Einsatzbereiche im Unterricht
flixGRADE ist keine große Schulplattform, sondern eine schlanke Lehrer-App für den eigenen Unterrichtsalltag. Der Schwerpunkt liegt klar auf Unterrichtsbeobachtung, Mitarbeitsbewertung, Sitzplan, Notenlisten und Kursbuch. Hinter flixGRADE steht die Mitarbeitsapp GmbH; öffentlich sichtbar ist zuletzt Version 3.5.0, die Produktseiten zeigen als letzte öffentliche Aktualisierung den 11.12.2024. Für den deutschen Markt wichtig: Es gibt eine deutschsprachige Website, deutsche Preisangaben im iOS-App-Store sowie eine deutsche Geschäftsadresse und Supportkontakte.
Im Unterricht passt das Tool vor allem dann, wenn du Leistungen direkt während der Stunde dokumentieren willst. Die App startet ihr Konzept bewusst sehr niedrigschwellig: Klasse öffnen, Schüler auswählen, Eintrag machen, fertig. Du musst also nicht erst Unterrichtsstunden anlegen, bevor du Mitarbeit, Vokabeltests, Fehlzeiten, Notizen oder andere Beobachtungen erfassen kannst. Besonders sinnvoll wirkt das bei Klassen mit vielen Lernenden, bei mündlich geprägten Fächern und überall dort, wo der Sitzplan ein zentrales Organisationswerkzeug ist. Schülerlisten lassen sich per CSV importieren, Gruppen können für kooperative Arbeitsformen gebildet werden, und auch Bilder von Lernprodukten oder Tafelbildern sind dokumentierbar.
Für Lehrkräfte, die eine browserbasierte Lernplattform mit Schülerlogins, Aufgabenverteilung, Lernstandsanalysen oder schulweiter Teamarbeit suchen, ist flixGRADE dagegen erkennbar nicht gebaut. Öffentlich dokumentiert ist vor allem die persönliche Nutzung auf dem mobilen Gerät oder – bei Apple – auch auf kompatiblen Macs; eine zentrale Cloud-Architektur steht nicht im Vordergrund.
Funktionen, Anwendung und didaktischer Mehrwert
Die Stärke von flixGRADE liegt im direkten Arbeitsfluss. Alle Eingaben starten beim Schüler, entweder in der Schülerliste oder im Sitzplan. Für einzelne Lernende gibt es eine Standardeingabe, für mehrere eine Mehrfachauswahl, und für systematische Mitarbeitsbeobachtung eine Serieneingabe. Gerade diese Serieneingabe ist im Alltag interessant, weil sie die spontane „Bauchgefühl-Note“ etwas stärker in Richtung dokumentierte Beobachtung verschiebt. Dasselbe Prinzip gilt im Sitzplan: Du kannst dort direkt bewerten, Schüler verschieben oder Plätze neu zuweisen. Für große Klassen ist das praktisch, weil der Blick auf die Lerngruppe erhalten bleibt.
Bei den Notenlisten arbeitet flixGRADE mit drei Listentypen: Freitext, Ja/Nein und Noten. Notenlisten lassen sich gewichten, und daraus berechnet die App einen Notenvorschlag. Positiv ist dabei, dass Gewichtungen später verändert werden können und die Berechnung dann neu erfolgt. Gleichzeitig bleibt die pädagogische Entscheidung bei der Lehrkraft: Formale Leistungen fließen laut Produktseite nicht automatisch in den Notenvorschlag ein. Das ist didaktisch sinnvoll, weil die App zwar Struktur gibt, dir die professionelle Bewertung aber nicht abnimmt. Zusätzlich gibt es mehrere vorgegebene Notensysteme und die Möglichkeit, ein eigenes System frei zu definieren. Gerade für unterschiedliche Schulformen oder spezielle Punktesysteme ist das ein echter Pluspunkt.
