Einsatzbereiche im Unterricht
quop ist eine computer- bzw. tabletgestützte Lernverlaufsdiagnostik (formatives Assessment), die Lernentwicklungen über das Schuljahr hinweg sichtbar macht. Im Fokus stehen Lesen (Klassen 1–6) und Mathematik (Klassen 1–6); zusätzlich gibt es eine Englisch-Testreihe für Klasse 5/6.
Im Unterricht wird quop typischerweise alle zwei bis drei Wochen eingesetzt – mit kurzen, standardisierten Tests, die Lernzuwächse als Kurve abbilden. Damit eignet sich das Tool vor allem, wenn Du Lernstände nicht nur „punktuell“, sondern als Entwicklung dokumentieren willst (z. B. bei Leseband/Leseförderkonzept, Förderstunden, Übergang Grundschule → Sek I oder begleitend zu individuellen Förderplänen).
Praktisch ist außerdem: Es muss nicht für jedes Kind ein Gerät vorhanden sein. Laut Anbieter reichen oft ein bis zwei Geräte pro Klasse, weil die Tests kurz sind und nacheinander durchgeführt werden können.
Funktionen & Anwendung
quop kombiniert Testdurchführung, automatische Auswertung und Interpretationshilfen so, dass Du ohne großen Zusatzaufwand regelmäßige Diagnosedaten bekommst (und nicht nur „Bauchgefühl“).
Start & Organisation im Schulalltag
Die Registrierung läuft webbasiert. Du kannst Deine Schule bzw. Dich als Lehrkraft registrieren und nach Freischaltung Klassen anlegen. Falls die Schule im System hinterlegt ist, wird sie nach Eingabe der PLZ vorgeschlagen; andernfalls werden Adressdaten manuell eingetragen. Ein Einstieg ist grundsätzlich über das gesamte Schuljahr möglich; die Testzeiträume orientieren sich an den Ferienzeiten der Bundesländer (Start nach den Sommerferien, Abschluss vor den nächsten Sommerferien).
Technik & Voraussetzungen
quop ist ein webbasiertes System (HTML-Client): Es ist keine lokale Installation für Administration/Schülerverwaltung nötig.
Erforderlich sind Internetzugang und ein JavaScript-fähiger Browser; empfohlen werden Chrome oder Firefox.
Tablets werden ausdrücklich unterstützt. Für die Klassen 1/2 solltest Du Kopfhörer oder Lautsprecher einplanen, weil es dort eine Audio-Sprachanleitung bzw. Audioanteile gibt.
Testinventar (was wird gemessen?)
Das Testinventar wird laut quop von der Arbeitsgruppe um Elmar Souvignier an der Universität Münster entwickelt; jede Testreihe besteht aus parallelen Kurztests (in Deutsch/Mathe i. d. R. 10 Tests pro Schuljahr; Englisch 8 Tests).
Im Detail (Auswahl):
- Lesen: In Klasse 1 werden u. a. Vorläuferkompetenzen (phonologische Bewusstheit) sowie Wort- und Satzverständnis erfasst; ab Klasse 3/4 kommen u. a. Lesegeschwindigkeit/-genauigkeit und textbasiertes/wissensbasiertes Leseverständnis hinzu; in Klasse 5/6 steht Leseflüssigkeit im Zentrum.
- Mathematik: Von Vorläuferfähigkeiten/Zahlenwissen in Klasse 1 bis zu Leitideen wie Arithmetik/Algebra, Geometrie, Stochastik und Funktionen in Klasse 5/6; in den Klassen 1–2 werden Instruktionen (auch) per Audio gegeben, um Einflüsse der Lesekompetenz zu reduzieren.
- Englisch (Klasse 5/6): 8 Tests; erhoben werden u. a. Lesegeschwindigkeit, Leseverständnis, Wortschatz und Grammatik – mit Lückentext und anschließenden Verständnisfragen.
Schülerzugang & Durchführung
Für Schüler-Logins sind Benutzername/Passwort möglich; zusätzlich gibt es QR-Codes für eine einfachere Anmeldung (besonders praktisch bei Tablets). Nach Login gelangen Schüler auf eine Schülerseite, über die Tests und Ergebnisse aufgerufen werden.
