Geografie · Methoden · Grundlagen 5–10 · mit Vertiefungen

Diagramme, Tabellen und Statistiken auswerten

Daten richtig lesen, Entwicklungen verständlich beschreiben und irreführende Darstellungen erkennen: So werden aus Zahlen begründete geografische Aussagen.

Jugendliche zählen und dokumentieren Verkehrsmittel in einer fiktiven Stadt.
KI-generierte Anschauungsszene: Vor der Statistik steht eine klare Erhebung – was wird wo und wie gezählt?

Das kannst du danach: Tabellen und Diagramme auswerten, Anteile und Veränderungen berechnen, geeignete Darstellungen wählen und die Aussagekraft von Daten prüfen.

Zahlen erzählen etwas über Räume

Wie kommen Jugendliche zur Schule? Wächst eine Stadt? Wird mehr Wasser verbraucht? Geografische Fragen lassen sich mit Daten untersuchen. Eine Tabelle ordnet einzelne Werte. Ein Diagramm macht Muster sichtbar. Eine Statistik entsteht, wenn Daten systematisch erhoben, aufbereitet und ausgewertet werden.

Zahlen sprechen nicht für sich allein. Du musst wissen, was, wo, wann und bei wem gemessen wurde. Erst dann kannst du sinnvoll vergleichen. Eine Zählung von Fahrzeugen sagt beispielsweise noch nicht, wie viele Menschen darin sitzen.

Merkmal und Einheit
Ein Merkmal ist die untersuchte Eigenschaft, etwa Verkehrsmittel oder Wasserverbrauch. Die Einheit kann Personen, Kilometer, Liter oder Prozent sein.
Grundgesamtheit und Stichprobe
Die Grundgesamtheit umfasst alle Personen oder Objekte, über die du etwas wissen möchtest. Eine Stichprobe untersucht einen Teil davon. Dieser Teil muss zur Fragestellung passen und möglichst unverzerrt ausgewählt sein.
Absolute und relative Häufigkeit
Absolut heißt: die Anzahl, etwa 60 Fahrradfahrende. Relativ heißt: der Anteil an allen Befragten, etwa 60 von 200 = 30 %.
Quelle und Erhebungszeitpunkt
Die Quelle sagt, wer die Daten erhoben oder veröffentlicht hat. Erhebungsjahr und Veröffentlichungsjahr können verschieden sein.

Welche Darstellung passt zu welcher Frage?

Darstellungen gezielt auswählen
Darstellung Wofür geeignet? Worauf achten?
Tabelle Exakte Werte nachschlagen und mehrere Merkmale vergleichen. Zeilen, Spalten, Einheiten und fehlende Werte prüfen.
Säulen- oder Balkendiagramm Kategorien vergleichen, z. B. Schulwege nach Verkehrsmittel. Säulen stehen senkrecht, Balken waagerecht. Für Größenvergleiche bei null beginnen.
Liniendiagramm Verläufe über eine geordnete Zeitachse, z. B. Einwohnerzahlen. Zeitabstände maßstäblich darstellen; Lücken nicht stillschweigend verbinden.
Kreis- oder 100-%-Banddiagramm Anteile eines Ganzen zeigen. Alle Kategorien müssen zusammen das Ganze ergeben. Rundungsdifferenzen kennzeichnen.
Gestapelte Säulen Zusammensetzung und Gesamtumfang mehrerer Gruppen. Bei 100-%-Säulen sind die Gesamthöhen gleich: absolute Größen bleiben unsichtbar.
Streudiagramm · Vertiefung Zusammenhang zweier Zahlenmerkmale; jeder Punkt ist ein Fall. Ein Muster allein beweist keine Ursache.
Histogramm · Vertiefung Messwerte in Klassen bündeln, z. B. tägliche Weglängen. Klassenbreiten beachten. Bei ungleichen Breiten muss die Fläche die Häufigkeit zeigen.
Ein Ganzes: 200 befragte Lernende = 100 %20 %zu Fuß30 %Fahrrad40 %Bus/Bahn10 %Auto

Das Band zeigt dieselben Anteile, die auch ein Kreisdiagramm zeigen könnte. Es lässt sich besonders gut mit einem zweiten Band vergleichen. Für die genaue Zahl einzelner Personen ist die Tabelle hilfreicher.

