Mathe verstehen und üben / Extrempunkte und Monotonie

Mathe · Klasse 11–13 · etwa 40–55 Minuten

Extrempunkte und Monotonie

Du untersuchst Monotonie, bestätigst Extrempunkte und vergleichst für globale Extrema auch Randwerte.

Voraussetzungen ansehen

Ableitungsregeln, Gleichungen und Funktionswerte.

01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten

Was kannst du schon?

3 kurze Aufgaben

Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.

Punkte als x | y, mehrere Stellen mit Semikolon eingeben. Zahlen mit Komma oder Punkt, Brüche mit /. Bei Begriffen zum Beispiel Hochpunkt, Tiefpunkt, steigend, fallend, konvex oder konkav. Entscheidungen: ja oder nein.

02 · Verstehen

Was bedeutet monoton steigend oder fallend?

Das Vorzeichen zeigt die Richtung

f′ positiv: steigend
f′ negativ: fallend

Ein Wechsel von Plus zu Minus zeigt einen Hochpunkt, von Minus zu Plus einen Tiefpunkt – unter den passenden Voraussetzungen.

Eine Funktion ist auf einem Intervall monoton steigend, wenn größere x-Werte keine kleineren Funktionswerte liefern. Streng monoton steigend bedeutet: Für jedes x₁ < x₂ gilt wirklich f(x₁) < f(x₂). Analog wird monoton fallend definiert.

Für eine differenzierbare Funktion hilft die Ableitung: Ist f′ auf dem ganzen Intervall positiv, ist f dort streng monoton steigend. Ist f′ überall negativ, ist f dort streng monoton fallend. f′ ≥ 0 sichert nicht abnehmendes, f′ ≤ 0 nicht zunehmendes Verhalten.

Ein einzelner Ableitungswert 0 verhindert strenge Monotonie nicht. x³ steigt streng auf ganz ℝ, obwohl f′(0) = 0 gilt. Das Vorzeichen von f selbst sagt dagegen nichts darüber aus, ob die Funktion steigt oder fällt.

Extremstelle, Extremwert und Extrempunkt

Ein lokaler Hochpunkt liegt vor, wenn der Funktionswert in einer Umgebung nicht übertroffen wird. Bei einem lokalen Tiefpunkt wird er dort nicht unterschritten. „Lokal“ bedeutet: Wir vergleichen zunächst nur nahegelegene Stellen.

Für H(−1 | 2) ist −1 die Extremstelle, 2 der Extremwert und das gesamte Koordinatenpaar der Extrempunkt. Die x-Koordinate allein ist noch kein vollständiger Punkt.

Ist f an einer inneren Extremstelle differenzierbar, muss dort f′(x) = 0 gelten. Diese notwendige Bedingung liefert Kandidaten, aber noch keinen sicheren Nachweis.

Ein vollständiges Beispiel untersuchen

Beispiel · Schritt für Schritt

Finde die Kandidaten für Extremstellen

f(x) = x³ − 3x
Definitionsbereich: ℝ

Wir betrachten f(x) = x³ − 3x auf ganz ℝ. Leite ab und setze die erste Ableitung gleich null:

f′(x) = 3x² − 3
1 Ableiten

Nutze die Potenzregel für f(x) = x³ − 3x.

f′(x) = 3(x² − 1)
= 3(x − 1)(x + 1)
2 Faktorisieren

Klammere 3 aus und nutze die dritte binomische Formel.

3(x − 1)(x + 1) = 0
3 Kandidaten suchen

An einer inneren Extremstelle ist f′ = 0 notwendig.

x = −1 oder x = 1
4 Nullproduktregel

Der Faktor 3 ist nicht 0. Einer der beiden Linearfaktoren muss 0 sein. Ein Nachweis der Extremstellen folgt noch.

−2−112−2−112xyH(−1 | 2)T(1 | −2)
f(x) = x³ − 3x. Hochpunkt H(−1 | 2), Tiefpunkt T(1 | −2). Der Graph steigt links von −1, fällt zwischen −1 und 1 und steigt rechts von 1. Gezeigt wird ein Ausschnitt.

