Einsatzbereiche im Unterricht
Mathegym ist auf Übungen entlang des Schulstoffs ausgerichtet und deckt nach Anbieterangaben Mathematik-Inhalte für die Klassen 5 bis 13 ab. Damit eignet sich die Plattform vor allem für Übungs-, Wiederholungs- und Förderphasen in der Sekundarstufe (und in Teilen der Oberstufe), z. B. in Stillarbeitsphasen, Lernzeiten, Vertretungsstunden oder als ergänzende häusliche Übung.
Für den Unterricht ist relevant, dass Mathegym als Webanwendung auf gängigen Endgeräten (Laptop/Tablet/Smartphone) im Browser läuft. Es wird keine zusätzliche Software benötigt; Voraussetzung sind aktiviertes JavaScript, Cookies und eine Internetverbindung.
An vielen Schulen ist außerdem die Einbettung in bestehende Lernplattformen wichtig. Mathegym unterstützt dafür LTI 1.3 und beschreibt eine Anbindung an Moodle bzw. Mebis, z. B. um Aufgaben oder Arbeitsaufträge direkt im Kursraum bereitzustellen. Für Single-Sign-On im Schulumfeld kann Mathegym außerdem über VIDIS genutzt werden (als „geprüfter Partner“ ausgewiesen). Das kann die Administration vereinfachen, bringt aber auch Besonderheiten mit (siehe Datenschutz und Lizenzmodelle).
Funktionen und Anwendung
Im Kern bietet Mathegym interaktive Aufgaben mit abgestuften Schwierigkeitsgraden (Level), zu denen Musterlösungen, Hilfestellungen und Erklärvideos bereitstehen. Für Lernende gehören außerdem Motivations-Elemente wie Punkte („Checkos“) und optional Ranglisten („Top 30“) zum Konzept.
Für dich als Lehrkraft sind vor allem diese Funktionen praxisrelevant:
Aufgabenpool und Übungslogik
Mathegym beschreibt einen umfangreichen Aufgabenbereich, in dem Schülerinnen und Schüler Aufgaben direkt im Browser bearbeiten. Inhalte sollen nach Lehrplan im jeweiligen Bundesland auswählbar sein; außerdem wird eine Staffelung von leichten Einstiegsaufgaben bis zu schwierigeren Aufgaben sowie die Möglichkeit ähnlicher Wiederholungsaufgaben pro Stufe genannt. In einzelnen Aufgabenbereichen werden dynamische GeoGebra‑Arbeitsblätter eingebunden, was für Geometrie- und Funktions-Themen im Unterricht hilfreich sein kann.
Adaptives Lernsystem und Grundwissen-Förderung
Mathegym ordnet das System explizit als adaptiv bzw. als „intelligentes tutorielles System (ITS)“ ein: Das Programm empfiehlt den Aufstieg in höhere Level abhängig vom Können, reagiert auf Fehler teils mit weiterführenden Hinweisen und stellt im Bereich „Grundwissen trainieren“ passgenaue Übungen zusammen, wenn Lücken erkannt werden. Didaktisch ist das vor allem dann stark, wenn du das Tool als ergänzendes Übe- und Diagnoseinstrument nutzt (nicht als Ersatz für Einführung und gemeinsame Sicherung).
Arbeitsaufträge für Hausaufgaben und gezielte Übungsphasen
Als Lehrkraft kannst du Aufgaben auswählen und daraus Arbeitsaufträge erstellen. Du legst fest, welche Klassen oder welche Lernenden den Auftrag erhalten, und kannst anschließend in Auswertungen sehen, wer was bearbeitet hat und wie die Ergebnisse ausfallen. Für den Alltag bedeutet das: Hausaufgaben lassen sich kurzfristig zusammenstellen, automatisch auswerten und für die nächste Stunde als Diagnosegrundlage nutzen.
Auswertungen und Statistiken
Mathegym beschreibt, dass Leistungen langfristig dokumentiert werden, dass Lernende Hinweise zu Stärken/Schwächen bekommen und dass es Rückmeldungen zum Leistungsstand sowie zum Wochenpensum gibt. Zudem wird erwähnt, dass die ausgegebenen Noten sich an Leistungsnormen der Schule orientieren sollen. Wichtig für die Praxis: Diese Rückmeldungen können dir als Orientierung dienen, ersetzen aber keine pädagogische Bewertung (z. B. Mitarbeit, Lösungswege, Argumentationen), die du im Unterricht beobachtest.