Eine sichere Reihenfolge beim Auswerten

  1. Einordnen
    Nenne Thema, Raum, Zeitraum, Quelle, Darstellungsform und Einheit. Prüfe, ob absolute Zahlen, Anteile oder ein Index dargestellt sind.
  2. Ablesen
    Suche Anfangs- und Endwert, Höchst- und Tiefstwert sowie auffällige Unterschiede. Notiere wenige wichtige Zahlen mit Einheit.
  3. Beschreiben und vergleichen
    Formuliere die Hauptaussage, dann Teilentwicklungen und Ausnahmen. Vergleiche nur passende Bezugsgrößen. Eine Stadt mit mehr Menschen hat häufig höhere Gesamtwerte.
  4. Erklären
    Verknüpfe das Muster mit geografischem Wissen oder weiteren Materialien. Trenne eine belegte Ursache von einer bloßen Vermutung.
  5. Beurteilen
    Prüfe Datenqualität, Auswahl und Darstellung. Sage, welche Aussage möglich ist und welche nicht. Nenne fehlende Informationen.

Beschreiben: „Der Wert steigt von 100 auf 130.“ Erklären: „Ein dichterer Takt könnte die Nutzung erleichtert haben.“ Die zweite Aussage braucht weitere Belege.

Anteile, Veränderungen und Kennzahlen berechnen

Erfundene Befragung: hauptsächliches Verkehrsmittel auf dem Schulweg; genau eine Antwort pro Person
Verkehrsmittel Anzahl Anteil
zu Fuß 40 20 %
Fahrrad 60 30 %
Bus/Bahn 80 40 %
Auto 20 10 %
Gesamt 200 100 %
Anteil berechnen

Anteil = Teil ÷ Gesamtzahl × 100 %

Fahrrad: 60 ÷ 200 × 100 % = 30 %

Im Kreisdiagramm wären das 0,30 × 360° = 108°.

Prozent und Prozentpunkte unterscheiden

Ein Anteil steigt von 20 % auf 30 %.

Differenz: 30 % − 20 % = 10 Prozentpunkte.

Relative Zunahme: (30 − 20) ÷ 20 × 100 % = 50 %. Der neue Anteil ist anderthalbmal so groß.

Absolute und relative Veränderung

Busfahrten steigen von 100 auf 130 pro Schultag.

Absolute Veränderung: 130 − 100 = 30 Fahrten.

Relative Veränderung: (130 − 100) ÷ 100 × 100 % = 30 %. Bei einem Ausgangswert von null ist diese Rechnung nicht definiert.

Index · Vertiefung: Setze einen Ausgangswert auf 100. Index = aktueller Wert ÷ Ausgangswert × 100. Bei 200 → 240 ergibt sich 120. Ein Index von 120 heißt „20 % über dem Ausgangswert“, nicht „120 zusätzliche Personen“.

Vergleichbare Bezugsgröße: 500 Busnutzende unter 1.000 Befragten sind 50 %. 600 unter 2.000 sind 30 %. Die zweite Gruppe hat mehr Busnutzende, aber den kleineren Anteil. Ein Pro-Kopf-Wert ist eine Gesamtmenge geteilt durch die Bevölkerung; Bevölkerungsdichte ist Bevölkerung geteilt durch Fläche.

Mittelwert, Median und Spannweite

Fiktive Schulweglängen: 1, 2, 2, 3 und 12 km.

Arithmetischer Mittelwert: (1 + 2 + 2 + 3 + 12) ÷ 5 = 4 km.

Median: Der mittlere der sortierten Werte ist 2 km. Bei einer geraden Anzahl nimmst du den Mittelwert der beiden mittleren Werte.

Spannweite: 12 − 1 = 11 km. Der lange Weg beeinflusst den Mittelwert deutlich.

Beim Zusammenfassen unterschiedlich großer Gruppen musst du gewichten: Hat eine Klasse 20 Lernende mit durchschnittlich 2 km Schulweg und eine andere 30 mit durchschnittlich 4 km, beträgt der gemeinsame Mittelwert (20 × 2 + 30 × 4) ÷ 50 = 3,2 km, nicht 3 km.

