Einsatzbereiche im Unterricht
Diagnose und Fördern ist eine browserbasierte Online-Lösung zur Lernstandserhebung und zur anschließenden individuellen Förderung. Ziel ist, dass Du schnell Diagnosen zu Kompetenzen/Themen durchführen kannst und Lernende danach automatisch oder durch Dich gesteuert passende Lernwege mit digitalen Materialien erhalten.
Für die Schule ist der Dienst besonders interessant, wenn Du regelmäßig heterogene Lernstände in der Klasse sichtbar machen und daraus konkrete Übeaufträge ableiten willst – nicht nur zu Schuljahresbeginn, sondern lernbegleitend im laufenden Unterricht (Vorwissen prüfen, aktuelle Inhalte diagnostizieren, Förderbedarf ableiten).
Inhaltlich deckt das Angebot laut Anbieter in der Grundschule (ab Klasse 3) die Kernfächer ab und in der Sekundarstufe zusätzliche Fächer. Für die Grundschule wird das Angebot explizit für Klasse 3/4 positioniert; für die Sekundarstufe finden sich Produktvarianten u. a. für Klasse 5–11 (je nach Schulform/Bundle) sowie in manchen Landeskontexten auch enger (z. B. 5–10).
Ein zentraler Pluspunkt für viele Schulen: Das Tool ist laut Anbieter lehrwerkunabhängig nutzbar, kann aber in Teilen auch lehrwerkbegleitend eingesetzt werden – vor allem mit passgenauen Lernstandsanalysen zu ausgewählten Cornelsen-Lehrwerken.
Funktionen & Anwendung
Die Plattform ist in zwei Lernbereiche gegliedert: „Wissen testen“ (Diagnose) und „Weiter üben“ (Förderung). Zusätzlich gibt es einen Lehrkräftebereich, in dem Lerngruppen verwaltet, Diagnosen zugewiesen und automatische Auswertungen eingesehen werden.
Im Diagnose-Teil arbeitest Du mit fertigen Lernstandsanalysen, die Du per Auswahl/Filter einem Kurs oder einzelnen Schüler/-innen zuweisen kannst. Cornelsen beschreibt die Analysen als interaktiv, kompetenzbasiert und lehrplanorientiert; nach der Bearbeitung erhältst Du eine mehrstufige Auswertung, in der Lernende nach Förderbedarf eingestuft werden (z. B. gering/mittel/hoch).
Im Förder-Teil („Weiter üben“) werden auf Basis der Ergebnisse Lernwege vorgeschlagen – typischerweise mit Erklärvideos und interaktiven Übungen. Ergänzend nennt Cornelsen auch Probeklassenarbeiten und Lexikonbeiträge als Materialformen. Du kannst Material automatisch zuweisen lassen oder selbst auswählen/zuweisen.
Für die Unterrichtspraxis relevant: Die Oberfläche ist auf schnelles Zuweisen ausgelegt. In der Lehrkräfte-Anleitung werden u. a. Filter/Suche zum Finden von Diagnosen und Materialien sowie eine Zuweisung mit optionalem Abgabedatum beschrieben.
Aus Lernendensicht ist der Einstieg niedrigschwellig: In einer offiziellen Schüler-Anleitung wird der Login über einen Code beschrieben; Aufgaben erscheinen in einer Übersicht und werden in „Zu erledigen“, „In Bearbeitung“, „Abgeschlossen“ sortiert. Nach einer Diagnose werden Lernempfehlungen (Lernwege) bereitgestellt; Lernwege enthalten Videos und Übungen, und die Übungen bieten drei Schwierigkeitsstufen.
Wichtige Einschränkung, die Du einplanen solltest: Lernstandsanalysen sind laut Lehrkräfte- und Schülerdokumentation nur einmal durchführbar (keine Wiederholung derselben Diagnose als „zweiter Versuch“). Das ist für eine saubere Messung sinnvoll, kann aber im Unterricht bedeuten, dass Du für eine zweite Diagnoserunde eine andere Diagnose/Kompetenz wählen musst.
Neuere, praxisnahe Funktionen betreffen die Zusammenarbeit im Kollegium: Cornelsen nennt die Möglichkeit, bis zu vier Vertretungslehrkräften Zugriff auf Inhalte und Schülerdaten zu geben. Das wird auch in einer Lehrkräfte-Anleitung so beschrieben (Einladung über Lehrkräfteverwaltung/Service-ID).
Wenn Deine Schule an zentrale Logins/Schulportale angebunden ist, kann der Ablauf abweichen: Ein Beispiel ist die Nutzung über das Berliner Schulportal (Single Sign-On, Provisionierung über Verwaltungsdaten, Kurse/Klassen werden in diesem Fall nicht im Tool selbst angelegt). Beim Wechsel auf diese Portalnutzung wird dort außerdem darauf hingewiesen, dass neue Konten erstellt werden und alte Daten nicht übernommen werden können – für Schulen, die migrieren, ist das ein echtes Planungsrisiko.
