1 · Beschreiben
Lege fest, was als Reaktion gezählt wird. Notiere Häufigkeit oder Dauer, statt Absichten zu unterstellen.
Biologie · Verstehen und üben
Von Prägung bis Konditionierung: Verhaltensweisen beobachten, Lernformen unterscheiden und die Wirkung von Konsequenzen richtig einordnen.
Ein Küken folgt einem vertrauten Tier, ein Hund setzt sich auf ein Signal, ein Mensch erschrickt bei einem Knall. Verhalten umfasst beobachtbare Aktivitäten und Reaktionen eines Organismus. Äußere Reize, innere Zustände, Entwicklung und Erfahrungen wirken zusammen. Hunger kann beispielsweise beeinflussen, ob ein Tier auf ein Nahrungsangebot reagiert.
Bestimmte Reaktionsbereitschaften und Verhaltensmuster entwickeln sich ohne das Einüben genau dieser Handlung. Reflexe sind ein Beispiel. Trotzdem braucht ihre Entwicklung geeignete körperliche und Umweltbedingungen.
Erfahrungen verändern Verhalten oder Verhaltensmöglichkeiten über die momentane Situation hinaus. Die Lernfähigkeit selbst hat biologische Voraussetzungen. „Erlernt“ bedeutet deshalb nicht „ohne genetischen Einfluss“.

Auf schmalen Bildschirmen kannst du diese Tabelle seitlich verschieben.
| Lernform | Kennzeichen | Beispiel und Grenze |
|---|---|---|
| Habituation | Eine Reaktion auf einen wiederholt folgenlosen Reiz nimmt ab. | Ein Tier reagiert weniger auf ein gleichbleibendes, harmloses Geräusch. Reizspezifität hilft, Habituation von Ermüdung oder Sinnesanpassung zu unterscheiden. |
| Prägung | Lernen in einer besonders empfänglichen Entwicklungsphase mit oft lang anhaltender Wirkung. | Bei der Nachfolgeprägung lernen Küken Merkmale eines vertrauten Folgeobjekts. Welche Merkmale und Zeitfenster wichtig sind, hängt von der Art ab. |
| Beobachtungslernen | Das Verhalten anderer liefert Information für eigenes Lernen. | Ein Jungtier kann durch Beobachtung erfahren, wo Nahrung zu finden ist. Bloße gleichzeitige Anwesenheit belegt noch keine Nachahmung. |
Prägung genauer: Die Bereitschaft zu folgen und zu lernen kann angeborene Anteile haben; das konkrete Folgeobjekt wird durch Erfahrung mitbestimmt. Die einfache Regel „immer das erste bewegte Objekt“ beschreibt die biologischen Bedingungen nicht ausreichend. Sensible Phasen und die Stabilität gelernter Präferenzen unterscheiden sich.
Reifung, Erschöpfung oder eine Wirkung von Medikamenten können Verhalten ebenfalls verändern. Erst wenn Erfahrung als Ursache plausibel ist, spricht das für Lernen. Eine einzelne Beobachtung reicht häufig nicht zur Unterscheidung.
Ein zunächst neutraler Hinweisreiz kann durch Erfahrung ein bedeutsames Ereignis ankündigen. Danach kann schon dieser Hinweis eine gelernte Reaktion auslösen. „Neutral“ heißt hier: Er löst die betrachtete Reaktion zunächst nicht aus; andere Reaktionen, etwa das Hinwenden zum Geräusch, sind möglich.
Futter im Maul → Speichelfluss. Ein neuer Ton → zunächst kein futterbezogener Speichelfluss.
US: unbedingter Reiz, hier Futter. UR: unbedingte Reaktion, hier Speichelfluss. Der Ton ist bezogen auf diese Reaktion ein NS, ein neutraler Reiz.
