Vor der Abfahrt
Prüfe Menge, Verpackung und Vereinbarungen. Wer trägt welche Kosten? Welche Nachricht erhält die Person am Zielort? Eine gute Vorbereitung beseitigt nicht jedes Risiko, macht Erwartungen aber klarer.
Geschichte · Mittelalter · Klasse 6–7
Wie wurden aus Handelsreisen dauerhafte Verbindungen? Entdecke Waren, Koggen und Kontore – und prüfe, weshalb Zusammenarbeit zugleich stark und schwierig sein konnte.

Das kannst du danach: die Hanse als Netzwerk erklären, Kontore und Hansestädte unterscheiden und Vorteile sowie Grenzen gemeinsamer Handelsentscheidungen beurteilen.
Lernschritt 1
Ein Schiff legt an. Fässer werden gerollt, Säcke getragen und Stoffballen geprüft. Dahinter steckt mehr als eine einzelne Reise: Menschen müssen Waren beschaffen, Transporte organisieren, Preise aushandeln und darauf vertrauen, dass Absprachen eingehalten werden. Über große Entfernungen ist das besonders schwierig. Genau hier setzt die Geschichte der Hanse an.
Seit dem 12. Jahrhundert schlossen sich Kaufleute im nördlichen Europa zu Gemeinschaften zusammen. Gemeinsam konnten sie auf Reisen Schutz suchen und gegenüber fremden Herrschern Handelsvorteile aushandeln. Aus Verbindungen von Kaufleuten entwickelte sich allmählich auch eine Zusammenarbeit ihrer Städte. Es gab keinen einzigen Gründungstag, an dem eine fertige Organisation mit unveränderlichen Mitgliedern entstand.
Die Hanse war ein Handelsnetzwerk, kein einheitlicher Staat. Ihre Verbindungen reichten über Nord- und Ostsee und weit ins Binnenland. Nicht jede beteiligte Stadt lag am Meer. Lübeck spielte eine wichtige Rolle, war aber nicht die Hauptstadt eines „Hanse-Reiches“. Städte verfolgten gemeinsame und zugleich eigene Interessen. Dieser Beitrag konzentriert sich auf das späte Mittelalter, besonders das 14. und 15. Jahrhundert.
Merksatz: Die Hanse verband Kaufleute und Städte durch Handel und gemeinsame Interessen. Zusammenarbeit bedeutete nicht, dass überall dieselben Regeln, Rechte oder Ziele galten.
Fachlicher Bezug: Entstehung und Ausdehnung der Hanse.
Podcast · Menschen erzählen Geschichte · Folge 2
KI-vertontes, fiktives Interview auf historischer Grundlage. Keine echte Zeitzeugenaufnahme.
Helena: Willkommen bei Menschen erzählen Geschichte. Heute zu Gast: Johann, ein erfundener Kaufmann aus Lübeck um vierzehnhundert. Unser Gespräch beruht auf historischem Wissen und ist mit künstlicher Intelligenz vertont. Wir sprechen heutiges Deutsch, damit ihr gut folgen könnt.
Helena: Johann, nehmen Sie uns mal mit an den Hafen. Was fällt uns dort zuerst auf?
Kaufmann Johann: Die Rufe! Einer sucht einen Träger, ein anderer zählt Fässer. Dann das Poltern auf den Wagen, das Wasser an den Schiffen ... und dazwischen stehe ich und warte auf Nachricht von meiner Ware. Warten gehört leider auch zu meinem Beruf.
Helena: Auf welche Ware warten Sie denn?
Kaufmann Johann: Auf Tuche, also gewebte Stoffe, aus Flandern. Die möchte ich weiterverkaufen. Durch unsere Hände gehen aber auch ganz andere Waren: Getreide, Wachs, Pelze und Fisch. Manche Dinge legt man sich auf den Tisch, andere braucht man für Kleidung oder Kerzen.
