Mathe verstehen und üben / Differentialgleichungen bei Wachstum und Zerfall

Mathe · Klasse 11–13 · etwa 45–60 Minuten

Differentialgleichungen bei Wachstum und Zerfall

Du löst einfache Anfangswertprobleme, bestimmst Raten und Zeiten und prüfst exponentielles sowie beschränktes Wachstum.

Voraussetzungen ansehen

Exponentialfunktion, Logarithmen und Kettenregel.

01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten

Was kannst du schon?

3 kurze Aufgaben

Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.

Zahlen mit Komma oder Punkt; Brüche mit /. Exakte Werte etwa ln(2), sqrt(2) oder e^2. Mehrere Werte mit Semikolon trennen und die gefragte Reihenfolge beachten. Entscheidungen: ja oder nein.

02 · Verstehen

Was eine Differentialgleichung aussagt

Die Änderungsrate hängt vom Bestand ab

y′(t) = k · y(t)

Je größer der Bestand, desto größer der Betrag seiner Änderung pro Zeiteinheit. Mit konstantem k beschreibt dies exponentielles Wachstum oder Zerfall.

Eine Differentialgleichung verknüpft eine gesuchte Funktion mit einer oder mehreren ihrer Ableitungen. In einem Bestandsmodell bezeichnet y(t) den Bestand zur Zeit t und y′(t) seine momentane Änderungsrate.

Die Gleichung y′ = ky beschreibt zunächst eine Änderungsregel, noch keinen einzelnen Verlauf. Erst eine Anfangsbedingung wie y(0) = 100 legt fest, mit welchem Bestand das Modell startet.

Anders als bei einer gewöhnlichen Gleichung suchst du hier eine Funktion. Eine Lösung muss die Differentialgleichung für alle betrachteten Zeiten erfüllen.

Exponentielles Wachstum und Zerfall

Für eine konstante Zahl k lautet das Modell:

y′(t) = k · y(t)

Die allgemeine Lösung ist:

y(t) = C · ekt

Die Anfangsbedingung y(0) = y₀ ergibt C = y₀, weil e⁰ = 1. Somit:

y(t) = y₀ · ekt

Für einen positiven Anfangsbestand gilt: k > 0 führt zu Wachstum, k < 0 zu Zerfall und k = 0 zu einem konstanten Bestand. Bei y₀ = 0 ist y(t) = 0 die Lösung für jedes k.

Die Lösung durch Ableiten prüfen

Nimm y(t) = 100e hoch 0,2t. Mit der Kettenregel ergibt sich:

Beispiel · Schritt für Schritt

Differentialgleichung und Anfangswert kontrollieren

Gegeben: y(t) = 100e0,2t
Zu prüfen: y′ = 0,2y und y(0) = 100

RechnungErklärung zum Schritt
y′(t) = 100 · 0,2e0,2t
1 Mit der Kettenregel ableiten

Leite y(t) = 100e hoch 0,2t mit der Kettenregel ab.

y′(t) = 20e0,2t
2 Die Faktoren zusammenfassen

Multipliziere die konstanten Faktoren.

y′(t) = 0,2 · y(t)
3 Mit der Differentialgleichung vergleichen

Vergleiche mit 0,2 · 100e hoch 0,2t. Die Differentialgleichung ist erfüllt.

y(0) = 100e⁰ = 100
4 Den Anfangswert prüfen

Prüfe zusätzlich die Anfangsbedingung.

Die Funktion erfüllt also y′ = 0,2y. Außerdem ist y(0) = 100. Damit sind sowohl Differentialgleichung als auch Anfangsbedingung geprüft.

Wenn t in Stunden gemessen wird, hat k hier die Einheit pro Stunde. Der Exponent kt muss einheitenlos sein. Der Anfangswert 100 ist ein Bestand, die anfängliche Änderungsrate 20 dagegen ein Bestand pro Stunde.

