Chemie · Verstehen und üben

Erdöl, Destillation und Cracken

Verstehe, wie eine Raffinerie Kohlenwasserstoffe trennt und chemisch umwandelt – mit Strukturformeln und interaktiver Atombilanz.

C₁₀H₂₂ → C₆H₁₄ + C₄H₈

Stoffgemisch · Siedeverhalten · Molekülumbau

Erdöl ist ein Gemisch aus vielen Molekülen

CH₃CH₂CH₂CH₂CH₂CH₂CH₂CH₂CH₂CH₃Decan · C₁₀H₂₂ · ein Bestandteil eines Gemisches

Erdöl enthält viele verschiedene Kohlenwasserstoffe, darunter Alkane, Cycloalkane und Aromaten. Es besitzt deshalb keine einzelne Summenformel und keinen einzigen Siedepunkt. Hinzu kommen unter anderem schwefelhaltige Verbindungen.

In einer Raffinerie werden Bestandteile zunächst nach ihren Siedebereichen getrennt. Anschließend können Moleküle chemisch umgebaut werden. Destillation trennt – Cracken verändert Moleküle.

Vorwissen: Alkane und Trennverfahren.

Fraktionierte Destillation: mehrere Siedebereiche

GaseBenzin / NaphthaKerosinGasöl / DieselSchwere RückständekühlerheißerSchema: nach oben sinkende Temperatur

1 · Teilweise verdampfen

Erhitztes Rohöl gelangt als Dampf-Flüssigkeits-Gemisch in die Kolonne. Schwere Bestandteile bleiben überwiegend flüssig.

2 · Dampf steigt auf

Die Temperatur nimmt nach oben ab. Wiederholtes Verdampfen und Kondensieren reichert leichter flüchtige Bestandteile im aufsteigenden Dampf an.

3 · Fraktionen abziehen

An verschiedenen Stellen werden Gemische mit ähnlichen Siedebereichen entnommen. Eine Fraktion ist normalerweise kein Reinstoff.

4 · Weiterverarbeiten

Die Fraktionen werden gereinigt und je nach Verwendungszweck weiter umgewandelt oder gemischt. Kraftstoffe sind keine einzelnen Molekülsorten.

Innerhalb der unverzweigten Alkane steigt die Siedetemperatur im Allgemeinen mit der Kettenlänge: Größere Moleküle besitzen stärkere London-Kräfte. Zum Verdampfen werden zwischenmolekulare Anziehungen überwunden; C–C-Bindungen bleiben dabei erhalten.

Die Kolonne ist schematisch. Siedebereiche überlappen; eine feste C-Zahl gehört nicht eindeutig zu genau einer Fraktion. Schwere Rückstände lassen sich unter vermindertem Druck weiter destillieren.

Cracken: Aus langen werden kürzere Kohlenwasserstoffe

C₁₀H₂₂ → C₆H₁₄ + C₄H₈

Beim Cracken werden unter geeigneten Bedingungen C–C-Bindungen gespalten. Neue Bindungen entstehen; kürzere Alkane und Alkene können gebildet werden. Im Beispiel entstehen Hexan und ein Buten.

CH₃CH₂CH₂CH₂CH₂CH₃Hexan · C₆H₁₄CH₂CHCH₂CH₃But-1-en · C₄H₈ · neue Doppelbindung
C: 10 = 6 + 4   ·   H: 22 = 14 + 8

Die Wasserstoffbilanz erklärt, warum nicht einfach zwei gesättigte Alkane entstehen: Hexan und Butan hätten zusammen 24 H-Atome. Die gezeigten Produkte besitzen zusammen nur die verfügbaren 22.

Das ist eine mögliche ausgeglichene Gesamtgleichung, kein einzelner Mechanismusschritt. Reale Crackprozesse liefern Gemische und können weitere Reaktionen einschließen.

Crack-Werkstatt: Die Atombilanz muss stimmen

Verändere die Länge des Alkanprodukts. Die restlichen C-Atome bilden im Modell ein unverzweigtes Alken mit endständiger Doppelbindung.

CH₃CH₂CH₂CH₂CH₂CH₃Alkan · 6 C-AtomeCH₂CHCH₂CH₃Alken · 4 C-Atome
C₁₀H₂₂ → C₆H₁₄ + C₄H₈

Der Regler erzeugt formal mögliche Bilanzbeispiele. Er sagt keine reale Produktverteilung oder bevorzugte Spaltstelle voraus.

Thermisches und katalytisches Cracken

Thermisches Cracken

Hohe Temperaturen lösen Bindungsspaltungen und Folgereaktionen aus. Radikalische Reaktionswege spielen eine wichtige Rolle. Bedingungen und Produkte hängen vom Verfahren ab.