Auswertung (was bekommst Du als Lehrkraft?)
Ergebnisse werden automatisiert ausgewertet und als Lernverlaufskurven dargestellt; quop nennt zusätzlich wissenschaftlich validierte Vergleichswerte (Norm-/Vergleichsmaßstäbe) als Bestandteil des Leistungsumfangs. In Hessen wird beschrieben, dass Lehrkräfte individuelle und Klassenergebnisse als Lernverlaufskurve sowie tabellarisch im Lehrkräftemenü erhalten und dass diagnostische Informationen mit Förderhinweisen verknüpft sind.
Praktische Zusatzfunktionen aus dem Support-Bereich:
- Eine Auswertungshilfe kann direkt in der Ergebnisansicht aufgerufen werden (Hilfestellung zur Interpretation von Kurven).
- Im Lesen werden nach Tests Teilkompetenzen angezeigt (z. B. Wort-/Satz-/Textverständnis); Schwellenwerte werden als „grüne Kästchen“ sichtbar, inkl. hierarchischer Logik (höhere Kompetenz wird nur „grün“, wenn Grundlagen gesichert sind).
- Vorjahresergebnisse können laut Helpcenter für zwei Vorjahre eingesehen werden; die Sichtbarkeit ist dabei aus Datenschutzgründen an Freigaben/Schuleinstellungen gebunden.
Didaktischer Mehrwert
Der zentrale Mehrwert liegt in der Kombination aus regelmäßigen, parallelen Kurztests und einer Lernfortschrittskurve, die früh zeigt, ob Lernentwicklung alters-/stufengemäß verläuft oder ob Förderbedarf entsteht. Genau dieses „frühzeitig erkennen und gezielt reagieren“ wird im quop-Konzept als Ziel beschrieben.
Wichtig für die Unterrichtspraxis: Lernverlaufsdiagnostik ist nicht nur Diagnose, sondern eine Rückmelde- und Steuerungsgrundlage. Im quop-Helpcenter wird explizit genannt, dass Lernfortschrittskurven u. a. zur Identifikation individuellen Förderbedarfs, zur Überprüfung der Effektivität von Fördermaßnahmen (für Kind oder Klasse) und für individuelles Feedback genutzt werden können.
Auch die wissenschaftliche Seite ist vergleichsweise gut dokumentiert: Auf der Forschungsseite der Arbeitsgruppe wird beschrieben, dass der Ansatz „quop“ im Hinblick auf psychometrische Güte, Praxistauglichkeit und Wirksamkeit untersucht wurde; zentrale Ergebnisse seien u. a. Reliabilität/Validität/Parallelität der Testreihen sowie Befunde, dass das Bereitstellen diagnostischer Informationen mit höheren Lernzuwächsen verbunden ist als in Vergleichsklassen.
Der Anbieter verweist zudem auf eine 2014 berichtete Studie, in der in mehreren Studien höhere Lernzuwächse in Klassen mit Lernverlaufsdiagnostik als in Vergleichsklassen gefunden wurden.
Ein weiterer didaktischer Baustein (je nach Bundesland/Schulkontext besonders relevant) ist das integrierte Leseflüssigkeitstraining FLINK:
- In Baden-Württemberg wird beschrieben, dass FLINK in quop integriert ist, vom DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation entwickelt wurde und aktuell für Klassenstufen 2–6 genutzt werden kann.
- In Hessen wird FLINK als digitales Training für Kinder mit Leseschwierigkeiten (Klassen 2–6) beschrieben, mit bis zu 54 Trainingseinheiten im Schuljahr; die Durchführung ist digital instruiert und damit auch in kleineren Gruppen relativ selbstständig möglich.
- Auf der quop-Seite „Leistungsumfang“ ist FLINK ebenfalls als integrierter Bestandteil für Klassenstufen 2–6 genannt.
Grenze des didaktischen Nutzens: quop ist vor allem Diagnostik (plus Hinweise/Trainingsoptionen) – kein „Material- und Aufgabenpool“ wie bei klassischen Lehrwerksplattformen. In einem Praxisbericht wird z. B. positiv hervorgehoben, dass Förderhinweise gegeben werden, passende Fördermaterialien aber nicht zwingend mitgeliefert werden (weil Lehrkräfte eigenes Material nutzen).
