Weg im Metall
Elektronen bewegen sich vom anodischen Bereich, an dem Eisen oxidiert wird, zum kathodischen Bereich. Die beiden Bereiche können direkt nebeneinander auf demselben Bauteil liegen.
Chemie · Klasse 9–13 · Grundlagen & Vertiefung
Warum rostet Eisen – und warum schützt Zink sogar an einem Kratzer? Verfolge die Elektronen, vergleiche Schutzverfahren und erkläre Alltagsbeispiele mit einfachen Redoxgleichungen.
Sauerstoff nimmt Elektronen auf.
Schutz: Umgebung abschirmen oder Eisen zur Kathode machen.
Korrosion ist die Reaktion eines Werkstoffs mit seiner Umgebung, durch die seine Eigenschaften beeinträchtigt werden können. Ein bekanntes Beispiel ist das Rosten von Eisen oder gewöhnlichem Stahl. Nicht jedes Korrosionsprodukt heißt Rost: Rost bezeichnet die typischen Eisenkorrosionsprodukte.
Für das häufige Rosten in feuchter Luft sind Wasser und Sauerstoff entscheidend. Ein dünner Wasserfilm reicht: In ihm können Ionen wandern. Im Metall bewegen sich Elektronen. So entstehen auf einer Oberfläche kleine elektrochemische Reaktionsbereiche.
Eisenatome geben Elektronen ab und gelangen als Fe²⁺-Ionen in den Wasserfilm. Das Metall verliert an dieser Stelle Substanz.
Das ist eine Oxidation. Der Ort heißt anodischer Bereich oder Lokalanode.
An einer anderen Stelle der elektrisch verbundenen Oberfläche nimmt gelöster Sauerstoff die Elektronen auf. In neutralem bis schwach basischem Wasser entsteht dabei Hydroxid:
Das ist die Sauerstoffreduktion. Der Ort heißt kathodischer Bereich oder Lokalkathode. Im sauren Milieu können andere Teilgleichungen zweckmäßiger sein.
Für die Sauerstoffreduktion werden vier Elektronen benötigt. Die Eisenoxidation wird deshalb verdoppelt.
Fe²⁺ und OH⁻ können Eisen(II)-hydroxid bilden:
Weitere Reaktionen mit Sauerstoff führen zu verschiedenen Eisen(III)-Oxidhydroxiden und wasserhaltigen Oxiden. Rost ist ein Gemisch; eine vereinfachte Sammelschreibweise ist Fe₂O₃ · x H₂O. Er ist nicht einfach immer reines Fe₂O₃.
Elektronen bewegen sich vom anodischen Bereich, an dem Eisen oxidiert wird, zum kathodischen Bereich. Die beiden Bereiche können direkt nebeneinander auf demselben Bauteil liegen.
Ionen transportieren Ladung im feuchten Film. Es braucht keinen sichtbaren Draht und keine Batterie: Die leitende Metalloberfläche und der Elektrolyt verbinden die Teilreaktionen.
Lokale Unterschiede in der Oberfläche, in den Werkstoffbestandteilen oder in der Sauerstoffversorgung können die Bereiche entstehen lassen. Unter einem Tropfen kann beispielsweise ein sauerstoffärmerer Bereich anodisch reagieren. Das genaue Muster hängt von den Bedingungen ab.
Wähle eine Oberfläche und die Umgebung. Überlege zuerst, welcher Stoff Elektronen abgibt.
Schematischer Querschnitt. Wasserfilm und Metall ermöglichen die beiden Ladungstransportwege.
Qualitativer Vergleich für gewöhnlichen Stahl in sauerstoffhaltiger Umgebung: keine Vorhersage von Rostmenge oder Zeit. Intakter Lack wird als vollständig dichte Barriere modelliert. Zinkschutz setzt elektrische Verbindung, Elektrolytkontakt und eine ausreichend wirksame Zinkfläche voraus.
Gelöste Salze liefern bewegliche Ionen. Dadurch wird ein Wasserfilm meist besser leitfähig und der elektrochemische Ladungstransport erleichtert. Chloridionen können außerdem schützende Oberflächenschichten stören. Manche Salzablagerungen halten Oberflächen länger feucht.
Salz ist aber keine notwendige Zutat für Rost. Eisen kann auch in salzfreiem Wasser bei Sauerstoffzufuhr korrodieren. Wie schnell das abläuft, hängt unter anderem von Feuchtigkeit, Sauerstoffversorgung, Temperatur, pH-Wert und Oberfläche ab. „Doppelt so viel Salz = doppelt so viel Rost“ ist keine allgemeine Regel.
