E°Zelle > 0
Die betrachtete Reaktionsrichtung ist unter Standardbedingungen thermodynamisch begünstigt. Sie kann in einer geeigneten galvanischen Zelle elektrische Energie liefern.
Chemie · Klasse 11–13 · Oberstufe
Warum liefert ein Zink-Kupfer-Element etwa 1,10 Volt? Lerne, die Spannungsreihe zu lesen, Anode und Kathode zu bestimmen und die Zellspannung ohne Vorzeichenfehler zu berechnen.
Größeres Reduktionspotenzial:
Reduktion an der Kathode.
Beide Werte werden als Reduktionspotenziale eingesetzt.
Eine Halbzelle besteht zum Beispiel aus einem Metall in einer Lösung seiner Ionen. Ein Elektrodenpotenzial beschreibt ihre elektrische Potenziallage gegenüber einer festgelegten Referenz. Eine einzelne Halbzelle besitzt keine für sich allein messbare „absolute Spannung“: Messbar ist eine Potenzialdifferenz zwischen zwei Elektroden.
Als Bezug dient die Standard-Wasserstoffelektrode. Ihr Standardpotenzial wird auf 0,00 V festgelegt. Andere Halbzellen werden mit ihr verglichen.
Die Wasserstoffelektrode verwendet eine geeignete Platinelektrode, Wasserstoffgas und eine saure Lösung. Die 0,00 V bedeuten nicht „keine Elektronen“ oder „keine Reaktion“, sondern einen vereinbarten Nullpunkt.
Das Zeichen ° kennzeichnet Standardzustände: Gelöste Stoffe besitzen Aktivität 1, Gase den Standarddruck 1 bar; reine Feststoffe und Flüssigkeiten werden mit Aktivität 1 angesetzt. Im Schulmodell wird für gelöste Stoffe häufig näherungsweise c = 1 mol/L verwendet.
Die Aktivität ist eine Art wirksame Konzentration, die Wechselwirkungen berücksichtigt. Du musst sie für die folgenden Aufgaben nicht berechnen. Alle hier verwendeten Werte gelten bei 25 °C und sind gerundet. Die Temperatur muss angegeben werden; „Standardzustand“ legt nicht von selbst immer 25 °C fest.
Die Tabelle schreibt jede Teilreaktion als Reduktion: Die Elektronen stehen links. Je positiver E° ist, desto eher nimmt die oxidierte Form im Vergleich zu einem Paar mit kleinerem Potenzial Elektronen auf.
| Reduktionsgleichung | E° |
|---|---|
| Zn²⁺ + 2 e⁻ → Zn | −0,76 V |
| Fe²⁺ + 2 e⁻ → Fe | −0,44 V |
| 2 H⁺ + 2 e⁻ → H₂ | 0,00 V |
| Cu²⁺ + 2 e⁻ → Cu | +0,34 V |
| Ag⁺ + e⁻ → Ag | +0,80 V |
Beispiel: Cu²⁺/Cu liegt höher als Zn²⁺/Zn. Kombiniert man die Halbzellen im galvanischen Betrieb unter Standardbedingungen, wird Cu²⁺ reduziert und Zn oxidiert. Cu²⁺ ist das Oxidationsmittel; Zn ist das Reduktionsmittel. Unterscheide stets Ion und Metall.
+0,34 V ist größer als −0,76 V. Also wird Cu²⁺ reduziert. Zink wird oxidiert.
Minus einer negativen Zahl wird plus. Setze negative Werte deshalb in Klammern.
Die positive Zellspannung zeigt: Diese Reaktionsrichtung ist unter Standardbedingungen thermodynamisch begünstigt. Die Elektronen fließen außen von der Zinkanode zur Kupferkathode.
Wähle zwei Metall-Halbzellen. Bestimme zuerst selbst die Kathode. Vergleiche dann die Rollen, den Elektronenweg und die Rechnung.
Idealisiertes Daniell-Element bei Standardbedingungen: 1,10 V.
Das Modell ordnet die Reaktionsrichtung thermodynamisch zu. Es berechnet die Standardzellspannung ohne Belastung, keine reale Stromstärke. Passivierung, Nebenreaktionen und Reaktionsgeschwindigkeit werden nicht simuliert.
Silberionen nehmen jeweils ein Elektron auf. Kupfer gibt bei der Oxidation zwei ab. Damit die Elektronenbilanz stimmt, verdoppelst du die Silber-Teilgleichung:
Die betrachtete Reaktionsrichtung ist unter Standardbedingungen thermodynamisch begünstigt. Sie kann in einer geeigneten galvanischen Zelle elektrische Energie liefern.
Die so aufgeschriebene Richtung ist unter Standardbedingungen nicht freiwillig. Die Gegenrichtung ist begünstigt. Für die erzwungene Richtung braucht man Energiezufuhr.
E°Zelle = 0: Unter Standardbedingungen fehlt die thermodynamische Triebkraft dieser Zellreaktion. Zwei identische Halbzellen liefern bei identischen Bedingungen keine Zellspannung. Unterschiedliche Konzentrationen können dagegen auch bei demselben Redoxpaar eine Spannung erzeugen.
Für die umgekehrte Daniell-Reaktion Cu + Zn²⁺ → Cu²⁺ + Zn ergibt sich −1,10 V. Das ist kein Rechenfehler, sondern beschreibt die ungünstige Richtung. Eine positive Spannung verrät nicht, wie schnell eine Reaktion tatsächlich abläuft.
z ist hier die Anzahl übertragener Elektronen pro Reaktionsumsatz gemäß Gesamtgleichung. F ist die Faraday-Konstante. Ist E°Zelle positiv, ist ΔG° negativ. Wird die gesamte Reaktionsgleichung verdoppelt, verdoppeln sich z und ΔG°, die Spannung bleibt gleich.
Die berechnete Standardzellspannung ist ein Vergleichswert. Veränderte Konzentrationen beziehungsweise Aktivitäten, Gasdrücke und Temperaturen können die Gleichgewichtsspannung verändern. Diese Abhängigkeit beschreibt die Nernst-Gleichung.
Wird die Zelle belastet und fließt Strom, können außerdem Innenwiderstand und Elektrodenprozesse die gemessene Klemmenspannung verringern. Aus E° allein kannst du daher weder die Stromstärke noch die Laufzeit einer Batterie bestimmen.
Bei einer Elektrolyse muss die angelegte Spannung die entgegenwirkende Gleichgewichtsspannung überwinden. Für einen merklichen Strom sind in der Praxis zusätzlich Überspannungen und ohmsche Verluste zu berücksichtigen. Man darf eine tabellierte Spannung deshalb nicht als universell exakten Einschaltpunkt verstehen.
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20–30 Minuten · Oberstufe: Lass die Lernenden für Zn/Cu, Fe/Cu und Zn/Fe jeweils Anode, Kathode und Spannung vorhersagen. Prüft die Ergebnisse anschließend im Halbzellen-Labor. Besonders Zn/Fe zeigt, dass ein negatives Standardpotenzial nicht automatisch den Minuspol festlegt.
Partneraufgabe: Eine Person wählt zwei Halbzellen, die andere erklärt den Elektronenweg und rechnet laut mit Klammern. Danach Rollen tauschen. Als Transfer folgt Cu/Ag: Teilgleichungen ausgleichen und begründen, warum E° nicht multipliziert wird.
Abschlussfrage: Eine Schülerin misst statt 1,10 V nur 1,03 V. Muss die Rechnung falsch sein? Erwartung: Nein; Bedingungen und Belastung müssen geprüft werden. Standardwert und reale Klemmenspannung sind zu unterscheiden.