Im Lehrbeispiel folgt wiederholt kurz nach dem Ton Futter. Das Tier kann die Vorhersagebeziehung zwischen beiden Reizen lernen. Zeitpunkt, Verlässlichkeit und weitere Bedingungen beeinflussen den Erwerb.
Hier wird kein Hinsetzen oder anderer neuer Bewegungsablauf belohnt.
Der Ton ist nun ein CS, ein bedingter Reiz. Der darauf folgende Speichelfluss ist eine CR, eine bedingte Reaktion. Sie muss nicht in jeder Eigenschaft mit der ursprünglichen UR übereinstimmen.
Wird der Ton wiederholt ohne das erwartete Futter dargeboten, kann die CR schwächer werden. Das ist keine sichere vollständige Löschung: Nach einer Pause oder in einem anderen Kontext kann eine Reaktion wieder auftreten.
Bei Generalisierung lösen ähnliche Reize ebenfalls eine gelernte Reaktion aus. Bei Diskrimination wird zwischen Reizen unterschieden. Beides lässt sich an der Reaktion auf unterschiedliche Töne untersuchen. Die beschriebenen Abläufe sind Lernmodelle und keine Aufforderung, Tiere durch belastende Versuche zu testen.
Hier steht der Zusammenhang zwischen einer Handlung und ihrer Folge im Mittelpunkt. Wird eine Handlung unter vergleichbaren Bedingungen häufiger, spricht man bei einer dafür verantwortlichen Konsequenz von Verstärkung. Wird sie seltener, handelt es sich um Bestrafung im lernpsychologischen Sinn. Entscheidend ist die beobachtete Wirkung, nicht die Absicht der handelnden Person.
Auf schmalen Bildschirmen kannst du diese Tabelle seitlich verschieben.
| Konsequenz | Verhalten nimmt zu | Verhalten nimmt ab |
|---|---|---|
| Etwas kommt hinzu („positiv“) | Positive Verstärkung: Eine passende Belohnung folgt; die Handlung wird häufiger. | Positive Bestrafung: Eine unangenehme Folge kommt hinzu; die Handlung wird seltener. |
| Etwas fällt weg („negativ“) | Negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes endet; die vorausgehende Handlung wird häufiger. | Negative Bestrafung: Etwas Angenehmes entfällt; die Handlung wird seltener. |
Wähle zunächst einen Fall und dann den passenden Begriff. In jedem Fall ist angegeben, wie sich die Häufigkeit tatsächlich verändert.
Wähle eine Zuordnung.
Überlege, welche Information eine Deutung stützt und welche noch fehlt.
Eine Verhaltensbeobachtung braucht eine überprüfbare Frage: „Ändert sich die Zahl der Kopfdrehungen bei wiederholtem Geräusch?“ ist genauer als „Gewöhnt sich das Tier irgendwie?“. Halte Reizstärke, Abstand und Beobachtungszeit vergleichbar. Müdigkeit, Hunger und Tageszeit können das Ergebnis beeinflussen.
Lege fest, was als Reaktion gezählt wird. Notiere Häufigkeit oder Dauer, statt Absichten zu unterstellen.
Nutze geeignete Kontrollbedingungen. Wenn eine Reaktion abnimmt, prüfe beispielsweise, ob auf einen anderen Reiz weiterhin reagiert wird.
Wiederhole Beobachtungen und berücksichtige Unterschiede zwischen Individuen. Eine plausible Erklärung ist noch kein Beweis für eine einzige Ursache.
Attrappenversuche können zeigen, welche Reizmerkmale eine Reaktion beeinflussen: Zwei Modelle unterscheiden sich etwa nur in Farbe oder Form. Historische Deprivationsversuche werden manchmal „Kaspar-Hauser-Versuche“ genannt. Aus Isolation allein lässt sich ein Verhalten nicht sauber als rein genetisch bestimmen; solche Eingriffe werfen zudem erhebliche Tierschutzprobleme auf. Im Unterricht eignen sich vorhandene Daten und unbelastende Beobachtungen.
