Mathe verstehen und üben / Kugelgleichungen

Mathe · Klasse 11–13 · etwa 45–60 Minuten

Kugelgleichungen

Du stellst vollständige Kugelgleichungen auf, bestimmst Mittelpunkt und Radius und prüfst Punkte sowie Sonderfälle.

Voraussetzungen ansehen

Abstandsformel, quadratische Ergänzung, Brüche und Wurzeln.

01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten

Was kannst du schon?

3 kurze Aufgaben

Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.

Koordinaten und mehrere Werte mit Semikolon trennen, z. B. 2; −1; 3. Brüche mit /, Wurzeln als sqrt(…), z. B. sqrt(7), Quadrate als ^2 eingeben. Kugelgleichungen vollständig mit = schreiben; x, y, z sowie x1, x2, x3 sind möglich.

02 · Verstehen

Was die Kugelgleichung beschreibt

Alle Oberflächenpunkte gleich weit vom Mittelpunkt

(x₁ − 1)² + (x₂ + 2)² + (x₃ − 3)² = 25

Diese Kugeloberfläche hat Mittelpunkt M(1 | −2 | 3) und Radius 5.

Eine Kugeloberfläche besteht aus allen Punkten, die vom Mittelpunkt M denselben Abstand r haben. Für einen positiven Radius entsteht eine räumliche Oberfläche. Im Folgenden meinen wir mit der Kugelgleichung diese Oberfläche.

Der gefüllte Kugelkörper enthält zusätzlich die inneren Punkte. Seine Beschreibung verwendet eine Ungleichung: Der Abstand zu M ist kleiner oder gleich r. Diese Unterscheidung ist besonders bei Schnittaufgaben wichtig.

Die Mittelpunktform verstehen

Hat M die Koordinaten m₁, m₂, m₃, gilt:

(x₁ − m₁)² + (x₂ − m₂)² + (x₃ − m₃)² = r²

Das ist die quadrierte Abstandsformel zwischen einem Oberflächenpunkt X und M. In Vektorschreibweise lautet sie |x − m|² = r².

Beispiel: M(1 | −2 | 3), r = 5. Setze die Koordinaten ein und quadriere den Radius:

(x₁ − 1)² + (x₂ + 2)² + (x₃ − 3)² = 25

Das Pluszeichen in der zweiten Klammer entsteht durch x₂ − (−2). Der Mittelpunkt hat dort die Koordinate −2, nicht +2.

Mittelpunkt und Radius richtig ablesen

Beispiel · Schritt für Schritt

Lies Mittelpunkt und Radius ab

(x₁ + 4)² + (x₂ − 1)² + x₃² = 9

Beispiel: (x₁ + 4)² + (x₂ − 1)² + x₃² = 9.

RechnungErklärung zum Schritt
x₁ + 4 = x₁ − (−4)
x₃² = (x₃ − 0)²
1 Klammern mit der Grundform vergleichen

Eine fehlende Verschiebung bedeutet Mittelpunktkoordinate 0.

M(−4 | 1 | 0)
r² = 9 → r = 3
2 Mittelpunkt und Radius ablesen

Die Koordinaten stehen in der Form xᵢ − mᵢ. Ziehe für den Radius die nichtnegative Wurzel aus 9.

Rechts steht das Radiusquadrat. Bei rechter Seite 12 ist der Radius √12 = 2√3, nicht 12. Ziehe die nicht negative Wurzel.

Die Vorzeichen in den Klammern sind gegenüber den Mittelpunktkoordinaten umgekehrt. Rechts liest du zunächst r² ab und berechnest daraus r.

Liegt ein Punkt innen, außen oder auf der Oberfläche?

Für unsere Kugel mit M(1 | −2 | 3) und r = 5 berechnest du die Summe der quadrierten Koordinatendifferenzen.

Beispiel · Schritt für Schritt

Prüfe, ob P auf der Kugeloberfläche liegt

M(1 | −2 | 3); r = 5
P(4 | 2 | 3)

RechnungErklärung zum Schritt
P − M = (4 − 1; 2 + 2; 3 − 3)
P − M = (3; 4; 0)
1 Koordinatendifferenzen für P bilden

Ziehe die Mittelpunktkoordinaten von P(4 | 2 | 3) ab.

|P − M|² = 3² + 4² + 0²
|P − M|² = 25 = r²
2 Mit dem Radiusquadrat vergleichen

Die Quadratsumme stimmt mit 5² überein. P liegt auf der Kugeloberfläche.

