Einsatzbereiche im Unterricht
PhET ist besonders stark, wenn Du abstrakte oder schwer beobachtbare Prozesse „sichtbar“ machen möchtest (z. B. Teilchenmodelle, Felder, Energieumwandlungen) und Lernende Zusammenhänge durch Ausprobieren entdecken sollen. PhET nennt als Kernelemente der Simulationen u. a. interaktive Visualisierungen, multiple Darstellungen (z. B. gleichzeitig Animation + Graph), realitätsnahe Bezüge und eine reduzierte Komplexität, damit Exploration im Unterricht praktisch bleibt.
Für die konkrete Unterrichtspraxis ist hilfreich, dass PhET nicht nur Simulationen bereitstellt, sondern auch Lehrkraft-Ressourcen: „Tipps zur Nutzung“, Planungs-/Didaktikhinweise und eine Aktivitätsdatenbank mit Aufgabenformaten/Arbeitsblättern (teils von Lehrkräften eingereicht). Das Material ist nach Bildungsstufen gedacht (von Grundschule bis Sekundarstufen und Hochschule) und wird als Beispiele/Handreichungen angeboten.
Typische Einsatzszenarien im Unterricht sind:
- Demonstration/Impuls an Beamer oder interaktivem Display, ggf. mit kurzen Vorhersagefragen („Was passiert, wenn …?“).
- Geführtes Experimentieren in Partner-/Gruppenarbeit (Arbeitsauftrag/Protokollbogen), oft als Alternative oder Vorbereitung zu Realexperimenten.
- Hausaufgaben/Vertiefung: Simulationen können als Link bereitgestellt oder (bei geeigneten HTML5-Sims) heruntergeladen/offline genutzt werden.
Funktionen & Anwendung
PhET-Simulationen laufen überwiegend als HTML5 im Browser und lassen sich online nutzen oder lokal herunterladen. Der Anbieter beschreibt sie explizit als „fun, free, interactive, research-based“ und betont systematisches Testen (u. a. Interviews, Beobachtung im Unterricht) zur Sicherung der Lernwirksamkeit.
Eine typische Simulation bietet Dir und Deinen Lernenden:
- direkte Manipulation (Schieberegler, Auswahloptionen, Drag-and-drop),
- integrierte Messwerkzeuge (z. B. Lineal, Stoppuhr, Voltmeter/„Meter“),
- mehrere Repräsentationen (Animation, symbolische Darstellung, Graphen),
- unmittelbares Feedback zu Ursache–Wirkung.
Für den Schulalltag sind drei Bedienwege relevant:
Erstens: Online im Browser. PhET empfiehlt moderne Browser und nennt Systemanforderungen bzw. getestete Plattformen (z. B. iPad ab iOS 15+ in Safari; Windows über aktuelle Browser wie Edge/Firefox/Chrome; macOS ab 11+, Safari 16+). Für Android wird bei HTML5-Nutzung im Browser darauf hingewiesen, dass Android nicht „offiziell“ unterstützt ist und die aktuelle Chrome-Version empfohlen wird.
Zweitens: Offline über Downloads/Offline-Setups. Laut PhET kannst Du Simulationen für Offline-Zwecke speichern (z. B. auch auf USB-Stick) oder sogar „die gesamte Seite“ per Offline-Installer herunterladen.
Drittens: Apps für Offline-Nutzung und Schuleinsatz. PhET bietet Apps für iOS sowie Android/Chromebook, die native Offline-Nutzung der HTML5-Simulationen ermöglichen; die Erlöse sollen die Weiterentwicklung der HTML5-Simulationen finanzieren.
Praktisch für Dich als Lehrkraft (und ggf. schulische Admins) sind außerdem:
- Einbetten („Embed“) einzelner Simulationen in LMS/Webseiten per bereitgestelltem HTML-Code; teils ist dabei „https://“ nötig (z. B. je nach LMS-Konfiguration).
- Lehrkraft-Content (Aktivitäten/Tipps) und Community-Beiträge; dafür kann ein Lehrkraft-Account erforderlich sein.
Didaktischer Mehrwert
PhET ist didaktisch besonders dann stark, wenn Du Lernen als aktives Konstruieren von Verständnis anlegst: Aus der PhET-Forschung wird argumentiert, dass interaktive Simulationen Motivation und aktive Auseinandersetzung unterstützen, weil Lernende „wie in einem Experiment“ Hypothesen prüfen, Parameter verändern und Effekte beobachten.
