Berechtigt
Ein erwachsener männlicher Bürger konnte teilnehmen – auch wenn er wenig Vermögen hatte oder im Umland lebte. Rechte und tatsächliche Möglichkeiten waren aber nicht identisch.
Geschichte · Griechische Antike · Klasse 5–6
Wie entschieden die Athener über ihre Polis? Erkunde Bürgerrechte, Volksversammlung, Losverfahren und die Grenzen dieser Demokratie.

Das kannst du danach: Du erklärst die Institutionen Athens, unterscheidest Los und Wahl und beurteilst Beteiligung und Ausschlüsse.
Lernschritt 1
Ein Gemeinwesen muss Entscheidungen treffen: Wer übernimmt ein Amt? Wofür wird Geld ausgegeben? Wie soll die Versorgung gesichert werden? In Athen konnten im 5. Jahrhundert v. Chr. viele Bürger an solchen Entscheidungen selbst mitwirken. Diese Ordnung heißt Demokratie: Herrschaft des demos, der politisch berechtigten Bürgerschaft.
Der entscheidende Zusatz lautet: Politisch berechtigte Bürger waren nur ein Teil der Bevölkerung. Deshalb müssen wir zwei Fragen stellen: Wie funktionierte die Beteiligung – und wer blieb ausgeschlossen?
Zeitlicher Rahmen: Hier geht es vor allem um die Demokratie Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. Regeln und Verfahren änderten sich. Die Seite bildet keinen unveränderten Zustand der gesamten Antike ab.
Lernschritt 2
Auch ärmere Bürger waren für die Flotte als Ruderer wichtig. Solche Leistungen konnten Forderungen nach Beteiligung stärken. Trotzdem war die Demokratie keine automatische Folge eines einzelnen Sieges und auch nicht das Werk nur eines berühmten Mannes.
Nein. Perikles war ein einflussreicher Politiker und wiederholt gewählter Stratege. Sein Ansehen ersetzte nicht die Institutionen der Polis. Er musste Unterstützung gewinnen; er war kein erblicher Monarch.
Lernschritt 3

