Warum dreht sich eine Eiskunstläuferin schneller, wenn sie die Arme einzieht? Untersuche den Zusammenhang zwischen Massenverteilung und Winkelgeschwindigkeit.
L ↻Unsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck
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Drei kurze Aufgaben helfen dir, deinen Startpunkt zu finden. Wenn du unsicher bist, wähle „Weiß ich noch nicht“.
Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.
Bei einer geradlinigen Bewegung ist der Impuls eine wichtige Größe. Für die Drehbewegung ist es der Drehimpuls L. Für die hier betrachtete Rotation um eine feste Symmetrieachse gilt:
L = I · ω
I beschreibt die Massenverteilung um die Achse; ω ist die Winkelgeschwindigkeit im Bogenmaß pro Sekunde. Die Einheit von L ist kg·m²·s−1. Ein größerer Drehimpuls kann durch größeres I, größere Winkelgeschwindigkeit oder beides entstehen.
Allgemein ist der Drehimpuls ein Vektor. Auf dieser Seite betrachten wir seine Komponente entlang derselben festen Achse. Positive und negative Werte stehen für entgegengesetzte Drehrichtungen.
Lernschritt 2
Wann bleibt der Drehimpuls erhalten?
Maußen = dLdt
Maußen = 0 → L = konstant
I₁ω₁ = I₂ω₂
Die Bedingung betrifft das resultierende äußere Drehmoment bezüglich der gewählten Achse. Innere Kräfte dürfen die Massenverteilung verändern. Sie ändern den Gesamtdrehimpuls des betrachteten Systems dabei nicht.
Beispiel Eiskunstlauf: Beim Einziehen der Arme rückt Masse näher an die Drehachse. I wird kleiner, deshalb muss ω größer werden. Reibung am Eis oder Luftwiderstand können in der Wirklichkeit äußere Drehmomente verursachen. Über kurze Zeiten ist die Erhaltung oft eine gute Näherung.
Lernschritt 3
Massen nach innen verschieben
Zwei kleine Massen von je 1 kg sitzen symmetrisch auf einer ideal leichten Führung. Beide Abstände r sind gleich. Bei r₀ = 0,50 m beginnt die Drehung mit ω₀ = 2 rad·s−1. Das ergibt L = 1 kg·m²·s−1.
r = 0,50 m: I = 0,50 kg·m²; ω = 2,00 rad·s⁻¹; Rotationsenergie = 1,00 J.
Beide Massen bleiben jeweils 1 kg schwer. Nur ihre Abstände zur Achse ändern sich.
Gestrichelt: Anfangsabstand r₀ = 0,50 m. Die feste Skala macht die Verschiebung sichtbar.
Aktuell: r = 0,50 m Gesamtdrehimpuls: L = 1 kg·m²/s.
Die Führung hat im Modell kein eigenes Trägheitsmoment. Der Regler vergleicht Zustände nach dem Verschieben; er zeigt keinen zeitlichen Bewegungsablauf.
Unterrichtsimpuls mit Erklärung
Vergleiche r = 0,50 m und r = 0,25 m. Durch den halben Abstand sinkt I auf ein Viertel. Die Winkelgeschwindigkeit vervierfacht sich. Der Drehimpuls bleibt gleich, die Rotationsenergie steigt jedoch von 1 J auf 4 J. Überlegt, woher diese zusätzliche Energie kommt: Das Einziehen erfordert Arbeit.
Lernschritt 4
Das Zweimassenmodell rechnen
I = 2mr²
ω = LI = L2mr²
Die Abhängigkeit vom Quadrat des Abstands macht den Effekt besonders deutlich. Bei gleicher Masse und festem Drehimpuls bedeutet halber Radius die vierfache Winkelgeschwindigkeit. Die Masse selbst wird beim Einziehen nicht kleiner.
Ein echter Mensch ist kein Paar Punktmassen: Rumpf, Arme und Beine tragen unterschiedlich zu I bei. Deshalb darf der Faktor vier bei halbiertem Armabstand nicht pauschal auf eine Person übertragen werden.
Beispiel · Schritt für Schritt
Was bewirkt der halbe Abstand?
Zwei kleine Massen von je 1 kg rotieren an einer ideal leichten Führung. Beide Abstände ändern sich von 0,50 m auf 0,25 m.
