Röntgenstrahlung wird auf eine Probe gerichtet. Untersucht man das gestreute Licht unter verschiedenen Winkeln, findet man neben gegebenenfalls unveränderter Strahlung auch einen Anteil mit größerer Wellenlänge. Diese Verschiebung lässt sich durch die Wechselwirkung eines Photons mit einem Elektron erklären.
Das Photon überträgt Energie und Impuls auf das Elektron. Es bleibt nach dem Vorgang als gestreutes Photon erhalten. Das Elektron erhält Bewegungsenergie. Für die folgende Rechnung betrachten wir ein freies Elektron, das vor der Streuung ruht; schwach gebundene Elektronen können näherungsweise so behandelt werden.
θ bezeichnet den Winkel zwischen der ursprünglichen und der neuen Ausbreitungsrichtung des Photons. Er ist nicht der Winkel des zurückstoßenden Elektrons.
Welcher Winkel gehört in die Formel?
θ liegt zwischen der ursprünglichen Vorwärtsrichtung und der Richtung des gestreuten Photons. Der Elektronenpfeil hat einen eigenen Rückstoßwinkel.
Die Pfeile kennzeichnen schematisch Richtungen, keine maßstäblichen Impulsbeträge. Nach der Streuung gilt λ′ > λ für θ > 0: Das Photon gibt Energie und Impuls an das anfangs ruhende Elektron ab.
Lernschritt 2
Die Compton-Formel
Δλ = λ′ − λ = λC · (1 − cos θ)
λC = hmₑc ≈ 2,426 pm
λ ist die Wellenlänge vor der Streuung, λ′ die Wellenlänge danach. Die Compton-Wellenlänge λC gehört hier zum Elektron. 1 pm = 10−12 m.
Eγ = hcλ; pγ = hλ
Ein Photon besitzt keine Ruhemasse, aber Energie und Impuls. Je größer seine Wellenlänge, desto kleiner sind beide. Seine Geschwindigkeit im Vakuum bleibt c.
Die Formel folgt aus der Erhaltung der gesamten relativistischen Energie und des Impulses. Die Annahme eines anfangs ruhenden Elektrons ist wesentlich; bei bereits schnellen Elektronen kann die Energieübertragung anders ausfallen.
So gehst du vor
Modell und Winkel klären
Die Standardformel gilt für ein anfangs ruhendes, freies Elektron. θ ist der Streuwinkel des Photons.
Änderung berechnen
Δλ = λC · (1 − cos θ). Bei Winkeln in Grad den Taschenrechner auf DEG stellen.
Neue Wellenlänge bilden
Erst λ′ = λ + Δλ liefert die Wellenlänge nach der Streuung.
Energiebilanz prüfen
Berechne bei Bedarf beide Photonenenergien mit hc/λ. Ihre Differenz wird zur kinetischen Energie des Elektrons.
Die Kurve zeigt die Wellenlängenänderung, keine Teilchenbahn und keine Häufigkeit der Streuereignisse. Die zweite Einstellung verändert die Energiebilanz, aber bei festem Winkel nicht Δλ.
Unterrichtsimpuls
Lasse den Winkel bei 90° und verändere λ von 20 pm auf 100 pm. Die absolute Verschiebung bleibt gleich. Vergleiche aber den Anteil der übertragenen Energie: Derselbe Wellenlängenzuwachs wirkt sich bei kurzen Ausgangswellenlängen stärker aus.
Lernschritt 4
Ein Photon mit 50 pm wird um 90° gestreut
Beispiel · Schritt für Schritt
1. Wellenlänge nach einer 90°-Streuung
Ein Photon mit λ = 50 pm trifft auf ein ruhendes Elektron.
θ = 90°; λC ≈ 2,426 pm.
Rechenweg: 1. Wellenlänge nach einer 90°-Streuung
Rechnung
Erklärung zum Schritt
cos 90° = 0
1Winkelfaktor bestimmen
Verwende den Gradmodus, nicht den Bogenmaßmodus.
Δλ = 2,426 pm · (1 − 0)
2Compton-Formel einsetzen
Die Formel liefert zunächst nur die Änderung.
