Physik verstehen und üben · Wellenoptik

Physik · Oberstufe · Schritt für Schritt

Interferenz am Doppelspalt: verstehen und üben

Warum entstehen hinter zwei Spalten viele helle Streifen? Verstehe den Gangunterschied, berechne Streifenabstände und unterscheide Spaltabstand von Spaltbreite.

Zwei Maße, zwei Wirkungen

d steuert den Abstand der feinen Streifen. b steuert die breite Beugungshülle. Diese Größen darfst du nicht verwechseln.

Grundlagen: Wellenlänge, Interferenz und einfache Bruchrechnung. Die Zuordnung zur Klassenstufe hängt von Schulform und Bundesland ab.

Wie werden aus zwei Öffnungen viele Streifen?

Zwei schmale parallele Spalte werden von derselben geeigneten Lichtwelle beleuchtet. Hinter beiden breiten sich Lichtwellen aus, die sich auf dem Schirm überlagern. Ist der Wegunterschied passend, verstärken sie sich; an anderen Stellen schwächen sie sich ab.

Für ein stabiles Muster müssen die Teilwellen eine ausreichend feste Phasenbeziehung haben: Sie sind kohärent. Das einfache Modell nimmt gleichphasige Beleuchtung, gleiche Spalte, gleiche Polarisation und monochromatisches Licht an. Zwei voneinander unabhängige Taschenlampen erzeugen nicht automatisch dieses Muster.

In dieser Seite geht es um die klassische Wellenoptik. Die Deutung einzelner Photonen oder Elektronen gehört zur späteren Quantenphysik.

Spaltabstand d ist nicht Spaltbreite b

Einfallendes Licht →Abstand djeweils Breite by = 0PySchirmSchirmabstand L
Aufbau von oben, stark vergrößert und nicht maßstabsgetreu. y wird vom Zentrum auf dem Schirm aus gemessen. d verbindet die Spaltmitten; b beschreibt die Breite jeder einzelnen Öffnung.

d ist der Abstand der beiden Spaltmitten. b ist die Breite eines einzelnen Spalts. L bezeichnet den Abstand zum Schirm. y ist die seitliche Entfernung vom zentralen hellen Streifen. Die beiden blauen Linien markieren zwei Wege zum selben Beobachtungspunkt P.

Feine Streifen und breite Hülle getrennt untersuchen

Vergrößere zuerst nur d. Beobachte den Abstand benachbarter heller Streifen. Stelle zurück und vergrößere dann nur b: Welche Eigenschaft des Musters verändert sich jetzt?

Streifenabstand: etwa 4,0 mm. Beugungshülle: etwa 24,0 mm breit.
Relative Intensität I / I im Zentrum10-50-40-30-20-1001020304050Schirmposition y in mm · feste Skala
Blau: normierte Intensität. Gestrichelt: Einzelspalt-Beugungshülle. Die gleiche Skala bleibt beim Verstellen erhalten. Die Kurve zeigt Helligkeitsverteilung, keine Flugbahn und keine Form einer Lichtwelle.

Fernfeldmodell für gleichmäßig beleuchtete Spalte und monochromatisches Licht. Jede Einstellung ist auf ihr eigenes Zentralmaximum normiert; absolute Helligkeiten werden nicht verglichen. Die Anzeige nennt Näherungswerte für kleine Winkel.

Entdeckung: Größeres d rückt die Interferenzstreifen zusammen. Größeres b verengt die Beugungshülle. Größere λ oder größeres L ziehen das Muster auf dem Schirm auseinander.

Unterrichtsimpuls: Welche Größe wurde geändert?

Eine Person verändert einen Regler, die anderen sehen nur das Diagramm. Engere Streifen bei gleicher Hülle sprechen für größeres d. Eine engere Hülle bei fast gleichem Streifenabstand spricht für größeres b. Die normierte Helligkeit erlaubt keinen Rückschluss auf die insgesamt übertragene Lichtleistung.

Vom Gangunterschied zum Streifenabstand

Im Fernfeld verlaufen die Wege zum selben Schirmpunkt nahezu parallel. Der Gangunterschied beträgt näherungsweise Δs = d · sin θ. Bei gleichphasigen Quellen gilt für die Maxima des idealen Zwei-Quellen-Musters:

d · sin θk = k · λ   mit k = 0, ±1, ±2, …

In der Mitte ist k = 0. Der Wegunterschied ist null: ein helles Maximum. Für dunkle Stellen gilt bei gleichen Amplituden:

d · sin θ = (k + 12) · λ

Mit y = L · tan θ und kleinen Winkeln folgt:

ykk · λ · Ld   und   Δy ≈ λ · Ld

Δy meint den Abstand benachbarter heller Streifen. Der Abstand vom Maximum k = −1 zum Maximum k = +1 beträgt 2Δy. Bei großen Winkeln ist die gleichmäßige Abstandsnäherung ungeeignet: Berechne zuerst θ und dann y = L · tan θ.

Streifenabstand berechnen – und die Wellenlänge bestimmen

Gegeben: λ = 600 nm, d = 0,30 mm, L = 2,0 m. Gesucht ist der Abstand benachbarter heller Streifen.

1. Umrechnen: λ = 6,00 · 10−7 m; d = 3,00 · 10−4 m.

Δy ≈ 6,00 · 10−7 m · 2,0 m3,00 · 10−4 m = 0,0040 m = 4,0 mm

2. Positionen: Das erste rechte Maximum liegt etwa bei +4,0 mm, das zweite bei +8,0 mm. Zwischen dem ersten linken und ersten rechten Maximum liegen 8,0 mm.

3. Aus einer Messung λ bestimmen: Sechs helle Streifen begrenzen fünf Abstände. Beträgt die Strecke zwischen dem ersten und sechsten Streifen 20 mm, ist Δy = 4,0 mm.

