Du ersetzt innere Funktion und Differential zusammen, rechnest Grenzen um und kontrollierst die Rücksubstitution.
Voraussetzungen ansehen
Stammfunktionen, Kettenregel und bestimmte Integrale.
01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten
Was kannst du schon?
3 kurze Aufgaben
Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.
Zahlen mit Komma oder Punkt, Brüche mit /. Exakte Werte etwa e^2, ln(5), sqrt(7) oder pi/3. Terme mit x beziehungsweise u und Potenzen wie x^3. Bei mehreren Werten die verlangte Reihenfolge beachten und mit Semikolon trennen. Entscheidungen: ja oder nein. Bei einer ganzen Stammfunktionenfamilie gehört C dazu.
02 · Verstehen
Wann ist Substitution hilfreich?
Die Kettenregel rückwärts
u = x² + 1; du = 2x dx
Im Integral ∫ 2x · (x² + 1)³ dx passen innerer Ausdruck und seine Ableitung zusammen. Nach dem Ersetzen bleibt ∫ u³ du.
Substitution bedeutet, einen Ausdruck durch eine neue Variable zu ersetzen. Besonders günstig ist das, wenn eine innere Funktion g(x) zusammen mit ihrer Ableitung g′(x) als Faktor vorkommt. Dahinter steckt die Kettenregel rückwärts.
∫ f(g(x)) · g′(x) dx = F(g(x)) + C
Dabei ist F eine Stammfunktion von f. Wir verwenden die Regel auf Intervallen, auf denen die beteiligten Ausdrücke definiert und die benötigten Funktionen stetig beziehungsweise differenzierbar sind.
Beispiel: Im Produkt 2x · (x² + 1)³ ist x² + 1 der innere Ausdruck und 2x seine Ableitung. Die Potenz wird einfacher, wenn du x² + 1 vorübergehend u nennst.
Nicht nur den Ausdruck, auch das Differential ersetzen
Beispiel · Schritt für Schritt
Ausdruck und Differential gemeinsam ersetzen
∫ 2x · (x² + 1)³ dx
RechnungErklärung zum Schritt
u = x² + 1
1 Die innere Funktion wählen
Wähle den inneren Ausdruck als neue Variable.
du/dx = 2x
2 Die Ableitung bilden
Leite die neue Variable nach x ab.
du = 2x dx
3 Das Differential umrechnen
Diese Rechenschreibweise fasst den Variablenwechsel zusammen.
(x² + 1)³ → u³
4 Die Klammer ersetzen
Ersetze die Potenz des inneren Ausdrucks.
2x dx → du
5 Den Faktor mit dx ersetzen
Ersetze den Ableitungsfaktor und dx gemeinsam. So bleibt im Integral u³ du.
Die Schreibweise mit du fasst den Variablenwechsel zusammen. Sie bedeutet nicht, dass dx einfach ersatzlos wegfällt. Der Faktor aus der Ableitung bestimmt, wie der Integrand beim Wechsel umgerechnet wird.
Nach dem Ersetzen muss das neue Integral vollständig zur Variablen u passen. Ein ungeklärtes Gemisch aus x, u und falschem Differential ist ein Warnsignal.
Ein vollständiges Beispiel rechnen
I = ∫ 2x · (x² + 1)³ dx
Beispiel · Schritt für Schritt
Eine Stammfunktion durch Substitution finden
I = ∫ 2x · (x² + 1)³ dx
RechnungErklärung zum Schritt
u = x² + 1
1 Den inneren Ausdruck ersetzen
Substitution: Ersetze den inneren Ausdruck durch u.
du = 2x dx
2 Das Differential bestimmen
Die innere Ableitung passt genau zum Faktor vor der Klammer.
I = ∫ u³ du
3 Das Integral in u schreiben
Ersetze Ausdruck und Differential vollständig.
I = u⁴4 + C
4 Mit der Potenzregel integrieren
Integriere mit der Potenzregel und ergänze die Integrationskonstante.