Die beiden Stellen teilen die Zahlengerade in drei offene Intervalle. In jedem davon bleibt das Vorzeichen dieser Ableitung gleich. Bestimme es aus der faktorisierten Form oder mit je einem Testwert.

Monotonie mit einer Vorzeichentabelle bestimmen

Bereich Testwert Vorzeichen von f′ Verhalten von f
x < −1 −2 3 · 4 − 3 = 9 > 0 Streng steigend
−1 < x < 1 0 −3 < 0 Streng fallend
x > 1 2 9 > 0 Streng steigend

Bei −1 wechselt f′ von positiv zu negativ: Der Graph steigt und fällt danach. Dort liegt ein Hochpunkt. Bei 1 wechselt f′ von negativ zu positiv: Dort liegt ein Tiefpunkt.

Beispiel · Schritt für Schritt

Berechne die vollständigen Extrempunkte

f(x) = x³ − 3x
Bestätigte Stellen: −1 und 1

f(−1) = (−1)³ − 3 · (−1)
1 Hochpunkt ergänzen

Der Vorzeichenwechsel von f′ hat x = −1 bereits als Hochstelle bestätigt. Setze in f ein.

f(−1) = −1 + 3 = 2
H(−1 | 2)
2 y-Koordinate berechnen

Der Funktionswert ist 2.

f(1) = 1³ − 3 · 1 = −2
T(1 | −2)
3 Tiefpunkt ergänzen

An der bestätigten Tiefstelle x = 1 ist der Funktionswert −2.

Die Monotonieintervalle können wegen der Stetigkeit hier einschließlich der angrenzenden Extremstellen angegeben werden: steigend auf (−∞; −1] und [1; ∞), fallend auf [−1; 1]. Die Vorzeichentabelle untersucht die offenen Teilintervalle dazwischen.

Mit der zweiten Ableitung prüfen

Wenn f in einer Umgebung zweimal stetig differenzierbar ist und f′(a) = 0 gilt, reicht folgende Prüfung:

  • f″(a) > 0: lokaler Tiefpunkt.
  • f″(a) < 0: lokaler Hochpunkt.
  • f″(a) = 0: Dieser Test entscheidet nicht.

Beispiel · Schritt für Schritt

Bestätige Hoch- und Tiefpunkt mit f″

f(x) = x³ − 3x
f′(−1) = 0; f′(1) = 0

f″(x) = 6x
1 Erneut ableiten

Aus f′(x) = 3x² − 3 wird f″(x) = 6x.

f″(−1) = −6 < 0
2 Hochpunkt bestätigen

Es gilt bereits f′(−1) = 0. Die negative zweite Ableitung bestätigt den lokalen Hochpunkt.

f″(1) = 6 > 0
3 Tiefpunkt bestätigen

Es gilt bereits f′(1) = 0. Die positive zweite Ableitung bestätigt den lokalen Tiefpunkt.

Die zweite Ableitung ersetzt nicht das Einsetzen in f: Den y-Wert des Punktes berechnest du weiterhin mit der ursprünglichen Funktion.

Warum f′ = 0 allein nicht genügt

Vergleiche zwei Funktionen an der Stelle 0:

f(x) = x³: f′(x) = 3x² ist links und rechts von 0 positiv. Es gibt keinen Vorzeichenwechsel und keinen Extrempunkt. Die Tangente ist trotzdem waagerecht.

g(x) = x⁴: g′(x) = 4x³ wechselt von negativ zu positiv. Daher liegt ein Tiefpunkt bei (0 | 0). g″(0) = 0 verhindert diesen Tiefpunkt nicht; der Test mit der zweiten Ableitung war nur nicht entscheidend.

Auch Stellen ohne Ableitung können Extremstellen sein. |x| hat bei 0 einen Tiefpunkt mit Knick. Prüfe deshalb neben Ableitungsnullstellen auch relevante nicht differenzierbare Stellen und Randpunkte.