λ ≈ Δy · dL = 0,0040 m · 3,00 · 10−4 m2,0 m = 6,00 · 10−7 m = 600 nm

Warum verschwinden manche Maxima?

Reale Spalte haben eine endliche Breite. Deshalb liegt das feine Doppelspaltmuster unter einer Einzelspalt-Beugungshülle. Deren erste Minima liegen bei b · sin θ = ±λ. Außerhalb des Zentrums werden die Streifen insgesamt schwächer.

Fällt ein Maximum des idealen Interferenzfaktors genau mit einem Minimum der Hülle zusammen, fehlt diese Ordnung im Gesamtbild. In der Ausgangseinstellung gilt d = 0,30 mm und b = 0,10 mm, also d = 3b. Die dritte Interferenzordnung fällt mit dem ersten Minimum der Hülle zusammen: Bei ungefähr ±12 mm bleibt es dunkel.

Die Formel für yk beschreibt die Maxima des idealen Interferenzfaktors. Im vollständigen Muster können die Spitzen durch die Hülle etwas verschoben sein oder ganz fehlen. Der Regler berücksichtigt beide Faktoren.

Diese Fehler kannst du vermeiden

Millimeter und Nanometer vermischen: Vor dem Einsetzen alles in Meter umrechnen. 1 mm = 10−3 m, 1 nm = 10−9 m.

Breite und halbe Breite verwechseln: Zeichne die beiden Messpunkte ein, bevor du eine Formel auswählst.

Helligkeit aus der normierten Grafik ablesen: Der Zentralwert ist immer 1. Ein schmalerer Spalt lässt bei gleicher Beleuchtung weniger Gesamtlicht durch; die Grafik macht keine absolute Leistungsbilanz.

Die Näherung überall verwenden: Unsere Formeln setzen das Fernfeld voraus. Die einfachen Schirmabstände zusätzlich kleine Winkel. Für Nahfeldbilder brauchst du ein anderes Modell.

Sechs Aufgaben zum Selbstcheck

Erst vorhersagen oder selbst rechnen, dann die Lösung öffnen.

1 · d wird verdoppelt. Was geschieht mit Δy?

Lösung ansehen

Bei gleichem λ und L halbiert sich der Streifenabstand.

2 · Wofür steht b?

Lösung ansehen

Für die Breite eines einzelnen Spalts. Sie bestimmt die breite Beugungshülle.

3 · λ = 500 nm, L = 2 m, d = 0,25 mm: Berechne Δy.

Lösung ansehen

Δy ≈ 4,0 mm. Alle Größen zuvor in Meter umrechnen.

4 · Zwischen sechs benachbarten Maxima misst du 15 mm. Wie groß ist Δy?

Lösung ansehen

3 mm. Sechs Maxima begrenzen fünf Abstände.

5 · Warum ist die Mitte hell?

Lösung ansehen

Die Wege sind gleich lang. Bei gleichphasiger Beleuchtung treffen die Beiträge dort gleichphasig ein.

6 · d = 4b. Welche Interferenzordnung fehlt am ersten Minimum der Hülle?

Lösung ansehen

Die vierte Ordnung auf jeder Seite. Dort gilt d · sin θ = 4λ, während b · sin θ = λ die Einzelspalt-Auslöschung verursacht.

Passende kostenlose Arbeitsblätter

Interferenz am klassischen Doppelspalt – kostenloses Physik-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)
Kostenlos · PDF

Interferenz am klassischen Doppelspalt – kostenloses Physik-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Streifenabstände berechnen und Spaltabstand von Spaltbreite unterscheiden. Mit Lösungen.

Material und Details ansehen →
Beugung am Einzelspalt – kostenloses Physik-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)
Kostenlos · PDF

Beugung am Einzelspalt – kostenloses Physik-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

Die Beugungshülle verstehen: Minima und zentrales Maximum eines einzelnen Spalts üben.

Material und Details ansehen →

Mit einem Physikbuch weiterlernen

Zum zusammenhängenden Wiederholen in der Oberstufe: Dieses Nachschlagebuch ergänzt die einzelnen Lernseiten um weitere Inhalte zu Feldern und Wellen. Prüfe den Umfang auf der Produktseite.

STARK Physik 2 Oberstufe - KOMPAKT - Elektromagnetisches Feld und Relativitätstheorie
Kaufbares Physikbuch

STARK Physik 2 Oberstufe - KOMPAKT - Elektromagnetisches Feld und Relativitätstheorie

Kompakter Begleiter zum Wiederholen von Oberstufenphysik. Preis und genauer Inhalt stehen auf der Produktseite.

Material und Details ansehen →

Häufige Fragen

Warum sind im Diagramm keine fliegenden Lichtpunkte animiert?

Beobachtet wird eine stationäre Intensitätsverteilung. Die Regler verändern gezielt die Versuchsbedingungen. Fliegende Punkte würden hier eher eine falsche Teilchenbahn suggerieren, als das Wellenmodell zu erklären.

Kann ich die Darstellung im Unterricht zeigen?

Ja. Nutze die Großansicht und lasse vor jeder Änderung eine Vorhersage begründen. Die aufklappbaren Lösungen eignen sich für eine gemeinsame Auswertung. Die Simulation ersetzt keinen realen Messversuch.

Fachlicher Abgleich zur Einzelspalt-Minimumsbedingung: OpenStax, University Physics 3, Abschnitt 4.1. Texte, Beispiele und Diagramme dieser Seite sind eigenständig erstellt.

Footer image

© 2026 Lernmarktplatz,

    • American Express
    • Apple Pay
    • Google Pay
    • Klarna
    • Maestro
    • Mastercard
    • MobilePay
    • PayPal
    • Visa