Wie man auf die Exponentiallösung kommt

Für ein Bestandsmodell mit y(t) > 0 lässt sich die Lösung in vier Schritten herleiten:

Beispiel · Schritt für Schritt

Die Exponentiallösung schrittweise herleiten

Differentialgleichung y′(t) = k · y(t) · konstanter Parameter k
Anfangswert y(0) = y₀ > 0 · vorausgesetzt: y(t) > 0
Gesucht: Lösungsfunktion

RechnungErklärung zum Schritt
= k
1 Durch den positiven Bestand teilen

1. Durch den Bestand teilen: Hier wird y(t) > 0 vorausgesetzt.

ln(y(t)) = kt + C₁
2 Beide Seiten integrieren

2. Integrieren nach t: Nach der Kettenregel ist y′(t)/y(t) die Ableitung von ln(y(t)).

y(t) = ekt + C₁
3 Die Exponentialfunktion anwenden

3. Wende die Exponentialfunktion auf beide Seiten an.

y(t) = eC₁ · ekt
4 Die Exponentialterme aufteilen

Verwende e hoch (a+b) = e hoch a · e hoch b.

y(t) = C · ekt
5 Die Konstante zusammenfassen

Setze C = e hoch C₁. In dieser Herleitung ist C positiv.

y(0) = C · e⁰ = y₀
6 Den Anfangswert einsetzen

4. Setze die Anfangsbedingung ein. Weil e⁰ = 1, folgt C = y₀.

y(t) = y₀ · ekt
7 Die Lösungsfunktion angeben

Damit ist die Lösung für den positiven Anfangsbestand bestimmt.

Beim Teilen durch y wurde die Nulllösung ausgeschlossen. Sie erfüllt y′ = ky ebenfalls und gehört zu C = 0. Für negative Lösungen verwendet man ln|y(t)|; dann kann C negativ sein. Insgesamt lautet die allgemeine Lösung Cekt mit C ∈ ℝ.

k aus zwei Bestandswerten bestimmen

Ein positiver Bestand wächst in 3 Stunden von 100 auf 200. Es gilt:

Beispiel · Schritt für Schritt

Die Rate aus zwei Bestandswerten bestimmen

Exponentielles Modell · y(0) = 100 · y(3) = 200
Zeit t in Stunden
Gesucht: kontinuierliche Rate k

RechnungErklärung zum Schritt
200 = 100e3k
1 Die Bestandswerte einsetzen

Setze den Anfangsbestand 100 und den Bestand 200 nach drei Stunden ein. t wird in Stunden eingesetzt.

2 = e3k
2 Durch den Anfangsbestand teilen

Teile durch 100.

ln(2) = 3k
3 Beide Seiten logarithmieren

Logarithmiere beide positiven Seiten.

k =
4 Nach k auflösen

Teile durch 3. Die Rate hat die Einheit pro Stunde.

k ≈ 0,2310 h−1
5 Die Rate mit ihrer Einheit angeben

Runde erst am Ende. Verwende für weitere Rechnungen den exakten Wert.

Damit lautet die Funktion y(t) = 100e hoch ((ln 2) · t geteilt durch 3). Nach 6 Stunden ist der Bestand 400. Allgemein für positive Bestände gilt:

k =

Diese Formel setzt t₁ ungleich 0 und das Modell y(0) = y₀ voraus. Bei einem anderen Startzeitpunkt verwendest du die entsprechende Zeitdifferenz.

Halbwertszeit und Verdopplungszeit

Bei Zerfall mit k < 0 soll nach der Halbwertszeit T nur noch die Hälfte des positiven Anfangsbestands vorhanden sein. Aus e hoch kT = ein Halb folgt:

Thalb =

Beispiel · Schritt für Schritt

Die Zeit bis zur Halbierung bestimmen

Zerfallsmodell y′ = −0,1y · Anfangswert y(0) = 80
Gesucht: Halbwertszeit T

RechnungErklärung zum Schritt
y(t) = 80e−0,1t
1 Die Lösungsfunktion aufstellen

Beispiel: y′ = −0,1y mit y(0) = 80. k = −0,1 gilt pro verwendeter Zeiteinheit.

e−0,1T = 0,5
2 Den halben Anfangsbestand ansetzen

Nach der Halbwertszeit soll die Hälfte des Anfangsbestands übrig sein.