Helena: Flandern liegt im heutigen Belgien und seiner Umgebung. Das ist ganz schön weit weg. Fahren Sie auf jeder Reise selbst mit?
Kaufmann Johann: Nein, sonst käme ich kaum noch zum Rechnen. Ich arbeite mit Kaufleuten und Helfern an anderen Handelsplätzen zusammen. Sie nehmen Waren entgegen, verkaufen sie und schicken mir Nachricht. So kann ich mehrere Geschäfte zugleich betreiben.
Helena: Aber woher wissen Sie, ob Ihre Stoffe angekommen sind?
Kaufmann Johann: Ich brauche Briefe. Darin steht, was verkauft wurde, zu welchem Preis und wer noch Geld schuldet. Nur kommt so ein Brief nicht sofort. Solange ich nichts höre, weiß ich manchmal nicht: Ist bloß die Nachricht unterwegs, oder gibt es wirklich ein Problem?
Helena: Das klingt nach ziemlich viel Vertrauen.
Kaufmann Johann: Ja. Ich muss wissen, wem ich meine Ware anvertraue. Verwandte und langjährige Geschäftspartner helfen dabei. Trotzdem schreibe ich Forderungen und Ausgaben auf. Wer den Überblick verliert, kann trotz voller Lager zahlungsunfähig werden.
Helena: Volle Lager, aber kein Geld? Wie geht das?
Kaufmann Johann: Stellen Sie sich vor: Ich habe teure Stoffe gekauft. Nun finden sich keine Käufer, aber den Transport muss ich trotzdem bezahlen. Von einem Warenballen kann ich keine Rechnung begleichen, solange ihn niemand kauft. Und ein Sturm oder ein Überfall kann eine Ladung ganz vernichten.
Helena: Dagegen soll doch die Hanse helfen. Ist das so etwas wie Ihre gemeinsame Firma?
Kaufmann Johann: Eine einzige Firma? Nein. Wir Kaufleute machen unsere eigenen Geschäfte. Aber wir und unsere Städte arbeiten zusammen, wenn es um Schutz, Handelsrechte oder Streit mit fremden Herrschern geht. Gemeinsam können wir mehr erreichen als jeder für sich.
Helena: Also ein Handelsnetzwerk. Und Lübeck bestimmt dann einfach, was alle machen?
Kaufmann Johann: Lübeck hat viel Gewicht, aber die anderen Städte verfolgen eigene Interessen. Die Vertreter unserer Städte beraten miteinander. Eine Entscheidung muss anschließend auch in den beteiligten Städten mitgetragen werden. Gemeinsam handeln heißt eben auch: lange verhandeln.
Helena: Und wenn ein Kaufmann im Ausland Hilfe braucht?
Kaufmann Johann: An wichtigen Orten gibt es gemeinsame Handelsniederlassungen, die Kontore. Etwa in Brügge, London, Bergen und Nowgorod. Dort organisieren Kaufleute ihre gemeinsamen Angelegenheiten und verteidigen ihre Handelsrechte. Die Regeln und das Leben dort sind allerdings nicht überall gleich.
Helena: Wenn Sie vom Hafen heimkommen: Ist dann Feierabend?
Kaufmann Johann: Schön wär's. In meinem Haus liegen Wohnen und Arbeiten dicht beieinander. Da warten Rechnungen, Briefe und Gespräche über Waren. Meine Familie lebt mitten in diesem Betrieb. Und wenn ich beim Essen noch über einen säumigen Käufer nachdenke, merkt sie das natürlich.
Helena: Man hört oft vom Reichtum der Hansestädte. Leben in Lübeck alle so wie Sie?
Kaufmann Johann: Nein. Schauen Sie die Träger am Hafen an, die Knechte, die Mägde oder die kleinen Handwerker. Nicht jeder besitzt ein großes Haus oder hat Geld für Fernhandel. Wer wenig verdient und krank wird, gerät schnell in Not. Ohne die Arbeit dieser Menschen würde aber auch mein Handel stillstehen.
