Zwischen Materialflut und Zeitmangel: Was Lehrkräfte heute brauchen
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10 Fragen an Katharina Kreinberger, Fachliche Leitung Bereich Sprachen bei RAABE
Lernmarktplatz: Lehrkräfte finden heute online innerhalb von Sekunden tausende Arbeitsblätter und Unterrichtsideen. Woran erkennt man wirklich gutes Unterrichtsmaterial?
Katharina Kreinberger: Gutes Unterrichtsmaterial zeichnet sich für uns vor allem dadurch aus, dass ich mich als Lehrkraft darauf verlassen kann. Das betrifft einerseits die Form: Gutes Unterrichtsmaterial ist durch einen klaren Aufbau und wiederkehrende Strukturen unkompliziert in der Handhabung für Lehrkräfte und Lernende.
Verlässlichkeit bedeutet außerdem, dass Inhalte fachlich korrekt recherchiert sind und vollständig, rechtssicher vorliegen. Alle benötigten Komponenten sollten enthalten oder entsprechend ausgewiesen sein, einschließlich methodisch-didaktischer Hinweise sowie fachlich geprüfter Lösungen. Das i-Tüpfelchen ist, wenn Möglichkeiten zur Differenzierung und Digitalisierung von Anfang an mitgedacht werden. Das unterscheidet einen Impuls von einer einsatzbereiten Unterrichtseinheit.
Lernmarktplatz: Sie stehen regelmäßig im Austausch mit Lehrkräften. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei besonders häufig?
Katharina Kreinberger: Im Austausch mit Lehrkräften begegnet uns vor allem ein Thema immer wieder: Zeitmangel. Die Anforderungen an Unterricht und Schulorganisation steigen. Unterricht soll fachlich fundiert und aktuell sein, an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler ansetzen, unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigen, motivieren und digitale Möglichkeiten sinnvoll einbeziehen. Und diese Liste könnte man ewig fortführen.
Unsere Aufgabe sehen wir deshalb darin, Lehrkräfte vor allem bei den Tätigkeiten zu unterstützen, die viel Zeit binden – etwa bei Recherche, Materialerstellung, Differenzierung oder Korrektur.
Dabei geht es uns nicht darum, vorzugeben, wie guter Unterricht im Detail aussehen muss. Lehrkräfte kennen ihre Lerngruppen und ihre schulischen Rahmenbedingungen am besten. Wir möchten ihnen verlässliche Materialien und Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie ihren Unterricht eigenständig und passend zu ihrer jeweiligen Situation gestalten können.
Lernmarktplatz: Wie entsteht bei RAABE aus einem Thema eine Unterrichtseinheit, die fachlich fundiert ist und gleichzeitig in einer echten Schulstunde funktioniert?
Katharina Kreinberger: Am Anfang steht immer die Frage, was Lehrkräfte für ihren konkreten Unterricht brauchen. Dabei orientieren wir uns an Lehrplänen, Bildungsstandards, fachwissenschaftlichen Erkenntnissen und aktueller Didaktik. Gleichzeitig darf die Entwicklung von Unterrichtsmaterial aber nicht rein theoriegetrieben sein. Schule ist ein lebendiger und sich stetig verändernder Kosmos – deshalb ist für uns der direkte Austausch mit der Praxis besonders wichtig, etwa auf Bildungsmessen, im Gespräch mit Lehrkräften oder bei Hospitationen im Unterricht.
Eine wichtige Grundlage ist auch unser breites Netzwerk aus dem Bildungsbereich. Die Mehrheit unserer Autorinnen und Autoren sind selbst Lehrkräfte. Diese bringen ihre Unterrichtserfahrung unmittelbar in die Entwicklung der Einheiten ein: Ist der Umfang passend? Sind die Aufgaben verständlich? Ist die Methode in einer Schulstunde unter realen Bedingungen umsetzbar?
Im Anschluss durchlaufen die Materialien eine redaktionelle Überarbeitung. Dabei prüfen wir unter anderem die inhaltliche und sprachliche Richtigkeit oder die verwendeten Quellen einschließlich urheberrechtlicher Aspekte, damit die Einheit sicher im Unterricht eingesetzt werden kann. Ebenso achten wir darauf, dass aktuelle fachliche und behördliche Vorgaben berücksichtigt werden – etwa bei Prüfungsformaten oder verbindlichen Anforderungen der Länder. So bringen wir fachliche Qualität und Praxistauglichkeit zusammen.
Lernmarktplatz: Schulklassen werden immer heterogener. Wie entwickeln Sie Material, das unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gerecht wird, ohne Lehrkräfte mit noch mehr Vorbereitung zu belasten?
Katharina Kreinberger: Heterogene Lerngruppen sind in der Tat längst schulischer Alltag. Deshalb achten wir darauf, Materialien von Anfang an so anzulegen, dass sie sich möglichst flexibel einsetzen lassen. Dazu gehören zum Beispiel Aufgaben auf unterschiedlichen Niveaustufen oder zusätzliche Hilfestellungen, die Lehrkräfte je nach Lerngruppe gezielt einsetzen können.