−0,1T = ln(0,5)
3 Beide Seiten logarithmieren

Logarithmiere beide Seiten.

T =
4 Nach der Zeit auflösen

Löse nach T auf; ln(0,5) = −ln(2).

T ≈ 6,93
5 Die Halbwertszeit angeben

Die Halbwertszeit beträgt ungefähr 6,93 Zeiteinheiten. Nach der exakten Halbwertszeit ist der Bestand 40.

Für Wachstum mit k > 0 gilt entsprechend:

Tdoppelt =

Bei einem unveränderten k sind diese Zeiten unabhängig von der Größe des positiven Anfangsbestands.

Selbst ausprobieren: Was verändert die Zeit?

Verändere die beiden Zeiten unabhängig voneinander. Vergleiche jeweils die farbige Kurve mit der gestrichelten Kurve für 3 Stunden. Beide Modelle starten bei 100; dargestellt werden immer dieselben 6 Stunden.

Wachstum: Wie schnell verdoppelt sich der Bestand?

Startbestand: 100. Nach einer Verdopplungszeit sind es 200, nach zwei Verdopplungszeiten 400.

02004006008000123456BestandZeit t in Stunden
Farbige Kurve: gewählte Verdopplungszeit. Grau gestrichelt: Vergleich mit 3 Stunden; bei gleicher Einstellung liegen die Kurven übereinander. Der Punkt markiert die erste Verdopplung. Die Achsen bleiben beim Verschieben fest.

Verdopplungszeit: 3 Stunden. k ≈ 0,23 pro Stunde. Nach 6 Stunden: 400.

Zerfall: Wie schnell halbiert sich der Bestand?

Startbestand: 100. Nach einer Halbwertszeit bleiben 50, nach zwei Halbwertszeiten 25.

02550751000123456BestandZeit t in Stunden
Farbige Kurve: gewählte Halbwertszeit. Grau gestrichelt: Vergleich mit 3 Stunden; bei gleicher Einstellung liegen die Kurven übereinander. Der Punkt markiert die erste Halbierung. Die Achsen bleiben beim Verschieben fest.

Halbwertszeit: 3 Stunden. k ≈ -0,23 pro Stunde. Nach 6 Stunden: 25.

Die Bestandsachsen sind unterschiedlich skaliert: Wachstum von 0 bis 800, Zerfall von 0 bis 100. Vergleiche daher die Kurven innerhalb einer Grafik.

Wachstum: y(t) = 100 · 2t/T

Zerfall: y(t) = 100 · 2−t/T

Dabei ist T die jeweilige Verdopplungszeit oder Halbwertszeit; t und T werden in derselben Zeiteinheit angegeben.

Forscherauftrag: Erst vermuten, dann ausprobieren
  1. Stelle beide Zeiten auf 6 Stunden. Welcher Bestand ist jeweils nach 6 Stunden erreicht?
  2. Halbiere beide Zeiten auf 3 Stunden. Verdoppelt beziehungsweise halbiert sich dadurch einfach der Endbestand?
  3. Vergleicht eure Erklärung: Warum bedeutet eine kürzere Zeit bei beiden Modellen eine schnellere Veränderung?
Beobachtungen und Erklärung ansehen

Bei T = 6 Stunden gibt es eine Verdopplung beziehungsweise Halbierung: 200 und 50. Bei T = 3 Stunden gibt es zwei: 400 und 25. In diesem Vergleich verdoppelt beziehungsweise halbiert sich der Endbestand tatsächlich.

Das ist jedoch kein allgemeiner Faktor beim Halbieren von T: Von T = 3 auf T = 1,5 gäbe es in 6 Stunden vier statt zwei Vorgänge – also 1600 statt 400 beziehungsweise 6,25 statt 25. Entscheidend ist die Anzahl t/T.

Je kleiner T, desto größer ist |k| = ln(2)/T. Wachstum verläuft schneller nach oben, Zerfall schneller nach unten. Der zerfallende Bestand bleibt im Modell positiv und nähert sich 0 an.

