← Alle Physik-ThemenSekundarstufe I und II

Innere Energie und erster Hauptsatz

Wie verändert sich die Energie eines Gases beim Heizen oder Zusammendrücken? Stelle eine klare Systemgrenze auf und rechne Wärme und Arbeit mit passenden Vorzeichen zusammen.

Unsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck

Finde heraus, was du schon kannst

Drei kurze Aufgaben helfen dir, deinen Startpunkt zu finden. Wenn du unsicher bist, wähle „Weiß ich noch nicht“.

Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.

Nur die Zahl in J eingeben.

Nur die Zahl in J eingeben.

Nur die Zahl in K eingeben.

Lösungen mit Erklärungen
  1. 300 – ΔU = 500 − 200 = 300 J.
  2. 150 – ΔU = Wam = 150 J.
  3. 5 – ΔT = 208/(2 · 20,8) = 5 K.

Direkt mit der Erklärung beginnen →

Lernschritt 1

Was gehört zur inneren Energie?

Die innere Energie U umfasst die mikroskopischen Energieanteile eines Systems, etwa die ungeordnete Bewegung seiner Teilchen und ihre Wechselwirkungsenergien. Die Bewegung des ganzen Behälters und seine Lage im äußeren Schwerefeld gehören nicht zu U.

Temperatur und innere Energie sind nicht dasselbe: Temperatur beschreibt eine intensive Zustandsgröße. Die innere Energie hängt auch von Stoffmenge, Stoffart und Zustand ab. Ein großes und ein kleines Wasserbad können dieselbe Temperatur besitzen und trotzdem unterschiedlich viel innere Energie enthalten.

Wir betrachten ein geschlossenes System: Es wird keine Materie über seine Grenze ausgetauscht. Änderungen seiner äußeren Bewegungs- und Lageenergie vernachlässigen wir. Energie darf als Wärme oder Arbeit über die Grenze gelangen.

GasQ > 0Wam > 0Systemgrenze

Das Gas ist unser System. Die gestrichelte Linie trennt es von seiner Umgebung.

Beide Pfeile zeigen hier Energie zum Gas: Wärmezufuhr Q und Arbeit am System Wam zählen positiv.

Bei Energieabgabe zeigt der betreffende Pfeil nach außen und der Wert ist negativ. Pfeillängen stellen keine Energiemengen dar.

Lernschritt 2

Der erste Hauptsatz als Energiebilanz

ΔU = U₂ − U₁ = Q + Wam

Q > 0 bedeutet Wärmezufuhr, Q < 0 Wärmeabgabe. Wam > 0 bedeutet Arbeit an dem System, Wam < 0 Arbeit durch das System an seiner Umgebung. Alle drei Größen werden in Joule angegeben.

Manche Bücher verwenden stattdessen Wvom für die vom System verrichtete Arbeit. Dann lautet dieselbe Aussage ΔU = Q − Wvom. Es gilt Wam = −Wvom. Beide Konventionen sind richtig; sie dürfen nicht innerhalb einer Rechnung vermischt werden.

U ist eine Zustandsgröße. Q und W beschreiben dagegen Energieübertragungen während eines Vorgangs. Ein Gas „enthält“ daher innere Energie, aber nicht eine bestimmte Menge Wärme als Zustandsgröße.

Lernschritt 3

Wärme und Arbeit getrennt verändern

Stelle die beiden Energieübertragungen ein. Die Bilanz beginnt mit U₁ = 1000 J relativ zu einem gewählten Energienullpunkt. Die Regler beschreiben mögliche Gesamtbilanzen, keine konkrete zeitliche Kolbenbewegung.

Q = +200 J und Wam = −100 J: ΔU = +100 J; U₂ = 1100 J.
Wärme QArbeit WamÄnderung ΔU−4000+400Energieänderung in J

Energieänderungen in J · positiv bedeutet Energie zum System · Links: Energieabgabe bzw. Abnahme · rechts: Zufuhr bzw. Zunahme

Alle Balken verwenden denselben festen Maßstab. Der orange Balken ist die Summe der beiden vorzeichenbehafteten Energieübertragungen, nicht eine zusätzliche Übertragung.

Die Grafik lässt sich seitlich verschieben. So bleiben Achsen und Beschriftungen lesbar.

Unterrichtsimpuls mit Erklärung

Stelle Q = 0 und Wam = +150 J ein: Die innere Energie steigt auch ohne Wärmezufuhr. Stelle danach Q = +150 J und Wam = −150 J ein: Trotz Wärmezufuhr bleibt U unverändert. Begründe beide Ergebnisse mit der Systemgrenze.

Lernschritt 4

Wärme und Arbeit unterscheiden

Wärme ist Energieübertragung aufgrund eines Temperaturunterschieds. Arbeit beschreibt andere Formen der Energieübertragung, beispielsweise durch einen bewegten Kolben, eine Welle oder elektrischen Strom.

Wird ein Gas zusammengedrückt, kann die Umgebung Arbeit am Gas verrichten. Expandiert ein Gas gegen einen äußeren Druck, verrichtet das Gas Arbeit an seiner Umgebung. Die Richtung der Energieübertragung entscheidet über das Vorzeichen.

