1 · Was beschreibt die Elektronegativität?
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Die Fähigkeit eines Atoms, Elektronendichte in einer chemischen Bindung anzuziehen.
Chemie · Grundlagen · Sekundarstufe I
Gemeinsame Elektronen sind nicht immer gleich verteilt. Vergleiche Bindungspartner, berechne die Elektronegativitätsdifferenz und ordne Teilladungen richtig zu.
Die Bindungspartner vergleichen
Größere Elektronegativität → stärkere Anziehung der Bindungselektronen.
Die Elektronegativität, kurz EN, beschreibt die Fähigkeit eines Atoms, Elektronendichte in einer chemischen Bindung anzuziehen. Sie hilft dir zu beurteilen, wie die gemeinsamen Elektronen zwischen zwei Bindungspartnern verteilt sind. Sie ist keine elektrische Ladung und keine Anzahl von Außenelektronen.
Es gibt verschiedene Skalen. Hier verwenden wir Werte der Pauling-Skala ohne Einheit: Wasserstoff 2,20, Kohlenstoff 2,55, Sauerstoff 3,44, Chlor 3,16 und Fluor 3,98. Schulbücher runden teils auf eine Nachkommastelle. Nutze innerhalb einer Rechnung dieselbe Wertetabelle.
Bei zwei gleichen Atomen wie in H₂ sind die Anziehungstendenzen gleich. Die Bindung ist unpolar. Bei unterschiedlichen Atomen kann ein Partner die Elektronendichte stärker zu sich ziehen; dann besitzt die Bindung einen polaren Charakter.
Gleiche Bindungspartner ziehen die gemeinsamen Elektronen gleich stark an. H–H ist unpolar; es entstehen keine entgegengesetzten permanenten Teilladungen.
Das elektronegativere Atom trägt in der einfachen Zuordnung die negative Teilladung δ−. Der andere Partner erhält die positive Teilladung δ+. Das griechische Delta macht deutlich: Es geht um eine ungleiche Verteilung innerhalb der Bindung, nicht um die vollständige Übertragung eines Elektrons.
Ein HCl-Molekül wird deshalb als Hδ+–Clδ− beschrieben. Es ist insgesamt neutral, obwohl seine Ladungsverteilung unsymmetrisch ist. Zeichne hier nicht einfach ein freies H⁺ neben ein freies Cl⁻: Das würde einen anderen Teilchenzustand darstellen.
Unsere Abbildungen zeigen nur den betrachteten Bindungsausschnitt. Freie Elektronenpaare und weitere Bindungen sind bewusst nicht vollständig eingezeichnet. Bei C–O ist beispielsweise eine Bindung innerhalb eines Moleküls gemeint, kein isoliertes vollständiges CO-Molekül.
1. Werte ablesen: Wasserstoff hat EN = 2,20 und Chlor EN = 3,16. Beide Werte stammen aus derselben Skala.
2. Differenz berechnen: Ziehe den kleineren Wert vom größeren ab: ΔEN = 3,16 − 2,20 = 0,96. Die Betragsstriche in der allgemeinen Formel sorgen dafür, dass die Differenz unabhängig von der Reihenfolge nicht negativ wird.
3. Richtung bestimmen: Chlor hat den größeren Wert. Deshalb ist die Bindungselektronendichte zu Chlor verschoben. Chlor erhält δ−, Wasserstoff δ+.
4. Ergebnis formulieren: H–Cl ist eine polare kovalente Bindung. Die Elektronen werden weiterhin gemeinsam genutzt, aber ungleich verteilt. Ein chemischer Dipolpfeil mit Kreuz am positiven Ende zeigt hier von H zu Cl.
Eine größere Elektronegativitätsdifferenz ist ein Hinweis auf eine stärkere Ungleichverteilung. Für H–F erhältst du 3,98 − 2,20 = 1,78. Das ist größer als die 0,96 bei H–Cl. Bei H–H ist die Differenz dagegen null.