Versuche jede Aufgabe zuerst selbst. Nutze bei Bedarf den Tipp und vergleiche erst danach mit der Lösung.
Bereitschaft, Entwicklung und Erfahrung wirken zusammen.
Ein Verhalten kann angeborene Voraussetzungen und erlernte Bestandteile besitzen. Bei der Nachfolgeprägung gehören etwa die Lernbereitschaft und die Erfahrung mit einem konkreten Folgeobjekt zusammen.
Zähle sichtbares Verhalten.
Zum Beispiel: Unter gleichen Bedingungen pickt sie in zwei Minuten häufiger auf ein rotes als auf ein blaues Modell. Das beschreibt Verhalten, ohne ein Gefühl als bewiesen darzustellen.
Reaktion auf einen anderen Reiz.
Wenn die Reaktion auf den wiederholten Reiz abnimmt, auf einen neuen geeigneten Reiz aber erhalten bleibt, stützt das eine reizspezifische Gewöhnung. Weitere Kontrollen können nötig sein.
Bereitschaft und Objekt unterscheiden.
Merkmale des vertrauten Folgeobjekts werden durch Erfahrung mitbestimmt. Dass ein Küken folgen und entsprechende Merkmale lernen kann, hat zugleich biologische Voraussetzungen.
Vor und nach dem Lernen vergleichen.
US: Futter im Maul. UR: dadurch ausgelöster Speichelfluss. CS: der gelernte Futter ankündigende Ton. CR: der Speichelfluss auf diesen Ton.
Neutral bezogen auf welche Reaktion?
Der Ton kann Aufmerksamkeit oder Hinwenden auslösen, obwohl er anfangs keinen futterbezogenen Speichelfluss bewirkt. Neutralität bezieht sich auf die untersuchte Reaktion.
Reiz–Reiz oder Handlung–Konsequenz?
Klassisch wird eine Vorhersagebeziehung zwischen Reizen gelernt. Operant verändern Konsequenzen die spätere Häufigkeit einer Handlung. In Alltagssituationen können beide Prozesse zusammenwirken.
Was wird entfernt und was nimmt zu?
Ein unangenehmer Einfluss fällt nach einer Handlung weg, und die Handlung wird häufiger. Bestrafung ist dagegen über die Abnahme eines Verhaltens definiert.
Absicht und Wirkung trennen.
Nein. Dass Lob als Belohnung gemeint war, belegt keine verstärkende Wirkung. Dafür müsste eine entsprechende Zunahme der Handlung gezeigt werden.
Denke an Pause und Kontext.
Eine gelernte Reaktion kann später wieder auftreten. Das passt dazu, dass neue Lernerfahrungen die frühere Reaktion hemmen können, ohne die ursprüngliche Beziehung vollständig zu entfernen.
Eine Einflussgröße prüfen.
Für eine klare Fragestellung sollten sie sich möglichst nur im untersuchten Merkmal unterscheiden, etwa in der Farbe. Sonst bleibt unklar, welches Merkmal den Unterschied verursacht.
Ähnliches Verhalten allein ist mehrdeutig.
Es könnte unabhängig gelernt oder durch denselben Reiz ausgelöst worden sein. Geeignete Vergleiche mit und ohne Beobachtungsmöglichkeit helfen, einen Einfluss des Vorbilds zu prüfen.
Ein unangenehmer Ton endet nach einer Handlung. Diese Handlung wird danach häufiger. Was liegt vor?
Wähle eine Antwort und begründe sie zunächst selbst.

Das vorhandene Arbeitsblatt wiederholt Reizaufnahme und nervöse Reaktionen. Konditionierung und Prägung übst du mit den speziellen Aufgaben auf dieser Seite.
Arbeitsblatt ansehen →Eigene Erklärungen und Aufgaben. Die beschrifteten Schemata sind vereinfachte Lernmodelle; die Illustrationen dienen der Veranschaulichung.