Kosten & Lizenzmodelle
Levumi ist ausdrücklich als freies und kostenloses Angebot für Schule und Forschung angelegt. In Lehrkräfte-Handbüchern wird betont, dass Lehrkräfte die Plattform „ohne Einschränkungen“ nutzen können und dass das Angebot seit 2015 kontinuierlich wächst.
Für viele Instrumente und Materialien gilt ein OER-/Open-Access-Ansatz. Das zeigt sich konkret daran, dass zentrale Veröffentlichungen und Testbeschreibungen unter Creative-Commons-Lizenzen bereitgestellt werden, häufig CC BY-NC-SA (Nennung der Urheber, nicht-kommerzielle Nutzung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Für deinen Unterricht bedeutet das praktisch: Materialien dürfen in vielen Fällen kopiert, angepasst und schulisch genutzt werden – solange die jeweiligen Lizenzbedingungen eingehalten werden (insbesondere die nicht-kommerzielle Nutzung).
Einsatzbereiche im Unterricht
Levumi ist besonders dort interessant, wo du Lernfortschritte regelmäßig und zeitökonomisch erfassen möchtest – etwa in inklusiven Klassen, in der Förderschule oder bei stark heterogenen Lerngruppen. In Praxisbeschreibungen wird explizit hervorgehoben, dass bei der Testkonstruktion Rücksicht auf Lernende mit sonderpädagogischem Förderbedarf und auf DaZ/Lernschwierigkeiten genommen wurde.
Inhaltlich deckt Levumi mehrere Bereiche ab, die in der Schule sehr häufig förderrelevant sind:
- Lesen (z. B. Leseflüssigkeit und Leseverständnis)
- Rechtschreiben (u. a. phänomenbezogene bzw. skillbasierte Verfahren, z. B. „Dehnungs-h“)
- Mathematik (Zahlenverständnis, Rechenoperationen u. a.)
- Verhalten/Empfinden (als Fragebogen-/Rating-Bereich)
- Sprachverständnis (SpraVesT als LVD-Instrument zum grammatischen Sprachverständnis; digital und analog)
Neben Lernverlaufsdiagnostik (regelmäßige Verlaufsdaten) gibt es auch Screenings, die eher einen einmaligen Überblick geben und Risikobereiche identifizieren sollen. Ein Beispiel ist das digitale Lesescreening LES‑IN‑DIG, das für heterogene bzw. inklusive Lerngruppen konzipiert ist und mehrere Teilbereiche des Lesens abbildet.
Funktionen und Anwendung
Levumi ist im Kern als „Klassenbuch + Testbibliothek + automatische Auswertung“ aufgebaut. Das Werkzeug richtet sich darauf aus, Tests kurz zu halten (typisch 1–5 Minuten) und sie hochfrequent nutzen zu können (z. B. wöchentlich), ohne dass du alles manuell auswerten musst.
Einstieg und Organisation
Der Einstieg ist webbasiert: Du registrierst dich mit E‑Mail-Adresse, wählst „Lehrkraft“ und gibst u. a. dein Bundesland an; anschließend erfolgt der Login mit einem (initial) automatisch generierten Passwort.
Danach arbeitest du im Klassenbuch:
- Du legst Klassen an und erstellst Schüler*innen-Einträge.
- Für Lernende werden Login-Codes generiert; zusätzlich kannst du QR-Codes nutzen und als QR-Code-PDF für die Klasse ausdrucken (praktisch für schnelle Logins im Unterricht).
- Das Klassenbuch ist (laut Überblickstexten) auch mit Kolleg*innen teilbar, was relevant ist, wenn z. B. Klassen gemeinsam unterrichtet oder Fördergruppen arbeitsteilig begleitet werden.
Wichtig für die Praxis: In Materialien wird empfohlen, zunächst mit einer Beispielklasse zu üben, bevor du reale Testungen startest. Das nimmt Druck aus der ersten Nutzung und hilft, Abläufe und Auswertungen kennenzulernen.
Testarten: lehrkraftzentriert vs. schülerzentriert
Ein didaktisch sehr relevantes Merkmal ist die Unterscheidung in lehrkraftzentrierte und schülerzentrierte Tests:
- Leseflüssigkeitstests sind (laut Levumi-Blog) die zentrale Ausnahme: Sie sind lehrkraftzentriert, weil du das Vorlesen bewertest und dafür typischerweise eine 1‑zu‑1-Situation brauchst.