I = (x² + 1)⁴4 + C
5 Zur Variablen x zurückkehren
Rücksubstitution: Ersetze u wieder durch den ursprünglichen Ausdruck.
Probe: Beim Ableiten ergibt die äußere Potenz den Faktor 4 und die innere Ableitung den Faktor 2x. Der Nenner 4 kürzt sich. Es bleibt genau 2x · (x² + 1)³.
Einen fehlenden konstanten Faktor ausgleichen
Nun fehlt vor demselben inneren Ausdruck der Faktor 2:
∫ x · (x² + 1)³ dx
Beispiel · Schritt für Schritt
Den fehlenden Faktor 2 ausgleichen
I = ∫ x · (x² + 1)³ dx
RechnungErklärung zum Schritt
u = x² + 1
1 Die Substitution wählen
Wähle denselben inneren Ausdruck.
du = 2x dx
2 Den fehlenden Faktor erkennen
Die Ableitung enthält den Faktor 2, der im ursprünglichen Integral fehlt.
x dx = 12 du
3 Nach x dx umstellen
Teile die Differentialgleichung durch 2. Dieser konstante Faktor muss erhalten bleiben.
I = 12 ∫ u³ du
4 Den konstanten Faktor vorziehen
Ersetze den gesamten Integranden und ziehe den konstanten Faktor vor das Integral.
I = u⁴8 + C
5 Die Potenz integrieren
Integriere u³ und multipliziere mit 1/2.
I = (x² + 1)⁴8 + C
6 Zurücksubstituieren
Setze u zurück. I bezeichnet hier das oben angegebene Integral.
Konstante Faktoren kannst du auf diese Weise ergänzen und ausgleichen. Einen fehlenden variablen Faktor darfst du dagegen nicht einfach wie eine Konstante behandeln.
Lineare innere Ausdrücke erkennen
Bei u = ax + b mit a ≠ 0 ist die innere Ableitung konstant: du = a dx. Deshalb ist dx = 1a du.
Beispiel · Schritt für Schritt
Eine lineare innere Funktion ersetzen
I = ∫ (3x + 1)⁴ dx
RechnungErklärung zum Schritt
I = ∫ (3x + 1)⁴ dx
1 Die innere Struktur erkennen
Beispiel mit einer linearen inneren Funktion.
u = 3x + 1
2 Die neue Variable festlegen
Wähle den inneren Ausdruck als neue Variable.
du = 3 dx
3 Die innere Ableitung bilden
Die innere Ableitung ist die konstante Zahl 3.
dx = 13 du
4 Nach dx umstellen
Löse die Differentialbeziehung nach dx auf.
I = 13 ∫ u⁴ du
5 Das Integral umschreiben
Ersetze Klammer und Differential.
I = u⁵15 + C
6 Den Faktor berücksichtigen
Integriere u⁴ und berücksichtige den Faktor 1/3.
I = (3x + 1)⁵15 + C
7 Zurücksubstituieren
Setze u wieder durch 3x + 1 zurück.
Genauso entsteht ∫ e2x dx = e2x2 + C. Die bekannte Regel „durch die innere Steigung teilen“ ist hier eine einfache Substitution.
Ein Quotient mit passender Zählerableitung
Auch bei einem Bruch kann die innere Struktur passen:
∫ 2xx² + 1 dx
Beispiel · Schritt für Schritt
Mit der Nennerableitung zum Logarithmus gelangen
I = ∫ 2xx² + 1 dx
RechnungErklärung zum Schritt
u = x² + 1
1 Den Nenner ersetzen
Ersetze den Nenner durch u.
du = 2x dx
2 Zähler und Differential umrechnen
Der Zähler zusammen mit dx wird zu du.
I = ∫ 1u du
3 Das Integral in u schreiben
Nach dem Variablenwechsel bleibt dieses Integral.
I = ln|u| + C
4 Die Logarithmusregel anwenden
Eine Stammfunktion von 1/u ist ln|u| auf einem Intervall ohne 0.
