1 · Löse y′ = 0,2y mit y(0) = 100.
Lösung und Rechenweg ansehen
y(t) = 100e hoch 0,2t.
Erklärung wiederholen →Mathe · Klasse 11–13 · Grundlagen und Wiederholung
Übersetze Wachstum und Zerfall in Differentialgleichungen. Bestimme Lösungen mit Anfangsbedingungen, prüfe sie durch Ableiten und unterscheide exponentielles von beschränktem Wachstum.
Die Änderungsrate hängt vom Bestand ab
y′(t) = k · y(t)
Je größer der Bestand, desto größer der Betrag seiner Änderung pro Zeiteinheit. Mit konstantem k beschreibt dies exponentielles Wachstum oder Zerfall.
Lernschritt 1
Eine Differentialgleichung verknüpft eine gesuchte Funktion mit einer oder mehreren ihrer Ableitungen. In einem Bestandsmodell bezeichnet y(t) den Bestand zur Zeit t und y′(t) seine momentane Änderungsrate.
Die Gleichung y′ = ky beschreibt zunächst eine Änderungsregel, noch keinen einzelnen Verlauf. Erst eine Anfangsbedingung wie y(0) = 100 legt fest, mit welchem Bestand das Modell startet.
Anders als bei einer gewöhnlichen Gleichung suchst du hier eine Funktion. Eine Lösung muss die Differentialgleichung für alle betrachteten Zeiten erfüllen.
Lernschritt 2
Für eine konstante Zahl k lautet das Modell:
y′(t) = k · y(t)
Die allgemeine Lösung ist:
y(t) = C · ekt
Die Anfangsbedingung y(0) = y₀ ergibt C = y₀, weil e⁰ = 1. Somit:
y(t) = y₀ · ekt
Für einen positiven Anfangsbestand gilt: k > 0 führt zu Wachstum, k < 0 zu Zerfall und k = 0 zu einem konstanten Bestand. Bei y₀ = 0 ist y(t) = 0 die Lösung für jedes k.
Lernschritt 3
Nimm y(t) = 100e hoch 0,2t. Mit der Kettenregel ergibt sich:
y′(t) = 20e0,2t = 0,2 · y(t)
Die Funktion erfüllt also y′ = 0,2y. Außerdem ist y(0) = 100. Damit sind sowohl Differentialgleichung als auch Anfangsbedingung geprüft.
Wenn t in Stunden gemessen wird, hat k hier die Einheit pro Stunde. Der Exponent kt muss einheitenlos sein. Der Anfangswert 100 ist ein Bestand, die anfängliche Änderungsrate 20 dagegen ein Bestand pro Stunde.
Lernschritt 4
Für eine Lösung, die nicht 0 ist, kannst du y′ = ky durch y teilen:
= k
Die linke Seite ist die Ableitung von ln|y(t)|. Integrieren liefert ln|y(t)| = kt + C₁. Nach dem Exponentieren und Zusammenfassen der Konstanten erhältst du y(t) = Ce hoch kt.
Durch das Teilen durch y schließt du y = 0 zunächst aus. Prüfe die Nulllösung deshalb separat. Sie erfüllt die ursprüngliche Differentialgleichung ebenfalls.
Lernschritt 5
Ein positiver Bestand wächst in 3 Stunden von 100 auf 200. Es gilt:
200 = 100e3k → 2 = e3k
k = ≈ 0,2310 pro Stunde
Damit lautet die Funktion y(t) = 100e hoch ((ln 2) · t geteilt durch 3). Nach 6 Stunden ist der Bestand 400. Allgemein für positive Bestände gilt:
k =
Diese Formel setzt t₁ ungleich 0 und das Modell y(0) = y₀ voraus. Bei einem anderen Startzeitpunkt verwendest du die entsprechende Zeitdifferenz.