Datenschutz & Hosting
Für Schulen ist vor allem relevant, welche Schülerdaten verarbeitet werden, wie der Zugriff geregelt ist und welche Datenschutzdokumente für die eigene Schule benötigt werden.
Verantwortliche Stelle & Kontakt
Als verantwortliche Stelle für die Datenverarbeitung (Website) wird hfp Informationssysteme GmbH genannt; als Datenschutzbeauftragter wird Dr. Thorsten Dietrich angegeben.
Im Impressum wird als Sitz Hattersheim genannt.
Klarnamen, Pseudonymisierung, Zugriff
Laut Helpcenter speichert quop keine Klarnamen auf den quop-Servern. Schülerdaten können demnach nur von der zuständigen Lehrkraft eingesehen werden (mit „flüchtiger Entschlüsselung“); anderen Lehrkräften derselben Schule kann Einsicht ermöglicht werden.
Zusätzlich wird beschrieben, dass alle Datenübertragungen zwischen System und Webbrowser via HTTPS verschlüsselt sind.
Welche Daten gibst Du als Lehrkraft ein? (praxisrelevant)
Beim Anlegen von Schülern vergibt das System laut Anleitung ID und Benutzername; Du trägst u. a. Geschlecht, Geburtsdatum (wobei laut Helpcenter Geburtsmonat und -jahr ausreichen können), ggf. Angaben zu sonderpädagogischem Förderbedarf, Migrationshintergrund und Einschulungsjahr ein. Diese Angaben werden dort als wichtig für „sinnvolle Vergleichswerte“ beschrieben. Wichtig für den Schulalltag: Du kannst Schüler entfernen/löschen (Schritt-für-Schritt im Helpcenter beschrieben).
Sichtbarkeit von Ergebnissen (Datenschutz in der Praxis)
Ein konkreter Datenschutzmechanismus im Betrieb: Ergebniseinsicht wird laut Helpcenter nicht automatisch für jede Person aktiviert, die sich einer Klasse zuordnet. Für schulinterne Zugriffe müssen ggf. Berechtigungen gesetzt werden (u. a. relevant beim Klassenübergang und bei Vorjahresergebnissen).
AVV / datenschutzrechtliche Einordnung (insbesondere Bundesland-Kontext)
Für Baden-Württemberg ist die Lage vergleichsweise klar dokumentiert: Dort wird angegeben, dass eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung zwischen Betreibern und dem IBBW geschlossen wurde und für Schulen keine weitere Vereinbarung zu erstellen ist; Schulen sollen jedoch – wie üblich – ein Verzeichnis der automatisierten Verfahren führen. Außerdem wird dort festgehalten, dass quop für den Einsatz an Schulen in Baden-Württemberg geprüft/freigegeben wurde und datenschutzrechtliche Anforderungen (EU-/deutsches Recht) erfüllt seien.
Für andere Bundesländer ist die Kosten-/Vertragslage zwar über Rahmenverträge beschrieben, konkrete AVV-Details sind öffentlich nicht für jedes Land gleich ausführlich dargestellt. Deshalb ist für Schulen außerhalb klar geregelter Landeslösungen wichtig: frühzeitig klären, welche Unterlagen (AVV/TOM, Verzeichnis/Verfahrensdokumentation) Dein Schulträger bzw. Deine Schulleitung erwartet – und ggf. Hosting- und Löschkonzepte direkt beim Anbieter anfordern. Als Indiz: In der Website-Datenschutzerklärung werden „Hostinganbieter“ als Empfängerkategorie erwähnt, ohne den Anbieter dort namentlich auszuweisen.
Kosten & Lizenzmodelle
Abrechnungslogik
Die Abrechnung ist in der Regel schülerbezogen (ca. 0,83 € pro Monat und Schüler:in = ca. 10 € pro Schuljahr) und erfolgt laut Anbieter direkt an die Schule; gerechnet wird im Laufe des Schuljahres.