Eine schnelle Kompression in einer gut isolierten Anordnung kann die Gastemperatur erhöhen, obwohl kaum Wärme zufließt. Das Erwärmen allein beweist daher keine Wärmezufuhr.

Lernschritt 5

Heizen und gleichzeitig Arbeit abgeben

Beispiel · Schritt für Schritt

Wärme hinein, Arbeit hinaus

Ein Gas nimmt 500 J Wärme auf und verrichtet 180 J Arbeit an der Umgebung. Wie ändert sich seine innere Energie?

Geschlossenes System · äußere Bewegungs- und Lageenergie unverändert

Rechenweg: Wärme hinein, Arbeit hinaus
Rechnung Erklärung zum Schritt
System = Gas
1Systemgrenze festlegen

Wir zählen die Energie, die in das Gas gelangt oder es verlässt.

Q = +500 J
Wam = −180 J
2Vorzeichen zuordnen

Wärmezufuhr ist positiv. Vom Gas abgegebene Arbeit zählt in der Konvention Wam negativ.

ΔU = Q + Wam
3Bilanz aufstellen

Die beiden Energieübertragungen werden mit ihren Vorzeichen addiert.

ΔU = 500 J − 180 J
= +320 J
4Einsetzen und prüfen

500 J hinein minus 180 J hinaus ergibt einen Zuwachs von 320 J.

Ergebnis: Die innere Energie steigt um 320 J. Das ist eine Änderung, noch kein absoluter Wert für U.
Zweites Beispiel: trotz Wärmeabgabe mehr innere Energie

Beispiel · Schritt für Schritt

Abkühlen und gleichzeitig komprimieren

Das Gas gibt 80 J Wärme ab. Die Umgebung verrichtet 200 J Arbeit am Gas.

Gesucht: ΔU

Rechenweg: Abkühlen und gleichzeitig komprimieren
Rechnung Erklärung zum Schritt
Q = −80 J
Wam = +200 J
1Richtungen übersetzen

Wärme verlässt das Gas; Arbeit führt ihm Energie zu.

ΔU = −80 J + 200 J
2Mit Vorzeichen addieren

Entscheidend ist die Summe beider Übertragungen.

ΔU = +120 J
3Ergebnis deuten

Die Arbeitszufuhr ist größer als die Wärmeabgabe.

Ergebnis: U nimmt um 120 J zu. Wärmeabgabe allein legt das Vorzeichen von ΔU nicht fest.

Lernschritt 6

Wann kann man daraus eine Temperaturänderung berechnen?

Beim idealen Gas hängt die innere Energie bei fester Stoffmenge nur von der Temperatur ab. Mit näherungsweise konstanter molarer Wärmekapazität CV gilt:

ΔU = n · CV · ΔT

Für ein einatomiges ideales Gas im klassischen Temperaturbereich ist CV = 3R/2 ≈ 12,47 J/(mol · K). Andere Gase benötigen die zu ihrem Modell passende Wärmekapazität.

Beispiel · Schritt für Schritt

Aus der Energiebilanz zur Temperatur

Ein Mol dieses Modellgases gewinnt 320 J innere Energie. Die Anfangstemperatur beträgt 300 K.

n = 1 mol · CV = 12,47 J/(mol · K) · T₁ = 300 K

Rechenweg: Aus der Energiebilanz zur Temperatur
Rechnung Erklärung zum Schritt
ΔT = ΔUn · CV
1Nach ΔT umstellen

Teile die Energieänderung durch die Wärmekapazität der gesamten Gasmenge.

ΔT = 320 J1 mol · 12,47 J/(mol · K)
≈ 25,7 K
2Einsetzen

Die Einheiten mol und J kürzen sich. Eine Temperaturänderung in Kelvin bleibt übrig.

T₂ = T₁ + ΔT
≈ 325,7 K
3Endtemperatur bestimmen

25,7 K ist der Anstieg. Addiere ihn zur Anfangstemperatur.

Ergebnis: Das Gas erwärmt sich um 25,7 K auf ungefähr 325,7 K.
Eine Temperaturdifferenz von 25,7 K entspricht 25,7 °C Unterschied. Absolute Temperaturen in Gasgleichungen gehören in Kelvin. Bei Phasenwechseln und realen Stoffen gilt die ideale Gasbeziehung nicht allgemein.

Lernschritt 7

Drei hilfreiche Sonderfälle

Adiabatisch: Q = 0, deshalb ΔU = Wam. Das bedeutet keinen Wärmeaustausch, nicht automatisch konstante Temperatur.

Starres Volumen und nur Volumenarbeit: Wam = 0, deshalb ΔU = Q. Andere Arbeitsformen, etwa elektrische Arbeit, müssten zusätzlich berücksichtigt werden.

Kreisprozess: Das System kehrt in seinen Anfangszustand zurück, deshalb ist ΔU über den gesamten Kreis null. Wärme und Arbeit können dabei einzeln von null verschieden sein.

