Wie verraten abgelenkte Alphateilchen den inneren Aufbau eines Atoms? Verbinde den Goldfolienversuch mit einem einfachen Modell der elektrischen Abstoßung.
rminUnsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck
Finde heraus, was du schon kannst
Drei kurze Aufgaben helfen dir, deinen Startpunkt zu finden. Wenn du unsicher bist, wähle „Weiß ich noch nicht“.
Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.
Hans Geiger und Ernest Marsden untersuchten unter Ernest Rutherfords Leitung die Streuung von Alphateilchen an dünnen Metallfolien. Eine gebündelte Alphastrahlung traf auf die Folie; ein Leuchtschirm machte auftreffende Teilchen als kleine Lichtblitze nachweisbar.
Die meisten Teilchen durchquerten die dünne Folie ohne große Richtungsänderung. Einige wurden deutlich abgelenkt, sehr wenige sogar zurückgestreut. Gerade diese seltenen großen Winkel waren für die Deutung entscheidend.
Eine dünne Folie reduziert Mehrfachstreuung und Energieverlust. Der Nachweis erfasst Ankunftsrichtungen beziehungsweise Zählraten; er ist kein direktes Foto einzelner Teilchenbahnen im Atom.
Die seltenen Rückstreuungen sind entscheidend
Eine abgeschirmte Quelle mit Blende liefert den Alphastrahl. Hinter der dünnen Goldfolie liegen die meisten Nachweise nahe der ursprünglichen Richtung. Ein Leuchtschirm kann auch seitlich und rückwärts auftreffende Teilchen durch Lichtblitze nachweisen.
Die Pfeile ordnen mögliche Einfalls- und Nachweisrichtungen zu; sie zeigen keine im Atom fotografierten Bahnen. Ihre Anzahl ist keine Häufigkeitsskala. Insbesondere sind die drei Ausgangsrichtungen nicht gleich häufig.
Seltene große Ablenkungen sprechen für eine stark konzentrierte positive Ladung. Der Versuch allein weist keine festen Elektronenkreisbahnen nach.
Lernschritt 2
Was folgt daraus für das Atommodell?
Die positive Ladung und fast die gesamte Atommasse müssen in einem sehr kleinen Bereich konzentriert sein: dem Atomkern. Der Kern ist im Vergleich zum Atom winzig, während die Elektronenhülle den großen räumlichen Bereich bestimmt.
Eine räumlich breit verteilte positive Ladung wie im einfachen Thomson-Modell erklärt die beobachteten seltenen starken Ablenkungen nicht angemessen. Dass viele Teilchen nahezu gerade durchgehen, widerspricht dem kleinen Kern nicht: Die meisten passieren ihn mit großem Abstand.
Der Versuch zeigt nicht direkt, dass Elektronen auf bestimmten Kreisbahnen laufen. Auch die Stabilität der Atome und ihre Linienspektren erklärt das klassische Kernmodell allein noch nicht.
Lernschritt 3
Elektrische Abstoßung statt Zusammenprall
F = 14πε₀ · 2Ze²r²
Ein Alphateilchen besitzt die Ladung +2e; ein Goldkern besitzt +79e. Im Modell wirkt die Coulombkraft vom Kern weg. r ist der momentane Abstand zum Kernzentrum.
Der Stoßparameter b ist dagegen der seitliche Abstand zwischen der ursprünglichen geradlinigen Anflugbahn und dem Kernzentrum. Er ist nicht der kleinste tatsächliche Abstand während der Ablenkung.
tan(θ2) = κ2Eb; κ = 2Ze²4πε₀
E ist die kinetische Energie weit vor dem Kern. θ ist der Winkel zwischen ursprünglicher und späterer Bewegungsrichtung. Die Formel verwendet ein klassisches, nichtrelativistisches Modell mit einem näherungsweise ruhenden schweren Kern und rein elektrischer Einzelstreuung.
Für Gold verwenden wir κ ≈ 227,5 MeV·fm. Bei E in MeV und b in fm ist das Verhältnis dimensionslos. Ein Femtometer entspricht 10−15 m.
So rechnest du mit der Rutherford-Streuung
Anfluggrößen notieren
E ist die kinetische Energie weit vor dem Kern, b der seitliche Abstand der ursprünglichen Anfluggeraden zum Kernzentrum.