Beispiel · Schritt für Schritt

Prüfe die Lage von Q

M(1 | −2 | 3); r = 5
Q(1 | −2 | 4)

RechnungErklärung zum Schritt
Q − M = (0; 0; 1)
|Q − M|² = 0² + 0² + 1² = 1
1 Abstandsquadrat für Q berechnen

Für Q(1 | −2 | 4) unterscheidet sich nur die dritte Koordinate vom Mittelpunkt.

1 < 25
2 Lage entscheiden

Q liegt im Inneren des Kugelkörpers und nicht auf seiner Oberfläche.

Beispiel · Schritt für Schritt

Prüfe die Lage von R

M(1 | −2 | 3); r = 5
R(7 | −2 | 3)

RechnungErklärung zum Schritt
R − M = (6; 0; 0)
|R − M|² = 6² + 0² + 0² = 36
1 Abstandsquadrat für R berechnen

Für R(7 | −2 | 3) beträgt die erste Koordinatendifferenz 6.

36 > 25
2 Lage entscheiden

R liegt außerhalb der Kugel.

Vergleiche entweder Abstand mit Radius oder Abstandsquadrat mit Radiusquadrat. Für die Lageentscheidung ist das Wurzelziehen nicht nötig.

Mittelpunkt und Oberflächenpunkt gegeben

Beispiel · Schritt für Schritt

Bestimme Radius und Kugelgleichung

M(1 | −2 | 3)
Oberflächenpunkt: P(4 | 2 | 3)

Gegeben sind M(1 | −2 | 3) und P(4 | 2 | 3) auf der Oberfläche. Berechne den Radius als Abstand:

RechnungErklärung zum Schritt
r² = (4 − 1)² + (2 + 2)² + (3 − 3)²
r² = 9 + 16 + 0 = 25
1 Abstandsquadrat berechnen

Der Abstand zwischen Mittelpunkt und gegebenem Oberflächenpunkt ist der Radius.

r = √25 = 5
2 Radius bestimmen

Wähle die positive Wurzel. M und P sind verschieden.

(x₁ − 1)² + (x₂ + 2)²
+ (x₃ − 3)² = 25
3 Kugelgleichung aufstellen

Setze den Mittelpunkt und das Radiusquadrat in die Mittelpunktform ein.

Danach setzt du M und r in die Mittelpunktform ein. Ein einzelner Oberflächenpunkt ohne weitere Angaben legt dagegen keine eindeutige Kugel fest.

Beispiel · Schritt für Schritt

Stelle die Kugelgleichung auf

Endpunkte des Durchmessers:
A(−1 | 2 | 0)
B(5 | 2 | 0)

Ein anderer häufiger Fall: A(−1 | 2 | 0) und B(5 | 2 | 0) sind Endpunkte eines Durchmessers.

RechnungErklärung zum Schritt
m₁ = (−1 + 5) : 2 = 2
m₂ = (2 + 2) : 2 = 2
m₃ = (0 + 0) : 2 = 0
1 Streckenmittelpunkt berechnen

Bilde für jede Koordinate den Mittelwert. Damit ist M(2 | 2 | 0).

|B − A| = √(6² + 0² + 0²) = 6
r = 6 : 2 = 3
2 Durchmesser halbieren

Da A und B ausdrücklich Durchmesserendpunkte sind, beträgt der Radius die Hälfte ihres Abstands.

(x₁ − 2)² + (x₂ − 2)²
+ x₃² = 9
3 Mittelpunktform notieren

Setze M(2 | 2 | 0) und r² = 9 ein.

Das Halbieren des Punktabstands gilt hier, weil ausdrücklich ein Durchmesser gegeben ist. Zwei beliebige Oberflächenpunkte reichen dafür nicht.

