Warum bewegt sich ein Draht im Magnetfeld, wenn Strom fließt? Bestimme Strom-, Feld- und Kraftrichtung, rechne mit F = B · I · l und erkenne die Grenzen der Formel.
B · IUnsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck
Finde heraus, was du schon kannst
Drei kurze Aufgaben helfen dir, deinen Startpunkt zu finden. Wenn du unsicher bist, wähle „Weiß ich noch nicht“.
Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.
Lösungen mit Erklärungen
0,02 – F = 0,2 · 1 · 0,1 = 0,02 N.
2 – I = 0,06/(0,3 · 0,1) ≈ 2 A.
oben – Aus der Bildebene heraus gekreuzt mit rechts ergibt oben.
Ein stromdurchflossener Leiter kann in einem äußeren Magnetfeld eine Kraft erfahren. Der Strom besteht aus bewegten Ladungsträgern. Auf sie wirkt eine magnetische Kraft, deren Wirkung auf den Leiter als Ganzes übertragen wird.
Diese Kraftwirkung wird im Schulunterricht oft als Lorentzkraft auf einen stromdurchflossenen Leiter bezeichnet. Hier betrachten wir den Leiter mit seiner Stromstärke I. Die Bewegung einzelner geladener Teilchen wird später mit einer eigenen Formel behandelt.
Die magnetische Kraft steht senkrecht zur Stromrichtung und zum äußeren Feld. Wenn der Leiter parallel zum Feld liegt, verschwindet dieser Kraftanteil. Ein Draht wird also nicht allein deshalb seitlich bewegt, weil irgendwo Strom und ein Magnet vorhanden sind.
Der Leiter braucht nicht aus Eisen zu bestehen. Auch ein Kupferdraht kann diese Kraft erfahren. Es handelt sich nicht um dieselbe Wirkung wie das Anziehen eines unbestromten Eisenstücks durch einen Magneten.
Lernschritt 2
Ausprobieren: Strom umkehren, Kraft umkehren
Kraft nach oben
Das Feld zeigt nach rechts. Punkt: technischer Strom zum Betrachter hin.
Blick auf den Leiterquerschnitt. Die Kraft steht senkrecht zu Strom und Feld.
Kraft nach unten
Das Feld zeigt nach rechts. Kreuz: technischer Strom vom Betrachter weg.
Blick auf den Leiterquerschnitt. Die Kraft steht senkrecht zu Strom und Feld.
Die Zeichnung blickt auf den Querschnitt eines Leiters. Der Punkt bedeutet Strom aus dem Bild heraus: Du siehst sinnbildlich eine Pfeilspitze. Das Kreuz bedeutet Strom in das Bild hinein: Du siehst sinnbildlich das hintere Ende eines Pfeils.
Bei Feldrichtung nach rechts und Strom aus dem Bild zeigt die Kraft nach oben. Kehrst du nur den Strom um, zeigt sie nach unten. Das Feld bleibt dabei unverändert.
Die Pfeile beschreiben die magnetische Kraft, nicht automatisch die tatsächliche Bewegungsrichtung. Ist der Leiter fest eingespannt oder wirken weitere Kräfte, kann seine Bewegung verhindert oder verändert werden.
Lernschritt 3
Die Drei-Finger-Regel richtig anwenden
Für die technische Stromrichtung kannst du die Drei-Finger-Regel der rechten Hand verwenden. Halte Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger jeweils senkrecht zueinander:
Daumen: technische Stromrichtung I.
Zeigefinger: äußere Magnetfeldrichtung B, außerhalb eines Magneten von Nord nach Süd.
Mittelfinger: magnetische Kraftrichtung F.
Lege zuerst Strom und Feld fest. Drehe dann die ganze Hand passend zur Skizze. Ändere nicht die Fingerzuordnung, nur weil eine Richtung zunächst unbequem erscheint.
Die mittlere Elektronenbewegung im Metall ist der technischen Stromrichtung entgegengesetzt. Bei einer Regel für einzelne Elektronen musst du zusätzlich deren negative Ladung berücksichtigen. Die Regel auf dieser Seite verwendet ausdrücklich I in technischer Richtung.