Didaktischer Mehrwert
Der didaktische Kernnutzen liegt in der Kette Diagnose → Auswertung → passgenaue Förderung: Du bekommst schnell eine datenbasierte Übersicht, wer welche Kompetenzlücken hat, und kannst daraus Übephasen ableiten, ohne alles manuell zu differenzieren.
Cornelsen positioniert das Tool ausdrücklich in Richtung formativer Lernstandserhebung: Diagnosen sollen ganzjährig einsetzbar sein (Vorwissen + aktuelle Unterrichtseinheiten), und die Plattform liefert eine Grundlage, um Unterricht und Förderung anzupassen.
Positiv für die praktische Differenzierung: Das Materialangebot wird beim Anbieter mehrfach groß ausgewiesen (u. a. „über 70.000“ Lernmaterialien; differenzierte Lernniveaus/Schwierigkeitsgrade). In der Grundschule wird zusätzlich betont, dass die Oberfläche kindgerecht optimiert ist und es Einstiegs-/Einführungslernwege gibt.
Die Qualität wird von Cornelsen mit externen Bezugspunkten unterfüttert: Auf der Produktseite wird das Comenius-EduMedia-Siegel genannt; auf der Online-Diagnose-Seite wird eine wissenschaftliche Evaluation durch Cito (2023) beschrieben – inklusive psychometrischer Analyse und dem Ergebnis, dass das Tool valide zwischen niedrigem und hohem Förderbedarf unterscheiden könne. (Hinweis: Öffentliche Evaluationsberichte sind auf der Produktseite nicht verlinkt; die Aussage basiert auf der Anbieterbeschreibung.)
Als weiterer Indikator für Marktrelevanz/Verbreitung: Der Deutscher Bildungsserver führt das Angebot als Online-Ressource und beschreibt u. a. die automatische Zuweisung von Material in mehreren Fächern sowie den Umfang der Materialien („über 70.000“).
Datenschutz & Hosting
Für Schulen ist entscheidend: Für die Nutzung ist laut Anbieter in der Regel ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nötig. Cornelsen erklärt, dass die Schule Verantwortliche für die Verarbeitung personenbezogener Daten ist und der Anbieter im Auftrag verarbeitet; der AVV kann heruntergeladen und an Cornelsen gesendet werden.
Auch in den Lizenzinformationen wird der AVV als Voraussetzung für eine rechtskonforme Nutzung genannt. Dort steht zudem konkret, dass Lizenzcodes in der E‑Bibliothek aktiviert werden und die Nutzung anschließend über diagnose.cornelsen.de erfolgt; zugleich wird wieder auf die AVV-Pflicht für den datenschutzkonformen Einsatz verwiesen.
Praktischer Datenschutz-Hinweis für den Schulalltag: Durch Funktionen wie Vertretungszugänge (mehrere Lehrkräfte erhalten Zugriff auf Inhalte und Schülerdaten) solltest Du intern sauber regeln, wer diese Rechte bekommt und wann sie wieder entzogen werden – organisatorisch ist das Teil eines datenschutzsensiblen Rollen-/Rechtekonzepts.
Erfahrungen & Bewertungen
Ein relativ belastbarer Einblick kommt aus einer großen Umfrage des Landesmedienzentrum Baden-Württemberg zur Nutzung mehrerer Lernportale (u. a. Diagnose und Fördern) im SESAM-Kontext: Dort wird berichtet, dass 1.888 Lehrkräfte teilgenommen haben, 97 % die Portale im Kollegium weiterempfehlen würden und Diagnose und Fördern besonders häufig für Lernstandsanalysen und selbstständiges Üben genutzt wurde.
In derselben Veröffentlichung finden sich auch qualitative Rückmeldungen: Ein Beispielzitat hebt hervor, dass es dadurch möglich sei, schnell Lernstände zu erheben und direkt gezielt zu üben. Gleichzeitig taucht auch der Hinweis auf, dass sich das Tool „nur auf lange Sicht“ lohne, wenn es schullaufbahnbegleitend eingesetzt werden kann – das passt zu der Logik, dass Diagnostik/Förderung ihren größten Nutzen bei regelmäßiger Nutzung entfaltet.
Wichtig für die Einordnung im deutschen Markt: In Baden-Württemberg war Diagnose und Fördern eine Zeit lang über die Bildungsmediathek SESAM landesweit kostenfrei nutzbar; das Landesmedienzentrum weist jedoch darauf hin, dass diese kostenlose Verfügbarkeit zum 31.01.2025 endete (inkl. Hinweis auf auslaufende Elternzugänge im SESAM-Modell). Für Schulen bedeutet das: Man sollte nicht mit einer dauerhaften Landeslizenz „rechnen“, sondern die eigene Lizenzstrategie (Klasse vs. Schule) klären.
Ergänzend gibt es Anbieter-Statements/PR, die typische Vorteile betonen (Dashboard-Übersicht, direktes Feedback, Zuweisung von Lernwegen, Entlastung). Solche Quellen sind nützlich, aber erwartbar positiv gefärbt; als Lehrkraft lohnt sich daher besonders die Kombination aus Testlizenz + kleinem Pilot (eine Klasse, ein Fach, zwei Diagnoserunden).