An der Volksversammlung konnten grundsätzlich erwachsene männliche Bürger teilnehmen. Bürgerrecht war ein besonderer rechtlicher Status. Einfach in Athen zu wohnen, dort zu arbeiten oder Steuern zu zahlen reichte dafür nicht aus.
Ein erwachsener männlicher Bürger konnte teilnehmen – auch wenn er wenig Vermögen hatte oder im Umland lebte. Rechte und tatsächliche Möglichkeiten waren aber nicht identisch.
Frauen, Kinder, versklavte Menschen und dauerhaft ansässige Fremde ohne Bürgerrecht, die Metöken, hatten kein Stimmrecht in der Volksversammlung.
Vier erfundene Fälle: Wer ist in der Volksversammlung stimmberechtigt?
Wähle einen Hinweis.
Ein armer 40-jähriger Bürger: Grundsätzlich ja. Armut allein entzog ihm nicht das Stimmrecht. Arbeitsausfall und der Weg zur Versammlung konnten die Teilnahme trotzdem erschweren.
Eine Frau aus einer Bürgerfamilie: Nein. Ihre Zugehörigkeit zur Bürgergemeinschaft bedeutete kein politisches Stimmrecht. Frauen waren von der Volksversammlung ausgeschlossen.
Ein wohlhabender Metöke: Nein. Vermögen ersetzte das fehlende Bürgerrecht nicht. Er konnte wirtschaftlich erfolgreich und dennoch politisch ausgeschlossen sein.
Ein versklavter Handwerker: Nein. Fachwissen oder wirtschaftlicher Nutzen hoben seine Unfreiheit und seinen Ausschluss nicht auf.
Lernschritt 4
Beraten und beschließen
Die anwesenden Bürger diskutierten und entschieden über gemeinsame Angelegenheiten. Viele Abstimmungen erfolgten durch Handheben. Die Versammlung trat häufig auf dem Hügel Pnyx zusammen.
500 Mitglieder
Der für jeweils ein Jahr besetzte Rat bereitete Geschäfte der Volksversammlung vor und übernahm Aufsicht und Verwaltungsaufgaben. Seine Mitglieder wurden nach festgelegten Regeln ausgelost.
Aufgaben ausführen
Sie betreuten bestimmte öffentliche Aufgaben. Viele Ämter wurden ausgelost; einige, besonders die Strategen als militärische Befehlshaber, wurden gewählt. Amtsführung wurde kontrolliert.
Streitfälle beurteilen
Geloste Bürger entschieden als Richter über Verfahren. Für diese Aufgabe galten eigene Voraussetzungen, darunter ein Mindestalter von 30 Jahren. Es gab keine Berufsrichter wie heute.
Schaubild richtig lesen: Die Kästen zeigen unterschiedliche Aufgaben. Sie sind kein modernes Schema von Regierung, Parlament und unabhängigen Berufsgerichten. Dieselben Bürger konnten in verschiedenen Funktionen beteiligt sein.
Lernschritt 5
Warum auslosen? Innerhalb des zugelassenen Bürgerkreises sollte nicht immer dieselbe einflussreiche Gruppe Ämter erhalten. Begrenzte Amtszeiten und Kontrollen sollten dauerhafte Macht verhindern. Für Aufgaben, bei denen Erfahrung besonders wichtig erschien, nutzten die Athener auch Wahlen.
Los bedeutet nicht: Jeder Bewohner konnte jedes Amt bekommen. Nur wer die jeweiligen Voraussetzungen erfüllte, kam infrage. Und eine gleiche Chance im Losverfahren beseitigte weder gesellschaftliche Ungleichheit noch den Ausschluss anderer Gruppen.
Didaktisches Ablaufmodell. Nicht jedes Verfahren verlief gleich; Rechtsprechung und spätere Gesetzgebungsverfahren lassen sich nicht auf diese drei Schritte reduzieren.
Ordne jede Aussage zu. Prüfe danach die Begründungen.
Der Rat der 500 bereitete die Geschäfte der Volksversammlung vor.
Die anwesenden stimmberechtigten Bürger entschieden in der Volksversammlung.
Amtsträger waren für bestimmte Aufgaben zuständig und wurden kontrolliert.
In den Volksgerichten entschieden ausgeloste Bürger als Richter.
Lernschritt 6
Für die berechtigten Bürger eröffnete die athenische Ordnung ungewöhnlich weitgehende direkte Beteiligung. Die übrigen Bewohner konnten Entscheidungen jedoch nicht in gleicher Weise beeinflussen, obwohl diese ihr Leben betrafen. Versklavung bestand neben der Bürgerdemokratie fort.
Auch unter Bürgern waren Einfluss und Möglichkeiten ungleich verteilt. Redegeschick, Beziehungen, Bildung und verfügbare Zeit konnten wichtig sein. Eine Abstimmung macht eine Entscheidung außerdem nicht automatisch gerecht oder sachlich richtig.
Berechtigte Bürger stimmten selbst in der Versammlung ab. Ein heutiges Parlament mit gewählten Parteienvertretern gab es in dieser Form nicht.
Moderne Demokratien verbinden politische Beteiligung mit Grundrechten und rechtlicher Gleichheit. Viele arbeiten überwiegend mit gewählten Vertretungen. Einzelne antike Verfahren lassen sich nicht unverändert übertragen.
Erkläre in zwei Sätzen, warum man Athens Ordnung historisch Demokratie nennt und sie zugleich kritisieren kann.
Mögliche Antwort: Die politisch berechtigten Bürger wirkten direkt an Entscheidungen mit. Frauen, Metöken und versklavte Menschen waren jedoch ausgeschlossen; die Ordnung erfüllte daher keine heutige Vorstellung gleicher politischer Rechte.
Wähle je Frage eine Antwort. Prüfe anschließend deine Begründung. Du kannst beliebig oft neu starten.
Vertiefe das Thema mit den passenden kostenlosen Arbeitsblättern für Klasse 5–6. Die PDFs enthalten Lösungen.

Mitbestimmung, Institutionen und ausgeschlossene Bevölkerungsgruppen untersuchen.
Arbeitsblatt ansehen →Erkläre einem Partner den Unterschied zwischen Rat, Volksversammlung und Amtsträgern an einer erfundenen Versorgungssituation. Der Partner prüft, ob du Vorbereitung, Beschluss und Ausführung auseinanderhältst.
Entwerft Regeln für eine heutige gemeinsame Entscheidung in der Klasse: Wer wird gehört? Welche Informationen fehlen? Wie schützt ihr die Interessen der unterlegenen Gruppe? Begründet eure Regeln; antike Ausschlüsse werden nicht nachgespielt.
Lehrplanbezug: historisches Einordnen, Quellen und Darstellungen unterscheiden, Lebensweisen vergleichen und Urteile begründen. Die Klassenangabe 5–6 ist eine Orientierung; die Einordnung variiert nach Schulform und Bundesland.
Die erzählenden Bilder sind KI-generierte Illustrationen bzw. Rekonstruktionen von Lernmarktplatz. Sie veranschaulichen mögliche Situationen und zeigen keine konkreten historischen Ereignisse. Kleidung, Gesichter und die dargestellte Aufgabenverteilung sind nicht im Einzelnen belegt.