- Viele andere Tests sind schülerzentriert: Schüler*innen bearbeiten sie nach kurzer Anleitung selbstständig am Tablet oder PC; die Plattform wertet richtig/falsch automatisiert aus.
Für schülerzentrierte Tests nutzen Schüler*innen den individuellen Code (oder QR-Code) und rufen das Testfenster auf; die Lehrkraft muss die Tests vorher im System freischalten/aktivieren (für alle oder einzelne Lernende).
Zuweisen und Durchführen von Tests
In Schritt-für-Schritt-Anleitungen wird beschrieben, dass Tests gezielt ausgewählt und zugewiesen werden. Für Screenings gibt es teils klar empfohlene Reihenfolgen (z. B. bei LES‑IN‑DIG) und Buttons wie „wöchentliche Testung aktivieren“, um Messungen zu starten.
Bei vielen Formaten sind die Tests zeitlich eng (typisch 5 Minuten) konzipiert, damit sie gut in Unterrichtsabläufe passen.
Ein zusätzlicher Praxispunkt: Einige Testformate sind ausdrücklich als Gruppentests gedacht (leise Bearbeitung im Klassenverband) und werden besonders für Tablets empfohlen.
Auswertung und Diagnostik-Ansicht
Für Lehrkräfte stellt Levumi Ergebnisse so bereit, dass du sowohl die individuelle Entwicklung als auch den Klassenvergleich interpretieren kannst:
- Klassengraph (Überblick über alle Lernverläufe einer Lerngruppe; Vergleich innerhalb der sozialen Bezugsnorm)
- Individualgraph (Entwicklung einer einzelnen Person über mehrere Messzeitpunkte; individuelle Bezugsnorm)
- Qualitative Auswertung (Antwortmuster: welche Items/Antworten korrekt oder falsch waren; zusätzlich Kennwerte wie Lösungswahrscheinlichkeit/Genauigkeit)
Diese Mehrfachdarstellung ist nicht nur „nice to have“: Sie soll laut Levumi dabei helfen, Lernende zu erkennen, die trotz Förderung nicht wie erwartet profitieren (Non-Responder) und daraus didaktische Entscheidungen abzuleiten.
Aktuelle Weiterentwicklungen
Für den Schulalltag zählt, ob ein Tool gepflegt wird. Der Levumi-Blog dokumentiert konkrete Verbesserungen, z. B. eine überarbeitete Klassenbuchstruktur, klassenweite Schrifteinstellungen, ein verbessertes Layout für Zahleneingaben, das Verschieben von Schüler*innen zwischen Klassen ohne Datenverlust sowie eine Suchfunktion in der Testverwaltung (Tests nach Name/Kürzel). Außerdem wird auf ein Supportformular verwiesen – hilfreich, weil bei Forschungsprojekten nicht immer derselbe Supportumfang wie bei kommerziellen Anbietern zu erwarten ist.
Didaktischer Mehrwert
Der zentrale Mehrwert liegt in der Verbindung aus kurzen Messungen und sichtbaren Lernverläufen: Statt nur punktuell Leistungen (oder Noten) zu erfassen, bekommst du regelmäßig Daten, die du für Förderentscheidungen nutzen kannst. Levumi ist explizit für hochfrequente Diagnostik mit sehr kurzer Testzeit konstruiert, wodurch es im Unterricht realistischer einsetzbar ist als viele umfangreiche Standardtests.
Didaktisch besonders stark ist die Ausrichtung auf Förderplanung:
- Über Lernverlaufsgraphen kannst du Lernentwicklung als Prozess sichtbar machen (für dich, für Lernende, für Elterngespräche).
- Durch qualitative Auswertungen (Antwortmuster) bekommst du Hinweise, woran es hakt – nicht nur, dass es hakt. Das unterstützt die Auswahl passender Übungen und Förderziele.
Ein weiterer Mehrwert ist die (teilweise) adaptive Diagnostik: Im Rahmen des Projekts DaF‑L wird ein adaptives Lesescreening beschrieben, bei dem sich die Schwierigkeit während der Testung an das Leseniveau anpasst. Das soll Überforderung durch zu schwere Aufgaben und Unterforderung durch zu leichte Aufgaben reduzieren – ein sehr praxisnahes Argument für heterogene Lerngruppen.
Hinzu kommt der OER-Charakter vieler Materialien: Wenn Förderkonzepte und Begleitmaterialien frei verfügbar und veränderbar sind, sinkt eine typische Barriere (Kosten/Materialzugang) und du kannst Inhalte stärker an deine Lerngruppe anpassen.
