1 · Welche Alternative passt zu „Kopf ist wahrscheinlicher als 0,5“?
Lösung und Rechenweg ansehen
H₁: p > 0,5. Dazu gehört ein rechtsseitiger Test.
Erklärung wiederholen →Mathe · Klasse 11–13 · etwa 40–60 Minuten
Du legst Testrichtung und Ablehnungsbereich fest, berechnest p-Werte sowie Fehlerwahrscheinlichkeiten und formulierst Entscheidungen ohne Beweisbehauptung.
Binomialverteilung, kumulierte Wahrscheinlichkeiten und Gegenereignisse.
01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten
Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.
Brüche mit / und Dezimalzahlen mit Komma oder Punkt eingeben. Mehrere Werte mit Semikolon trennen. Wahrscheinlichkeiten und Anteile zwischen 0 und 1 angeben; Prozentpunkte nur, wenn danach gefragt wird. Runde erst das verlangte Endergebnis.
02 · Verstehen
Auffällig unter einer Annahme
15 Köpfe bei 20 Würfen?
Wir prüfen vorab festgelegt, ob eine Münze häufiger Kopf zeigt als eine faire Münze. Ein ungewöhnliches Ergebnis kann gegen die Nullhypothese sprechen – es liefert keinen Beweis mit absoluter Sicherheit.
Ein Hypothesentest prüft, ob beobachtete Daten mit einer vorgegebenen Annahme ausreichend vereinbar sind. Die Nullhypothese H₀ ist die zu prüfende Ausgangsannahme. Die Alternative H₁ beschreibt, welche Abweichung wir untersuchen.
Unser Beispiel: Eine Münze wird 20-mal unabhängig unter gleichen Bedingungen geworfen. X zählt die Köpfe. p ist die unbekannte Kopf-Wahrscheinlichkeit. Wir vermuten eine erhöhte Kopf-Wahrscheinlichkeit und legen vor dem Versuch fest:
| Hypothese | Bedeutung |
|---|---|
| H₀: p ≤ 0,5 | Kopf ist nicht wahrscheinlicher als bei einer fairen Münze. |
| H₁: p > 0,5 | Kopf ist wahrscheinlicher. |
Wir rechnen für die Testgrenze mit dem Randwert p₀ = 0,5. Dort ist innerhalb von H₀ die Wahrscheinlichkeit vieler Köpfe am größten. Somit begrenzt der dort berechnete Fehler auch die anderen Werte p < 0,5.
Die Testrichtung ergibt sich aus der Fragestellung und wird vor dem Blick auf das Ergebnis festgelegt. Bei „Münze ist irgendwie unfair“ wäre ein zweiseitiger Test passend.
Unter dem Randwert der Nullhypothese gilt X ∼ B(20; 0,5). Die Binomialverteilung passt, weil es eine feste Versuchszahl, die zwei Wertungen Kopf und Zahl, konstantes p und unabhängige Würfe gibt.
Wir wählen vorab das Signifikanzniveau α = 5 %. Es begrenzt die Wahrscheinlichkeit, H₀ zu verwerfen, obwohl H₀ zutrifft. Je nach ganzzahligen Grenzen kann die tatsächliche Fehlerwahrscheinlichkeit kleiner als 5 % sein.
| Festlegung | Im Beispiel |
|---|---|
| Stichprobenumfang | n = 20 Würfe |
| Testgröße X | Anzahl der Köpfe |
| Rechenwert unter H₀ | p₀ = 0,5 |
| Signifikanzniveau | α = 0,05 |
| Testrichtung | Rechtsseitig: Viele Köpfe sprechen für H₁. |
Wir suchen die kleinste ganze Grenze c, für die die Wahrscheinlichkeit von c oder mehr Köpfen unter p₀ = 0,5 höchstens 5 % beträgt:
P₀(X ≥ c) ≤ 0,05
P₀ bedeutet hier: berechnet unter p = 0,5. Mit dem Gegenereignis gilt P₀(X ≥ c) = 1 − P₀(X ≤ c − 1). Vergleiche benachbarte Grenzen:
Beispiel · Schritt für Schritt
20 unabhängige Münzwürfe · H₀: p ≤ 0,5 · H₁: p > 0,5
Rechenwert p₀ = 0,5 · Signifikanzniveau α = 5 %
Prüfe die Grenze 14. Bei „mindestens 14“ reicht das Gegenereignis nur bis 13.
Die kumulierte Binomialwahrscheinlichkeit ergibt etwa 5,77 %. Diese Grenze überschreitet das Niveau.
Prüfe die nächste ganze Grenze.
Etwa 2,07 % sind zulässig. Da die Randwahrscheinlichkeit mit wachsender Grenze sinkt und 14 noch ungeeignet ist, ist 15 die kleinste passende Grenze.
Auch die Grenze 16 hält mit etwa 0,59 % das Niveau ein, wäre aber unnötig streng: Sie verwirft seltener.