Lokale und globale Extrema unterscheiden

Ein globaler Extremwert ist der größte oder kleinste Wert im gesamten betrachteten Definitionsbereich. Die lokalen Punkte unserer Funktion x³ − 3x sind auf ganz ℝ nicht global: Die Funktion wächst nach rechts unbegrenzt und fällt nach links unbegrenzt.

Beispiel · Schritt für Schritt

Vergleiche innere Extremwerte und Randwerte

f(x) = x³ − 3x
Intervall: [−2; 3]

Auf dem abgeschlossenen Intervall [−2; 3] ist die Funktion dagegen stetig und besitzt ein globales Maximum und Minimum. Vergleiche die inneren Kandidaten mit beiden Randwerten:

f(−2) = −8 + 6 = −2
1 Linker Rand

Setze die linke Intervallgrenze −2 in f ein.

f(−1) = −1 + 3 = 2
f(1) = 1 − 3 = −2
2 Innere Kandidaten

Berechne die Werte an beiden inneren Extremstellen.

f(3) = 27 − 9 = 18
3 Rechter Rand

Auch der Randwert bei x = 3 muss verglichen werden.

Größter Wert: 18
Kleinster Wert: −2
4 Vergleichen

Maximum bei x = 3; Minimum sowohl bei x = −2 als auch bei x = 1.

Das globale Maximum ist 18 bei x = 3. Das globale Minimum −2 wird an zwei Stellen angenommen: x = −2 und x = 1. Bei Randextrema muss die Ableitung nicht null sein.

Ein einfaches Optimierungsbeispiel

Beispiel · Schritt für Schritt

Finde die Seitenlängen für die größte Fläche

Rechteck mit Umfang 20 cm
Seiten: x und 10 − x

Ein Rechteck hat Umfang 20 cm. Ist eine Seite x cm lang, ist die andere 10 − x cm lang. Für ein nicht entartetes Rechteck gilt 0 < x < 10. Der Flächeninhalt ist:

A(x) = x(10 − x)
= 10x − x²
1 Flächenmodell

x ist der Zahlenwert der Seitenlänge in cm; A(x) ist der Flächenwert in cm². Es gilt 0 < x < 10.

A′(x) = 10 − 2x
2 Ableiten

Leite beide Summanden nach x ab.

10 − 2x = 0
2x = 10
3 Kandidaten berechnen

Setze A′ = 0 und addiere 2x auf beiden Seiten.

x = 5
4 Durch 2 teilen

Der Kandidat liegt im zulässigen Bereich. Die zweite Seite ist 10 − 5 = 5 cm lang.

Maximum bestätigen und Ergebnis deuten

Vor 5 ist A′ positiv, nach 5 negativ. Der Flächeninhalt steigt bis 5 und fällt danach, also ist das Maximum auf dem ganzen zulässigen Bereich erreicht. Beide Seiten sind 5 cm lang; die Fläche beträgt 25 cm².

Ein lokaler Rechenschritt allein genügt bei Sachaufgaben nicht: Begründe, dass das Ergebnis im zulässigen Bereich liegt, und interpretiere es mit Einheit.

Dein Ablauf für Extrem- und Monotonieaufgaben

  1. Bestimme die Definitionsmenge und gegebenenfalls das vorgegebene Intervall.
  2. Berechne f′ und bei Bedarf f″.
  3. Finde die Nullstellen von f′ sowie weitere kritische Stellen.
  4. Untersuche die Vorzeichen in allen getrennten Intervallen.
  5. Klassifiziere die Kandidaten mit Vorzeichenwechsel oder zweiter Ableitung.
  6. Berechne die y-Koordinaten mit f.
  7. Vergleiche für globale Extrema auch Randwerte und das Verhalten am Rand des Definitionsbereichs.

03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten

Übe in deinem Tempo

18 Aufgaben · 3 Stufen

Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Rechne und begründe auf Papier. Prüfe Kandidaten, bevor du sie als Extrem- oder Wendepunkte angibst.

04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten

Wie sicher bist du jetzt?

5 gemischte Aufgaben

Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.

Lieber auf Papier? Weitere Aufgaben mit Rechenwegen

Dein Wissen anwenden

Sechs Aufgaben zum Selbstcheck

Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.