Helena: Haben diese Menschen denn genauso viel zu sagen wie wohlhabende Kaufleute?
Kaufmann Johann: Nein. Im Lübecker Rat sitzen vor allem Männer aus reichen Kaufmannsfamilien. Die meisten Einwohner entscheiden dort nicht mit. Das sorgt auch für Streit. Wer an den großen Häusern vorbeigeht, sollte daran denken, wie unterschiedlich das Leben hinter den Türen ist.
Helena: Was würden Sie jemandem raten, der selbst Kaufmann werden möchte?
Kaufmann Johann: Lerne lesen, schreiben und rechnen. Lerne andere Handelsplätze kennen. Und höre genau hin, bevor du jemandem dein Geld anvertraust. Ein guter Verkauf hilft dir wenig, wenn am Ende niemand bezahlt.
Helena: Danke, Johann. Seine Geschichte zeigt: Fernhandel brauchte Waren und Schiffe, aber ebenso Nachrichten, verlässliche Beziehungen und gemeinsame Regeln. Und der Wohlstand einer Stadt kam längst nicht allen gleich zugute. Das war Menschen erzählen Geschichte.
Historische Grundlagen: Deutsche UNESCO-Kommission · Kaufmannshanse · Kontore · Städtehanse · Europäisches Hansemuseum: Alltag und Kommunikation · Forschung zu den Städteversammlungen · Ergänzende Übersicht zu Veckinchusens Handelsorganisation.
Johann und seine persönlichen Erlebnisse sind erfunden. Das Gespräch verwendet heutiges Deutsch und beschreibt die Perspektive eines wohlhabenden Kaufmanns, nicht das Leben aller Stadtbewohner.
Lernschritt 2

Fernhandel lohnt sich, wenn eine Ware an einem anderen Ort gebraucht wird und ihr Verkauf die Kosten decken kann. Dabei muss es nicht um Gold oder seltene Gewürze gehen. Auch Lebensmittel, Rohstoffe und Stoffe waren wichtig. Eine Stadt konnte viel von einer Ware anbieten und eine andere benötigen. Handel verband deshalb verschiedene Wirtschaftsregionen.
Ein Beispiel ist Bergen: Von dort gelangte getrockneter Fisch in den Handel, während unter anderem Getreide eingeführt wurde. In Nowgorod waren etwa Pelze und Wachs wichtig; Tuch gehörte zu den Waren, die Kaufleute dorthin brachten. Das sind Beispiele, keine vollständigen Warenlisten und keine für jedes Jahr gleichbleibenden Einbahnstraßen.
Fachlicher Bezug: Warenbeziehungen der Kontore.
Waren untersuchen: Welche Frage passt zu welchem Gegenstand?
Wähle einen Hinweis.
Ein Stoffballen: Wie lang und wie breit ist das Tuch? Welche Qualität hat es? Ein niedriger Gesamtpreis sagt wenig, wenn Menge und Qualität unbekannt sind. Im Bild sieht man eine Prüfung, aber keinen belegten historischen Vertrag.
Ein Fass: Was befindet sich darin? Ist es dicht? Wie schwer ist es? Ein geschlossenes Fass lässt seinen Inhalt nicht sicher erkennen. Beschriftung, Fundzusammenhang oder ein Verzeichnis wären zusätzliche Belege.
Eine Waage: Welches Gewichtssystem wird verwendet? Stimmen die Gewichte? Die Waage hilft beim Vergleich von Mengen; allein garantiert sie noch keinen fairen Handel.
Lernschritt 3
Die Kogge war ein wichtiger Schiffstyp im hansischen Handel. Ihr breiter Rumpf bot Platz für Ladung. Typisch waren ein Mast mit einem großen Rahsegel und ein Ruder am Heck. Das machte sie für den Transport umfangreicher Warenmengen geeignet. Trotzdem war nicht jedes Schiff im Handelsnetz eine Kogge, und Koggen gehörten nicht ausschließlich hansischen Kaufleuten.
