Einsatzbereiche im Unterricht
KURT ist kein Unterrichtsmanager und keine Materialsammlung, sondern ein spezialisiertes Werkzeug für Korrektur, Rückmeldung und Auswertung. Laut Anbieter eignet sich das Tool für Klassenarbeiten in der Sekundarstufe, für Oberstufenklausuren mit komplexen Kriterien und Darstellungsleistungen sowie grundsätzlich für viele weitere Bewertungsformate wie Tests, Portfolios, Referate, Facharbeiten oder mündliche Prüfungen. Für Referate und mündliche Prüfungen nennt die Funktionsseite sogar eine gruppenweise Korrektur im Splitscreen. Gleichzeitig ist wichtig: KURT korrigiert nicht automatisch per KI. Die fachliche Beurteilung bleibt vollständig bei dir; das Tool unterstützt vor allem beim Rechnen, Strukturieren und Rückmelden.
In der Praxis passt KURT besonders gut zu einem Workflow, in dem du die Arbeit selbst liest und markierst und das Digitale für Punkte, Kommentare, Fördertipps und Rückmeldebögen nutzt. Lerngruppen lassen sich manuell anlegen oder per CSV importieren, etwa aus WebUntis. Gerade wenn du viele Klassenarbeiten oder Klausuren über ein ganzes Schuljahr hinweg betreust, ist das sinnvoll, weil KURT laut Dokumentation und Versionshistorie auch Historien, Schuljahresüberträge und Notenentwicklungen verwaltet.
Funktionen & Anwendung
KURT wird nicht per App-Store-Klick eingerichtet, sondern als Archiv in Ninox importiert. Das ist etwas technischer als bei klassischen Schul-Apps, wird aber durch einen großen Funktionsumfang ausgeglichen. Prüfungen lassen sich mit Unteraufgaben, Kriterien, Unterkriterien, Wahlaufgaben, Bonuspunkten und flexiblen Notenschlüsseln anlegen; auf der aktuellen SmartLehrer-Seite ist sogar von bis zu drei Aufgabenebenen die Rede. Während der Korrektur berechnet KURT Gesamtpunkte, Prozente und Noten automatisch und zeigt laut Funktionsbeschreibung sogar den Abstand zur nächsten Notenstufe an. Neben der normalen Eingabemaske gibt es einen Tabellenmodus und das aufgabenweise Korrigieren durch die ganze Lerngruppe.
Stark ist KURT vor allem bei der Rückmeldung. Du kannst aufgabenbezogene Kommentare und systematisierte Fördertipps vergeben, diese in einer eigenen Datenbank organisieren und mit Übungshinweisen oder Links anreichern. Seit Version 4.3 können für Fördermöglichkeiten sogar QR-Codes mitgedruckt werden. PDF-Rückmeldebögen gehören zu den Kernfunktionen: Sie können Teilpunkte, Kommentare, Fördertipps, Unterschrift und Schullogo ausgeben. Seit 2024 und 2025 wurde zusätzlich die E-Mail-Integration deutlich ausgebaut, bis hin zum serverbasierten Versand und PDF-Anhang in Version 4.7.1.
Für den Schulalltag besonders praktisch sind die nachträgliche Anpassung von Aufgaben-Gewichtungen und Notenschlüsseln, die Analysefunktionen, die Schuljahresverwaltung und Vorlagen für Prüfungen und Fördertipps. In den jüngeren Updates kamen außerdem Schuljahresüberträge, verbesserte Importe, E-Mail-Vorschauen, Korrekturfortschrittsanzeigen und die Notenentwicklung im Vergleich zur vorherigen Prüfung hinzu. Das zeigt: KURT ist kein statisches Hobby-Archiv mehr, sondern wurde bis Ende 2025 sichtbar weiterentwickelt.
Didaktischer Mehrwert
Der didaktische Mehrwert von KURT liegt weniger in der Materialerstellung als in sauberer, nachvollziehbarer Rückmeldung. Statt nur eine Endnote auf die Arbeit zu schreiben, kannst du Teilpunkte, Kommentare, Fördertipps und konkrete Übungshinweise strukturiert zurückgeben. Das erhöht die Transparenz für Lernende und macht Förderbedarf besser sichtbar. Weil KURT auch Auswertungen über Aufgabenbereiche, Klassen und einzelne Lernende hinweg anbietet, kann Rückmeldung systematischer werden als bei einer reinen Papierkorrektur oder einer einfachen Excel-Tabelle.
Besonders sinnvoll wird KURT dann, wenn du wirklich mit Kriterien und Förderhinweisen arbeitest. Dann unterstützt das Tool individualisiertere Rückmeldungen und erleichtert es, Lernentwicklung über mehrere Prüfungen hinweg zu beobachten. Gleichzeitig bleibt KURT bewusst ein Assistenzwerkzeug und kein Bewertungsautomat: Der Anbieter betont selbst, dass Lehrkräfte die Texte weiter eigenständig lesen, Fehler markieren, Punkte vergeben und Feedback inhaltlich verantworten müssen.
