recycling.

Wiederverwenden · Gegenstand erhalten

Ein Produkt wird erneut benutzt, möglichst ohne aufwendige Umwandlung. Es muss dafür geeignet, sicher und ausreichend haltbar sein.

PE-Verbrennung, idealisiert pro Wiederholungseinheit: C₂H₄ + 3 O₂ → 2 CO₂ + 2 H₂O

Warum ein Thermoplast schmilzt, ein Duroplast aber nicht

Beim Erwärmen werden Bewegungen der Polymerketten möglich; zwischenmolekulare Anziehungen werden teilweise überwunden. Die kovalenten Bindungen entlang der Ketten bleiben beim schonenden Aufschmelzen überwiegend erhalten.

Thermoplast

Lineare oder verzweigte, nicht dauerhaft kovalent vernetzte Ketten können gegeneinander gleiten. PE und PET lassen sich unter geeigneten Bedingungen aufschmelzen.

Duroplast und Elastomer

Kovalente Vernetzungen verhindern freies Fließen. Duroplaste sind engmaschig, Elastomere weitmaschig vernetzt. Sie lassen sich nicht wie Thermoplaste einfach einschmelzen.

Zu hohe Temperaturen, Sauerstoff oder Feuchtigkeit können Ketten abbauen. Wiederholtes Verarbeiten ist daher nicht automatisch ohne Qualitätsverlust möglich.

PET-Hydrolyse: Wasser spaltet Esterbindungen

R–C(=O)–O–R′ + H₂O ⇌ R–COOH + HO–R′

Wasser wird an einer Esterbindung umgesetzt. Dabei entstehen eine Carboxylgruppe und eine Hydroxygruppe. Werden die Esterbindungen einer PET-Kette vollständig hydrolysiert, erhält man die Bausteine Terephthalsäure und Ethylenglycol.

[–O–CH₂–CH₂–O–C(=O)–C₆H₄–C(=O)–]ₙ + 2n H₂O
→ n HO–CH₂–CH₂–OH + n HOOC–C₆H₄–COOH

Idealisiert für Wiederholungseinheiten, Endgruppen vernachlässigt. Je nach Verfahren werden Temperatur, Druck und Katalysatoren eingesetzt. Bei alkalischer Spaltung entstehen zunächst Carboxylat-Salze statt freier Säure.

PE besitzt keine Estergruppen. Seine C–C-Kette lässt sich nicht auf dieselbe Weise mit Wasser hydrolysieren. Bei Pyrolyse entstehen meist Gemische kleinerer Kohlenwasserstoffe – nicht automatisch reines Ethen.

Recycling-Labor: Struktur und Verfahren verbinden

Wähle einen Kunststoff. Das Modell zeigt den chemischen Grund für die Eignung; es ersetzt keine Prüfung eines konkreten Abfallstroms.

Linien = Polymerketten

Werkstofflich gut geeignet

Thermoplastische, nicht vernetzte C–C-Ketten lassen sich bei geeigneter Qualität neu formen. Sortierung und Reinigung bleiben notwendig.

Chemischer Blick

Ketten überwiegend erhalten

Stoffströme: Aus 100 kg Abfall werden nicht 100 kg Rezyklat

Beispiel: Von 100 kg gesammeltem Material gelangen 80 % in die passende Sortierfraktion. Bei der Aufbereitung werden davon 90 % als nutzbares Rezyklat gewonnen.

m(Rezyklat) = 100 kg · 0,80 · 0,90 = 72 kg

Die Gesamtausbeute beträgt 72 %. 20 kg fallen bei der Sortierung heraus, weitere 8 kg bei der Aufbereitung. Die ausgeschiedenen Mengen können andere Verwertungswege haben; sie sind nicht automatisch vollständig entsorgt.

72,0 kg Rezyklat · Gesamtausbeute 72,0 %

Modell zweier aufeinanderfolgender Massenausbeuten. Keine gesetzliche Recyclingquote und keine vollständige Umweltbilanz.

Biobasiert, abbaubar und recycelbar sind verschiedene Eigenschaften

Biobasiert · Herkunft

Der Kohlenstoff stammt ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen. Bio-PE hat dieselbe Polymerstruktur wie fossiles PE und ist deshalb nicht automatisch biologisch abbaubar.

Biologisch abbaubar · Reaktion unter Bedingungen

Mikroorganismen können den Stoff unter geeigneten Bedingungen umsetzen. Temperatur, Feuchtigkeit, Zeit und Umgebung sind entscheidend; Abbaubarkeit ist keine Erlaubnis zum Wegwerfen.

Recycelbar · gesamtes System

Struktur, Zusatzstoffe, Produktaufbau, Sortierbarkeit und vorhandene Anlagen müssen zusammenpassen. Ein Recyclingzeichen garantiert keinen tatsächlich geschlossenen Kreislauf.

