Einsatzbereiche im Unterricht
PEER passt vor allem in Unterrichtssituationen, in denen Schreiben als Prozess verstanden wird. Das Tool wurde laut offizieller Projektbeschreibung entwickelt, um Aufsätze von der Grundschule bis zur Universität zu begleiten. Die Forschungsbeschreibung nennt ausdrücklich Erzählungen, Diskussionen und Textanalysen; unabhängige deutsche Tool-Verzeichnisse und Praxisberichte ergänzen, dass auch typische schulische Textsorten wie Bericht, Erörterung, Inhaltsangabe, Kurzgeschichte sowie Gedicht-, Szenen- und Sachtextanalyse abgedeckt werden. Für Lehrkräfte bedeutet das: PEER ist vor allem dort interessant, wo nicht die eine fertige Abgabe zählt, sondern wo Texte mehrfach verbessert werden sollen.
Im Unterricht lässt sich das Tool auf verschiedene Weise einsetzen. Es eignet sich für individuelle Schreibphasen, für Hausaufgaben mit anschließender Überarbeitung, für Förderstunden und für gemeinsame Auswertung im Plenum. Ein aktueller Praxisbeitrag beschreibt, dass Lehrkräfte Texte auch gemeinsam mit der Klasse hochladen, das Feedback diskutieren und anschließend reflektieren, wie hilfreich oder ungenau die Rückmeldungen sind. Genau das macht PEER nicht nur zu einem Schreibtool, sondern auch zu einem Anlass für KI-Reflexion im Fachunterricht.
Für den schulischen Alltag praktisch ist die niedrige technische Hürde. PEER ist webbasiert, benötigt keine klassische Anmeldung und wird in öffentlich zugänglichen Tool-Beschreibungen für Linux, macOS und Windows genannt. Wenn an der Schule bereits mit Browsern auf Notebooks oder Tablets gearbeitet wird, ist der Einstieg daher unkompliziert. Eine eigene Schul-App oder eine umfassende Infrastruktur wie bei großen Verlagsplattformen steht aber nicht im Vordergrund.
Funktionen und Anwendung
Die Nutzung folgt einem klaren, eher schlanken Ablauf. Zuerst werden Thema oder Titel des Aufsatzes eingegeben. Danach wählst du beziehungsweise die Lernenden Aufsatztyp, Schulart, Jahrgang und Bundesland. Anschließend wird der Text entweder direkt eingegeben oder als Foto hochgeladen. Bei handschriftlichen Texten läuft zunächst eine OCR-Erkennung; erkannte Fehler können danach korrigiert werden. Erst dann startet die KI-Analyse. Diese Struktur ist für den Unterricht sinnvoll, weil das Feedback nicht völlig allgemein bleibt, sondern an Textsorte und Lernniveau angepasst werden soll.
Ein besonderes Merkmal von PEER ist, dass das System zwei Feedbackvarianten erzeugt. Lernende wählen anschließend aus, welche Rückmeldung hilfreicher ist. Schon in der frühen Projektpublikation wird beschrieben, dass diese Auswahl in die Weiterentwicklung der Promptqualität einfließt. In der Praxis heißt das: PEER ist nicht nur ein Ausgabetool, sondern zugleich ein lernendes Forschungsprojekt. Für Lehrkräfte ist das interessant, weil damit auch sichtbar wird, dass die Qualität der Rückmeldungen nicht statisch ist, sondern sich entwickeln soll.
Der Überarbeitungszyklus ist didaktisch der eigentliche Kern. Nach dem ersten Feedback kann die Lernende den Text verbessern und ihn erneut prüfen lassen. Dieser Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen. Gerade in Schreibdidaktik, Förderunterricht und Prüfungsvorbereitung ist das ein Pluspunkt, weil damit nicht nur Fehler markiert werden, sondern ein echter Revisionsprozess entsteht. Ein weiterer Vorteil: Auch handschriftliche Schülertexte können in diesen Prozess eingebunden werden, was in der Schule weiterhin wichtig ist.