Temporäre und anonyme Zugänge für spontane Unterrichtssituationen
Für Unterrichtssituationen, in denen Zugänge fehlen (Passwort vergessen, noch nicht registriert), nennt Mathegym einen „temporären Zugang“: Du vergibst ein generisches Passwort, mit dem sich alle Schülerinnen und Schüler für eine Stunde einloggen können. Zusätzlich werden „anonyme Zugänge“ für den Unterricht erwähnt.
Einbettung in Lernplattformen (LTI 1.3)
Mathegym beschreibt zwei zentrale LTI‑Szenarien:
- Aufgaben und Arbeitsaufträge werden in der Lernplattform eingebettet und sind dort bearbeitbar.
- Für Moodle kann zudem „automatische Registrierung und Login“ möglich sein; für Mebis wird das explizit eingeschränkt.
App-Nutzung als Progressive Web App
Mathegym bietet eine „App“ als Progressive Web App (PWA). Laut FAQ ist sie funktional identisch zur Website und bietet im Wesentlichen den Vorteil, dass Mathegym per Icon gestartet werden kann; die PWA funktioniert nicht auf allen Geräten zuverlässig. Damit sollte im Kollegium klar kommuniziert werden: Es handelt sich nicht um eine native Offline-App, sondern um eine Web-App-Hülle.
Didaktischer Mehrwert
Der didaktische Mehrwert von Mathegym entsteht vor allem durch die Kombination aus (1) vielen Übungsaufgaben, (2) unmittelbarer Rückmeldung und (3) einer teiladaptiven Steuerung, die Lernenden zusätzliche Hilfen oder passgenaues Üben nahelegt. Mathegym beschreibt die Level-Logik, Fehlerhinweise und das Schließen von Grundwissenslücken als Kernelemente.
Aus Sicht der Lehr-Lern-Forschung sind solche Mechanismen typisch für „intelligente Tutorensysteme“: Ein zentraler Vorteil liegt darin, dass Lernende direkt Feedback bekommen und dass Systeme wiederkehrende Fehlermuster nutzen können, um passende Übungsangebote bereitzustellen. Eine fachdidaktische Analyse zu digitalen Mathematik-Lernplattformen diskutiert zudem, dass adaptives Feedback (also Rückmeldungen, die über „richtig/falsch“ hinausgehen) in der Praxis eher selten realisiert wird und nennt Mathegym als Beispiel für Ansätze in diesem Bereich.
Für den Unterricht bedeutet das konkret:
Wenn du Mathegym in Übungsphasen einsetzt, kann es leistungsstarken Lernenden durch höhere Level zusätzliche Herausforderungen geben und gleichzeitig schwächeren Lernenden durch Wiederholungsaufgaben und Hilfestellungen den Einstieg erleichtern. Diese Differenzierung ist besonders wirksam, wenn du Arbeitsaufträge gezielt nach Thema/Schwierigkeitsgrad zusammenstellst und die Auswertungen für die nächste Unterrichtsplanung nutzt (z. B. „Welche Basiskonzepte sind bei vielen noch unsicher?“).
Motivations-Elemente (Punkte, Ranglisten) können für einen Teil der Lerngruppe sehr anspornend sein. Gleichzeitig ist das ein Bereich, in dem du pädagogisch steuern solltest: Ranglisten sind optional und sollten in der Klasse so eingebettet werden, dass sie nicht zu unnötigem Druck oder Vergleichsstress führen. Dass die Teilnahme an Ranglisten und die Sichtbarkeit bestimmter Aktivitäten durch Lernende selbst beeinflusst werden kann, ist im Konzept vorgesehen.
Datenschutz
Mathegym veröffentlicht eine Datenschutzerklärung (Stand: April 2024). Darin wird ausdrücklich unterschieden: Wenn Mathegym im Pflichtschulbereich eingesetzt wird, gilt die Schule bzw. der Schulträger als „verantwortliche Stelle“, und Mathegym handelt als Auftragsverarbeiter. Für eine schulische Einführung heißt das praktisch: Datenschutzprüfung, ggf. Auftragsverarbeitung und die Einbindung schulischer Vorgaben (Land/Schulträger) müssen sauber mitgedacht werden.