Nicht mit der Rechte-Hand-Regel für eine Spule verwechseln: Dort zeigen gekrümmte Finger den Strom und der Daumen den Nordpol. Hier werden drei senkrechte Richtungen miteinander verknüpft.
Vorgehen · Schritt für Schritt
Strom, Feld und Kraft zuordnen
Das Feld zeigt nach rechts; der technische Strom kommt aus dem Bild.
Betrachtet wird das auf dieser Seite beschriebene Schulmodell.
Vorgehen: Strom, Feld und Kraft zuordnen
Beobachtung / Entscheidung
Erklärung zum Schritt
⊙ I: zu dir
1Stromrichtung festlegen
Der Punkt steht für eine Pfeilspitze. Richte den rechten Daumen zu dir.
B: nach rechts
2Feldrichtung festlegen
Der Zeigefinger zeigt nach rechts. Drehe die ganze Hand, ohne die Zuordnung zu ändern.
F: nach oben
3Kraftrichtung ablesen
Der rechtwinklig abgespreizte Mittelfinger zeigt nach oben.
Ergebnis: Bei umgekehrtem Strom und unverändertem Feld zeigt die Kraft nach unten.
Lernschritt 4
Den Betrag der Kraft berechnen
Der Betrag hängt von Feldstärke, Stromstärke und wirksamer Leiterlänge ab.
Beispiel · Schritt für Schritt
Kraft auf ein Leiterstück
Wie groß ist die magnetische Kraft?
B = 0,20 T; I = 1,5 A; l = 8 cm; Leiter senkrecht zum homogenen Feld.
Rechenweg: Kraft auf ein Leiterstück
Rechnung
Erklärung zum Schritt
l = 0,080 m
1Einheit umrechnen
In die Formel gehört die wirksame Leiterlänge in Metern, nicht die gesamte Kabellänge.
F = B · I · l
2Anordnung prüfen
Diese Form gilt bei 90° zwischen Strom- und Feldrichtung.
F = 0,20 · 1,5 · 0,080 N
3Einsetzen
Tesla, Ampere und Meter ergeben gemeinsam Newton.
F = 0,024 N = 24 mN
4Ergebnis angeben
Die Richtung wird zusätzlich mit der Drei-Finger-Regel bestimmt.
Ergebnis: Der Kraftbetrag ist 24 mN.
Beispiel · Schritt für Schritt
Die Flussdichte zurückrechnen
Gesucht ist B.
F = 0,030 N; I = 2,0 A; l = 0,10 m; senkrechte Anordnung.
Rechenweg: Die Flussdichte zurückrechnen
Rechnung
Erklärung zum Schritt
B = F / (I · l)
1Nach B umstellen
Teile beide Seiten von F = B · I · l durch I · l.
B = 0,030 / (2,0 · 0,10) T
2Klammern beachten
Das gesamte Produkt steht im Nenner.
B = 0,15 T
3Rückprobe machen
0,15 · 2,0 · 0,10 N ergibt wieder 0,030 N.
Ergebnis: Die Flussdichte beträgt 0,15 T.
Lernschritt 5
Welche Leiterlänge zählt?
l ist nur die Länge im Feld
Kreuze: Feld in die Bildebene hinein. Der Strom fließt nach rechts, die Kraft zeigt nach oben.
Auch wenn der Draht insgesamt 50 cm lang ist: Liegen nur 8 cm im homogenen Feld, setzt du l = 0,080 m ein. Scharfe Feldgrenzen sind eine Vereinfachung.
In der einfachen Formel zählt nur die Länge, auf der die angenommenen Feldbedingungen gelten. Ein insgesamt 50 cm langer Draht kann beispielsweise nur mit 8 cm innerhalb des homogenen Feldbereichs liegen. Dann setzt du 0,080 m ein, nicht 0,50 m.
Die Feldgrenze ist in der Zeichnung vereinfacht scharf. Reale Magnetfelder besitzen Randbereiche und verändern sich räumlich. Für genaue Rechnungen müssten auch diese Feldverläufe berücksichtigt werden.
Bei gleichem B und senkrechter Ausrichtung führt doppelte wirksame Leiterlänge zum doppelten Kraftbetrag. Ein längerer Draht außerhalb des Feldes verändert diesen betrachteten Kraftanteil dagegen nicht.
