Atomökonomie
Eigenschaft des gewählten Reaktionswegs und Zielprodukts. Für die Hydratisierung beträgt sie theoretisch 100 %.
Chemie · Verstehen und üben
Vergleiche Reaktionswege chemisch: Welche Atome gelangen ins Zielprodukt, wie hoch ist die Ausbeute und wie viel Abfall entsteht?
Struktur · Stoffbilanz · begründetes Urteil
Grüne Chemie versucht, chemische Produkte und Verfahren von Anfang an ressourcen- und schadstoffärmer zu gestalten. Eine zentrale Frage ist: Wie viel der eingesetzten Eduktmasse kann nach der Reaktionsgleichung im Zielprodukt ankommen?
Diese theoretische Eigenschaft heißt Atomökonomie oder Atomeffizienz. Wir vergleichen drei Modellwege zum selben Zielprodukt: Ethanol. So bleiben Struktur, Reaktionsgleichung und Rechnung direkt verbunden.
ν ist der stöchiometrische Koeffizient vor einer Formel, M die molare Masse. Zuerst die Reaktionsgleichung ausgleichen, dann die Massen mit ihren Koeffizienten einsetzen. Gezählt wird ein Massenanteil, nicht einfach die Anzahl der Atome.
Die restlichen 56,0 % der stöchiometrischen Eduktmasse stecken in NaCl. Das Salz ist hier ein Koppelprodukt, nicht das gewünschte Zielprodukt.
Bei der Substitution wird je 1 mol Chlorethan und NaOH gebraucht: 64,5 g + 40,0 g = 104,5 g im Nenner. Nur 46,0 g davon werden zu Ethanol und stehen im Zähler. Würde die Gleichung 2 mol Zielprodukt liefern, müsste dessen molare Masse im Zähler mit 2 multipliziert werden.
Wähle einen Weg und verfolge, welche Masse im Zielprodukt bleibt. Die Gesamtgleichungen dienen dem Vergleich, nicht als Versuchsanleitungen.
In der idealen Bilanz werden alle Atome in Ethanol eingebaut. Gleichgewicht und Aufarbeitung können die tatsächliche Ausbeute trotzdem begrenzen.
Gerundete molare Massen. Der Vergleich beginnt bei den jeweils gezeigten Edukten; vorgelagerte Herstellungsschritte sind nicht enthalten.
Die theoretische Produktmasse folgt aus dem limitierenden Edukt und der Reaktionsgleichung. Im Labor kann weniger isoliert werden: etwa wegen unvollständiger Umsetzung, Nebenreaktionen oder Verlusten beim Trennen.
Eigenschaft des gewählten Reaktionswegs und Zielprodukts. Für die Hydratisierung beträgt sie theoretisch 100 %.
Beschreibt das tatsächlich erhaltene reine Produkt im Vergleich zum theoretischen Maximum. Auch bei 100 % Atomökonomie kann die Ausbeute beispielsweise 80 % sein.
Modellbasis: 28 g Ethen + 18 g Wasser, theoretisch 46 g Ethanol. Zusätzlich wird eine frei wählbare Masse eines nicht mitreagierenden Prozesslösungsmittels eingesetzt. Das Modell ist keine technische Rezeptur.
Hier zählt jede nicht als Ethanol isolierte Masse als Abfall, einschließlich des gesamten Lösungsmittels. Es gibt keine Rückgewinnung; alle Stoffausgänge werden erfasst. Für reale Bilanzen muss man die Systemgrenze festlegen und beispielsweise angeben, ob Wasser mitgezählt wird.
Koppelprodukte und Hilfsstoffe möglichst vermeiden; Lösungsmittel zurückgewinnen, wenn dies sinnvoll ist.
Selektive Katalysatoren können Nebenreaktionen verringern. Temperatur, Druck und Trennaufwand beeinflussen den Energiebedarf.
Gefährliche Edukte, Produkte und Lösungsmittel berücksichtigen. Eine hohe Atomökonomie macht einen Stoff nicht ungefährlich.
Herkunft, Herstellung, Nutzung und Entsorgung betrachten. Nachwachsende Rohstoffe sind nicht automatisch in jeder Hinsicht vorteilhaft.
Begründetes Urteil: „Weg A besitzt die höhere Atomökonomie. Ob er insgesamt günstiger ist, lässt sich erst mit Angaben zu Ausbeute, Energie, Rohstoffen und Gefährlichkeit beurteilen.“
Welche Aussage ist richtig?
Wähle eine Antwort.
Einstieg: In den Gleichungen die Atome des Zielprodukts wiederfinden.
Partnerarbeit: Synthesewege vergleichen und im Bilanz-Labor jeweils nur einen Regler ändern.
Sicherung: Ein Urteil mit Kennzahl und klar benannter Grenze formulieren.

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Material ansehen und herunterladenWeiterführend: ACS: Prinzipien der Grünen Chemie.