Eine dichte Beschichtung trennt das Metall von Wasser und Sauerstoff. Lackieren, geeignete Kunststoffüberzüge oder ein passender Fettfilm können deshalb schützen. Voraussetzung ist, dass die Schicht den jeweiligen Bedingungen standhält.
An einem Kratzer wird Eisen wieder zugänglich. Dort kann Korrosion einsetzen und unter die Beschichtung weiterlaufen. Die Beschichtung verhindert also den Kontakt, liefert aber selbst keinen elektrochemischen Schutz für freigelegtes Eisen.
Auch konstruktiver Schutz hilft: Wasser ablaufen lassen, dauerfeuchte Spalten vermeiden und Bauteile so gestalten, dass sie trocknen können. So wird bereits die Entstehung eines dauerhaften Elektrolyten erschwert.
Eine Zinkschicht kann zunächst als Barriere wirken. Wird sie lokal beschädigt, ist noch ein zweiter Mechanismus möglich: Unter geeigneten Bedingungen wird Zink bevorzugt oxidiert. Es ist gegenüber Eisen das unedlere Metall und wirkt als Opferanode.
Die Elektronen werden über die metallische Verbindung bereitgestellt. Die Eisenoberfläche wird zur Kathode; dort kann beispielsweise Sauerstoff reduziert werden. Die anodische Eisenauflösung wird dadurch unterdrückt.
Dasselbe Grundprinzip nutzt man mit geeigneten Opferanoden etwa an Schiffen oder technischen Anlagen. Bei einem anderen Verfahren, dem Fremdstromschutz, hält eine kontrollierte äußere Stromquelle das Bauteil kathodisch. Das ist eine technische Auslegung und keine einfache Bastellösung.
Berühren sich Eisen und Kupfer elektrisch und sind beide über einen Elektrolyten verbunden, kann ein galvanisches Korrosionselement entstehen. Unter üblichen belüfteten wässrigen Bedingungen reagiert Eisen bevorzugt als Anode; auf Kupfer kann die kathodische Sauerstoffreduktion stattfinden.
Eisen kann sich verstärkt auflösen.
Kupfer wird nicht als Opferanode verbraucht.
Besonders ungünstig kann eine kleine freiliegende Eisenfläche neben einer großen kathodischen Fläche sein: Die Auflösung konzentriert sich dann auf wenig Eisenfläche. Deshalb schützt eine edlere Metallschicht ein Eisenbauteil an einer Fehlstelle anders als eine Zinkschicht.
Der bloße Kontakt zweier trockener Metalle genügt für diesen beschriebenen wässrigen Korrosionsmechanismus nicht. Man muss auch den Elektrolytweg und die Umgebung betrachten.
Einige Werkstoffe bilden unter passenden Bedingungen dünne, dichte und haftende Schutzschichten. Bei Aluminium ist das beispielsweise eine Oxidschicht. Bei nichtrostenden Stählen ist eine chromreiche Passivschicht entscheidend.
Rost auf gewöhnlichem Eisen schützt dagegen häufig nicht zuverlässig: Er ist meist porös und kann abplatzen. Wasser und Sauerstoff erreichen dann weiter das Metall. „Eine Oxidschicht schützt immer“ wäre deshalb falsch.
Auch passivierte Werkstoffe sind nicht unter allen Bedingungen unangreifbar. Beispielsweise können Chloride örtliche Korrosion begünstigen. Aus einer Spannungsreihe allein lässt sich die tatsächliche Korrosionsbeständigkeit eines Werkstoffs nicht vollständig ableiten.
Wähle eine Antwort.
Nutze für die Reaktionsgleichungen das Modell mit neutralem Wasser und gelöstem Sauerstoff.
20–30 Minuten · ab Klasse 9/10: Starte mit der Frage „Warum ist ein Kratzer nicht bei jeder Beschichtung gleich schlimm?“ Gruppen ordnen Lack, Zink und Kupferkontakt zunächst nach vermuteter Wirkung. Danach prüfen sie die Fälle in der Simulation und korrigieren ihre Begründung.
Erwartung: Lack schützt als Barriere; wirksames Zink schützt zusätzlich elektrochemisch und wird dabei verbraucht; Kupferkontakt kann unter feuchten Bedingungen die Eisenauflösung begünstigen. In der trockenen Modellumgebung fehlt der leitfähige Wasserfilm.
Oberstufe: Beide Teilreaktionen mit Elektronenbilanz aufschreiben und erläutern, warum Standardpotenziale allein keine Korrosionsgeschwindigkeit vorhersagen. Als Abschluss eine Empfehlung für ein zerkratztes Bauteil begründen, statt nur ein Schutzverfahren zu nennen.