Einheitensystem beibehalten
Für Gold: κ ≈ 227,5 MeV·fm. Dazu E in MeV und b in fm einsetzen.
Halben Winkel berechnen
Zuerst κ/(2Eb), danach arctan im Gradmaß. Erst anschließend mit 2 multiplizieren.
Grenzfall erkennen
b = 0 getrennt behandeln: Rückstreuung mit θ = 180°. Nur dann gilt die einfache Formel rmin = κ/E.
Lernschritt 4
Stoßparameter und Energie vergleichen
Die blaue Kurve zeigt den Streuwinkel für verschiedene Stoßparameter bei der eingestellten Energie. Der orange Punkt markiert deinen gewählten Anflug. Die Grafik ist ein Zusammenhangsdiagramm, keine räumliche Teilchenbahn.
E = 5 MeV und b = 50 fm: θ ≈ 48,9°. Ein kleinerer Stoßparameter ergibt eine stärkere Ablenkung.
Einzelstreuung am schweren, näherungsweise ruhenden Goldkern. Die Kurve gibt keine Häufigkeitsverteilung der gemessenen Teilchen an. Bei b = 0 zeigt sie den Grenzfall des zentralen Anflugs mit 180° Rückstreuung.
Unterrichtsimpuls mit Erklärung
Setze E = 5 MeV. Vergleiche b = 100, 50 und 10 fm: Die Winkel wachsen stark. Erhöhe anschließend bei b = 50 fm die Energie. Das schnellere Teilchen wird bei gleichem Stoßparameter weniger stark abgelenkt. Die seltenen kleinen Stoßparameter erklären, warum große Ablenkungen nicht die Regel sind.
Lernschritt 5
Den Streuwinkel berechnen
Beispiel · Schritt für Schritt
1. Den Ablenkwinkel an Gold bestimmen
Ein Alphateilchen fliegt mit 5,0 MeV und einem Stoßparameter von 50 fm an einen schweren Goldkern heran.
Gegeben: κ = 227,5 MeV·fm; E = 5,0 MeV; b = 50 fm.
Rechenweg: 1. Den Ablenkwinkel an Gold bestimmen
Rechnung
Erklärung zum Schritt
tan(θ/2) = κ2Eb
1Streuformel auswählen
Sie beschreibt klassische elektrische Einzelstreuung am näherungsweise ruhenden schweren Kern.
227,5 MeV·fm2 · 5,0 MeV · 50 fm = 0,455
2Dimensionsloses Verhältnis bilden
MeV und fm kürzen sich vollständig. Der Arkustangens wird auf eine reine Zahl angewandt.
θ/2 = arctan(0,455) ≈ 24,46°
3Umkehrfunktion im Gradmaß anwenden
Prüfe die Einstellung DEG. Dieser Wert ist erst der halbe Streuwinkel.
θ ≈ 2 · 24,46° = 48,9°
4Den ganzen Winkel berechnen
Die Ablenkung bleibt unter 90°; das Teilchen bewegt sich danach noch in die vorwärts gerichtete Halbebene.
Ergebnis: Der Streuwinkel beträgt etwa 48,9°.
Beispiel · Schritt für Schritt
2. Den Umkehrabstand bei zentralem Anflug finden
Dasselbe Teilchen fliegt nun direkt auf das Kernzentrum zu. Wie nah kommt es im Coulombmodell heran?
Gegeben: b = 0; E = 5,0 MeV; κ = 227,5 MeV·fm.
Rechenweg: 2. Den Umkehrabstand bei zentralem Anflug finden
Rechnung
Erklärung zum Schritt
E = Epot(rmin) = κ/rmin
1Energieerhaltung ansetzen
Im zentralen Umkehrpunkt ist die kinetische Energie vorübergehend null. Die Energie steckt in elektrischer potenzieller Energie.
rmin = κ/E
2Nach dem Abstand auflösen
Diese einfache Form gilt für den zentralen Anflug b = 0.
rmin = 227,5 MeV·fm5,0 MeV = 45,5 fm
3Einsetzen und einordnen
45,5 fm = 4,55 · 10⁻¹⁴ m. Das Alphateilchen kehrt durch elektrische Abstoßung um.