Diagrammlabor: gleiche Zahlen, andere Wirkung

Erkunden: Was verändert die Achse?

Wechsle zwischen zwei Darstellungen derselben erfundenen Daten. Vergleiche den optischen Eindruck mit den Zahlen über den Säulen.

Busfahrten pro Schultag (Übungsdaten)02040608010012014010020201102021120202211520231302024Jahr · Achsenbeginn: 0

Die Achse beginnt bei 0. 130 Fahrten sind 30 % mehr als 100 Fahrten.

Unveränderte Übungsdaten: Busfahrten pro Schultag
Jahr 2020 2021 2022 2023 2024
Fahrten 100 110 120 115 130

Übertragen

Beschreibe die Entwicklung in zwei Sätzen. Erkläre dann, warum die zweite Darstellung die Zunahme größer erscheinen lässt.

Musterlösung öffnen

Die Zahl steigt zwischen 2020 und 2024 insgesamt von 100 auf 130 Busfahrten pro Schultag, also um 30 %. 2023 unterbricht ein Rückgang von 120 auf 115 Fahrten den Anstieg. Bei Achsenbeginn 90 sind nur die Säulenstücke oberhalb von 90 sichtbar: 40 statt 10 Einheiten. Diese Stücke sind viermal so hoch, obwohl 130 nicht das Vierfache von 100 ist.

Für Säulen- und Balkenvergleiche ist der Nullpunkt wichtig, weil ihre Länge die Größe ausdrückt. Bei Liniendiagrammen kann ein klar gekennzeichneter Ausschnitt sinnvoll sein, um kleine Veränderungen zu erkennen. Die Skala muss trotzdem deutlich lesbar bleiben.

Statistiken kritisch prüfen und selbst darstellen

Wer wurde erfasst?

Eine freiwillige Online-Umfrage unter Fahrradfans bildet nicht automatisch alle Einwohner ab. Eine große Stichprobe beseitigt einen Auswahlfehler nicht von selbst.

Passen die Vergleiche?

Gleiche Einheit, Zeitspanne, Gebietsgrenzen und Definition verwenden. Ein Gesamtwert, Pro-Kopf-Wert und Anteil beantworten unterschiedliche Fragen.

Was fehlt?

Eine leere Tabellenzelle kann „nicht erhoben“ bedeuten. Sie ist nicht automatisch null. Kleine Stichproben, Schätzungen und Unsicherheit offen nennen.

Wie wird gestaltet?

Abgeschnittene Achsen, ungleich breite Zeitabstände, 3-D-Effekte oder vergrößerte Bildsymbole können Unterschiede übertreiben. Bei Flächensymbolen zählt die Fläche, nicht allein die Höhe.

Zusammenhang ist nicht automatisch Ursache: Wenn an heißen Tagen mehr Eis verkauft wird und mehr Badeunfälle auftreten, verursacht das Eis nicht deshalb die Unfälle. Die Temperatur und die Zahl der Badenden können beide Größen beeinflussen. Für eine Erklärung brauchst du zusätzliche Informationen.

  1. Eigene Darstellung planen
    Formuliere die Frage, wähle passende Daten und Diagrammform. Prüfe Definitionen, Einheiten und fehlende Werte.
  2. Sauber zeichnen
    Nutze eine gut lesbare, gleichmäßige Skala. Beschrifte Achsen, Kategorien und gegebenenfalls eine Legende. Verwende keine unnötigen räumlichen Effekte.
  3. Nachvollziehbar veröffentlichen
    Gib Titel, Raum, Zeitraum, Quelle und Erhebungsumfang an. Kennzeichne Übungsdaten, Schätzungen und Rundungen. Füge eine kurze Hauptaussage hinzu.

Üben: Daten auswerten und Aussagen verbessern

Aufgabe 1 – Vergleichen: Ort A verbraucht 120.000 Liter Wasser pro Tag bei 1.000 Einwohnern. Ort B verbraucht 180.000 Liter bei 2.000 Einwohnern. Vergleiche Gesamtverbrauch und Verbrauch pro Person.

