Biologie · Verstehen und üben

DNA-Replikation

Wie wird DNA vor einer Zellteilung kopiert? Entdecke Enzyme, Strangrichtungen und den experimentellen Nachweis – mit beschrifteten Detailzeichnungen und Replikations-Werkstatt.

Das kannst du danach

Semikonservative Verdopplung erklärenLeit- und Folgestrang unterscheidenVersuchsergebnisse begründen

Aus einem DNA-Molekül werden zwei

Vor einer Zellteilung wird die DNA in der S-Phase verdoppelt. Bei der Replikation dienen die beiden alten Einzelstränge als Vorlagen (Matrizen). Zu A wird T, zu G wird C ergänzt. So entstehen zwei DNA-Doppelstrangmoleküle mit grundsätzlich gleicher Basenfolge.

1 · Doppelstrang öffnen

H3′5′5′3′ÖffnungLeitstrangFolgestrang
Die Helicase (H) trennt die Basenpaarungen. An der Replikationsgabel werden beide alten Stränge zugänglich. Die Gabel ist hier nach oben gerichtet; die Detailbilder unten sind zur besseren Lesbarkeit gedreht.

2 · Alt und neu kombinieren

Zwei Tochter-DNA-Molekülealt + neualt + neu
Blau: alter Strang. Grün: neuer Strang. Jeder Doppelstrang enthält je einen davon: Die Verdopplung heißt semikonservativ.
DNA-Menge ist nicht Chromosomenzahl

Nach der S-Phase besitzt ein Chromosom zwei Schwesterchromatiden. DNA-Menge und Chromatidenzahl sind verdoppelt; die Chromosomenzahl bleibt zunächst gleich.

Welche Enzyme übernehmen welche Aufgabe?

Baustein / Enzym Aufgabe
Helicase Öffnet die Doppelhelix, indem Basenpaarungen getrennt werden.
Topoisomerase und Einzelstrang-bindende Proteine Entlasten die DNA vor der Gabel beziehungsweise stabilisieren geöffnete Einzelstränge.
Primase Erstellt kurze RNA-Primer als Startstücke.
DNA-Polymerase Verlängert einen vorhandenen Strang am freien 3′-OH-Ende mit passenden DNA-Nukleotiden.
Primerentfernung und DNA-Ergänzung RNA-Startstücke werden entfernt; DNA füllt die entstandenen Lücken. Die beteiligten Enzyme unterscheiden sich bei Bakterien und Eukaryoten.
DNA-Ligase Schließt verbleibende Unterbrechungen im Zucker-Phosphat-Rückgrat.

Warum gibt es einen Leit- und einen Folgestrang?

Die alten Stränge verlaufen antiparallel: einer 3′→5′, der andere 5′→3′. Die DNA-Polymerase kann nur am 3′-Ende verlängern. Jeder neue DNA-Strang entsteht deshalb in 5′→3′-Richtung. Die Matrize wird dabei 3′→5′ gelesen.

Leitstrang · kontinuierlich

3′5′Alte DNA: Matrize5′3′Gabel bewegt sich nach rechts
Die Synthese läuft mit der Öffnungsrichtung der Gabel. Ein RNA-Primer (violett) startet die Verlängerung der neuen DNA (grün).

Folgestrang · in Abschnitten

5′3′Alte DNA: Matrize5′3′5′3′Gabel bewegt sich nach rechts
Nahe der weiterwandernden Gabel werden neue Primer gesetzt. Von ihnen wachsen Okazaki-Fragmente entgegen der Gabelbewegung. Auch jedes Fragment wächst 5′→3′.

Nach Entfernung der RNA-Primer und Ersatz durch DNA verbindet die Ligase die Abschnitte zu einem durchgehenden Strang. „Diskontinuierlich“ bedeutet in Teilstücken – nicht in wechselnder Syntheserichtung.

Replikations-Werkstatt

Die Matrize ist ausdrücklich von 3′ nach 5′ notiert. Trage bis zu zwölf DNA-Basen ein. Lass dir den dazu antiparallelen neuen Strang und dessen Schreibweise erklären.

5′–ATGCCATG–3′

A paart mit T, G mit C. Der neue Strang wächst 5′→3′.

Aus einem DNA-Molekül entstehen zwei. Beide enthalten einen ursprünglichen Strang.

Meselson und Stahl: Wie lässt sich das prüfen?

Bakterien wurden zunächst mit schwerem Stickstoff ¹⁵N kultiviert, dann in ein Medium mit ¹⁴N überführt. Neu gebildete DNA enthält danach leichten Stickstoff. Die Dichte der DNA wird durch Zentrifugation untersucht.