Für differenzierten Unterricht bietet flixGRADE einen Gruppenassistenten. Damit kannst du zufällige Gruppen bilden, leistungsgemischte „Mentor-Gruppen“ oder leistungshomogene „Buddies-Gruppen“ erzeugen und sogar ganze Gruppen gemeinsam bewerten. Das ist im Unterricht praktisch, wenn du Gruppenarbeitsphasen nicht nur organisieren, sondern auch sauber dokumentieren möchtest. Hinzu kommen Bildfunktionen für Lernprodukte, Tafelbilder oder Schülerarbeiten. Solche Bilder lassen sich mit Text verknüpfen und chronologisch beim Schüler oder im Unterrichtsverlauf ablegen. Für Gespräche mit Lernenden oder Eltern kann das nützlich sein, weil Beobachtungen dann nicht nur als Note, sondern auch als nachvollziehbarer Beleg sichtbar werden.
Auch bei den neueren Funktionen hat der Anbieter nachgelegt. Die öffentlichen Versionshinweise nennen unter anderem einen frei wählbaren Anzeigezeitraum für Bewertungen in Schülerliste und Sitzplan, Prozentwerte mit einer Nachkommastelle, Mehrfacheinträge für Störungen und Listen, grafische Anzeigen im Kursbuch, CSV-Import, Datenexport und -import als Backup-Lösung sowie PDF-Export des Kursbuchs und der Schülerporträts. Für Lehrkräfte ist das wichtig, weil flixGRADE damit nicht nur dokumentiert, sondern inzwischen auch deutlich besser beim Sichern und Mitnehmen der Daten unterstützt als in den frühen Jahren.
Datenschutz
Datenschutz ist einer der größten Pluspunkte von flixGRADE. Laut Anbieter bleiben Schülerdaten auf dem mobilen Endgerät, werden dort verschlüsselt gespeichert und nicht an einen zentralen Server übertragen. Die App beschränkt sich laut Produktbeschreibung bewusst auf einen minimalen Datenrahmen wie Vor- und Nachname, nutzt neutrale Bezeichnungen und verlangt keine E-Mail-Adresse für die Nutzung. Sowohl der Android-Store als auch der iOS-App-Store zeigen außerdem öffentlich an, dass der Entwickler keine Daten erhebt; im Android-Store steht zusätzlich, dass keine Daten mit Drittunternehmen oder Organisationen geteilt werden.
Ein weiterer Vorteil ist die automatische Löschung alter Daten. Die Datenschutzseite nennt eine frei definierbare Speicherdauer, maximal 24 Monate. Backups sollen über die Gerätesicherung des Betriebssystems laufen, also über die jeweiligen Backup-Mechanismen von Apple bzw. Android. Für Lehrkräfte, die keine zentrale Schulcloud und keine dauerhafte Serverablage wünschen, ist das grundsätzlich attraktiv. Gleichzeitig bedeutet dieses Modell auch: flixGRADE ist viel stärker ein persönliches Arbeitsgerät als ein kollaboratives Schul-Ökosystem.
Wichtig ist aber der kritische Blick in die Detailtexte. Die öffentlichen Datenschutzinformationen sind nicht überall konsistent. Die Startseite nennt als Standard-Aufbewahrung zwei Jahre, die Datenschutzseite dagegen ein Jahr bei maximal 24 Monaten. Die Datenschutzseite sagt außerdem noch, Daten könnten nicht per E-Mail versandt, exportiert oder gedruckt werden; die spätere Versionshistorie nennt jedoch E-Mail-Export seit 2023 sowie Datenexport, Datenimport, Bildexport und PDF-Export seit 2024. Auch die AGB/EULA sprechen noch von Monitoring und statistischer Analyse der Funktionsnutzung, während die iOS-Versionshistorie für 2024 ausdrücklich sagt, das Tracking der App-Nutzung sei aus Datenschutzgründen entfernt worden. Für eine Schule oder Lehrkraft mit hohen Dokumentationsanforderungen ist das kein Ausschlusskriterium, aber ein klarer Punkt, den man vor dem produktiven Einsatz schriftlich beim Anbieter klären sollte.