Kontinuierliche Rate und Prozentzuwachs unterscheiden

Beispiel · Schritt für Schritt

Die kontinuierliche Rate in Prozentzuwachs übersetzen

Kontinuierliche Rate k = 0,2 pro Stunde
Gesucht: Wachstumsfaktor und prozentualer Zuwachs in einer Stunde

RechnungErklärung zum Schritt
q = e0,2 ≈ 1,2214
1 Den Stundenfaktor berechnen

Für k = 0,2 pro Stunde ist dies der Faktor über eine Stunde.

(q − 1) · 100 ≈ 22,14
2 Den prozentualen Zuwachs bestimmen

Die Prozentzahl des Zuwachses beträgt ungefähr 22,14. k = 0,2 bedeutet daher nicht exakt 20 % Zuwachs nach einer Stunde.

Beispiel · Schritt für Schritt

Aus dem Prozentzuwachs die kontinuierliche Rate bestimmen

Bestandszuwachs: genau 20 % pro Stunde
Gesucht: kontinuierliche Rate k im Modell y′ = ky

RechnungErklärung zum Schritt
q = 1 + 0,20 = 1,2
1 Den Stundenfaktor aufstellen

Wenn der Bestand pro Stunde genau um 20 % zunimmt, ist der Stundenfaktor 1,2.

k = ln(1,2)
2 Den Faktor logarithmieren

Bei t in Stunden erhältst du die kontinuierliche Rate durch Logarithmieren des Stundenfaktors.

k ≈ 0,1823 h−1
3 Die kontinuierliche Rate angeben

Die kontinuierliche Rate beträgt ungefähr 0,1823 pro Stunde.

Die diskrete Schreibweise y(t) = y₀q hoch t und die kontinuierliche Schreibweise y(t) = y₀e hoch kt hängen bei derselben Zeiteinheit durch q = e hoch k zusammen.

Beschränktes Wachstum: Änderung proportional zum Rest

Wächst eine Größe auf eine feste Grenze S zu, passt häufig ein anderes Modell:

y′(t) = k · (S − y(t)), k > 0

Beispiel · Schritt für Schritt

Den Abstand zur Grenze als exponentiellen Rest beschreiben

Modell y′ = k(S − y) · k > 0 · konstante Grenze S
Anfangswert y(0) = y₀
Gesucht: zeitlicher Verlauf des Rests z = S − y

RechnungErklärung zum Schritt
z(t) = S − y(t)
1 Den Rest definieren

Die Änderung ist proportional zur noch fehlenden Menge. Um den negativen Exponenten zu verstehen, betrachte diesen Rest.

z′(t) = −y′(t)
2 Die Restfunktion ableiten

Weil S konstant ist, fällt seine Ableitung weg.

z′(t) = −kz(t)
3 Die Differentialgleichung für den Rest aufstellen

Setze y′ = k(S − y) und z = S − y ein. Der Rest zerfällt exponentiell.

z(0) = S − y₀
4 Den Anfangsrest bestimmen

Bestimme den Anfangswert des Rests.

z(t) = (S − y₀)e−kt
5 Die Restfunktion angeben

Verwende die Exponentiallösung mit Rate −k. Die Formel gilt auch für einen negativen Rest, wenn y₀ > S.

Mit y(t) = S − z(t) folgt:

y(t) = S − (S − y₀)e−kt

Beispiel · Schritt für Schritt

Das beschränkte Wachstum berechnen

Beschränktes Modell · S = 100 · k = 0,3 · y₀ = 20
Gesucht: Funktion, Anfangsrate und Grenzwert

RechnungErklärung zum Schritt
S = 100, k = 0,3, y₀ = 20
1 Die Modellwerte zuordnen

Setze die angegebenen Werte in das beschränkte Wachstumsmodell ein.

