Chemie · Klasse 11–13 · Struktur & Licht

Farbstoffe und Farbigkeit

Warum sind manche Moleküle farbig? Erkenne konjugierte Strukturen und verknüpfe ihre Elektronenübergänge mit Lichtabsorption und der Farbe, die unser Auge wahrnimmt.

Molekülstruktur → Absorption
→ beobachtete Farbe

Konjugation · Chromophor · Photonenenergie

Was macht einen organischen Stoff farbig?

NN

Das Beispiel zeigt Azobenzol: Zwei aromatische Ringe sind über die Azogruppe –N=N– verbunden. Zusammen bilden sie ein ausgedehntes π-System. Die unbeschrifteten Ringecken stehen für C-Atome; die zugehörigen H-Atome sind weggelassen.

Ein Molekül absorbiert Licht, wenn dessen Energie zu einem erlaubten elektronischen Übergang passt. Liegt eine ausreichend starke Absorption im sichtbaren Bereich, kann der Stoff farbig erscheinen. Der für die Absorption maßgebliche Strukturteil heißt Chromophor.

Wir betrachten organische Moleküle mit konjugierten π-Systemen. Farben können auch andere Ursachen haben, etwa Elektronenübergänge in Metallkomplexen. Voraussetzung: Benzol und delokalisierte Elektronen.

Konjugiert bedeutet: p-Orbitale können zusammenwirken

Konjugierte Doppelbindungen

CH₂=CH–CH=CH₂

In 1,3-Butadien wechseln Doppel- und Einfachbindung ab. Die p-Orbitale benachbarter sp²-C-Atome können durchgehend überlappen; die π-Elektronen sind über mehrere Atome verteilt.

Unterbrochenes System

CH₂=CH–CH₂–CH=CH₂

Beim 1,4-Pentadien unterbricht die mittlere sp³-CH₂-Gruppe die durchgehende p-Orbital-Überlappung. Zwei Doppelbindungen allein bedeuten deshalb noch keine gemeinsame Konjugation.

Beide kleinen Beispiele absorbieren vor allem im UV-Bereich und sind nicht allein wegen ihrer Doppelbindungen sichtbar farbig. Bei vergleichbaren Molekülen kann ein längeres konjugiertes System den Energieabstand relevanter Zustände verkleinern und die Absorption zu längeren Wellenlängen verschieben.

Chromophor und farbverändernde Gruppen

Eine Azogruppe ist ein typisches Strukturelement vieler Farbstoffe; auch lange Polyenketten oder konjugierte Carbonylsysteme kommen vor. Entscheidend ist das gesamte gekoppelte System, nicht nur das Vorhandensein einer einzelnen Gruppe.

Elektronendonierende Gruppen

–OH · –NH₂

Freie Elektronenpaare können bei passender Anbindung mit dem π-System wechselwirken. Solche Gruppen können Lage und Stärke der Absorption verändern; häufig heißen sie auxochrome Gruppen.

Struktur und Umgebung

Protonierung, Lösungsmittel und räumliche Verdrillung können die Elektronenverteilung ändern. Eine zusätzliche Doppelbindung oder OH-Gruppe macht daher nicht jedes Molekül automatisch farbiger.

Von der Lichtwellenlänge zur Übergangsenergie

1 · Absorption als Elektronenübergang

Ein Elektron wird durch Aufnahme eines Photons in einen energetisch höheren Zustand angeregt. Die aufgenommene Energie entspricht dem Energieabstand ΔE.

2 · Wellenlänge mit Energie verknüpfen

ΔE = h · f = h · c / λ

h ist das Plancksche Wirkungsquantum, c die Lichtgeschwindigkeit und λ die Wellenlänge. Längere Wellenlänge bedeutet kleinere Photonenenergie.

3 · Beispiel: λ = 500 nm

500 nm = 5,00 · 10⁻⁷ m
ΔE ≈ 3,97 · 10⁻¹⁹ J pro Photon

Berechnet mit h ≈ 6,626 · 10⁻³⁴ J·s und c ≈ 2,998 · 10⁸ m/s. Pro Mol Photonen ergibt sich etwa 239 kJ/mol.

4 · Nicht mit der Körperfarbe verwechseln

Die Rechnung beschreibt das absorbierte Licht. Welche Farbe wir sehen, hängt vom verbleibenden Spektrum, der Beleuchtung und der Wahrnehmung ab.

Energie-Labor: Wellenlänge verändern

Berechnet die Photonenenergie. Der Regler simuliert weder ein bestimmtes Molekül noch dessen tatsächliches Absorptionsspektrum.