Nach öffentlich beschriebenem Stand konzentriert sich PEER allerdings auf den einzelnen Text und dessen Überarbeitung. In den zugänglichen Beschreibungen stehen weder Klassenräume, Kursverwaltung, Aufgabenpools, Notenfunktionen noch eine Lernstandsübersicht im Mittelpunkt. Wenn du also eine Schulplattform suchst, mit der du ganze Lerngruppen organisierst, ist PEER eher Ergänzung als Komplettlösung.
Didaktischer Mehrwert
Der größte didaktische Mehrwert von PEER liegt im Wechsel von Korrekturdenken zu Überarbeitungsdenken. Die Projektpublikation beschreibt PEER als freundliches, webbasiertes Tool, das ausführliches und konstruktives Feedback geben soll. Hervorgehoben werden ein positives Wording, motivierende Hinweise und ein „continuous learning environment“, in dem Lernende so oft Rückmeldung bekommen können, wie sie brauchen. Das passt gut zu Unterricht, der Schreiben nicht als einmalige Leistung, sondern als schrittweisen Lernprozess versteht.
Für dich als Lehrkraft kann das echte Entlastung bringen, allerdings an der richtigen Stelle. PEER ist stark, wenn es um erste Rückmeldungen zu Ausdruck, Kohärenz, sprachlicher Oberfläche und grundsätzlicher Textwirkung geht. Ein aktueller Praxisbeitrag aus der Schulpraxis beschreibt genau das als Stärke: Standardfeedback übernimmt die KI, während die Lehrkraft mehr Zeit für individuellere, tiefere oder fachlich gehaltvollere Rückmeldungen behält. Didaktisch sinnvoll wird das vor allem dann, wenn du das KI-Feedback nicht einfach stehen lässt, sondern im Unterricht besprechen, prüfen und weiterdenken lässt.
Gleichzeitig hat PEER klare Grenzen, und genau diese Grenzen sind didaktisch wichtig. Eine TUM-nahe Studie von 2025 zeigt, dass große Sprachmodelle bei Rechtschreibung, Zeichensetzung und Ausdruck vergleichsweise nah an Lehrerurteilen liegen, bei Struktur, Hauptteilqualität und Plotlogik jedoch deutlich unsicherer werden. Die Modelle waren zudem oft großzügiger als Lehrkräfte. Daraus folgt für den Unterricht: PEER eignet sich gut als Assistenz beim lernförderlichen Feedback, aber nicht als verlässlicher Ersatz für pädagogische Beurteilung, Inhaltsfeedback oder Benotung.
Datenschutz sowie Kosten und Lizenzmodelle
Anbieter ist der Lehrstuhl Human-Centered Technologies for Learning an der Technische Universität München. Die offizielle Projektseite nennt das Tool ausdrücklich als Forschungsprojekt und verweist auf Kontaktmöglichkeiten über die Universität. Zugleich ist der Quellcode öffentlich auf GitHub einsehbar; dort wird das Repository unter einer MIT-Lizenz geführt. Für Lehrkräfte ist das ein positives Signal in Richtung Transparenz: PEER ist kein Black-Box-Angebot eines schwer greifbaren EdTech-Start-ups, sondern klar einem universitären Kontext zugeordnet.
Datenschutzfreundlich ist zunächst, dass keine klassische Registrierung nötig ist. Die offizielle Datenschutzerklärung des Projekts nennt aber sehr klar, welche Daten verarbeitet werden: Jahrgangsstufe, Schulart und Bundesland. Außerdem müssen Texte anonymisiert sein; ein im öffentlichen Code hinterlegter Einwilligungstext fordert ausdrücklich dazu auf, keine Namen oder anderen persönlichen Daten einzugeben. Für Schulen ist das ein wichtiger Punkt: PEER ist nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn Lehrkräfte und Lernende diese Anonymisierung tatsächlich einhalten.