S − y₀ = 100 − 20 = 80
2 Die anfangs fehlende Menge berechnen

Die anfangs fehlende Menge beträgt 80.

y(t) = 100 − 80e−0,3t
3 Die Lösungsfunktion aufstellen

Setze den Anfangsrest in die Lösung ein.

y(0) = 100 − 80 = 20
4 Den Anfangswert prüfen

Der Anfangswert stimmt.

y′(0) = 0,3 · 80 = 24
5 Die Anfangsrate bestimmen

Die Anfangsrate ist 24 Bestandseinheiten pro Zeiteinheit.

y(t) → 100 für t → ∞
6 Den Grenzwert untersuchen

Die Exponentialfunktion geht gegen 0; der Bestand nähert sich der Grenze 100.

Beispiel · Schritt für Schritt

Die Lösung des beschränkten Modells prüfen

Gegeben: y(t) = 100 − 80e−0,3t
Zu prüfen: y′(t) = 0,3 · (100 − y(t))

RechnungErklärung zum Schritt
y′(t) = 24e−0,3t
1 Die Funktion ableiten

Leite die Lösung mit der Kettenregel ab: −80 · (−0,3) = 24.

100 − y(t) = 80e−0,3t
2 Die fehlende Menge berechnen

Berechne die noch fehlende Menge.

0,3(100 − y(t)) = 24e−0,3t
3 Beide Seiten der Differentialgleichung vergleichen

Die rechte Seite der Differentialgleichung stimmt mit der Ableitung überein.

Liegt y₀ unter S, steigt der Bestand. Liegt y₀ über S, fällt er auf S zu. Bei y₀ = S bleibt er konstant. Im Modell wird die Grenze aus einem anderen Startwert erst im Grenzwert erreicht.

Das passende Modell aus dem Text erkennen

Beschreibung Differentialgleichung
Konstante Änderung pro Zeiteinheit y′ = c
Änderung proportional zum aktuellen Bestand y′ = ky
Änderung proportional zum Abstand zur Grenze S y′ = k(S − y)

Ein Modell ist eine begründete Vereinfachung. Konstantes exponentielles Wachstum kann reale Ressourcenbegrenzungen nicht dauerhaft beschreiben. Prüfe deshalb, für welchen Zeitraum und unter welchen Bedingungen die Annahme sinnvoll ist.

Das beschränkte Modell ist nicht dasselbe wie logistisches Wachstum. Dort hängt die Rate zusätzlich vom aktuellen Bestand ab.

Dein Rechenplan

  1. Definiere Bestand, Zeitvariable und Einheiten.
  2. Übersetze die Änderungsbeschreibung in eine Differentialgleichung.
  3. Wähle die passende allgemeine Lösungsform.
  4. Setze die Anfangsbedingung ein.
  5. Bestimme unbekannte Parameter aus weiteren Angaben.
  6. Prüfe die Lösung durch Ableiten und Einsetzen.
  7. Interpretiere Grenzwerte und Modellgrenzen im Zusammenhang.

03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten

Übe in deinem Tempo

18 Aufgaben · 3 Stufen

Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Rechne und begründe zuerst auf Papier. Gib anschließend den gefragten Term, die Wertefolge oder das Ergebnis ein. Beachte Voraussetzungen und Sonderfälle.

04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten

Wie sicher bist du jetzt?

5 gemischte Aufgaben

Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.

Lieber auf Papier? Weitere Aufgaben mit Rechenwegen

Dein Wissen anwenden

Sechs Aufgaben zum Selbstcheck

Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.

1 · Löse y′ = 0,2y mit y(0) = 100 und prüfe beide Bedingungen.

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Die Exponentiallösung bestimmen und prüfen

Anfangswertproblem y′ = 0,2y · y(0) = 100
Gesucht: Lösung mit Probe beider Bedingungen

RechnungErklärung zum Schritt
y(t) = Ce0,2t
1 Die allgemeine Lösung wählen

Wähle die allgemeine Lösung zu y′ = 0,2y.

y(0) = C · e⁰ = 100
2 Den Anfangswert einsetzen

Setze die Anfangsbedingung ein. Daraus folgt C = 100.

y(t) = 100e0,2t
3 Die bestimmte Lösung angeben

Setze die Konstante in die Lösung ein.

y′(t) = 20e0,2t
4 Die Funktion ableiten

Probe durch Ableiten mit der Kettenregel.

y′(t) = 0,2y(t)
5 Die Differentialgleichung prüfen

Die Differentialgleichung stimmt; auch y(0) = 100 ist erfüllt.

