Häufig ΔS > 0
Schmelzen, Verdampfen, Expansion eines idealen Gases oder Reaktionen mit deutlich mehr Gasteilchen auf der Produktseite erweitern oft die Verteilungsmöglichkeiten.
Chemie · Klasse 11–13 · Energetik
Warum kann auch ein endothermer Vorgang begünstigt sein? Verbinde Teilchenvorstellungen mit ΔH, ΔS und Temperatur und beurteile die thermodynamische Reaktionsrichtung.
Reaktionsrichtung · Vorzeichen · Gleichgewicht
Eis kann in einem warmen Raum schmelzen, obwohl es dafür Wärme aufnimmt. Auch bei chemischen Reaktionen reicht die Frage „exotherm oder endotherm?“ deshalb nicht aus. Neben der Enthalpie zählt, auf wie viele mikroskopische Arten Teilchen und Energie verteilt sein können.
Die Entropie S beschreibt diese Vielfalt möglicher Mikrozustände. Mehr zugängliche Verteilungsmöglichkeiten bedeuten größere Entropie. „Unordnung“ ist dafür nur eine grobe Merkhilfe – kein verlässliches Kriterium für chemische Rechnungen.
Beispiel: N₂O₄(g) ⇌ 2 NO₂(g). Aus einem Molekül werden zwei unabhängig bewegliche Moleküle. Für diese Dissoziation ist ΔᵣS° positiv; sie ist zugleich endotherm. Die Abbildung zeigt Molekülzahlen, keine räumlichen Strukturformeln.
Schmelzen, Verdampfen, Expansion eines idealen Gases oder Reaktionen mit deutlich mehr Gasteilchen auf der Produktseite erweitern oft die Verteilungsmöglichkeiten.
Kondensieren, Erstarren oder Reaktionen mit weniger Gasteilchen auf der Produktseite schränken diese Möglichkeiten häufig ein.
Bei der Ammoniakbildung sinkt die Gasstoffmenge von 4 auf 2 mol je mol Reaktionsumsatz; ΔᵣS° ist negativ. Gasteilchen zu zählen liefert eine qualitative Orientierung. Für den Zahlenwert braucht man Stoffdaten.
Standardmolare Entropien S° haben die Einheit J/(mol·K). Anders als Standardbildungsenthalpien sind die Entropien von Elementen bei 298 K nicht generell null.
Bei konstanter Temperatur und konstantem Druck zeigt die molare Gibbs-Reaktionsenergie an, welche Richtung bei der aktuellen Zusammensetzung thermodynamisch begünstigt ist. T steht in Kelvin; ΔᵣH und T·ΔᵣS müssen dieselbe Energieeinheit besitzen.
Die Vorwärtsreaktion ist thermodynamisch begünstigt. Eine Aktivierungsbarriere kann sie trotzdem sehr langsam machen.
Die Vorwärtsreaktion ist unter diesen Bedingungen nicht begünstigt; die Rückrichtung ist begünstigt.
Die Entropie des reagierenden Systems darf dabei sinken: Für einen freiwilligen Vorgang muss die Gesamtentropie von System und Umgebung zunehmen. Die Wärmeabgabe eines exothermen Vorgangs kann die Entropie der Umgebung erhöhen.
Für N₂O₄(g) → 2 NO₂(g) verwenden wir gerundete Standardwerte bei 298 K: ΔᵣH° = +57,2 kJ/mol und ΔᵣS° = +175,8 J/(mol·K).
Bei 298 K ist die Vorwärtsreaktion unter Standardbedingungen nicht begünstigt. Das bedeutet nicht, dass überhaupt kein NO₂ entstehen kann: Die tatsächliche Richtung hängt auch von der Zusammensetzung ab.
Ist ΔᵣS positiv, wird der Term −T·ΔᵣS mit steigender Temperatur negativer. Eine endotherme Reaktion kann dadurch bei hoher Temperatur begünstigt werden. Ist ΔᵣS negativ, wirkt eine Temperaturerhöhung umgekehrt.
| ΔᵣH | ΔᵣS | Wann ist ΔᵣG < 0? |
|---|---|---|
| − | + | Bei allen T > 0 im Modell |
| + | − | Bei keinem T > 0 im Modell |
| − | − | Bei niedrigen Temperaturen |
| + | + | Bei hohen Temperaturen |
Für das N₂O₄-Beispiel ergibt sich näherungsweise T* = 57,2 / 0,1758 ≈ 325 K. Dabei werden ΔᵣH° und ΔᵣS° als temperaturunabhängig angenommen. T* ist hier der rechnerische Vorzeichenwechsel von ΔᵣG°, kein allgemeiner „Startpunkt“ der Reaktion.
Wähle das chemische Beispiel oder einen der vier Modellfälle. Verändere T und beobachte ΔᵣG°.
Datensatz
Lineares Rechenmodell: ΔᵣH° und ΔᵣS° bleiben konstant; reale Werte ändern sich mit der Temperatur. Der markierte Punkt zeigt deinen Wert. Alle Aussagen im Labor beziehen sich auf Standardzustände.
Q ist der dimensionslose Reaktionsquotient aus Aktivitäten. Bei idealen Gasen werden dafür Partialdrücke relativ zum Standarddruck eingesetzt. ΔᵣG° beschreibt den Standardbezug; ΔᵣG berücksichtigt die tatsächliche Mischung.
Für das Beispiel mit ΔᵣG° ≈ 4,81 kJ/mol bei 298 K ergibt sich mit R = 8,314 J/(mol·K) näherungsweise K ≈ 0,14. ΔᵣG° > 0 bedeutet K < 1, nicht „keine Produkte“. Für die aktuelle Richtung werden Q und K verglichen: Q < K → vorwärts; Q > K → rückwärts.
Ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch kann trotz stark begünstigter Wasserbildung zunächst bestehen bleiben: Es muss eine Aktivierungsbarriere überwunden werden. Gibbs-Energie beschreibt die thermodynamische Richtung, die Kinetik die Geschwindigkeit.
Ein Katalysator bietet einen schnelleren Reaktionsweg. Er verändert weder ΔᵣG° noch K und verschiebt das Gleichgewicht nicht. Er beschleunigt dessen Einstellung.
Wähle eine Antwort.
30–45 Minuten: Zuerst die vier Vorzeichenfälle begründen. Danach im Gibbs-Labor Temperaturbereiche vorhersagen und prüfen.
Prüfungstraining: Eine Rechnung mit J/kJ-Umrechnung durchführen, einen Vorzeichenwechsel berechnen und die Aussage auf Standardbedingungen begrenzen. Als Vertiefung Q mit K vergleichen und den Unterschied zur Reaktionsgeschwindigkeit erklären.
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