Datenschutz
Datenschutz ist einer der stärkeren Punkte von KURT. In den FAQs wird ausdrücklich beschrieben, dass KURT auf iPad und Mac komplett offline genutzt werden kann, ohne dass Daten in einer Cloud gespeichert werden müssen. Zusätzlich empfiehlt die Dokumentation starke Gerätepasswörter, kurze Bildschirmsperren und seit iOS 18 auch Face ID beziehungsweise Touch ID für die Ninox-App. Nach einem Korrekturvorgang können Lerngruppen in KURT anonymisiert werden. Für die Datenmitnahme stehen optional iCloud-Synchronisierung oder ein lokaler Archivexport und -import zur Verfügung.
Wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen Tool und Betriebsmodell. Sobald du nicht lokal arbeitest, sondern iCloud, Ninox-Cloud/Web oder die neuen serverbasierten E-Mail-Funktionen nutzt, kommen externe Dienste hinzu. Ninox gibt für seine Plattform Hosting in deutschen Rechenzentren, ISO-27001-Zertifizierung, DSGVO-Konformität, Verschlüsselung und rollenbasierte Zugriffsrechte an; für die Online-Datenbank nennt Ninox zudem einen Serverstandort innerhalb der EU. Für Schulen heißt das: Die lokale Offline-Nutzung ist datenschutzseitig am einfachsten einzuordnen. Bei Browser-, Cloud- oder Mail-Workflows solltest du die konkrete Betriebsform vorab mit den schulischen Vorgaben prüfen.
Kosten & Lizenzmodelle
KURT wird nicht als klassisches Schulabo verkauft. Die KURT-Homepage bezeichnet das Tool als komplett kostenlos und dauerhaft nutzbar, und in den FAQs wird ausdrücklich gesagt, dass es kostenlos bleiben soll. Für eine einzelne Lehrkraft, die lokal auf einem kompatiblen Gerät arbeitet, ist der Einstieg damit faktisch kostenfrei. Das ist ein echter Pluspunkt, gerade im Vergleich zu vielen Lehrer-Tools mit Jahreslizenz oder Testphase.
Der Haken ist nicht KURT selbst, sondern die Plattform darunter. Wenn du nur lokal arbeiten willst, ist das derzeit unproblematisch. Wenn du aber Browserzugriff, Teamarbeit oder Cloud-Funktionen von Ninox brauchst, greifen die Ninox-Pläne: Free mit 100 MB Speicher und bis zu 5.000 Datensätzen, Team für 25 € pro Nutzer und Monat, Business für 40 € pro Nutzer und Monat, jeweils bei jährlicher Abrechnung und zuzüglich Mehrwertsteuer. Für einen schulweiten Rollout hängen die tatsächlichen Kosten also deutlich stärker an Ninox und der Gerätebasis als an KURT.
Bei der Plattformfrage gibt es aktuell allerdings eine kleine Unschärfe. Die ältere KURT-Dokumentation fokussiert KURT auf iPad und Mac und nennt Windows nur im Browser über Ninox. Die aktuelle SmartLehrer-Seite kommuniziert dagegen iOS, Mac und Android. Für einzelne Lehrkräfte ist das meist kein großes Problem. Wenn du KURT aber im Kollegium einführen willst, sollte die gewünschte Gerätebasis vorher praktisch getestet werden.
Erfahrungen & Bewertungen
Die öffentliche Resonanz auf KURT läuft eher über Dokumentation, Videos, Kommentare und Community-Threads als über große Testportale. Es gibt eine ausführliche Hilfedokumentation, einen eigenen Videokanal mit Walkthroughs und eine sichtbare Kommentarkultur auf der Website. In der Blogübersicht sind bei einzelnen Beiträgen 74 beziehungsweise 220 Kommentare zu sehen. Das spricht dafür, dass KURT in einer aktiven Nutzer-Nische angekommen ist, auch wenn es kein Massenprodukt wie große Verlagslösungen ist.
Im öffentlichen Ninox-Forum wurde KURT ausdrücklich als „schöne Idee“ gelobt; zugleich wurde dort offen über Grenzen des zugrunde liegenden Druckeditors diskutiert. Genau das passt gut zum Gesamtbild: KURT wirkt sehr praxisnah, sehr detailliert und lehrkraftnah entwickelt, aber eben auch technisch eng an Ninox gebunden. Für den Support ist laut Impressum direkt Sebastian Lüling zuständig; er nennt meist Antworten innerhalb von 24 Stunden, in Belastungsphasen aber auch 2 bis 3 Tage. Auf SmartLehrer heißt es außerdem, die Seite befinde sich Stand April 2026 in aktiver Weiterentwicklung und die Tools funktionierten zuverlässig. Für Lehrkräfte ist das sympathisch und nahbar, für Schulträger mit Wunsch nach SLA, formaler Beschaffung und Konzernsupport aber ein Punkt zum Einordnen.