I = ln(x² + 1) + C
5 Zurücksetzen und das Vorzeichen prüfen
Setze zurück. Weil x² + 1 immer positiv ist, darfst du hier die Betragsstriche weglassen.
Da x² + 1 immer positiv ist, lautet das Ergebnis ln(x² + 1) + C. Allgemein besitzt g′(x)g(x) auf einem passenden Intervall ohne Nullstellen von g die Stammfunktion ln|g(x)|.
Die Betragsstriche ermöglichen auch negative Werte von g. Sie erlauben aber nicht, über eine Nullstelle hinweg die Definitionsbedingungen zu ignorieren.
Bestimmte Integrale: Grenzen mit umrechnen
Betrachte dasselbe erste Beispiel auf dem Intervall [0; 1]. Aus u = x² + 1 folgt: Für x = 0 ist u = 1; für x = 1 ist u = 2.
Beispiel · Schritt für Schritt
Die Integrationsgrenzen mit umrechnen
I = ∫10 2x · (x² + 1)³ dx
RechnungErklärung zum Schritt
u = x² + 1
1 Die Substitution wählen
Substituiere im Integral von 0 bis 1 über 2x · (x² + 1)³.
du = 2x dx
2 Das Differential ersetzen
Ersetze Differential und Ableitungsfaktor gemeinsam.
u(0) = 1, u(1) = 2
3 Beide Grenzen umrechnen
Berechne die neuen Grenzen in derselben Reihenfolge wie die x-Grenzen.
I = ∫21 u³ du
4 Mit den neuen Grenzen integrieren
Das neue Integral wird vollständig in u ausgewertet.
I = 2⁴4 − 1⁴4
5 Obere minus untere Grenze einsetzen
Setze obere minus untere u-Grenze in die Stammfunktion u⁴/4 ein.
I = 154
6 Den Integralwert berechnen
Berechne die Differenz. Bei einem bestimmten Integral bleibt keine Integrationskonstante im Ergebnis.
Wenn du die Grenzen in u umgerechnet hast, wertest du auch die Stammfunktion in u aus. Eine Rücksubstitution ist dann nicht nötig.
Alternativ kannst du erst eine Stammfunktion in x bestimmen und anschließend die ursprünglichen x-Grenzen einsetzen. Beide Wege stimmen. Vermische aber keine u-Stammfunktion mit x-Grenzen.
Fallende Substitutionen und Vorzeichen
Auch eine fallende innere Funktion ist möglich. Bei u = 1 − x gilt du = −dx. Für x von 0 bis 1 läuft u von 1 bis 0:
Beispiel · Schritt für Schritt
Bei einer fallenden Substitution das Vorzeichen beachten
I = ∫10 (1 − x)² dx
RechnungErklärung zum Schritt
u = 1 − x
1 Den inneren Ausdruck wählen
Substituiere im Integral von 0 bis 1 über (1 − x)².
du = −dx, dx = −du
2 Das Minus im Differential mitnehmen
Die Ableitung ist −1; nimm das Minuszeichen beim Variablenwechsel mit.
u(0) = 1, u(1) = 0
3 Die Reihenfolge der Grenzen prüfen
Die neue Variable läuft von 1 nach 0, also in Gegenrichtung.
I = −∫01 u² du
4 Vollständig in u umschreiben
Setze den Ausdruck, das Differential und die neuen Grenzen ein.
I = ∫10 u² du
5 Die Grenzen mit Vorzeichenwechsel tauschen
Vertausche die Grenzen. Das zusätzliche Minuszeichen hebt das vorhandene Minus auf.
I = 1³3 − 0³3
6 Die Stammfunktion auswerten
Werte die Stammfunktion u³/3 an den neuen Grenzen aus.
I = 13
7 Die Differenz berechnen
Berechne die Differenz.
Das Minuszeichen und die umgekehrte Reihenfolge der Grenzen passen zusammen. Ordne die neuen Grenzen nicht stillschweigend um, ohne den Vorzeichenwechsel zu berücksichtigen.
Wann solltest du eine andere Methode versuchen?