Lernschritt 6
Bei Zerfall mit k < 0 soll nach der Halbwertszeit T nur noch die Hälfte des positiven Anfangsbestands vorhanden sein. Aus e hoch kT = ein Halb folgt:
T_halb =
Beispiel: y′ = −0,1y und y(0) = 80 ergeben y(t) = 80e hoch −0,1t. Die Halbwertszeit beträgt ungefähr 6,93 Zeiteinheiten; danach ist der Bestand 40.
Für Wachstum mit k > 0 gilt entsprechend:
T_doppelt =
Bei einem unveränderten k sind diese Zeiten unabhängig von der Größe des positiven Anfangsbestands.
Lernschritt 7
k = 0,2 pro Stunde bedeutet nicht exakt 20 Prozent Zuwachs nach einer Stunde. Der tatsächliche Stundenfaktor ist e hoch 0,2 ≈ 1,2214, also ungefähr 22,14 Prozent Zuwachs.
Wenn der Bestand dagegen pro Stunde genau um 20 Prozent zunimmt, ist der Stundenfaktor 1,2. Das passende kontinuierliche k ist ln(1,2) ≈ 0,1823 pro Stunde.
Die diskrete Schreibweise y(t) = y₀q hoch t und die kontinuierliche Schreibweise y(t) = y₀e hoch kt hängen bei derselben Zeiteinheit durch q = e hoch k zusammen.
Lernschritt 8
Wächst eine Größe auf eine feste Grenze S zu, passt häufig ein anderes Modell:
y′(t) = k · (S − y(t)), k > 0
Die Änderung ist proportional zur noch fehlenden Menge. Mit y(0) = y₀ lautet die Lösung:
y(t) = S − (S − y₀)e−kt
Beispiel: S = 100, k = 0,3, y₀ = 20. Dann gilt y(t) = 100 − 80e hoch −0,3t. Der Anfangswert ist 20, die Anfangsrate 24 und der Grenzwert für große Zeiten 100.
Die Ableitung ist 24e hoch −0,3t. Die rechte Seite der Differentialgleichung ergibt ebenfalls 0,3 · 80e hoch −0,3t. Beide stimmen überein.
Liegt y₀ unter S, steigt der Bestand. Liegt y₀ über S, fällt er auf S zu. Bei y₀ = S bleibt er konstant. Im Modell wird die Grenze aus einem anderen Startwert erst im Grenzwert erreicht.
Lernschritt 9
| Beschreibung | Differentialgleichung |
|---|---|
| Konstante Änderung pro Zeiteinheit | y′ = c |
| Änderung proportional zum aktuellen Bestand | y′ = ky |
| Änderung proportional zum Abstand zur Grenze S | y′ = k(S − y) |
Ein Modell ist eine begründete Vereinfachung. Konstantes exponentielles Wachstum kann reale Ressourcenbegrenzungen nicht dauerhaft beschreiben. Prüfe deshalb, für welchen Zeitraum und unter welchen Bedingungen die Annahme sinnvoll ist.
Das beschränkte Modell ist nicht dasselbe wie logistisches Wachstum. Dort hängt die Rate zusätzlich vom aktuellen Bestand ab.
Lernschritt 10
Dein Wissen anwenden
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
y(t) = 100e hoch 0,2t.
Erklärung wiederholen →y′(0) = 0,2 · 100 = 20 Bestandseinheiten pro Zeiteinheit.
Erklärung wiederholen →Ja. Beide Seiten sind 0. Beim Teilen durch y muss dieser Fall separat berücksichtigt werden.
Erklärung wiederholen →pro Stunde.
Erklärung wiederholen →≈ 6,93 Zeiteinheiten.
Erklärung wiederholen →100. Der Exponentialterm geht gegen 0.
Erklärung wiederholen →Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.
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Spickzettel ansehen – Preis und Details →Die Differentialgleichung erlaubt zunächst eine Familie von Lösungen. Die Anfangsbedingung wählt bei diesen Modellen die passende einzelne Lösung aus.
Nicht genau. Der Faktor über eine Zeiteinheit ist e hoch k. Aus einem bekannten Faktor q erhältst du k = ln(q).
Leite sie ab, setze sie in die Differentialgleichung ein und prüfe zusätzlich die Anfangsbedingung.