Wind, Wetter und die Beschaffenheit des Fahrwassers beeinflussten die Fahrt. Ein Handelsschiff konnte seine Ankunft nicht so zuverlässig planen wie ein heutiger Linienverkehr. Das Bild am Seitenanfang zeigt eine mögliche Hafensituation, keinen nachgebauten Einzelbefund. Für genaue Aussagen über Schiffsformen braucht man beispielsweise archäologische Funde und Untersuchungen.
Fachlicher Bezug: Bau und Nutzung der Kogge.
Stell dir folgende erfundene Lernsituation vor: Du organisierst den Transport von Tuch. Das Schiff kommt später als erwartet an. Ein Teil der Kundschaft wartet, Lagerraum kostet Geld, und ein weiterer Auftrag wird schwierig. Schon dieses kleine Beispiel zeigt: Der Kaufpreis einer Ware ist nicht der einzige Faktor einer Handelsentscheidung.
Prüfe Menge, Verpackung und Vereinbarungen. Wer trägt welche Kosten? Welche Nachricht erhält die Person am Zielort? Eine gute Vorbereitung beseitigt nicht jedes Risiko, macht Erwartungen aber klarer.
Überlege, was bei Verzögerung oder Beschädigung passiert. Transport ist keine unsichtbare Strecke zwischen zwei Preisen. Zeit, Arbeit und mögliche Verluste gehören zur Rechnung.
Vergleiche gelieferte und vereinbarte Ware. Erst jetzt zeigt sich, ob Menge, Zustand und Nachfrage zusammenpassen. Auch ein angekommenes Schiff garantiert keinen Gewinn.
Lernschritt 4
Ein Kontor war eine größere Handelsniederlassung beziehungsweise Gemeinschaft hansischer Kaufleute im Ausland. Die vier besonders bekannten Kontore befanden sich in London, Brügge, Bergen und Nowgorod. Die jeweilige Stadt wurde dadurch nicht automatisch Mitglied der Hanse. Eine Niederlassung innerhalb einer fremden Stadt und die Stadt selbst sind zwei verschiedene Dinge.
Kontore konnten eigene Regeln und gewählte Vertreter haben. Ihre Handlungsmöglichkeiten beruhten auch auf Vereinbarungen mit den örtlichen Machthabern. Die Gebäude und Lebensformen waren unterschiedlich: In Brügge wohnten Kaufleute zum Beispiel bei örtlichen Gastgebern; man darf sich nicht überall denselben geschlossenen Gebäudekomplex vorstellen.
| Ort | Bekannter Name oder Bezug | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| London | Stalhof | Die Niederlassung lag in einer englischen Stadt. |
| Brügge | Handelskontakte in Flandern | Unterkunft bei Gastgebern statt überall gleicher Anlage. |
| Bergen | Bryggen, Handel unter anderem mit Stockfisch | Handel verband unterschiedliche Versorgungsbedürfnisse. |
| Nowgorod | Peterhof | Eigene Gemeinschaftsregeln sind nicht mit Stadtherrschaft gleichzusetzen. |
Fachlicher Bezug: Die vier großen Kontore.
Eine Organisation kann in einer Stadt einen Standort haben, ohne die Stadt zu regieren. Das lässt sich als Denkmodell auch heute verstehen. Der Vergleich soll nur die Begriffe klären: Ein mittelalterliches Kontor war keine heutige Botschaft und auch nicht einfach eine moderne Firmenfiliale. Vergleiche deshalb eine bestimmte Beziehung, nicht alle Eigenschaften gleichzeitig.
Lernschritt 5
Im Laufe der Zeit wickelten Kaufleute zunehmend Geschäfte über Partner und Vertreter ab, ohne jede Ladung selbst zu begleiten. Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprachkenntnisse halfen dabei. Ausbildung und Aufenthalte an anderen Handelsplätzen konnten Wissen und Beziehungen vermitteln. Der Wandel geschah nicht überall gleichzeitig; reisende Kaufleute verschwanden nicht plötzlich.