Technische und organisatorische Grundlagen
Mathegym nennt SSL/TLS‑Verschlüsselung für die Übertragung und beschreibt Server‑Logdaten (inkl. IP-Adresse etc.) mit einer Löschung nach spätestens sieben Tagen; außerdem wird darauf verwiesen, dass diese Logdaten der technischen Sicherheit dienen und nicht an Dritte weitergegeben werden sollen.
LTI-Einbettung und Datenspeicherung
Für die Einbettung in externe Lernplattformen (z. B. per LTI) wird in den Lehrkräfte-FAQ explizit erklärt, dass die Nutzungsdaten (Bearbeitungen/Ergebnisse) im Mathegym‑Account gespeichert werden und nicht im Account der externen Plattform. In der externen Plattform wird demnach lediglich ein Code für die automatische Anmeldung hinterlegt.
Optionale Sichtbarkeit, Ranglisten und Einwilligung
Mathegym stellt ein schulisches Einwilligungsformular bereit. Darin wird u. a. festgehalten, dass Lernende im Profil selbst festlegen können, ob Lehrkräfte sehen dürfen, welche Aufgaben freiwillig (neben Arbeitsaufträgen) geübt wurden, und ob der Nutzer in der Top‑30‑Liste erscheint (inkl. Veröffentlichung von Benutzername, Klassen-/Schulzugehörigkeit und Checkos). Zusätzlich nennt Mathegym im Schulkontext, dass Datenschutz-Einstellungen z. B. für Ranglisten und die Sichtbarkeit freiwilliger Übungen vorgesehen sind.
VIDIS-Betrieb mit besonderen Einschränkungen
Bei Nutzung über VIDIS werden laut Mathegym‑FAQ Schülerkonten Lehrkräften nicht mit Klarnamen angezeigt, sondern mit Akronymen. Außerdem werden im VIDIS‑Kontext keine externen YouTube‑Videos angezeigt (stattdessen nur eigene, serverseitig gestreamte Videos), private Zusatzlizenzen entfallen, und es wird eine höhere Störanfälligkeit durch das Zusammenspiel zweier Systeme genannt. Der Vorteil: VIDIS ist als gemeinsames Länderprojekt auf „einfachen und sicheren“ Zugriff mit einem bestehenden Konto ausgelegt. Der Nachteil: Du brauchst klare Absprachen im Kollegium, wie du Schüler trotz Akronymen zuverlässig zuordnest und wie du Ausfälle (SSO-Störungen) didaktisch auffängst.
Drittanbieter-Dienste (wichtige Differenzierung)
In der Datenschutzerklärung wird beschrieben, dass auf der Website YouTube‑Einbindungen vorkommen können und dabei bei Nutzung Daten an Google/YouTube übertragen werden können, inkl. potenzieller Drittlandübermittlung; gleichzeitig wird festgehalten, dass YouTube im Pflichtschulbereich im Rahmen von VIDIS nicht eingesetzt wird. Für Webanalyse nennt Mathegym Matomo in einer Konfiguration ohne Cookies und mit anonymisierter IP; Matomo sei im VIDIS‑Pflichtschulbereich deaktiviert. Für Zahlungen wird u. a. PayPal erwähnt; im VIDIS‑Pflichtschulbereich soll PayPal nicht eingesetzt werden.
Kosten und Lizenzmodelle
Für Schulen ist die Schullizenz das zentrale Modell: Sie gilt schulweit und richtet sich nach der maximalen Anzahl angelegter Nutzerkonten (Schüler + Lehrkräfte). Mathegym veröffentlicht dafür feste Jahrestarife (Small bis X‑Large). Wichtig im Alltag: Wenn das Nutzerkontingent ausgeschöpft ist, können keine weiteren Konten zugeordnet werden, bis Konten gelöscht oder ein Upgrade vorgenommen wird.
Laufzeit, Verlängerung, Kündigung
Das Lizenzjahr beginnt laut Mathegym dann, wenn die Schule freigeschaltet wird, und verlängert sich nach 365 Tagen automatisch, wenn nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird (E‑Mail reicht laut Anbieter). Nach jedem Lizenzjahr kann das Kontingent angepasst werden.
Zusatzlizenzen für weitere Fächer
Neben Mathe können Zusatzfächer einzeln oder als Komplettpaket zugebucht werden; der Preis orientiert sich am Tarif der Hauptlizenz. Zusatzlizenzen können unabhängig vom Zeitraum der Hauptlizenz für ein Jahr freigeschaltet werden und verlängern sich ebenfalls automatisch (mit dreimonatiger Kündigungsfrist).