1 · f′ wechselt von Plus zu Minus. Was liegt vor?

Lösung und Rechenweg ansehen

Bei einem stetigen Graphen und den passenden differenzierbaren Nachbarintervallen ein lokaler Hochpunkt.

Erklärung wiederholen →

2 · f(x) = x³ − 3x: Welche Extremstellen gibt es?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Bestimme und bestätige die Extremstellen

f(x) = x³ − 3x

f′(x) = 3x² − 3
1 Ableiten

Die Ausgangsfunktion ist x³ − 3x.

3x² − 3 = 0
x² = 1
2 Kandidaten suchen

Addiere 3 und teile durch 3.

x = −1 oder x = 1
3 Beide Wurzelfälle

Dies sind zunächst stationäre Stellen.

Bei −1: + → −
Bei 1: − → +
4 Vorzeichenwechsel von f′

Beide Stellen sind Extremstellen: −1 eine Hochstelle, 1 eine Tiefstelle.

Erklärung wiederholen →

3 · Wie lauten die vollständigen Extrempunkte des Beispiels?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Gib die vollständigen Extrempunkte an

f(x) = x³ − 3x
Hochstelle −1; Tiefstelle 1

f(−1) = −1 + 3 = 2
1 Hochpunkt

Die Hochstelle −1 ist im Beispiel bereits nachgewiesen.

f(1) = 1 − 3 = −2
2 Tiefpunkt

Die Tiefstelle 1 ist ebenfalls nachgewiesen.

H(−1 | 2)
T(1 | −2)
3 Vollständige Koordinaten

Die y-Werte stammen aus f, nicht aus einer Ableitung.

Erklärung wiederholen →

4 · f′(a) = 0 und f″(a) = 0: kein Extrempunkt?

Lösung und Rechenweg ansehen

Das folgt nicht. Der zweite Ableitungstest ist unentschieden. Prüfe zum Beispiel das Vorzeichen von f′ links und rechts.

Erklärung wiederholen →

5 · Ist der Hochpunkt des Beispiels auf ganz ℝ ein globales Maximum?

Lösung und Rechenweg ansehen

Nein. x³ − 3x wächst für x → ∞ unbegrenzt.

Erklärung wiederholen →

6 · Welches Rechteck mit Umfang 20 cm hat die größte Fläche?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Bestimme die größtmögliche Fläche

Rechteck mit Umfang 20 cm

A(x) = x(10 − x)
1 Modell

Bei Umfang 20 cm haben die Seiten die Längen x cm und (10 − x) cm. Es gilt 0 < x < 10.

A′(x) = 10 − 2x = 0
x = 5
2 Kandidaten berechnen

Leite die Fläche ab und setze die Ableitung gleich 0.

0 < x < 5: A′(x) > 0
5 < x < 10: A′(x) < 0
3 Globales Maximum nachweisen

Die Fläche steigt bis 5 und fällt danach auf dem gesamten zulässigen Bereich.

5 cm · 5 cm = 25 cm²
4 Antwort

Das Quadrat mit Seitenlängen 5 cm hat die größte Fläche.

Erklärung wiederholen →

Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.

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Wiederhole die Erklärung zu deinem Fehler. Rechne danach eine ähnliche Aufgabe ohne geöffneten Tipp oder Rechenweg.

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Für Eltern: in zehn Minuten gemeinsam wiederholen

Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.

Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.

Für Lehrkräfte: Vorschlag für eine Übungsstunde

Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.

Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.

Häufige Fragen

Muss ein Extrempunkt auf der x-Achse liegen?

Nein. Die Bedingung f′(a) = 0 betrifft die Steigung. Der Funktionswert f(a) kann positiv, negativ oder null sein.

Was bedeutet ein negatives f′?

Die Funktion fällt lokal; ist f′ auf einem Intervall überall negativ, fällt sie dort streng. Der Funktionswert selbst muss nicht negativ sein.

Kann eine Funktion mehrere globale Tiefpunkte haben?

Ja. Verschiedene Stellen können denselben kleinsten Funktionswert annehmen, wie im Beispiel auf [−2; 3].

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