Quadratische Ergänzung Schritt für Schritt

Gegeben sei die ausmultiplizierte Gleichung:

x₁² + x₂² + x₃² − 2x₁ + 4x₂ − 6x₃ − 11 = 0

Beispiel · Schritt für Schritt

Bestimme die Mittelpunktform durch quadratische Ergänzung

x₁² + x₂² + x₃²
− 2x₁ + 4x₂ − 6x₃ − 11 = 0

RechnungErklärung zum Schritt
x₁² − 2x₁ = (x₁ − 1)² − 1
1 Erstes Quadrat ergänzen

Halbiere −2 und quadriere die Hälfte: (−1)² = 1. Gleiche den Zusatz durch −1 aus.

x₂² + 4x₂ = (x₂ + 2)² − 4
2 Zweites Quadrat ergänzen

Die Hälfte von 4 ist 2. Ergänze 4 und ziehe 4 wieder ab.

x₃² − 6x₃ = (x₃ − 3)² − 9
3 Drittes Quadrat ergänzen

Die Hälfte von −6 ist −3. Ergänze 9 und gleiche mit −9 aus.

−1 − 4 − 9 − 11 = −25
4 Konstante Terme zusammenfassen

Setze die drei Ergänzungen in die Ausgangsgleichung ein. Die ursprüngliche −11 bleibt ebenfalls erhalten.

(x₁ − 1)² + (x₂ + 2)²
+ (x₃ − 3)² = 25
M(1 | −2 | 3), r = 5
5 Mittelpunktform herstellen

Addiere 25 auf beiden Seiten und lies Mittelpunkt sowie Radius ab.

Jetzt sind Mittelpunkt und Radius erkennbar. Kontrolliere durch erneutes Ausmultiplizieren, ob du die Ausgangsgleichung zurückerhältst.

Eine allgemeine Abkürzung

Für die normalisierte Form x₁² + x₂² + x₃² + ax₁ + bx₂ + cx₃ + d = 0 gilt:

M(− | − | −)

r² = − d

Diese Abkürzung folgt direkt aus der quadratischen Ergänzung. Vor den drei quadratischen Termen muss jeweils 1 stehen. Ein gemeinsamer anderer Faktor lässt sich durch Division der gesamten Gleichung entfernen.

Unterschiedliche Koeffizienten vor den Quadraten oder gemischte Terme wie x₁x₂ passen nicht unmittelbar zu dieser Kugelform. Wende die Abkürzung darauf nicht ungeprüft an.

Wenn rechts 0 oder eine negative Zahl entsteht

Nach quadratischer Ergänzung ist die linke Seite eine Summe von Quadraten. Sie kann nicht negativ sein.

  • Rechte Seite positiv: Kugeloberfläche mit positivem Radius.
  • Rechte Seite 0: Nur der Mittelpunkt erfüllt die Gleichung; ein entarteter Fall mit Radius 0.
  • Rechte Seite negativ: Keine reellen Punkte erfüllen die Gleichung.

Beispiel: x₁² + x₂² + x₃² + 1 = 0 hat keine reelle Lösung. Es gibt keinen reellen Radius √(−1).

Dein Rechenplan

  1. Prüfe, ob die Gleichung bereits in Mittelpunktform steht.
  2. Falls nötig, normiere die quadratischen Koeffizienten und ergänze quadratisch.
  3. Lies den Mittelpunkt mit den richtigen Vorzeichen ab.
  4. Prüfe das Radiusquadrat und ziehe gegebenenfalls die Wurzel.
  5. Bei Punkten vergleiche den quadrierten Abstand mit r².
  6. Kontrolliere Umformungen durch Ausmultiplizieren.

03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten

Übe in deinem Tempo

18 Aufgaben · 3 Stufen

Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Rechne und begründe zuerst auf Papier. Gib vollständige Punkte, Gleichungen oder die gefragten exakten Werte ein. Prüfe dein Ergebnis in den Ausgangsbedingungen.

04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten

Wie sicher bist du jetzt?

5 gemischte Aufgaben

Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.

Lieber auf Papier? Weitere Aufgaben mit Rechenwegen

Dein Wissen anwenden

Sechs Aufgaben zum Selbstcheck

Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.