Für den Unterrichtswert sind die Designprinzipien zentral: „Unsichtbares sichtbar machen“, „multiple Darstellungen“, intuitive Steuerung, gezielte Reduktion von Komplexität und direkte Rückmeldung. Diese Prinzipien werden sowohl auf der PhET-„Über PhET“-Seite als auch im Science-Überblicksartikel anhand konkreter Simulationsmerkmale (z. B. Messinstrumente, Graphen, mehrere Darstellungsebenen) beschrieben.
Auch zur Wirksamkeit gibt es belastbare Hinweise: Der Science-Artikel (2008) berichtet u. a. von Studien/Beobachtungen, in denen Lerngruppen mit PhET-Simulationen in bestimmten Settings höhere Konzeptbeherrschung zeigten als Vergleichsgruppen mit parallelen Realexperimenten bzw. traditioneller Instruktion (z. B. in Stromkreis-Konzepten oder beim Photoeffekt in einem simulationsbasierten Curriculum). Das ist kein „Allheilmittel“, aber ein starkes Argument, PhET gezielt dort einzusetzen, wo Visualisierung, unmittelbares Feedback und gefahrloses Ausprobieren besonders lernrelevant sind.
Erkennbar ist zugleich eine typische Grenze: Simulationen trainieren nicht automatisch das Bedienen realer, komplexer Laborgeräte oder feinmotorische Messpraxis. Diese Einschränkung wird im Science-Artikel ausdrücklich angesprochen (bestimmte Lernziele – z. B. Gerätepraxis – werden nicht durch Simulationen abgedeckt).
Datenschutz
PhET betont, dass Simulationen ohne Konto nutzbar sind und dass bei der Nutzung der Simulationen selbst keine personenbezogenen Daten (PII) erhoben werden – egal ob direkt auf der PhET-Website, in den iOS-/Android-Apps, eingebettet in andere Seiten oder lokal heruntergeladen. Für Schulen ist das ein großer Vorteil: Lernende sollen weder Accounts anlegen noch Identitätsdaten eingeben müssen.
Gleichzeitig werden (laut Privacy Policy) begrenzte, nicht-personenbezogene Nutzungsdaten beim Starten von Simulationen erhoben, z. B. Simulationsname/-version, Sprache, Zeitstempel, Gerät/Browser-Info sowie eine anonymisierte IP-Adresse. Zweck laut Anbieter: technische Stabilität, Nutzungsstatistiken (z. B. nach Land/Sprache) und Wirkungsberichte gegenüber Förderern. Zusätzlich nutzt PhET Google-Analytics-Tracking, um Traffic und Nutzungsmuster zu verstehen; laut Privacy Policy ist IP-Masking konfiguriert und in GA4 würden keine IP-Adressen geloggt/gespeichert.
Wenn Du als Lehrkraft einen Account anlegst (z. B. für Lehrkraft-Ressourcen), werden personenbezogene Daten wie Name und E‑Mail erfasst; außerdem können Standort-/Schulangaben und Unterrichtsdemografie abgefragt werden. Wichtig: Registrierung ist laut Privacy Policy nicht für Kinder unter 13 Jahren gedacht/zulässig; ebenso seien „Student accounts“ nicht vorgesehen.
Zur Sicherheit nennt PhET u. a. HTTPS-Übertragung (verschlüsselt) – weist aber auch darauf hin, dass Daten „at rest“ nicht verschlüsselt gespeichert werden, auch wenn sie gegen unbefugten Zugriff abgesichert sein sollen. PhET verwendet laut Cookie Policy keine Werbe- oder Marketing-Tracking-Cookies; Analytics-Cookies dienen der anonymisierten Nutzungsanalyse und Berichterstattung.
Als zusätzliche Einordnung für Schulen kann eine externe Datenschutzbewertung hilfreich sein: Common Sense Media bewertet PhET in seiner Privacy-Evaluation insgesamt mit „Pass“ und hebt u. a. fehlende Werbung/Profiling sowie die Nicht-Veräußerung personenbezogener Daten hervor (Bewertung basiert auf öffentlich verfügbaren Policies).