Briefe und Rechnungen machten Absprachen über Entfernungen möglich. Gleichzeitig blieb die Frage, ob Informationen verlässlich waren. Wer sollte für einen anderen handeln dürfen? War eine Nachricht noch aktuell? Ein Netzwerk bestand daher nicht nur aus Wegen, sondern ebenso aus Beziehungen zwischen Menschen.
Fachlicher Bezug: Kaufmannshanse und kaufmännische Ausbildung.
Eine Handelspartnerin schreibt: „Die Ware ist angekommen, ein Teil ist beschädigt.“ Du weißt noch nicht, welche Stücke betroffen sind, wie stark die Schäden ausfallen und wer sie festgestellt hat. Ein anderer Partner behauptet, alles sei in Ordnung. Du sollst entscheiden, welche Rückfragen nötig sind.
Erfundenes Unterrichtsbeispiel; kein mittelalterlicher Brief und kein wörtliches Quellenzitat.
Verlange eine genaue Beschreibung von Menge und Art der Schäden sowie den Zeitpunkt der Prüfung. Frage nach Zeugen oder Aufzeichnungen und vergleiche die Aussagen. Trenne zunächst Feststellung und Schuldzuweisung: „Drei Ballen sind nass“ beschreibt einen Zustand; „der Schiffer hat schlecht gearbeitet“ ist schon eine Erklärung, für die Belege fehlen können. Eine schnelle Anschuldigung ersetzt keine Untersuchung.
Lernschritt 6

Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts trafen sich Städtevertreter zu überregionalen Hansetagen. Solche Treffen fanden nicht nach einem festen jährlichen Kalender statt. Häufig war Lübeck der Versammlungsort. Beraten wurde etwa über Handelsrechte, Konflikte und das gemeinsame Vorgehen gegenüber anderen Mächten.
Gesandte handelten im Auftrag ihrer Stadt. Bei neuen Fragen mussten sie mitunter erst den heimischen Rat befragen. Beschlüsse wurden schriftlich in sogenannten Rezessen festgehalten. Doch ein aufgeschriebener Beschluss setzte sich nicht von selbst durch. Unterschiedliche Interessen und begrenzte Möglichkeiten gemeinsamer Durchsetzung konnten die Zusammenarbeit erschweren.
Fachlicher Bezug: Arbeitsweise und Grenzen der Hansetage.
Die Dauerausstellung des Europäischen Hansemuseums macht am Beispiel des Flandernboykotts von 1361 deutlich, dass Kaufleute auch Handelsdruck als Mittel einsetzten. Ein Boykott bedeutet, bestimmte Geschäfte gezielt zu unterlassen. Damit sollen die Gegenseite unter Druck gesetzt und eigene Forderungen unterstützt werden. Das kann aber auch die Beteiligten selbst Einnahmen kosten.
Fachlicher Bezug: Ausstellungsstation Brügge 1361.
Planspiel: Ein gemeinsamer Boykott? Die folgenden Rollen sind erfunden.
Wähle einen Hinweis.
Stadt A fordert Druck: Sie hofft auf bessere Bedingungen für alle. Prüfe: Wie groß wäre der Vorteil? Wie lange könnte sie selbst auf Einnahmen verzichten? Ein gemeinsames Ziel macht die Kosten nicht für alle gleich.
Stadt B zögert: Ihre Kaufleute sind besonders stark vom betroffenen Markt abhängig. Das Zögern muss nicht bedeuten, dass sie Zusammenarbeit grundsätzlich ablehnt. Vielleicht fürchtet sie größere unmittelbare Verluste.
Ein Gesandter braucht Rücksprache: Er besitzt möglicherweise keinen Auftrag für diese neue Entscheidung. Eine Rückfrage kostet Zeit, sichert aber die Zustimmung der vertretenen Stadt. Schnelligkeit und verlässliche Zustimmung können miteinander in Spannung stehen.