λ′ = 50 pm + 2,426 pm
3Änderung addieren
Die ursprüngliche Wellenlänge darf nicht weggelassen werden.
Ergebnis: Nach der Streuung gilt λ′ ≈ 52,426 pm.
Beispiel · Schritt für Schritt
2. Wie viel Energie erhält das Elektron?
Werte die Energiebilanz aus Beispiel 1 aus.
hc ≈ 1239,84 keV·pm; vorzeitiges Runden vermeiden.
Rechenweg: 2. Wie viel Energie erhält das Elektron?
Rechnung
Erklärung zum Schritt
Eγ = 1239,84 / 50 keV ≈ 24,7968 keV
1Energie vorher berechnen
pm kürzt sich; die Energie steht in keV.
E′γ = 1239,84 / 52,426 keV ≈ 23,6493 keV
2Energie nachher berechnen
Mit der größeren Wellenlänge wird die Photonenenergie kleiner.
Ekin,e = Eγ − E′γ ≈ 1,148 keV
3Energieübertragung bestimmen
Die Ruheenergie des Elektrons steht auf beiden Seiten der vollständigen Energiebilanz und kürzt sich.
Ergebnis: Das Elektron erhält etwa 1,148 keV kinetische Energie. Das Photon bewegt sich im Vakuum weiterhin mit c.
Vertiefung: Aus einer Verschiebung den Winkel finden
Beispiel · Schritt für Schritt
3. Welcher Streuwinkel passt?
Gemessen wird eine Verschiebung von 1,213 pm.
λC ≈ 2,426 pm; 0° ≤ θ ≤ 180°.
Rechenweg: 3. Welcher Streuwinkel passt?
Rechnung
Erklärung zum Schritt
Δλ / λC = 1,213 / 2,426 = 0,5
1Durch λC teilen
Der Quotient ist einheitenlos.
cos θ = 1 − 0,5 = 0,5
2Nach dem Kosinus umstellen
Die Reihenfolge der Subtraktion ist entscheidend.
θ = arccos(0,5) = 60°
3Umkehrfunktion verwenden
Im DEG-Modus erhältst du Grad. Zulässig ist nur 0 ≤ Δλ ≤ 2λC.
Ergebnis: Der Photonen-Streuwinkel beträgt 60°.
Lernschritt 5
Drei Winkel als Orientierung
0°: cos θ = 1. Es gibt im Modell keine Wellenlängenänderung und keine Energieübertragung.
90°: cos θ = 0. Die Verschiebung entspricht einer Compton-Wellenlänge.
180°: cos θ = −1. Die maximale Verschiebung beträgt ungefähr 4,853 pm.
Die Winkel bestimmen mögliche Ergebnisse. Wie oft ein bestimmter Winkel auftritt, lässt sich aus dieser Formel allein nicht ablesen. Bindung und Bewegung der Elektronen beeinflussen reale Messungen.
Die Verschiebung hat eine Obergrenze
Mit λC ≈ 2,426 pm ergibt sich bei 90° eine Verschiebung von λC und bei 180° die doppelte Verschiebung. Die gerundete Rechnung ergibt 4,852 pm; mit genauerem λC sind es rund 4,853 pm.
Dargestellt ist Δλ, nicht die gesamte Wellenlänge λ′ und nicht die Häufigkeit eines Streuwinkels.
Lernschritt 6
Typische Fehler vermeiden
Δλ mit λ′ verwechseln: Die Änderung muss zur ursprünglichen Wellenlänge addiert werden.
Energieverlust als langsameres Licht deuten: Im Vakuum bleibt die Lichtgeschwindigkeit konstant.
Photoeffekt und Compton-Effekt gleichsetzen: Beim Photoeffekt wird das Photon absorbiert; hier bleibt ein gestreutes Photon übrig.
Mehr Wellenlänge mit mehr Energie verwechseln: Energie und Wellenlänge sind umgekehrt proportional.
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Lösungen mit Erklärungen
2,426 – Δλ = 2,426 pm. Sie hängt bei festem Winkel nicht von der Anfangswellenlänge ab.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
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Physikhelfer
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Berechne die Änderung der Photonwellenlänge bei Streuung an einem anfangs ruhenden, freien Elektron oder bestimme den zugehörigen Streuwinkel. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.