Kosten & Lizenzmodelle
Für den Unterricht ist die zentrale Aussage: Nicht-kommerzielle Nutzung durch Lehrkräfte und Lernende ist kostenlos möglich (inkl. Unterricht, Hausaufgaben, Schülerprojekte). PhET schreibt dazu ausdrücklich, dass keine zusätzliche Erlaubnis nötig ist, solange es nicht-kommerziell bleibt, und dass eine angemessene Attribution erforderlich ist.
Neu und für Lehrkräfte (und Schulwebsites) besonders wichtig ist die Lizenz-Transition 2026: PhET kommuniziert öffentlich, dass die Kernbibliothek lizenzrechtlich von CC BY in Richtung CC BY‑NC umgestellt wird, um kommerzielle Nutzung stärker an eine Rückfinanzierung zu koppeln – während „free simulations for classrooms“ bestehen bleiben sollen. Parallel existiert eine „Historical Software Agreement“-Seite, die klar macht, dass ältere HTML-Simulationsversionen (veröffentlicht vor 2026‑03‑29) unter CC BY 4.0 standen und dass diese Info nicht für Simulationen nach diesem Stichtag gilt.
Für Dich bedeutet das praktisch:
- Wenn Du PhET „nur“ im Unterricht nutzt oder Links an Lernende gibst, ist das in der Regel im nicht-kommerziellen Rahmen abgedeckt.
- Wenn Du PhET auf monetarisierten Plattformen einbindest (z. B. werbefinanzierte Website, monetarisierter YouTube-Kanal, Verkauf über Teachers Pay Teachers), beschreibt PhET das als kommerziell und verweist auf eine gesonderte kommerzielle Lizenz. Gleichzeitig bittet PhET Lehrkräfte mit „modest ad revenue“ um Kontaktaufnahme, um nicht pauschal zu „penalisieren“.
Bei Lehrkraft-Materialien in der PhET-Aktivitätsdatenbank gilt zusätzlich: Wer Aktivitäten einreicht, muss zustimmen, dass dieses Material unter einer offenen Lizenz bereitgestellt wird; PhET nennt hierfür CC BY 4.0 als Standard (inkl. Erlaubnis zur Bearbeitung/Weiterverwendung mit Namensnennung).
Kosten außerhalb der reinen Webnutzung entstehen vor allem für Offline-Apps:
- iOS-App: einmaliger Kauf (0,99 € im deutschen App Store); beworben als Offline-Paket der HTML5-Simulationen.
- Android-App: einmaliger Kauf (1,09 € im Play Store); Google Play weist zudem „keine Daten erhoben“ und „keine Daten an Dritte geteilt“ aus (Selbstauskunft im Store).
- Für Schulen: PhET beschreibt Wege zur Volumen-/Geräteverwaltung (z. B. Apple School Manager bzw. Managed Google Play) als Deploymentszenario.
Erfahrungen & Bewertungen
In App-Stores wird PhET größtenteils positiv bewertet, was vor allem auf die praktische Offline-Bündelung und die große Auswahl an Simulationen zurückgeführt wird. Im deutschen App Store steht die iOS-App (Stand der abgerufenen Seite) bei 4,1/5 Sternen aus 21 Bewertungen. In einer deutschsprachigen Bewertung wird u. a. hervorgehoben, dass sich Dinge „schnell erklären“ lassen und „Aha‑Effekte“ entstehen.
Im Google Play Store wird die Android-App auf der abgerufenen Seite mit sehr hoher Bewertung geführt (4,8 Sterne; mehrere hundert Rezensionen) und als Kauf-App mit 1,09 € angezeigt. Für Schulen kann das ein pragmatischer Weg sein, Offline-Nutzung auf Tablets zu ermöglichen, ohne im Unterricht von stabiler WLAN-Abdeckung abhängig zu sein.
Im deutschsprachigen Bildungsbereich wird PhET häufig als solides, niedrigschwelliges Tool für Simulationen genannt. Ein Beispiel ist ein Tool-Überblick im Friedrich Verlag, der PhET als kostenfreie Weblösung mit optionalen Apps für den mobilen Einsatz einordnet. In Praxis-/Schultech-Blogs wird oft der Vorteil betont, dass weder Lehrkräfte noch Lernende zwingend Accounts brauchen und dass sich Simulationen herunterladen und einbetten lassen – allerdings sind solche Blog-Beiträge naturgemäß weniger verbindlich als die Anbieterinformationen.