In vielen Schulbüchern werden grobe Grenzen zwischen unpolar, polar und ionisch verwendet. Diese Grenzen unterscheiden sich etwas und sind keine scharfen Naturgesetze. Bindungscharakter verändert sich kontinuierlich; die Stoffstruktur und die beteiligten Elemente gehören zur Einordnung dazu.
Gerade HF zeigt die Grenze eines starren Zahlenkriteriums: Trotz großer Differenz enthält ein HF-Molekül eine stark polare kovalente Bindung. Eine Rechnung über einem bestimmten Grenzwert beweist also nicht automatisch, dass ein Stoff ein Ionengitter bildet.
Auch die Größe eines gemessenen Dipolmoments lässt sich nicht allein aus ΔEN ablesen. Sie hängt unter anderem von Ladungsverteilung und Abstand der Ladungsschwerpunkte ab. Die Farbflächen unserer Grafiken stellen daher nur die Richtung der Verschiebung dar und sind keine quantitative Dichtemessung.
Innerhalb einer Periode nimmt die Elektronegativität bei vielen Hauptgruppenelementen im Allgemeinen von links nach rechts zu. Innerhalb einer Gruppe nimmt sie nach unten häufig ab. Fluor besitzt auf der Pauling-Skala den höchsten Wert.
Diese Tendenzen helfen beim Abschätzen, ersetzen aber keine Wertetabelle. Verwechsle „weit rechts“ nicht mit „immer höher“ für jeden beliebigen Vergleich. Insbesondere Edelgase werden in einfachen EN-Tabellen oft ausgelassen; die Skala beschreibt Atome in Bindungen, nicht bloß ihre Position.
Elektronegativität ist außerdem nicht dasselbe wie Elektronenaffinität. Letztere beschreibt die Energieänderung bei der Elektronenaufnahme eines isolierten gasförmigen Teilchens. Für unsere Frage nach der Verteilung gemeinsamer Bindungselektronen verwenden wir die Elektronegativität.
Eine Bindungspolarität betrifft eine bestimmte Bindung. Ob das gesamte Molekül ein permanentes Dipolmoment besitzt, hängt zusätzlich von seiner räumlichen Form ab. Mehrere Bindungsdipole können sich gegenseitig aufheben.
Kohlenstoffdioxid ist linear: O=C=O. Beide C=O-Bindungen sind polar, aber ihre gleich großen, entgegengesetzten Beiträge heben sich im symmetrischen Molekül auf. CO₂ hat deshalb kein permanentes Dipolmoment.
Wasser ist geknickt. Die beiden O–H-Bindungsdipole heben sich daher nicht auf; das Molekül besitzt ein permanentes Dipolmoment. Die ausführliche Bestimmung von Molekülform und Dipoleigenschaft folgt auf eigenen Seiten. Hier lautet die entscheidende Unterscheidung: Polare Bindungen allein reichen als Begründung für ein Dipolmolekül nicht aus.
Lasse vor dem Wechsel zu H–Cl die negative Seite vorhersagen und mit den EN-Werten begründen. Frage anschließend, was sich bei H–F verändert. Als Fehlerdetektiv-Aufgabe eignet sich „δ− bedeutet ein zusätzliches ganzes Elektron“: Die Lernenden sollen erklären, weshalb Teilladung und Ionenladung unterschieden werden müssen.
Erst selbst lösen, dann die Lösung öffnen.
Die Fähigkeit eines Atoms, Elektronendichte in einer chemischen Bindung anzuziehen.
ΔEN = 3,44 − 2,20 = 1,24.
O, denn Sauerstoff ist elektronegativer als Wasserstoff.
Keine. Er ist eine dimensionslose Zahl.
Nein. δ− bezeichnet eine negative Teilladung durch ungleiche Elektronenverteilung.
Nein. Die räumliche Anordnung entscheidet mit. Im linearen CO₂ heben sich die Bindungsdipole auf.

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