Der Faktor 2 zählt die beiden gleich weit entfernten Massen.
L = I₁ω₁ = 0,50 · 2,0 = 1,00 kg·m²/s
2Den erhaltenen Drehimpuls berechnen
Das ganze System aus beiden Massen und Führung wird betrachtet.
I₂ = 2 · 1 · 0,25² = 0,125 kg·m²
3Mit dem neuen Abstand erneut rechnen
Halber Abstand bedeutet wegen r² nur ein Viertel des ursprünglichen I.
ω₂ = L/I₂ = 1,00 / 0,125 = 8,00 rad/s
4Die neue Winkelgeschwindigkeit bestimmen
Der Drehimpuls bleibt 1,00 kg·m²/s; die Winkelgeschwindigkeit muss viermal so groß werden.
Ergebnis: Der halbe Abstand führt in diesem Zweimassenmodell zur vierfachen Winkelgeschwindigkeit.
Lernschritt 5
Eine rotierende Person zieht die Arme ein
Beispiel · Schritt für Schritt
Eine Person zieht auf dem Drehschemel die Arme ein
Das gesamte Trägheitsmoment von Person und mitdrehenden Teilen sinkt von 4,0 auf 2,0 kg·m². Anfangs gilt ω₁ = 1,5 rad/s.
Äußere Drehmomente werden vernachlässigt · Gesucht: ω₂
Rechenweg: Eine Person zieht auf dem Drehschemel die Arme ein
Rechnung
Erklärung zum Schritt
L₁ = I₁ω₁ = 4,0 · 1,5 = 6,0 kg·m²/s
1Den Anfangsdrehimpuls bestimmen
Verwende das Trägheitsmoment des gesamten betrachteten Systems.
I₁ω₁ = I₂ω₂
2Die Erhaltungsbedingung anwenden
Die Muskeln dürfen die Massenverteilung verändern. Ohne äußeres Drehmoment bleibt der Gesamtdrehimpuls gleich.
ω₂ = I₁ω₁I₂ = 6,0 kg·m²/s2,0 kg·m² = 3,0 rad/s
3Nach der Endgeschwindigkeit auflösen
I halbiert sich. Daher verdoppelt sich ω.
L₂ = 2,0 · 3,0 = 6,0 kg·m²/s
4Den Drehimpuls nachher prüfen
Der Kontrollwert entspricht L₁.
Ergebnis: Die Winkelgeschwindigkeit steigt von 1,5 auf 3,0 rad/s.
Wie viele Umdrehungen sind das?
Beispiel · Schritt für Schritt
Bogenmaß in Umdrehungen pro Minute umrechnen
Nach dem Einziehen gilt ω = 3,0 rad/s.
Gesucht: Drehfrequenz f und Umdrehungen pro Minute
Rechenweg: Bogenmaß in Umdrehungen pro Minute umrechnen
Rechnung
Erklärung zum Schritt
f = ω/(2π)
1Durch den Winkel einer vollen Umdrehung teilen
2π rad entsprechen einer Umdrehung.
f = 3,0/(2π) Hz ≈ 0,477 Hz
2Umdrehungen pro Sekunde berechnen
3 rad/s sind nicht 3 Umdrehungen pro Sekunde.
n ≈ 0,477 · 60 = 28,6 U/min
3Sekunden auf Minuten umrechnen
Vorher waren es bei 1,5 rad/s etwa 14,3 U/min.
Ergebnis: 3,0 rad/s entsprechen etwa 28,6 Umdrehungen pro Minute.
Lernschritt 6
Warum bleibt die Rotationsenergie nicht gleich?
Drehimpulserhaltung bedeutet nicht, dass auch die Rotationsenergie unverändert bleibt. Für die betrachtete Rotation gilt:
Erot = ½Iω² = L²2I
Bei konstantem L führt ein kleineres I zu größerer Rotationsenergie. Die zusätzliche Energie kommt aus der Arbeit beim Einziehen, etwa aus chemischer Energie der Muskulatur.
Beispiel · Schritt für Schritt
Die zusätzliche Rotationsenergie berechnen
Nutze die Werte der Person auf dem Drehschemel: vorher I₁ = 4,0 kg·m², ω₁ = 1,5 rad/s; nachher I₂ = 2,0 kg·m², ω₂ = 3,0 rad/s.