Verwirf H₀ ab 15 Köpfen. Bei 0 bis 14 Köpfen wird H₀ nicht verworfen. Die tatsächliche maximale Fehlerwahrscheinlichkeit erster Art beträgt etwa 2,07 %. Vergleiche Grenzen mit ungerundeten Werten.
Der Ablehnungsbereich lautet {15, 16, 17, 18, 19, 20}. Der Nichtablehnungsbereich umfasst 0 bis 14. Die tatsächliche maximale Fehlerwahrscheinlichkeit erster Art beträgt ungefähr 2,07 %.
Erst nach Festlegung der Regel wird das beobachtete Ergebnis mit der Grenze verglichen.
Beispiel · Schritt für Schritt
Beobachtet: 15 Köpfe bei 20 Würfen
Vorab festgelegt: H₀ ab 15 Köpfen verwerfen
Vergleiche die beobachteten 15 Köpfe mit der vorab festgelegten Grenze.
Die Beobachtung gehört zum Ablehnungsbereich. Verwirf H₀: Das Ergebnis spricht auf dem 5-%-Niveau für p > 0,5.
Beispiel · Schritt für Schritt
Beobachtet: 13 Köpfe bei 20 Würfen
Dieselbe Regel: H₀ ab 15 Köpfen verwerfen
Vergleiche stattdessen eine Beobachtung von 13 Köpfen mit derselben Testregel.
Die Beobachtung liegt im Nichtablehnungsbereich. Verwirf H₀ nicht: Mit diesem Test reichen die Daten nicht aus, um p > 0,5 nachzuweisen.
„Nicht verwerfen“ bedeutet nicht „bewiesen“ oder „die Münze ist sicher fair“. Auch eine Münze mit erhöhter Kopf-Wahrscheinlichkeit kann bei nur 20 Würfen weniger als 15 Köpfe liefern.
Der Test betrachtet ausschließlich die vorab gewählte Alternative. Sehr wenige Köpfe führen in diesem rechtsseitigen Test nicht zur Verwerfung. Für eine Abweichung in beide Richtungen wäre ein anderer Test nötig.
Der p-Wert hängt vom beobachteten Ergebnis ab. In unserem rechtsseitigen Test ist er die Wahrscheinlichkeit, unter dem Randwert p₀ = 0,5 mindestens so viele Köpfe wie beobachtet zu erhalten.
Beispiel · Schritt für Schritt
Beobachtet: 15 Köpfe bei 20 Würfen · rechtsseitiger Test
p₀ = 0,5 · α = 0,05
Der p-Wert hängt von der Beobachtung ab; das Signifikanzniveau α = 0,05 wurde vorab gewählt.
Im rechtsseitigen Test zählen die beobachteten 15 und alle noch größeren Kopfanzahlen.
Berechne die Randwahrscheinlichkeit unter p₀ = 0,5 mit der kumulierten Binomialverteilung.
Der p-Wert unterschreitet das Niveau. Wir verwerfen H₀. Der p-Wert ergibt sich aus den Daten und dem gewählten Test.
Der p-Wert ist nicht die Wahrscheinlichkeit, dass H₀ wahr ist. Er beschreibt die Auffälligkeit der Daten unter H₀. Er sagt auch nicht, dass das Ergebnis „mit 97,93 % Sicherheit“ die Alternative beweist.
| Tatsächliche Situation | H₀ nicht verwerfen | H₀ verwerfen |
|---|---|---|
| H₀ ist wahr | Richtige Entscheidung | Fehler 1. Art |
| H₁ ist wahr | Fehler 2. Art | Richtige Entscheidung |
Fehler erster Art: Wir behaupten eine erhöhte Kopf-Wahrscheinlichkeit, obwohl p ≤ 0,5 gilt. Die Wahrscheinlichkeit dieses Fehlers ist durch α begrenzt.
Fehler zweiter Art: Es gilt tatsächlich p > 0,5, aber X liegt zwischen 0 und 14 und wir verwerfen H₀ nicht. Die Wahrscheinlichkeit β hängt vom konkreten wahren p ab.
Nehmen wir zur Berechnung beispielhaft p = 0,75 an. Dann gilt:
Beispiel · Schritt für Schritt
20 Würfe · wahrer Wert beispielhaft p = 0,75
H₀ wird bei 0 bis 14 Köpfen nicht verworfen
Für den Fehler zweiter Art rechne mit dem angenommenen wahren Alternativwert p = 0,75, nicht mit p₀ = 0,5.
Ein Fehler zweiter Art tritt ein, wenn trotz p > 0,5 die Kopfanzahl im Nichtablehnungsbereich 0 bis 14 liegt. Der Index bezeichnet hier den verwendeten Parameter p.
Werte die kumulierte Binomialverteilung bis einschließlich 14 aus. Gerundet ergibt sich β ≈ 38,28 %.