Für Hessen, Baden-Württemberg und Bremen werden kostenfreie Nutzungen über Verträge/Rahmenverträge beschrieben.
Keine Mindestanzahl, keine Mindestlaufzeit
Laut Helpcenter ist keine Mindestanzahl an teilnehmenden Lehrkräften/Klassen erforderlich – Du kannst also auch als Einzelperson starten.
Ebenso wird eine Mindestlaufzeit verneint; zugleich wird darauf hingewiesen, dass für die Vorteile der Lernfortschrittsmessung eine Testreihe von mindestens 4 Messzeitpunkten hilfreich/erforderlich ist.
Einstieg im laufenden Schuljahr
Ein Einstieg ist laut Helpcenter jederzeit möglich; dort wird sogar betont, dass auch 2–3 Testungen bereits valide Informationen aus Lernfortschrittskurven erlauben. Praktisch heißt das: Du kannst auch nach den Sommerferien „später“ starten – idealerweise aber mit dem Ziel, mindestens mehrere Messpunkte zu sammeln, damit Trends stabiler interpretierbar werden.
Leistungsumfang „im Preis enthalten“ (relevante Punkte für Schulen)
Auf der Leistungsumfang-Seite werden u. a. die Testreihen (10 bzw. 8), Auswertungen mit Lernverlaufskurven, wissenschaftlich validierte Vergleichswerte sowie fachliche/technische/wissenschaftliche Betreuung per E-Mail und auch telefonisch (nach Termin) genannt; außerdem FLINK als integriertes Leseflüssigkeitstraining (Klassen 2–6).
Teilnahme beenden
Die Teilnahme endet laut Helpcenter automatisch, wenn Du Deine Klasse nach dem Schuljahr nicht erneut anmeldest; alternativ kannst Du per E-Mail an den Support beenden lassen.
Erfahrungen & Bewertungen
In Erfahrungsberichten aus der Schulpraxis wird häufig die Zeitökonomie betont: Tests werden am Tablet durchgeführt und dauern in der Praxis oft etwa 8–15 Minuten; Lehrkräfte berichten, dass sich das gut in offene Arbeitsphasen (z. B. Wochenplanarbeit) integrieren lässt.
Als positiv wird außerdem beschrieben, dass die Aufgabenformate kurzweilig und verständlich seien und dass Kinder die regelmäßigen „Runden“ teilweise motiviert annehmen. Gleichzeitig wird als didaktischer Hinweis genannt, Ergebnisse eher als Verlauf zu interpretieren (nicht als Einzelwert) und den Diagnosecharakter klar von „Benotung“ zu trennen.
Mehrwert aus Sicht der Unterrichtsentwicklung zeigen auch schulische Praxisbeispiele: Ein Bericht aus Hamburg beschreibt eine fest verankerte „quop-Zeit“, konstante Schwierigkeit/Aufgabenformate (damit die Tests routinierter werden) sowie eine unmittelbare automatische Auswertung. Dort wird hervorgehoben, dass Lehrkräfte im Lehrermenü detailliert die Entwicklung einzelner Kinder und der Klasse verfolgen und Hinweise für Planung/individuelle Förderung ableiten können.
Kritik und gemischte Stimmen finden sich vor allem dort, wo der Erwartungshorizont eher „fertige Fördermaterialien“ oder „Unterrichtscontent“ ist: In einem Schulportal-Interview wird z. B. ausdrücklich erwähnt, dass (über Förderhinweise hinaus) nicht automatisch passendes Fördermaterial bereitgestellt wird – was manche gut finden, weil sie eigenes Material nutzen, andere aber als Lücke empfinden könnten.
In Lehrerforen taucht zusätzlich ein typisches Spannungsfeld auf: Manche Lehrkräfte sehen in bestimmten Settings (z. B. Mathe in Klasse 5) wenig Mehrwert, während andere – insbesondere im Grundschulbereich – das Tool als hilfreich beschreiben. Solche Aussagen sind anekdotisch, zeigen aber, dass der Nutzen stark davon abhängt, ob Diagnosedaten bei Dir wirklich in konkrete Förderentscheidungen übergehen.