1 · Lies M und r aus (x₁ + 4)² + (x₂ − 1)² + x₃² = 9 ab.

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Bestimme Mittelpunkt und Radius

(x₁ + 4)² + (x₂ − 1)² + x₃² = 9

RechnungErklärung zum Schritt
m₁ = −4; m₂ = 1; m₃ = 0
1 Koordinaten ablesen

Die Klammern haben die Form xᵢ − mᵢ. Der Term x₃² enthält die Verschiebung 0.

r = √9 = 3
M(−4 | 1 | 0)
2 Radius und Mittelpunkt angeben

Rechts steht r², deshalb ziehst du die nichtnegative Wurzel.

Erklärung wiederholen →

2 · Was ist der Radius, wenn rechts 25 steht?

Lösung und Rechenweg ansehen

5. Rechts steht das Radiusquadrat.

Erklärung wiederholen →

3 · Liegt P(4 | 2 | 3) auf der Kugel mit M(1 | −2 | 3) und r = 5?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Führe die Punktprobe durch

M(1 | −2 | 3); r = 5
P(4 | 2 | 3)

RechnungErklärung zum Schritt
P − M = (3; 4; 0)
1 Koordinatendifferenzen bilden

Ziehe (1; −2; 3) von (4; 2; 3) ab.

|P − M|² = 9 + 16 + 0 = 25
r² = 5² = 25
2 Quadrate vergleichen

Ja: Das Abstandsquadrat entspricht r². Der Punkt liegt auf der Oberfläche.

Erklärung wiederholen →

4 · Ergänze x₂² + 4x₂ quadratisch.

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Ergänze den Term quadratisch

x₂² + 4x₂

RechnungErklärung zum Schritt
x₂² + 4x₂
= x₂² + 4x₂ + 4 − 4
1 Ergänzen und ausgleichen

Halbiere 4 und quadriere das Ergebnis 2. Ergänze deshalb +4 und −4.

x₂² + 4x₂ = (x₂ + 2)² − 4
2 Binomische Formel verwenden

Die ersten drei Terme bilden das Quadrat (x₂ + 2)².

Erklärung wiederholen →

5 · Welche Kugel haben die Durchmesserendpunkte (−1 | 2 | 0) und (5 | 2 | 0)?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Bestimme die Kugelgleichung

Endpunkte des Durchmessers:
A(−1 | 2 | 0)
B(5 | 2 | 0)

RechnungErklärung zum Schritt
M((−1 + 5)/2 | (2 + 2)/2 | 0)
M(2 | 2 | 0)
1 Mittelpunkt berechnen

Bilde die Mittelwerte der Koordinaten der Durchmesserendpunkte.

|B − A| = 6
r = 6 : 2 = 3
2 Radius berechnen

Die Endpunkte unterscheiden sich nur in der ersten Koordinate um 6.

(x₁ − 2)² + (x₂ − 2)²
+ x₃² = 9
3 Kugelgleichung aufstellen

Setze den Mittelpunkt und r² = 9 ein.

Erklärung wiederholen →

6 · Was bedeutet eine negative rechte Seite nach quadratischer Ergänzung?

Lösung und Rechenweg ansehen

Es gibt keine reellen Punkte, die die Gleichung erfüllen.

Erklärung wiederholen →

Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.

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Wiederhole die Erklärung zu deinem Fehler. Rechne danach eine ähnliche Aufgabe ohne geöffneten Tipp oder Rechenweg.

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Für Eltern: in zehn Minuten gemeinsam wiederholen

Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.

Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.

Für Lehrkräfte: Vorschlag für eine Übungsstunde

Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.

Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.

Häufige Fragen

Beschreibt die Gleichung auch das Innere?

Mit dem Gleichheitszeichen beschreibt sie die Oberfläche. Für den Kugelkörper verwendest du kleiner oder gleich r².

Warum ist bei x₂ + 2 die Mittelpunktkoordinate −2?

Weil die Form x₂ − m₂ lautet: x₂ − (−2) = x₂ + 2.

Sind Mittelpunkt und ein Oberflächenpunkt genug?

Ja. Ihr Abstand legt den Radius fest. Für eine Kugel mit positivem Radius müssen die beiden Punkte verschieden sein.

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