Nach einer Replikationsrunde

Eine Bande mittlerer Dichte: Jedes Molekül enthält einen schweren alten und einen leichten neuen Strang. Das widerlegt das konservative Modell mit getrennt ganz alter und ganz neuer DNA.

Nach zwei Replikationsrunden

Eine mittelschwere und eine leichte Bande: Im idealisierten Modell liegen je 50 % Hybrid-DNA und leichte DNA vor. Dies unterscheidet semikonservative von dispersiver Verdopplung.

Bakterien, Eukaryoten und Genauigkeit

Beim Modellbakterium E. coli beginnt die Replikation des ringförmigen Chromosoms an einem Ursprung; zwei Gabeln bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen. Eukaryotische Chromosomen besitzen viele Replikationsursprünge. So können ihre langen DNA-Moleküle parallel kopiert werden.

Viele replikative Polymerasen prüfen die gerade eingebaute Base (Proofreading). Weitere Reparatursysteme korrigieren Fehler. Verbleibende dauerhafte Änderungen können Mutationen sein.

Vertiefung: Die Enden linearer Chromosomen lassen sich durch gewöhnliche Replikation nicht vollständig erhalten. Telomere schützen diese Enden; Telomerase kann die Wiederholungssequenzen in bestimmten Zellen verlängern.

10 Aufgaben: Wissen anwenden und Zusammenhänge erklären

Löse zunächst ohne Hilfe. Die Tipps führen zum Ansatz; die Lösungen zeigen, welche Fachbegriffe und Begründungen dazugehören.

1 · Was bedeutet semikonservativ?

Tipp anzeigen
Alt und neu in jedem Molekül.
Lösung anzeigen
Jede Tochter-DNA besteht aus einem alten und einem neu synthetisierten Strang.

2 · Ergänze zu 3′–TAGC–5′ den neuen Strang.

Tipp anzeigen
Antiparallel und komplementär.
Lösung anzeigen
5′–ATCG–3′.

3 · In welche Richtung wächst neue DNA?

Tipp anzeigen
Am 3′-OH wird angefügt.
Lösung anzeigen
Immer 5′→3′, am Leitstrang und in jedem Okazaki-Fragment.

4 · Warum braucht die Polymerase einen Primer?

Tipp anzeigen
Start und Verlängerung unterscheiden.
Lösung anzeigen
Sie kann nicht ohne vorhandenes 3′-OH-Ende beginnen. Der RNA-Primer stellt es bereit.

5 · Warum entstehen Okazaki-Fragmente?

Tipp anzeigen
Antiparallele Matrizen und Gabelbewegung verbinden.
Lösung anzeigen
Am Folgestrang muss die 5′→3′-Synthese entgegen der Gabelbewegung laufen. Wiederholt neu freigelegte Abschnitte brauchen neue Primer.

6 · Was verbindet die Ligase?

Tipp anzeigen
Rückgrat, nicht gegenüberliegende Basen.
Lösung anzeigen
Sie schließt Unterbrechungen zwischen benachbarten DNA-Abschnitten im Zucker-Phosphat-Rückgrat.

7 · Verdoppelt sich in der S-Phase die Chromosomenzahl?

Tipp anzeigen
Chromatid und Chromosom unterscheiden.
Lösung anzeigen
Nein. Ein-Chromatid-Chromosomen werden zu Zwei-Chromatid-Chromosomen; die DNA-Menge verdoppelt sich.

8 · Welche Banden gibt es nach zwei Runden im Meselson-Stahl-Modell?

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Ursprüngliche Stränge bleiben erhalten.
Lösung anzeigen
Eine Hybrid-Bande und eine leichte Bande, im idealisierten Modell zu gleichen Anteilen.

9 · Warum haben eukaryotische Chromosomen viele Ursprünge?

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Länge und Zeit.
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Viele parallele Replikationsbereiche ermöglichen das Kopieren der langen DNA in begrenzter Zeit.

10 · Was unterscheidet Replikation von Transkription?

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Produkt und Umfang.
Lösung anzeigen
Replikation kopiert die gesamte DNA vor Zellteilung in DNA. Transkription schreibt ausgewählte Abschnitte in RNA um.

Kurzer Begriffscheck

Welche Aussage stimmt?

Wähle eine Antwort.

Für den Unterricht

Modellarbeit: Zwei antiparallele Papierstränge mit 5′- und 3′-Enden auslegen. Neue Abschnitte ausschließlich am 3′-Ende verlängern.

Auswertung: Aus dem Modell begründen, warum mehrere Primer nötig werden. Anschließend die Banden des Meselson-Stahl-Versuchs vorhersagen.

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Fachliche Vertiefung: OpenStax · Biology 2e. Umfang und Klassenstufe unterscheiden sich nach Bundesland und Schulart. Eigene Modellzeichnungen; nicht maßstabsgetreu.

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