Erklärung wiederholen →

2 · Wie lautet die Anfangsrate in diesem Beispiel?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Die Anfangsrate berechnen

Modell y′ = 0,2y · Anfangsbestand y(0) = 100
Gesucht: anfängliche Änderungsrate y′(0)

RechnungErklärung zum Schritt
y′(0) = 0,2 · y(0)
1 Den Startzeitpunkt einsetzen

Setze t = 0 in die Differentialgleichung ein.

y′(0) = 0,2 · 100 = 20
2 Den Anfangsbestand mit der Rate multiplizieren

Die Anfangsrate beträgt 20 Bestandseinheiten pro Zeiteinheit.

Erklärung wiederholen →

3 · Ist y(t) = 0 eine Lösung von y′ = ky?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Die Nulllösung gesondert prüfen

Funktion y(t) = 0 · Differentialgleichung y′ = ky
Frage: Ist die Nullfunktion eine Lösung?

RechnungErklärung zum Schritt
y′(t) = 0
1 Die Nullfunktion ableiten

Die Ableitung der konstanten Nulllösung y(t) = 0 ist 0.

k · y(t) = k · 0 = 0
2 Die rechte Seite vergleichen

Auch die rechte Seite ist für jedes k gleich 0. Ja, die Funktion ist eine Lösung. Beim Teilen durch y muss dieser Fall separat berücksichtigt werden.

Erklärung wiederholen →

4 · Ein Bestand sinkt in 4 Stunden von 200 auf 100. Bestimme k und die Funktion im exponentiellen Modell.

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Das Zerfallsmodell aus zwei Bestandswerten bestimmen

Exponentieller Zerfall · y(0) = 200 · y(4) = 100
Zeit t in Stunden
Gesucht: kontinuierliche Rate k und Lösungsfunktion

RechnungErklärung zum Schritt
y(t) = 200ekt
1 Den Anfangsbestand einsetzen

Setze den Anfangsbestand 200 ein. t wird in Stunden gemessen.

100 = 200e4k
2 Den zweiten Bestandswert verwenden

Nach vier Stunden beträgt der Bestand 100.

0,5 = e4k
3 Durch den Anfangsbestand teilen

Teile durch 200.

ln(0,5) = 4k
4 Beide Seiten logarithmieren

Logarithmiere beide positiven Seiten.

k =
5 Die Rate bestimmen

Teile durch 4. Die Rate beträgt ungefähr −0,1733 pro Stunde; das negative Vorzeichen passt zum Zerfall.

y(t) = 200e(ln(0,5)/4)·t
6 Die Lösungsfunktion angeben

Verwende den exakten Wert von k in der Funktion.

y(4) = 200 · 0,5 = 100
7 Den zweiten Bestandswert prüfen

Kontrolliere den zweiten Bestandswert.

Erklärung wiederholen →

5 · Ein Bestand wächst stündlich um 20 %. Tim setzt k = 0,2 pro Stunde. Passt das im kontinuierlichen Modell?

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Prozentzuwachs und kontinuierliche Rate unterscheiden

Bestandszuwachs: genau 20 % pro Stunde
Tims Ansatz: k = 0,2 pro Stunde
Frage: Passt seine kontinuierliche Rate?

RechnungErklärung zum Schritt
q = 1,2
1 Den Stundenfaktor bestimmen

20 % Zunahme pro Stunde ergibt diesen Stundenfaktor.

ek = 1,2
2 Die Exponentialbedingung aufstellen

Bei t als Stunden-Zahlenwert muss der kontinuierliche Faktor dazu passen.

k = ln(1,2)
3 Die passende Rate berechnen

Logarithmiere. Die Rate beträgt ungefähr 0,1823 pro Stunde.

e0,2 ≈ 1,2214
4 Tims Ansatz vergleichen

Tims Wert ergäbe stattdessen ungefähr 22,14 % Zuwachs. Er verwechselt den prozentualen Zuwachs mit der kontinuierlichen Rate.