Ergebnis: Der Umkehrabstand beträgt 45,5 fm. Er ist kein gemessener Kernradius.
Welche Anfluggerade führt im selben Modell zu einem Streuwinkel von 90°?
Gegeben: E = 5,0 MeV; θ = 90°; κ = 227,5 MeV·fm.
Rechenweg: 3. Den Stoßparameter rückwärts berechnen
Rechnung
Erklärung zum Schritt
b = κ2E · tan(θ/2)
1Formel nach b auflösen
Multipliziere zuerst mit b und teile dann durch tan(θ/2).
tan(90°/2) = tan(45°) = 1
2Halben Winkel einsetzen
Auch bei der Rückwärtsrechnung gehört der halbe Winkel in den Tangens.
b = 227,5/(2 · 5,0 · 1) fm = 22,75 fm
3Ergebnis berechnen
Ein noch kleinerer Stoßparameter führt bei dieser Energie zu einem Winkel über 90°.
Ergebnis: Bei b ≈ 22,8 fm beträgt der Streuwinkel 90°.
Lernschritt 6
Was passiert beim zentralen Anflug?
Bei b = 0 fliegt das Alphateilchen direkt auf das Kernzentrum zu. Es wird langsamer, kommt im Coulombmodell vor dem Kern zum Stillstand und kehrt um. Seine kinetische Energie wird dabei vorübergehend in elektrische potenzielle Energie umgewandelt.
rmin = κE
rmin ≈ 227,5 MeV·fm5,0 MeV = 45,5 fm
Dieser Umkehrabstand ist nicht der gemessene Kernradius. Er kann unter passenden Voraussetzungen eine obere Schranke für die Ausdehnung des Bereichs liefern, in dem das reine Coulombmodell geändert werden müsste. Für nichtzentralen Anflug gilt diese einfache Formel nicht.
Die genaue Kernstruktur, Kernkräfte bei sehr kleinen Abständen, Elektronenabschirmung bei großen Abständen und Kernrückstoß begrenzen das einfache Modell.
Umkehren ohne Berührung
Das Alphateilchen nähert sich direkt dem Kernzentrum. Es wird durch die elektrische Abstoßung gebremst und kehrt bei E = 5,0 MeV im Modell in 45,5 fm Entfernung vom Zentrum um.
Hin- und Rückpfeil sind zur Lesbarkeit gegeneinander versetzt. Tatsächlich liegen beide Bewegungen bei b = 0 auf derselben Geraden. Die vertikale Markierung ist nur eine Ortsmarke, keine Wand.
Die Kernzeichnung ist symbolisch und nicht maßstäblich. Der eingezeichnete Abstand ist weder Stoßparameter noch Kernradius.
Lernschritt 7
Typische Fehler vermeiden
Große Ablenkung als normalen Verlauf darstellen: Sie wurde nur bei wenigen Teilchen beobachtet.
Abstoßung als Berührung zeichnen: Die Coulombkraft wirkt schon auf Abstand.
Stoßparameter mit Kernradius verwechseln: b beschreibt den Anflug.
Die Streuwinkelkurve als Zählrate lesen: Sie zeigt θ abhängig von b bei einer gewählten Energie.
Dem Versuch feste Elektronenbahnen zuschreiben: Die zentrale Aussage betrifft die Konzentration von positiver Ladung und Masse.
Selbst ausprobieren
Üben & prüfen
Mit Tipps lernen oder ohne Hilfe testen – du entscheidest.
Wähle deine Stufe. Du löst jeweils sechs Aufgaben mit direkter Rückmeldung, Tipps und Rechenwegen.
Fortschritt & Einstellungen
Optional: Dein Fortschritt wird nur in diesem Browser gespeichert.
Wie sicher bist du jetzt?
Bearbeite drei weitere Aufgaben ohne Nachschlagen. Nutze die Rückmeldung, um gezielt weiterzulernen.
Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
Eigene Werte einsetzenMit dem Physikhelfer
Physikhelfer
Eigene Werte einsetzen
Berechne den klassischen Umkehrabstand eines Alphateilchens bei zentralem Anflug oder den Betrag der Coulombkraft. Der Umkehrabstand ist kein gemessener Kernradius; Kernrückstoß, Abschirmung und Kernkräfte bleiben unberücksichtigt. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.