Rechenweg: die benötigte Wärmezufuhr bestimmen

Beispiel · Schritt für Schritt

Gesucht ist Q

Die innere Energie soll um 300 J steigen. Gleichzeitig gibt das Gas 120 J Arbeit ab.

ΔU = +300 J · Wam = −120 J

Rechenweg: Gesucht ist Q
Rechnung Erklärung zum Schritt
ΔU = Q + Wam
1Mit derselben Konvention starten

Die abgegebene Arbeit hat ein negatives Vorzeichen.

Q = ΔU − Wam
2Nach der gesuchten Größe auflösen

Subtrahiere Wam auf beiden Seiten.

Q = 300 J − (−120 J)
= 420 J
3Einsetzen und gegenprüfen

420 J Zufuhr minus 120 J Abgabe ergeben den gewünschten Zuwachs von 300 J.

Ergebnis: Es müssen 420 J Wärme zugeführt werden.

Lernschritt 8

Typische Fehler vermeiden

Arbeit ohne Konvention einsetzen: Frage immer, ob sie am oder vom System verrichtet wird.

Wärme mit innerer Energie verwechseln: Wärme ist Übertragung, U ist eine Zustandsgröße.

Adiabatisch für isotherm halten: Q = 0 und ΔT = 0 sind unterschiedliche Bedingungen.

Die Systemgrenze vergessen: Nur so lassen sich Zu- und Abflüsse sinnvoll zuordnen.

Selbst ausprobieren

Üben & prüfen

Mit Tipps lernen oder ohne Hilfe testen – du entscheidest.

Wähle deine Stufe. Du löst jeweils sechs Aufgaben mit direkter Rückmeldung, Tipps und Rechenwegen.

Wie sicher bist du jetzt?

Bearbeite drei weitere Aufgaben ohne Nachschlagen. Nutze die Rückmeldung, um gezielt weiterzulernen.

Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.

Nur die Zahl in J eingeben.

Nur die Zahl in J eingeben.

Nur die Zahl in K eingeben.

Lösungen mit Erklärungen
  1. 1500 – ΔU = 2500 − 1000 = 1500 J.
  2. 750 – ΔU = Wam = 750 J.
  3. 25 – ΔT = 1040/(2 · 20,8) = 25 K.

Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.

Eigene Werte einsetzenMit dem Physikhelfer

Physikhelfer

Eigene Werte einsetzen

Stelle die Energiebilanz ΔU = Q + W_am mit positiven und negativen Werten auf. Wärmeaufnahme und Arbeit am System zählen positiv; Wärmeabgabe und Arbeit vom System negativ. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.

Passende Aufgabe öffnen →

Kostenlos und ohne Anmeldung. Ein Rücklink führt dich wieder zu dieser Erklärung.

Lieber auf Papier? 6 Aufgaben mit aufklappbaren Lösungen

Auf Papier üben

Erst vorhersagen oder selbst rechnen, dann die Lösung öffnen.

1 · Q = 100 J und Wam = 50 J: Wie groß ist ΔU?

Lösung ansehen

150 J.

2 · Ein Gas verrichtet 70 J Arbeit an der Umgebung. Welches Vorzeichen hat Wam?

Lösung ansehen

Wam = −70 J.

3 · Q = −50 J und Wam = +120 J: Wie groß ist ΔU?

Lösung ansehen

+70 J.

4 · Adiabatisch werden 90 J Arbeit am Gas verrichtet. Wie ändert sich U?

Lösung ansehen

U steigt um 90 J.

5 · Wie groß ist ΔU über einen vollständigen Kreisprozess?

Lösung ansehen

Null, weil Anfangs- und Endzustand identisch sind.

6 · Ist eine Temperaturerhöhung ohne Wärmezufuhr möglich?

Lösung ansehen

Ja, beispielsweise durch Arbeit am Gas bei adiabatischer Kompression.

Fachlicher Abgleich der Grundgleichungen: OpenStax · University Physics.

Dein nächster Lernschritt

Wie möchtest du weiterlernen?

Passende Materialien zum Thema „Innere Energie und erster Hauptsatz“. Wähle aus, was dir beim Üben und Wiederholen hilft.

Kostenlos · Materialien & Erklärung

Kostenlos weiterüben

Diese Materialien ergänzen die Erklärung und unterstützen dich beim Üben und Nachschlagen.

Optional ergänzen

Bei Bedarf vertiefen

Optionale Ergänzungen zum Üben und Nachschlagen. Klassenstufe und Umfang findest du beim jeweiligen Produkt.

Wähle aus, was dir hilft0,00 € EUR

Preise inkl. MwSt. Downloads erhältst du per E-Mail, gedruckte Materialien per Post. Ggf. zzgl. Versandkosten.

Footer image

© 2026 Lernmarktplatz, Die ganze Bildungswelt an einem Ort

    • American Express
    • Apple Pay
    • Google Pay
    • Klarna
    • Maestro
    • Mastercard
    • MobilePay
    • PayPal
    • Satispay
    • Visa