Änderungen während des Lizenzjahres
Eine Tarifänderung innerhalb des laufenden Jahres wird grundsätzlich als „nicht möglich“ beschrieben; bei Bedarf kann ein Upgrade auf eine höhere Stufe erfolgen, wofür eine einmalige Bearbeitungsgebühr (150 €) plus Differenzpreis genannt wird.
Testzugang
Für Schulen wird ein kostenloser Testzugang beworben (30 Tage, explizit „mit Ihren Schülern im Unterricht“).
Für Privatnutzer wird ebenfalls eine kostenlose Testphase beschrieben (30 Tage, eingeschränkter Level‑Zugriff).
VIDIS und Lizenzplanung
Bei VIDIS‑Nutzung ist organisatorisch wichtig: Konten werden erst dann angelegt, wenn sich ein Nutzer erstmals per VIDIS anmeldet. Damit kann ein gebuchter Tarif unterhalb der Gesamtschülerzahl liegen – entscheidend ist, wie viele Personen tatsächlich ein Konto aktivieren.
Privatlizenzen als Ergänzung oder Alternative
Wenn deine Schule keine Schullizenz hat (oder einzelne Lernende unabhängig üben wollen), existieren Privatlizenzen: 1 Monat (14 €) oder 1 Jahr (59 €), ohne Abo/ohne automatische Verlängerung; laut Preisinfo umfasst die Privatlizenz auch die (im Aufbau befindlichen) Zusatzfächer. In der Praxis ist das eher eine Eltern-/Schülerentscheidung – für dich als Lehrkraft ist es aber hilfreich, die Option zu kennen, wenn du Mathegym als freiwillige Übungsplattform empfiehlst.
Zum Anbieter: Mathegym wird laut Impressum von Rainer Ammel betrieben (Adresse: München).
Erfahrungen und Bewertungen
Verbreitung im Schulmarkt
Mathegym veröffentlicht im Pressebereich Kennzahlen zum aktuellen Schuljahr: 589 Schulen, 9.898 Lehrkräfte und 213.255 Schülerinnen und Schüler. Solche Zahlen sind Selbstauskünfte des Anbieters, geben aber einen Eindruck zur Marktdurchdringung.
Auszeichnungen und externe Anerkennung
Mathegym führt mehrere Auszeichnungen an. Für den deutschen Markt relevant ist insbesondere der „Deutsche Bildungs‑Award 2025/2026“. Laut Deutsches Institut für Service-Qualität und n-tv basiert dieser Award auf einer großen Verbraucherbefragung (29.753 Stimmen) und untersucht u. a. Preis‑Leistungs‑Verhältnis, Angebot und Kundenservice; Mathegym wird in der Preisträgerliste der Kategorie „Lernportale Mathe“ genannt.
Für 2023 wird außerdem die Comenius‑EduMedia‑Medaille dokumentiert. Auf der Comenius‑Website wird die Medaille als höchste Auszeichnung beschrieben und ein zweistufiges Verfahren (Siegel‑Bewertung → Medaillen‑Entscheid) erläutert; in einer Pressemitteilung zur Preisverleihung 2023 erscheint Mathegym in der Liste der vergebenen EduMedia‑Medaillen.
Lehr-/Lernpraxis: externe Kurzreviews
- Das Medienkompetenz‑Portal Internet-ABC beschreibt Mathegym als klar strukturiert und sehr umfangreich; hervorgehoben werden u. a. Lernvideos, Hilfen, Schritt‑für‑Schritt‑Rückmeldungen und automatische Aufgabenempfehlungen. Hinweis: Die dort genannten Preisinformationen beziehen sich auf einen älteren Prüfstand.
- Eine Schulprojekt‑Review („Mathe digital lernen“ am Carl‑Orff‑Gymnasium) nennt als Stärken u. a. Feedback bei falschen Antworten, Lösungen in Schritten, Punkte‑System und Auswertungen; auch hier ist die Preisangabe nicht auf dem aktuellen Stand.
Online-Bewertungen
Auf ProvenExpert wird Mathegym mit 4,5/5 bewertet, basierend auf sechs Google‑Maps‑Bewertungen (Stand des Profils: November 2025). Für eine schulische Entscheidung ist das wegen kleiner Stichprobe nur ein weicher Indikator, kann aber als Stimmungsbild dienen.