Bewerten · gleiche Funktion vergleichen

Vergleiche Materialbedarf, Nutzungsdauer, Wiederverwendung, Energie, Transport und Verluste. Die Bezeichnung „bio“ allein beweist keinen Umweltvorteil.

Acht Aufgaben: erst selbst lösen, dann vergleichen

1 · Was bleibt beim werkstofflichen Recycling überwiegend erhalten?

Tipp anzeigen
Unterscheide Kette und Gegenstandsform.
Lösung anzeigen
Die Polymerketten bleiben überwiegend erhalten. Der Gegenstand wird zerkleinert und neu geformt.

2 · Warum kann ein Duroplast nicht wie PE aufgeschmolzen werden?

Tipp anzeigen
Denke an kovalente Querbindungen.
Lösung anzeigen
Das vernetzte Netzwerk verhindert freies Gleiten der Ketten; starkes Erhitzen führt zur Zersetzung statt zu einer nutzbaren Schmelze.

3 · Welche funktionelle Gruppe macht PET hydrolysierbar?

Tipp anzeigen
Suche –C(=O)–O–.
Lösung anzeigen
Die Estergruppe. Hydrolyse spaltet sie unter Bildung von Carboxyl- und Hydroxygruppen.

4 · Welche Bausteine entstehen bei vollständiger PET-Hydrolyse?

Tipp anzeigen
Ein Diol und eine Dicarbonsäure.
Lösung anzeigen
Ethylenglycol HO–CH₂–CH₂–OH und Terephthalsäure HOOC–C₆H₄–COOH; in alkalischer Lösung zunächst das Carboxylat.

5 · Warum funktioniert dieselbe Esterhydrolyse bei PE nicht?

Tipp anzeigen
Vergleiche die Hauptketten.
Lösung anzeigen
PE besitzt eine C–C-Hauptkette und keine Esterbindungen.

6 · 200 kg Material, 75 % Sortier- und 80 % Aufbereitungsausbeute: Wie viel Rezyklat entsteht?

Tipp anzeigen
Multipliziere die Anteile nacheinander.
Lösung anzeigen
200 · 0,75 · 0,80 = 120 kg; Gesamtausbeute 60 %.

7 · Ist Bio-PE automatisch biologisch abbaubar?

Tipp anzeigen
Herkunft und Struktur sind nicht dasselbe.
Lösung anzeigen
Nein. Die erneuerbare Rohstoffquelle ändert die PE-Struktur und ihre geringe biologische Abbaubarkeit nicht.

8 · Warum ist Verbrennung kein stoffliches Recycling?

Tipp anzeigen
Was geschieht mit dem Kohlenstoffgerüst?
Lösung anzeigen
Das Polymer wird oxidiert, sein Kohlenstoff wird bei vollständiger Verbrennung zu CO₂. Energie kann genutzt werden, der Werkstoff bleibt nicht erhalten.

Kurzer Begriffscheck

Bei der PET-Hydrolyse werden …

Wähle eine Antwort.

Für den Unterricht: Verfahren chemisch begründen

Einstieg: PE- und PET-Strukturen vergleichen.
Partnerarbeit: Im Labor einen Verwertungsweg wählen und mit Kettenstruktur oder funktionellen Gruppen begründen.
Sicherung: Stoffstromrechnung lösen und eine Werbeaussage wie „biobasiert = abbaubar“ prüfen.

Kostenlose Materialien zum Weiterüben

Vorschau: Kunststoffrecycling bewerten – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Kunststoffrecycling bewerten – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Direkt passend: Verwertungswege, Stoffströme und Grenzen des Recyclings.

Kostenlos · PDF · mit Lösungen

Material ansehen und herunterladen
Vorschau: Kunststoffarten und Eigenschaften – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Kunststoffarten und Eigenschaften – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Grundlagen: Kettenstruktur, Vernetzung und Verhalten beim Erwärmen.

Kostenlos · PDF · mit Lösungen

Material ansehen und herunterladen
Vorschau: Kunststoffe intensiv II: Monomere & Polymere – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Kunststoffe intensiv II: Monomere & Polymere – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Vertiefung: Monomere, PET und Wiederholungseinheiten erkennen.

Kostenlos · PDF · mit Lösungen

Material ansehen und herunterladen
Vorschau: Kunststoffe: Polymerisation & Polykondensation – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Kunststoffe: Polymerisation & Polykondensation – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Ergänzung: Bildungsreaktionen der Polymere mit dem chemischen Abbau verbinden.

Kostenlos · PDF · mit Lösungen

Material ansehen und herunterladen
Footer image

© 2026 Lernmarktplatz,

    • American Express
    • Apple Pay
    • Google Pay
    • Klarna
    • Maestro
    • Mastercard
    • MobilePay
    • PayPal
    • Visa