Die Teststärke ist die Wahrscheinlichkeit einer richtigen Verwerfung bei p = 0,75. Trotz der deutlichen Abweichung kann die kleine Stichprobe sie übersehen. Ohne konkreten Alternativwert lässt sich β nicht als einzelne Zahl angeben.
| Alternative | Auffällige Ergebnisse | Ablehnungsbereich |
|---|---|---|
| p > p₀ | Ungewöhnlich viele Treffer | Rechter Rand |
| p < p₀ | Ungewöhnlich wenige Treffer | Linker Rand |
| p ≠ p₀ | Ungewöhnlich wenige oder viele Treffer | Beide Ränder |
Bei einem linksseitigen Test suchst du eine passende untere Grenze mit P₀(X ≤ c) ≤ α. Bei einem zweiseitigen Test wird das Fehlerbudget auf beide Ränder verteilt; in einer häufigen Schulkonvention jeweils höchstens α geteilt durch 2. Wegen der diskreten Werte wird das Niveau oft nicht ausgeschöpft. Halte dich an die festgelegte Testregel.
Ein kleiner p-Wert beschreibt statistische Auffälligkeit, nicht automatisch eine praktisch große Wirkung. Außerdem darfst du nicht nach jedem weiteren Wurf beliebig neu testen, bis das gewünschte Ergebnis entsteht: Dafür wäre eine eigene, vorab geplante Teststrategie erforderlich.
03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten
Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Rechne und begründe zuerst auf Papier. Nutze bei Bedarf die Binomialfunktionen am Rechner. Testrichtung und Regel werden vor den Daten festgelegt. Zweiseitige Aufgaben nennen ausdrücklich die Aufteilung α/2 je Rand.
Freiwillig, ohne Anmeldung. Auf gemeinsam genutzten Geräten besser ausgeschaltet lassen. Deine Eingaben werden nicht gespeichert.
04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten
Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.
Dein Wissen anwenden
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
H₁: p > 0,5. Dazu gehört ein rechtsseitiger Test.
Erklärung wiederholen →Lösung · Schritt für Schritt
X ∼ B(20; 0,5) · α = 5 %
Vorgeschlagene Ablehnung: ab 14 Köpfen
Prüfe die vorgeschlagene Grenze 14 unter dem Randwert der Nullhypothese.
Verwende das Gegenereignis mit der richtigen ganzzahligen Grenze.
Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers erster Art wäre zu groß. Daher ist 14 als Testgrenze ungeeignet.
Lösung · Schritt für Schritt
Beobachtet: 16 Köpfe bei 20 Würfen
Ablehnung vorab festgelegt: ab 15 Köpfen
Verwende die vor dem Versuch festgelegte Testregel.
16 Köpfe liegen im Ablehnungsbereich. Verwirf H₀ zugunsten von p > 0,5; das ist keine Aussage mit absoluter Sicherheit.
Lösung · Schritt für Schritt
Beobachtet: 13 Köpfe bei 20 Würfen
Ablehnung vorab festgelegt: ab 15 Köpfen
13 Köpfe liegen unterhalb der Testgrenze und damit im Nichtablehnungsbereich.
Der Test liefert keinen ausreichenden Nachweis einer erhöhten Kopf-Wahrscheinlichkeit. Das beweist weder H₀ noch, dass die Münze fair ist.
H₀ wird verworfen, obwohl sie wahr ist. Im Beispiel wird eine erhöhte Kopf-Wahrscheinlichkeit angenommen, obwohl p ≤ 0,5 gilt.
Erklärung wiederholen →Nein. Er beschreibt hier die Wahrscheinlichkeit von mindestens so vielen Köpfen wie beobachtet, berechnet unter p₀ = 0,5.
Erklärung wiederholen →Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.
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Dranbleiben
Wiederhole die Erklärung zu deinem Fehler. Rechne danach eine ähnliche Aufgabe ohne geöffneten Tipp oder Rechenweg.
Gezielt weiterüben →Wiederhole in zwei bis drei Tagen fünf Aufgaben ohne Hilfe. Danach kannst du das nächste Thema angehen.
Mit Konfidenzintervallen weiterlernen →Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.
Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.
Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.
Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.
Bei diskreten Trefferzahlen springt die Randwahrscheinlichkeit von einer Grenze zur nächsten. Die größte zulässige Wahrscheinlichkeit muss deshalb nicht genau α erreichen.
Nein. Er wird manchmal Annahmebereich genannt, bedeutet aber nur, dass die Daten mit der festgelegten Regel nicht zur Verwerfung führen.
Nein. β hängt unter anderem vom tatsächlichen Alternativwert, dem Stichprobenumfang und dem Ablehnungsbereich ab.
Rechne am Randwert p₀ = 0,5. Innerhalb von H₀: p ≤ 0,5 ist dort die Chance auf ungewöhnlich viele Köpfe am größten.