Datenschutz
Datenschutz ist bei Levumi nicht nur ein „Pflichtpunkt“, sondern ein explizites Designziel. Im Lehrkräfte-Handbuch wird beschrieben, dass die Plattform dem Datenschutz für Universitäten und Schulen unterliegt und dass die Plattformdaten auf Servern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel liegen.
Zusätzlich betont der Levumi-Blog Sicherheitsmaßnahmen: Daten werden verschlüsselt und anonymisiert gespeichert; Klarnamen aus dem Klassenbuch werden nach Darstellung des Teams nicht „im Klartext“ übertragen, weil Namen bereits im Browser verschlüsselt werden. Außerdem wird die übrige Datenspeicherung so beschrieben, dass keine Rückschlüsse auf reale Personen möglich sein sollen.
Für die Praxis wichtig: Du musst im Klassenbuch zwar pro Testperson einen Namen vergeben, kannst aber laut Levumi frei entscheiden, ob du reale Namen oder Pseudonyme nutzt. Hintergrundmerkmale (z. B. Geschlecht, Geburtsdatum, Förderbedarf) werden als hilfreich für wissenschaftliche Prüfungen (Fairness/Wirksamkeit) beschrieben und sind – je nach Kontext – optional bzw. werden in Anleitungen als erwünscht für die Evaluation genannt.
Levumi versteht sich nicht als kommerzieller Anbieter; im Blog wird ausdrücklich geschrieben, dass keine Daten an Dritte weitergegeben werden und dass Levumi kein Geld verdient – gleichzeitig wird daraus abgeleitet, dass Support/technische Unterstützung geringer ausfallen kann als bei kommerziellen Lösungen.
Zur schulischen Umsetzung gehört trotzdem eine saubere Absicherung: Levumi empfiehlt Lehrkräften, die Schulleitung einzubeziehen und das Einverständnis der Eltern einzuholen; dafür stellt das Team nach eigener Aussage auch eine Einverständniserklärung als Grundlage bereit.
Hinweis für den Schulalltag: Ob deine Schule zusätzlich einen formalen Vertrag zur Auftragsverarbeitung verlangt, hängt stark von Bundesland/Schulträger/DSB-Vorgaben ab. In den öffentlich zugänglichen Levumi-Materialien steht eher das Arbeiten mit Pseudonymisierung/Einwilligung im Vordergrund.
Erfahrungen und Bewertungen
Bei Levumi sind „Bewertungen“ weniger als Sterne-Rankings zu verstehen, sondern eher als Kombination aus Praxisrückmeldungen und wissenschaftlicher Prüfung. Das Team betont, dass Verfahren in Schulstudien überprüft werden, und die Blogstruktur ist stark auf Anwendung, Auswertung und Praxisfragen ausgelegt (z. B. Ergebnisdarstellung, Testzeitpunkte, neue Testverfahren).
Ein sehr aktuelles Beispiel für Evaluation ist SpraVesT: Für eine große Schulstudie (512 Kinder, Klassen 1–4; Erhebung digital im Dezember 2024) berichtet der Levumi-Blog über hohe Messzuverlässigkeiten (WLE-Reliabilität .84/.86) und diskutiert Testlerneffekte, wenn Varianten unmittelbar hintereinander bearbeitet werden. Für den Unterricht wird daraus abgeleitet, dass Erinnerungseffekte im normalen Abstand (typischerweise Wochen statt Minuten) voraussichtlich geringer sind.
Aus Sicht der Implementierung gilt: Es gibt Hinweise darauf, dass Levumi eine gewisse Einarbeitung erfordert. In einer Tool-Karteikarte (Lehrkräftefortbildungskontext) wird das explizit als mögliche Barriere benannt, zugleich aber die alltagstaugliche Testlogik, Beispielklasse und die datenschutzorientierte Umsetzung hervorgehoben.
Positives Praxisfeedback findet sich auch im offenen Kommentarbereich (mit den üblichen Grenzen solcher Quellen): In Rückmeldungen wird u. a. gelobt, dass SpraVesT schnell einen Einblick in das Sprachverständnis liefert und Kolleg*innen bei Förderentscheidungen unterstützt.
Auffällig ist zudem die dokumentierte Weiterentwicklung: Das Update von August 2024 bündelt mehrere Verbesserungen, die klar aus typischen Schulbedarfen kommen (z. B. bessere Testsuche, weniger Verwaltungsaufwand im Klassenbuch, Datenmitnahme bei Klassenwechsel).