Absorbierte Farbe und beobachtete Farbe

Weißes Licht enthält viele sichtbare Wellenlängen. Eine Farbstofflösung absorbiert bestimmte Anteile; die übrigen gelangen durch die Lösung zum Auge. Bei einer einzelnen dominanten Absorptionsbande wird die Erscheinungsfarbe häufig näherungsweise als Komplementärfarbe beschrieben.

β-Carotin absorbiert stark im blauen Spektralbereich und erscheint gelb-orange. Ein Absorptionsmaximum bei einer bestimmten Wellenlänge ist aber keine vollständige Farbbeschreibung: Breite und Stärke aller Banden wirken mit.

Farb-Labor: Was bleibt vom weißen Licht?

Wir zerlegen Weiß vereinfacht in rote, grüne und blaue Lichtanteile. Wähle den vollständig absorbierten Anteil.

Idealisiertes RGB-Modell. Die Farbfelder illustrieren die subtraktive Wirkung der Absorption und sind keine Vorhersage für ein reales Farbstoffpräparat.

Warum kann ein Indikator seine Farbe ändern?

HIn + H₂O ⇌ In⁻ + H₃O⁺

HIn steht für die protonierte und In⁻ für die deprotonierte Form eines vereinfachten Indikators. Protonenaufnahme oder -abgabe kann die Elektronenverteilung im Chromophor verändern. Die beiden Formen absorbieren dann unterschiedlich.

Der pH-Wert verschiebt ihre Anteile. Die Umschlagsfarbe ist deshalb mit einem Säure-Base-Gleichgewicht verknüpft, nicht mit einem Farbstoff, der nach Belieben jede Farbe annimmt. Die Farben von HIn und In⁻ sind vom konkreten Indikator abhängig.

Farbstoff, Pigment und Bindung an die Faser

Farbstoffe werden beim Färben typischerweise gelöst eingesetzt. Pigmente sind im verwendeten Medium weitgehend unlösliche Farbmittel und werden als Teilchen verteilt.

Damit eine Färbung hält, muss das Farbmittel im Material verbleiben. Je nach System helfen ionische Wechselwirkungen, Wasserstoffbrücken, Dispersionskräfte oder kovalente Bindungen. Sichtbare Farbe und gute Haftung sind zwei unterschiedliche Anforderungen.

Selbstcheck: Struktur, Energie und Farbe

Was passiert bei der Lichtabsorption im betrachteten Modell?

Wähle eine Antwort.

1 · Was bedeutet Konjugation?

Tipp öffnen
Benachbarte p-Orbitale betrachten.
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Durchgehende Überlappung ermöglicht Delokalisierung von π-Elektronen über mehrere Atome.

2 · Warum unterbricht CH₂ zwischen zwei Doppelbindungen die Konjugation?

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Hybridisierung des mittleren C-Atoms.
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Das sp³-C besitzt kein passendes unhybridisiertes p-Orbital für eine durchgehende Überlappung.

3 · Ist jede Verbindung mit C=C farbig?

Tipp öffnen
Sichtbares Licht von UV unterscheiden.
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Nein. Kleine π-Systeme absorbieren oft nur im UV; sichtbare Farbigkeit folgt nicht allein aus einer Doppelbindung.

4 · Welche Photonen sind energiereicher: 400 oder 700 nm?

Tipp öffnen
E ist umgekehrt proportional zu λ.
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400-nm-Photonen sind energiereicher.

5 · Berechne E für 600 nm ungefähr.

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E = hc/λ; 600 nm = 6,00 · 10⁻⁷ m.
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E ≈ 3,31 · 10⁻¹⁹ J pro Photon, entsprechend etwa 199 kJ/mol Photonen.

6 · Blau wird im RGB-Modell absorbiert. Was bleibt?

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Welche zwei Lichtanteile bleiben übrig?
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Rot und Grün ergeben im Modell Gelb. Die absorbierte Farbe ist nicht die beobachtete.

7 · Warum verändert der pH-Wert die Indikatorfarbe?

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Protonierung und Elektronenverteilung verbinden.
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Er verändert das Verhältnis unterschiedlich protonierter Formen mit unterschiedlicher Absorption.

8 · Reicht ein großes π-System für eine waschfeste Textilfärbung?

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Absorption und Faserbindung getrennt beurteilen.
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Nein. Das π-System kann Farbigkeit ermöglichen; zusätzlich braucht es geeignete Wechselwirkungen oder Bindungen zum Material.

Für den Unterricht: drei Ebenen verknüpfen

30–45 Minuten: Konjugierte Strukturen markieren, die Abhängigkeit E ∝ 1/λ am Regler prüfen und anschließend absorbierte und beobachtete Farbe unterscheiden.

Transfer: Einen Indikator über Protonierung und veränderte Elektronenverteilung erklären. Bei Strukturaufgaben stets zwischen Konjugation, sichtbarer Absorption und Materialhaftung trennen.

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