Lernschritt 7
Die Hanse ist weder eine mittelalterliche Europäische Union noch eine einzige Firma. Solche Vergleiche können einzelne Fragen anregen, werden aber falsch, wenn man heutige Einrichtungen einfach zurückversetzt. Eine vorsichtige Formulierung lautet: „Beide Beispiele kennen Zusammenarbeit über Grenzen hinweg; ihre Mitglieder, Rechte und Ziele unterscheiden sich.“
Auch „Handel bringt allen Wohlstand“ ist zu pauschal. Frage genauer, wer verkauft, wer transportiert, wer Zugang zu einem Markt erhält und wer ausgeschlossen wird. Eine günstige Regel für eine Gruppe kann für andere eine Hürde sein. Um konkrete Folgen zu bestimmen, braucht man Belege für Ort und Zeit, nicht nur ein positives oder negatives Gesamtbild.
Im 17. Jahrhundert verlor die überregionale Zusammenarbeit an Gewicht. 1669 fand der letzte historische Hansetag statt. Das bedeutet nicht, dass an diesem Tag sämtlicher Handel aufhörte. Eine Organisation, einzelne Städte und wirtschaftliche Verbindungen können sich unterschiedlich entwickeln. Der heutige Städtebund DIE HANSE ist eine moderne Neugründung, nicht unverändert dieselbe Einrichtung.
Fachlicher Bezug: Späte Entwicklung und letzter Hansetag.
Ordne jede Aussage zu. Prüfe danach die Begründungen.
Kogge bezeichnet einen Schiffstyp, keine Organisation.
Kontor bezeichnet die Niederlassung oder Gemeinschaft, nicht automatisch die ganze Stadt.
Der Hansetag war ein Treffen von Vertretern; er war keine Regierung eines einheitlichen Staates.
Ein Rezess hält Beschlüsse fest. Ihre tatsächliche Umsetzung ist eine weitere Frage.
Wähle je Frage eine Antwort. Prüfe anschließend deine Begründung. Du kannst beliebig oft neu starten.
Wähle eine der erfundenen Rollen aus dem Boykott-Planspiel. Verfasse eine Empfehlung von sechs bis acht Sätzen. Benenne ein Ziel, einen möglichen Vorteil, zwei Risiken und eine Information, die dir noch fehlt. Beziehe anschließend die Gegenposition ein. Dein Urteil soll nicht nur lauten „gut“ oder „schlecht“, sondern erklären, unter welchen Bedingungen du zustimmen würdest.
Eine gute Begründung unterscheidet sichere Angaben aus dem Lernfall von Vermutungen. Sie berücksichtigt nicht nur die eigene Stadt und behauptet keinen automatisch sicheren Erfolg. Ein möglicher Schluss lautet: „Ich würde einem zeitlich begrenzten gemeinsamen Vorgehen zustimmen, wenn die beteiligten Städte ihre Belastungen vorher prüfen und festlegen, wann sie die Folgen neu bewerten.“ Das ist eine begründete Möglichkeit, kein historisch überlieferter Beschluss.
Vertiefe das Thema mit den passenden kostenlosen Arbeitsblättern für Klasse 6–7. Die PDFs enthalten Lösungen.

Handelswege, Zusammenarbeit und die Bedeutung der Kontore verstehen.
Arbeitsblatt ansehen →Lehrplanbezug: historisches Einordnen, Quellen und Darstellungen unterscheiden, Lebensweisen vergleichen und Urteile begründen. Die Klassenangabe 6–7 ist eine Orientierung; die Einordnung variiert nach Schulform und Bundesland.
Die erzählenden Bilder sind KI-generierte Illustrationen bzw. Rekonstruktionen von Lernmarktplatz. Sie veranschaulichen mögliche Situationen und zeigen keine konkreten historischen Ereignisse. Kleidung, Gesichter und die dargestellte Aufgabenverteilung sind nicht im Einzelnen belegt.