Katalytisches Cracken

Geeignete saure Katalysatoren, etwa Zeolithe, eröffnen andere Reaktionswege. Dabei sind ionische Zwischenstufen und Umlagerungen wichtig.

Steamcracken

Ein thermisches Verfahren mit Wasserdampf als Verdünnungsmittel, besonders zur Gewinnung kleiner Alkene wie Ethen und Propen.

Alkene weiterverwenden

Die Doppelbindung ist ein Ausgangspunkt für Additionen und Polymerisationen. Ethen kann beispielsweise zu Polyethylen umgesetzt werden.

n CH₂=CH₂ → [–CH₂–CH₂–]ₙ

Cracken ist keine Verbrennung: Bei der idealisierten Spaltung entstehen Kohlenwasserstoffe, nicht CO₂ und Wasser. Ein Hydrocrackverfahren nutzt zusätzlich Wasserstoff; das ist ein anderes Bilanzmodell.

Rechenbeispiel: 142 g Decan im Modell

Für C₁₀H₂₂ → C₆H₁₄ + C₄H₈ verwenden wir gerundete molare Massen: 142, 86 und 56 g/mol. Reines Decan werde vollständig nach genau dieser Gleichung umgesetzt.

n(Decan) = 142 g / (142 g/mol) = 1,00 mol
1 mol Decan → 1 mol Hexan + 1 mol Buten
m(Hexan) = 86 g   ·   m(Buten) = 56 g

86 g + 56 g = 142 g: Die Masse bleibt erhalten. Reale Raffinerieausbeuten lassen sich aus dieser einen Modellgleichung nicht ableiten.

Selbstcheck: Destillation, Cracken und Atombilanz

1 · Warum hat Erdöl keinen einzigen Siedepunkt?

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Es enthält verschiedene Stoffe.
Lösung anzeigen
Die Bestandteile besitzen unterschiedliche Siedetemperaturen. Erdöl siedet daher über einen Bereich.

2 · Ist eine Benzinfraktion ein Reinstoff?

Tipp anzeigen
Was wird in einem Siedebereich gemeinsam aufgefangen?
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Nein, eine Fraktion enthält verschiedene Moleküle mit ähnlichem Siedeverhalten.

3 · Warum sieden längere unverzweigte Alkane meist höher?

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Unterscheide Molekülbindungen und Anziehung zwischen Molekülen.
Lösung anzeigen
Größere Moleküle besitzen stärkere London-Kräfte. Zum Verdampfen braucht man mehr Energie; C–C-Bindungen werden dabei nicht gespalten.

4 · Ergänze C₁₀H₂₂ → C₇H₁₆ + …

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Zähle C und H getrennt.
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C₃H₆. Ein passendes Produkt ist Propen, CH₂=CH–CH₃.

5 · Warum ist C₁₀H₂₂ → C₅H₁₂ + C₅H₁₂ falsch?

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Prüfe die Wasserstoffbilanz.
Lösung anzeigen
Rechts stehen 24 statt 22 H-Atome. C₅H₁₂ + C₅H₁₀ wäre eine passende Bilanz.

6 · Was unterscheidet Cracken von Destillation?

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Werden Moleküle chemisch umgebaut?
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Destillation trennt ein Gemisch durch Verdampfen und Kondensieren. Cracken spaltet und verändert Moleküle chemisch.

7 · 284 g Decan reagieren vollständig zu Hexan und Buten. Berechne beide Massen.

Tipp anzeigen
Das sind 2 mol Decan.
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Es entstehen 2 mol Hexan = 172 g und 2 mol Buten = 112 g. Zusammen 284 g.

8 · Warum sind Alkene wichtige Produkte des Crackens?

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Denke an ihre Doppelbindung.
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Alkene sind reaktive Ausgangsstoffe für Synthesen und Kunststoffe, etwa Ethen für Polyethylen.

Kurzer Begriffscheck

Beim Destillieren eines Alkangemisches …

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Für den Unterricht: Trennen und Umwandeln vergleichen

Einstieg: Die Kolonne lesen und den Temperaturverlauf erklären.
Partnerarbeit: Vor jeder Regleränderung das zweite Crackprodukt vorhersagen.
Sicherung: Atombilanzen prüfen und mit dem Massenbeispiel verbinden.

Kostenlose Materialien zum Weiterüben

Vorschau: Stoffgemische & Trennverfahren – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

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Ergänzende Grundlagen: Stoffgemische und geeignete Trennverfahren.

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Vorschau: Alkane und homologe Reihe – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

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Grundlagen: homologe Reihe und Summenformeln der Alkane.

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Vorschau: Alkane, Alkene & Isomerie – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

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Ergänzung: Alkane und Alkene anhand ihrer Strukturen unterscheiden.

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Fachliche Vertiefung: Chemguide: thermisches und katalytisches Cracken.

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