Technisch relevant ist der Datenweg. Die Website läuft laut Datenschutzerklärung auf Servern des Leibniz-Rechenzentrum. Für die Handschrifterkennung nutzt PEER die OCR-API von Mathpix, für die Erstellung des Feedbacks die API von OpenAI. Das Projekt gibt an, dass hochgeladene Bilder nach der Umwandlung gelöscht werden und von Mathpix nicht gespeichert werden. Für OpenAI nennt die Datenschutzerklärung, dass übermittelte Daten nicht zum Modelltraining verwendet werden und maximal 30 Tage zur Missbrauchsüberwachung gespeichert werden. Zusätzlich fallen übliche Server-Logdaten an; IP-Adressen werden laut TUM-Angaben nach sieben Tagen anonymisiert.
Für den deutschen Schulalltag ist das insgesamt ordentlich dokumentiert, aber nicht völlig friktionsfrei. Ein offenes deutsches Tool-Verzeichnis bewertet den Datenschutz grundsätzlich positiv, weist aber zugleich auf die Anbindung an OpenAI und Mathpix hin und darauf, dass Schulen ihre eigenen Prüf- und Dokumentationspflichten selbst erfüllen müssen. Öffentlich zugängliche Unterlagen zeigen eine Datenschutzerklärung und Einwilligungstexte, aber kein klar herausgestelltes Schul-AVV- oder Kollegiumslizenzmodell. Wenn deine Schule nur zentral freigegebene Dienste mit sauber dokumentiertem Vertragsrahmen zulässt, sollte das vor dem Einsatz geklärt werden.
Bei den Kosten ist das Bild dagegen einfach: Öffentlich wird PEER aktuell als kostenlos, nicht kostenpflichtig und ohne Registrierung beschrieben. Ein Abo, eine Einzellizenz, eine Kollegiumslizenz oder ein zeitlich begrenzter Testzugang wie bei kommerziellen Schulplattformen werden derzeit nicht kommuniziert. Für Lehrkräfte ist das attraktiv, weil die Einstiegshürde niedrig ist. Für Schulen kann es zugleich bedeuten, dass das Tool eher als offenes Zusatzwerkzeug denn als formal beschaffte Systemlösung betrachtet werden muss.
Erfahrungen und Bewertungen
Die zugänglichen Praxiserfahrungen fallen insgesamt positiv aus, aber mit klarer Bodenhaftung. In Lehrerblogs und Praxistests wird PEER als einfach zu bedienen, motivierend und nützlich für erste Rückmeldungen auf Schülertexte beschrieben. Gelobt werden insbesondere die kostenlose Nutzung ohne Anmeldung, die Möglichkeit, handschriftliche Texte zu fotografieren, und die Feedbackschleife, bei der ein überarbeiteter Text erneut eingereicht werden kann. Auch dass PEER keine offensichtliche Note ausspielt, sondern eher lernförderlich formulierte Hinweise gibt, wird als Stärke wahrgenommen.
Ebenso deutlich werden aber die Grenzen benannt. Ein Praxistest berichtet, dass PEER in einzelnen Fällen konkrete Verbesserungsvorschläge liefert, das Feedback aber teilweise recht allgemein bleibt und bei demselben Text unterschiedlich ausfallen kann. Schon die frühe Projektpublikation nennt ähnliche Kritik aus Lehrerfeedback: manche Rückmeldungen seien zu allgemein, einzelne Textsorten fehlten, gelegentlich traten kleinere grammatische Fehler im Feedback auf. Ein aktueller Praxisbeitrag lobt das Tool zwar deutlich, merkt aber an, dass die weitere Entwicklung beobachtet werden sollte. Das spricht für ein nützliches, aber noch nicht vollständig ausgereiftes Werkzeug.