Erklärung wiederholen →

6 · Ein Bestand startet bei 20 und nähert sich 100. Seine Änderungsrate beträgt das 0,3-Fache der fehlenden Menge pro Stunde. Stelle das Modell auf und bestimme Anfangsrate und Grenzwert.

Lösung und Rechenweg ansehen

Lösung · Schritt für Schritt

Das beschränkte Wachstum modellieren

Anfangsbestand 20 · Grenze 100
Änderungsrate: 0,3-Faches der fehlenden Menge pro Stunde
Gesucht: Modell, Anfangsrate und Grenzwert

RechnungErklärung zum Schritt
y′ = 0,3(100 − y)
1 Die Differentialgleichung aufstellen

Modell: Die Rate ist proportional zur fehlenden Menge. Dazu gilt y(0) = 20; t wird in Stunden gemessen.

100 − 20 = 80
2 Den Anfangsrest berechnen

Berechne die anfangs fehlende Menge.

y(t) = 100 − 80e−0,3t
3 Die Lösungsfunktion angeben

Setze S = 100, y₀ = 20 und k = 0,3 pro Stunde in die Lösung ein.

y′(0) = 0,3 · 80 = 24
4 Die Anfangsrate berechnen

Die Anfangsrate beträgt 24 Bestandseinheiten pro Stunde.

e−0,3t → 0 für t → ∞
5 Den exponentiellen Rest untersuchen

Der exponentielle Rest verschwindet im Grenzwert.

y(t) → 100 für t → ∞
6 Den Grenzwert des Bestands bestimmen

Der Bestand wächst gegen 100, während seine Änderungsrate abnimmt, weil die fehlende Menge kleiner wird.

Erklärung wiederholen →

Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.

Dein nächster Lernschritt

Wie möchtest du weiterlernen?

Passende Materialien zum Thema „Differentialgleichungen bei Wachstum und Zerfall“. Wähle aus, was dir beim Üben und Wiederholen hilft.

Kostenlos · Materialien & Erklärung

Kostenlos weiterüben

Diese Materialien ergänzen die Erklärung und unterstützen dich beim Üben und Nachschlagen.

Optional ergänzen

Bei Bedarf vertiefen

Die kompakte Lernhilfe und ein passender Buchband ergänzen sich beim Wiederholen und Vertiefen. Beachte die jeweilige Klassenstufe.

Wähle aus, was dir hilft0,00 € EUR

Preise inkl. MwSt. Downloads erhältst du per E-Mail, gedruckte Materialien per Post. Ggf. zzgl. Versandkosten.

Dranbleiben

Dein nächster Lernschritt

Noch unsicher?

Wiederhole die Erklärung zu deinem Fehler. Rechne danach eine ähnliche Aufgabe ohne geöffneten Tipp oder Rechenweg.

Gezielt weiterüben →
Für Eltern: in zehn Minuten gemeinsam wiederholen

Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.

Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.

Für Lehrkräfte: Vorschlag für eine Übungsstunde

Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.

Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.

Häufige Fragen

Warum brauche ich eine Anfangsbedingung?

Die Differentialgleichung erlaubt zunächst eine Familie von Lösungen. Die Anfangsbedingung wählt bei diesen Modellen die passende einzelne Lösung aus.

Ist k dieselbe Zahl wie die prozentuale Zunahme pro Zeiteinheit?

Nicht genau. Der Faktor über eine Zeiteinheit ist e hoch k. Aus einem bekannten Faktor q erhältst du k = ln(q).

Wie prüfe ich eine vermutete Lösung?

Leite sie ab, setze sie in die Differentialgleichung ein und prüfe zusätzlich die Anfangsbedingung.

Footer image

© 2026 Lernmarktplatz, Die ganze Bildungswelt an einem Ort

    • American Express
    • Apple Pay
    • Google Pay
    • Klarna
    • Maestro
    • Mastercard
    • MobilePay
    • PayPal
    • Visa