Lernschritt 6
Wann reicht F = B · I · l nicht aus?
Die einfache Formel gilt für die senkrechte Anordnung. Liegt der Leiter schräg, zählt nur der zur Feldrichtung senkrechte Anteil. Für den Betrag an einem geraden Leiterstück im homogenen Feld gilt allgemein:
Mehr erfahren und im Unterricht anwenden
F = B · I · l · sin α
α ist der Winkel zwischen technischer Stromrichtung und äußerer Feldrichtung. Bei 90° ist sin α = 1 und die Kraft maximal. Bei 0° oder 180° ist die magnetische Kraft null.
Beispiel: Beträgt die Kraft in der senkrechten Anordnung 0,024 N, sind es bei 30° und sonst gleichen Werten nur 0,012 N, denn sin 30° = 0,5.
Die Winkelformel ist eine Vertiefung. Für den Einstieg genügt, senkrechte, parallele und schräge Anordnungen richtig zu unterscheiden. Bei gekrümmten Leitern oder stark veränderlichem Feld muss man einzelne Abschnitte betrachten, statt die gesamte Drahtlänge unbesehen einzusetzen.
Lernschritt 7
Was passiert beim Umpolen des Stroms oder Feldes?
Nur I umkehren: Die Kraftrichtung kehrt sich um. Bei gleichem Strombetrag bleibt der Kraftbetrag gleich.
Mehr erfahren und im Unterricht anwenden
Nur B umkehren: Auch dann kehrt sich die Kraftrichtung um, wenn der Feldbetrag gleich bleibt.
I und B gleichzeitig umkehren: Die beiden Richtungswechsel gleichen sich aus. Die ursprüngliche Kraftrichtung bleibt erhalten.
Bei einer Spule fließt der Strom auf gegenüberliegenden Seiten in entgegengesetzte Richtungen. In einem passenden äußeren Feld entstehen deshalb entgegengesetzte Kräfte. Weil sie an verschiedenen Stellen angreifen, können sie ein Drehmoment erzeugen. Darauf beruht das Motorprinzip.
Praktische Versuche nur angeleitet mit geeigneten Schulbauteilen und strombegrenzter Kleinspannung durchführen. Leitungen können sich erwärmen; keine Steckdosen verwenden und Batterien nicht kurzschließen.
Selbst ausprobieren
Üben & prüfen
Mit Tipps lernen oder ohne Hilfe testen – du entscheidest.
Wähle deine Stufe. Du löst jeweils sechs Aufgaben mit direkter Rückmeldung, Tipps und Rechenwegen.
Fortschritt & Einstellungen
Optional: Dein Fortschritt wird nur in diesem Browser gespeichert.
Wie sicher bist du jetzt?
Bearbeite drei weitere Aufgaben ohne Nachschlagen. Nutze die Rückmeldung, um gezielt weiterzulernen.
Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.
Lösungen mit Erklärungen
0,1 – F = 0,2 · 5 · 0,1 = 0,1 N.
0,4 – I = 0,06/(0,3 · 0,5) ≈ 0,4 A.
oben – Aus der Bildebene heraus gekreuzt mit rechts ergibt oben.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
Eigene Werte einsetzenMit dem Physikhelfer
Physikhelfer
Eigene Werte einsetzen
Berechne den Kraftbetrag auf einen geraden Leiter, der senkrecht zum homogenen Magnetfeld steht. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.
Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.
Häufige Fragen
Muss der stromdurchflossene Leiter aus Eisen sein?
Nein. Auch ein nicht ferromagnetischer Leiter wie Kupfer erfährt bei passender Strom- und Feldrichtung eine magnetische Kraft.
Ist die Kraftrichtung gleich der Stromrichtung?
Nein. Der magnetische Kraftanteil steht senkrecht zu Stromrichtung und äußerem Feld.
Warum ist der Draht trotz Kraft manchmal unbewegt?
Eine Halterung oder weitere Kräfte können die magnetische Kraft ausgleichen. Die Bewegung hängt von der resultierenden Kraft und den mechanischen Randbedingungen ab.