Lösung zu Aufgabe 1

Ort B hat den höheren Gesamtverbrauch. Pro Person sind es in A 120 Liter und in B 90 Liter pro Tag. Nach diesem Kriterium liegt A höher. Für eine vollständige Bewertung wären unter anderem Gewerbeverbrauch, Messgrenzen und Zeitraum zu prüfen.

Aufgabe 2 – Kritisch beurteilen: Nach dem Bau eines Radwegs steigt der Fahrradanteil bei einer Schulbefragung von 20 % auf 30 %. Die Überschrift lautet: „Der neue Radweg steigert die Fahrradnutzung um 10 %.“ Verbessere sie und nenne zwei offene Fragen.

Lösung zu Aufgabe 2

Sicher belegt ist: „Fahrradanteil in der Befragung steigt um 10 Prozentpunkte, relativ um 50 %.“ Der Radweg ist eine mögliche Ursache, aber nicht allein bewiesen. Waren dieselben Jahrgänge beteiligt? Waren Wetter, Jahreszeit, Rücklauf und Frageformulierung vergleichbar?

Aufgabe 3 – Selbst zeichnen: Zeichne aus der Schulwegtabelle ein Säulendiagramm mit Personenanzahl. Nenne einen Vorteil gegenüber dem 100-%-Band.

Lösung zu Aufgabe 3

Vier Säulen: zu Fuß 40, Fahrrad 60, Bus/Bahn 80, Auto 20. Die Mengenachse beginnt bei null und reicht mindestens bis 80. Titel und Bezugsgruppe „200 befragte Lernende; Übungsdaten“ gehören dazu. Die Säulen zeigen die absoluten Personenzahlen direkt.

Teste dein Wissen

Wähle jeweils eine Antwort. Prüfe anschließend deine Auswahl oder öffne die Einzellösungen.

1. 60 von 200 Lernenden fahren Fahrrad. Wie groß ist der Anteil?

Lösung mit Erklärung

60 ÷ 200 × 100 % = 30 %.

2. Ein Anteil steigt von 20 % auf 30 %. Das sind …

Lösung mit Erklärung

Die Differenz beträgt 10 Prozentpunkte, die relative Zunahme 50 %.

3. Welche Darstellung passt am besten zu einer Entwicklung über 20 Jahre?

Lösung mit Erklärung

Eine Linie über einer geordneten Zeitachse macht Verläufe sichtbar.

4. Wie groß ist der Median von 1, 2, 2, 3 und 12 km?

Lösung mit Erklärung

Der mittlere Wert der sortierten Reihe ist 2 km.

5. Was bedeutet eine leere Zelle?

Lösung mit Erklärung

Fehlende Daten sind nicht automatisch null.

6. 130 statt 100 Fahrten entsprechen welcher Zunahme?

Lösung mit Erklärung

Die Zunahme von 30 wird durch den Ausgangswert 100 geteilt.

7. Eine Statistik zeigt einen Zusammenhang. Was folgt daraus?

Lösung mit Erklärung

Ein Zusammenhang kann auch durch weitere Einflussfaktoren entstehen.

8. Ein Index steigt von 100 auf 120. Was heißt das?

Lösung mit Erklärung

Der Index drückt das Verhältnis zum festgelegten Basiswert aus.

9. Weshalb sind Pro-Kopf-Werte hilfreich?

Lösung mit Erklärung

Die Bezugsgröße Bevölkerung wird berücksichtigt; die Verteilung bleibt dennoch offen.

10. Welche Aussage beschreibt nur, ohne eine Ursache zu behaupten?

Lösung mit Erklärung

Der gemessene Anteil wird wiedergegeben. Ursachen und Bewertungen brauchen zusätzliche Begründung.

Passendes Material zum Weiterüben

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Lernposter zu Mittelwert, Median, Modalwert und Diagrammen.

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Lehrplanbezug und Quellen

Methodische Grundlagen für die Sekundarstufe I mit gekennzeichneten Vertiefungen. Lehrpläne unterscheiden sich nach Bundesland und Schulform. Geübt werden Materialauswertung, räumliche Analyse, Kommunikation und begründete Urteile.

Redaktioneller Stand: September 2026. Alle ausdrücklich als Übungsdaten oder Modell gekennzeichneten Zahlen und Räume sind erfunden. Die KI-generierten Einstiegsszenen sind keine dokumentarischen Aufnahmen.

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