Außerdem wird öffentlich kein eigener App-internen Passwort- oder Fingerabdruckschutz beschrieben. Auf eine entsprechende Nutzerfrage verwies der Anbieter ausdrücklich auf die Gerätesperre des persönlichen Endgeräts. Für private Einzelgeräte kann das ausreichen; auf gemeinsam genutzten oder organisatorisch sensiblen Dienstgeräten sollte man diesen Punkt aber ernst nehmen.
Kosten und Lizenzmodelle
Das Lizenzmodell ist einfach, aber klar auf Einzel-Lehrkräfte zugeschnitten. Öffentlich sichtbar sind kostenlose Einstiegsmöglichkeiten mit einer Begrenzung der Klassen- beziehungsweise Lerngruppenzahl und danach In-App-Käufe für die Vollversion. Im iOS-App-Store gibt es Monat, Jahr oder Einmalkauf; im Android-Store wird öffentlich vor allem der monatliche In-App-Kauf genannt. Ein klassisches Kollegiumsmodell, eine Schulträgerlizenz oder eine institutionelle Preisstaffel wie bei größeren Plattformanbietern wird auf den frei zugänglichen Produktseiten derzeit nicht ausgewiesen.
Für dich als einzelne Lehrkraft ist das grundsätzlich angenehm, weil der Einstieg niedrigschwellig und vergleichsweise günstig ist. Wer erst testen möchte, kommt mit dem Gratisbereich weit genug, um die Grundlogik zu verstehen. Wer flixGRADE langfristig fest in den Alltag integriert, dürfte das Einmalmodell im iOS-App-Store attraktiver finden als ein dauerhaftes Monatsabo. Für Schulen ist die Lage weniger komfortabel, weil öffentlich keine klaren Team- oder Beschaffungsmodelle sichtbar sind.
Erfahrungen und Bewertungen
Die öffentliche Resonanz wirkt solide, aber nicht riesig. Im deutschen iOS-App-Store steht flixGRADE bei 4,1 von 5 Punkten aus 36 Bewertungen; im Android-Store sind 10.000+ Downloads öffentlich sichtbar. Die vorhandenen Rückmeldungen loben vor allem die Übersichtlichkeit, die leichte Bedienung, die Alltagstauglichkeit und den freundlichen Support. Auch auf der Hersteller-Website veröffentlichte Lehrkräfte-Mails beschreiben die App als spürbare Erleichterung, gerade wenn viele Schüler zu verwalten sind.
Die Kritikpunkte sind ebenfalls gut erkennbar und für Lehrkräfte sehr relevant. Wiederholt genannt wurden in den vergangenen Jahren die Übertragung von Daten auf ein neues Gerät, fehlende Exportmöglichkeiten, Wünsche nach CSV- oder Listenimport, feineren Notensystemen, nachträglicher Änderung von Einträgen sowie zusätzlichem App-Schutz per Fingerabdruck oder Passwort. Positiv ist immerhin, dass der Anbieter auf mehrere dieser Punkte reagiert hat: Die Versionshistorie nennt inzwischen Datumsänderungen bei Einträgen, CSV-Import, E-Mail-Export und später auch Datenexport/-import als Backup-Lösung. Das spricht für aktive Weiterentwicklung, auch wenn die öffentliche Update-Spur zuletzt Ende 2024 endet.
Unterm Strich zeigen die Bewertungen ein recht klares Bild: flixGRADE wird von seinen Nutzerinnen und Nutzern vor allem dann geschätzt, wenn eine unkomplizierte, schnelle und lokal gespeicherte Lehrer-App gesucht wird. Die Kritik zielt weniger auf das Grundkonzept als auf Randthemen wie Datenmigration, zusätzliche Sicherheitsfunktionen und die Präzision der öffentlichen Dokumentation.