Bei ∫ (x² + 1)³ dx fehlt die Ableitung 2x als Faktor. Die einfache Wahl u = x² + 1 macht dieses Integral daher nicht unmittelbar leichter. Hier kannst du die dritte Potenz ausmultiplizieren und anschließend gliedweise integrieren.
Bei ∫ x · eˣ dx passt x nicht als Ableitung zu eˣ. Hier ist partielle Integration oft günstiger. Suche also nicht nur nach irgendeiner Klammer, sondern nach einer Substitution, die die ganze Rechnung vereinfacht.
Innere Funktion wählen.
Ableitung und Differential bestimmen.
Den gesamten Integranden ersetzen.
In der neuen Variablen integrieren.
Zurücksetzen oder mit umgerechneten Grenzen auswerten.
Unbestimmte Ergebnisse durch Ableiten kontrollieren.
03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten
Übe in deinem Tempo
18 Aufgaben · 3 Stufen
Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Rechne die Schritte zuerst auf Papier. Gib danach genau den gefragten Term, die Wertefolge oder das Ergebnis ein. Prüfe auch die Voraussetzungen der Methode.
Freiwillig, ohne Anmeldung. Auf gemeinsam genutzten Geräten besser ausgeschaltet lassen. Deine Eingaben werden nicht gespeichert.
04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten
Wie sicher bist du jetzt?
5 gemischte Aufgaben
Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.
Lieber auf Papier? Weitere Aufgaben mit Rechenwegen
Dein Wissen anwenden
Sechs Aufgaben zum Selbstcheck
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
1 · Welche Substitution passt zu 2x · (x² + 1)³?
Lösung und Rechenweg ansehen
Lösung · Schritt für Schritt
Eine passende Substitution bestimmen
2x · (x² + 1)³
RechnungErklärung zum Schritt
u = x² + 1
1 Den inneren Ausdruck erkennen
Wähle den inneren Ausdruck.
du = 2x dx
2 Das Differential bestimmen
Leite nach x ab und ersetze 2x dx gemeinsam durch du.
∫ u³ du
3 Den Integranden umschreiben
Der restliche Integrand wird zu u³. Das neue Integral enthält nur noch u.
6 · Warum darfst du bei u = 1 − x die Grenzen nicht ohne Vorzeichen ändern?
Lösung und Rechenweg ansehen
Lösung · Schritt für Schritt
Warum dürfen die Grenzen nicht stillschweigend wechseln?
u = 1 − x · x-Grenzen: 0 und 1
RechnungErklärung zum Schritt
du = −dx
1 Das Vorzeichen der Ableitung beachten
Für u = 1 − x ist die innere Ableitung −1.
x: 0 → 1; u: 1 → 0
2 Die Laufrichtung vergleichen
Die neue Variable läuft in Gegenrichtung.
−∫01 u² du = ∫10 u² du
3 Grenzentausch und Minuszeichen verknüpfen
Beim Vertauschen der Integrationsgrenzen entsteht ein Minuszeichen. Es hebt hier das Minus aus dx = −du auf. Du darfst die Grenzen deshalb nicht ohne Vorzeichenwechsel vertauschen.
Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.
Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.
Für Lehrkräfte: Vorschlag für eine Übungsstunde
Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.
Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.
Häufige Fragen
Muss ich nach jeder Substitution zurücksetzen?
Bei unbestimmten Integralen in x setzt du am Ende zurück. Bei bestimmten Integralen kannst du stattdessen vollständig mit den umgerechneten Grenzen arbeiten.
Darf ein konstanter Faktor fehlen?
Ja, wenn du ihn korrekt ergänzt und ausgleichst. Beispielsweise ist x dx bei u = x² + 1 gleich einem halben du.
Ist Substitution immer die beste Wahl bei einer Klammer?
Nein. Entscheidend ist, ob der komplette Integrand dadurch einfacher wird. Ausmultiplizieren oder partielle Integration können günstiger sein.
Wähle den inneren Ausdruck als neue Variable.