Gesucht: E₁, E₂ und Zunahme ΔE
Rechenweg: Die zusätzliche Rotationsenergie berechnen
Rechnung
Erklärung zum Schritt
E₁ = ½ · 4,0 · 1,5² J = 4,5 J
1Den Anfangszustand berechnen
Die Winkelgeschwindigkeit wird quadriert.
E₂ = ½ · 2,0 · 3,0² J = 9,0 J
2Den Endzustand berechnen
Obwohl I kleiner ist, überwiegt die Zunahme von ω².
ΔE = E₂ − E₁ = 9,0 J − 4,5 J = 4,5 J
3Die Energiezunahme bestimmen
Im idealisierten verlustfreien Vergleich entspricht dies der Arbeit, die der Rotation durch das Einziehen zugeführt wird.
Ergebnis: Die Rotationsenergie nimmt um 4,5 J zu. Die Gesamtenergie bleibt erhalten; Energie wird innerhalb des Systems umgewandelt.
Was passiert während des Einziehens?
Der Regler vergleicht Zustände, in denen die Massen nicht mehr radial wandern. Während des Verschiebens kann zusätzlich radiale Bewegungsenergie vorhanden sein. Beim Ausstrecken kann die Rotationsenergie wieder abnehmen. Ein äußeres Drehmoment von null bedeutet nicht, dass im Inneren keine Arbeit verrichtet wird.
Lernschritt 7
Systemgrenzen im Blick behalten
Eine Person auf einem Drehschemel mit Gewichten ist ein mögliches Demonstrationsmodell. Zum betrachteten System gehören Person, Gewichte und die mitdrehenden Teile. Die Achse und mögliche Reibungsmomente müssen bei der Auswertung berücksichtigt werden.
Bei allgemeiner räumlicher Rotation sind Drehimpuls und Winkelgeschwindigkeit nicht immer parallel. Die einfache Beziehung L = Iω genügt hier wegen der gewählten symmetrischen Anordnung um eine feste Achse.
Wenn ein äußeres Bremsmoment wirkt
Beispiel · Schritt für Schritt
Drehimpulsänderung beim Abbremsen
Ein System hat zunächst L₁ = 6,0 kg·m²/s. Ein konstantes äußeres Drehmoment von −0,50 N·m wirkt 4,0 s entgegen der Drehung.
Gegeben: konstantes I = 2,0 kg·m² · Gesucht: L₂ und ω₂
Rechenweg: Drehimpulsänderung beim Abbremsen
Rechnung
Erklärung zum Schritt
ΔL = Maußen · Δt ΔL = −0,50 · 4,0 = −2,0 kg·m²/s
1Den äußeren Drehimpulsübertrag berechnen
Hier ist L nicht erhalten. Die einfache Zeitformel gilt wegen des konstanten Drehmoments.
L₂ = L₁ + ΔL = 6,0 − 2,0 = 4,0 kg·m²/s
2Die Änderung zum Anfangswert addieren
Das negative Bremsmoment verringert den weiterhin positiven Drehimpuls.
ω₂ = L₂/I = 4,0 / 2,0 = 2,0 rad/s
3In die neue Winkelgeschwindigkeit übersetzen
Bei konstantem I wird die Drehung langsamer.
Ergebnis: Nach 4 s bleiben 4,0 kg·m²/s Drehimpuls und 2,0 rad/s Winkelgeschwindigkeit.
Lernschritt 8
Typische Fehler vermeiden
Drehimpuls mit Winkelgeschwindigkeit gleichsetzen: Auch I gehört dazu.
Konstantes L bedeutet konstante Rotationsenergie: Bei verändertem I stimmt das nicht.
Nur einen einzelnen Teil des Systems betrachten: Innere Impulsübertragungen können seinen Drehimpuls ändern.
Äußere Kräfte pauschal verbieten: Entscheidend ist ihr resultierendes Drehmoment um die betrachtete Achse.
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Lösungen mit Erklärungen
30 – L = 10 · 3 = 30 kg·m²/s.
2 – I = 2 · 1 · 1² = 2 kg·m².
45 – Erot = 30²/(2 · 10) = 45 J.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
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