Gleichzeitig wird es immer wichtiger, dass Lehrkräfte Materialien unkompliziert an konkrete Unterrichtssituationen anpassen können. Digitale Werkzeuge und KI eröffnen hier viele Möglichkeiten: Durch unseren RAABE KI-Chat können Lehrkräfte beispielsweise Materialien mit wenigen Klicks differenzieren, sprachlich anpassen oder Aufgabenformate verändern.
Außerdem entwickeln wir nicht nur die Inhalte selbst kontinuierlich weiter, sondern auch die Art, wie sie bereitgestellt und genutzt werden können – insbesondere im digitalen Bereich. Ziel ist es, fachlich verlässliche Materialien mit möglichst großer Flexibilität zu verbinden, damit Lehrkräfte auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen reagieren können, ohne jedes Material neu aufbereiten zu müssen.
Lernmarktplatz: Letztlich geht es nicht nur um Entlastung für Lehrkräfte. Wie profitieren die Lernenden von Ihrem Angebot?
Katharina Kreinberger: Die größte Entlastung für Lehrkräfte bringt wenig, wenn das Material bei den Lernenden nicht funktioniert. Deshalb denken wir beide Seiten immer zusammen.
Im besten Fall nehmen gute Materialien Lehrkräften so viel Vorbereitungsarbeit wie möglich ab und schaffen dadurch mehr Zeit für das, was im Schulalltag besonders wichtig ist: Interaktion, individuelle Förderung, Beziehungsarbeit.
Außerdem müssen die Materialien selbst unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigen und möglichst viele Lernende erreichen. Dazu gehören für uns abwechslungsreiche Zugänge – etwa über Texte, Bilder, Videos, Audioformate, interaktive Übungen oder spielerische Elemente. Ebenso wichtig sind Aktualität und Lebensweltbezug. Wir greifen Themen auf, die in der Gesellschaft gerade eine Rolle spielen und die Lernenden beschäftigen, und übertragen sie fachlich fundiert in den Unterricht. Das Material soll Lernende aktivieren, sie zum eigenständigen Denken anregen und Raum für Diskussion, Problemlösen, Transfer und Urteilsbildung schaffen.
Lernmarktplatz: Viele Lehrkräfte investieren privat in passende Unterrichtsmaterialien. Muss gutes Material wirklich aus der eigenen Tasche bezahlt werden?
Katharina Kreinberger: Ideal ist aus unserer Sicht eine Lösung, bei der die Verantwortung für gute Unterrichtsmaterialien nicht ausschließlich bei der einzelnen Lehrkraft liegt. Die Materialien kommen schließlich nicht nur einer Person zugute, sondern oft einer ganzen Fachschaft oder Schule.
Deshalb gibt es bei RAABE neben Einzelzugängen auch Lösungen für Fachschaften und ganze Schulen. So können Inhalte zentral bereitgestellt und von mehreren Lehrkräften genutzt werden. Das schafft einen gemeinsamen Materialpool, sorgt für verlässliche Qualität und kann zugleich Doppelarbeit im Kollegium reduzieren.
Hinzu kommt, dass entsprechende Angebote je nach Rahmenbedingungen auch über schulische Budgets oder Fördermittel finanziert werden können.
Lernmarktplatz: KI und digitale Medien verändern gerade nicht nur das Lernen, sondern auch die Arbeit von Lehrkräften. Was bedeutet das für die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien?
Katharina Kreinberger: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Ausgangspunkt bleibt immer die konkrete pädagogische Aufgabe. Digitale Formate setzen wir dort ein, wo sie Lehr- und Lernprozesse sinnvoll unterstützen – etwa durch interaktive Aufgaben oder multimediale Elemente. KI kann an verschiedenen Stellen entlasten. Zum Beispiel bei der Korrektur und beim lernförderlichen Feedback, wenn sie sich an den jeweiligen fachlichen und schulischen Vorgaben orientiert.
KI und digitale Medien verändern aus unserer Sicht aber nicht nur die eingesetzten Werkzeuge, sondern auch die Frage, was und wie gelernt wird. Deshalb müssen wir bei der Entwicklung von Unterrichtsmaterialien zum Beispiel stärker darüber nachdenken, wie Lernerfolg überprüft werden kann und welche Kompetenzen künftig besonders wichtig sind. Dazu gehören neben Fachwissen auch Problemlösefähigkeit, kritisches Denken, Kommunikation oder ein reflektierter Umgang mit Technologien. Entsprechend gewinnen auch alternative Formen der Leistungsmessung an Bedeutung.
Wir sehen aber auch: Neue Impulse und Technologien allein reichen nicht aus. Lehrkräfte brauchen Orientierung, Sicherheit und Kompetenz im konkreten Umgang damit. Deshalb betrachten wir digitale Medien und KI ebenso als Themen für Fortbildung und professionelle Weiterentwicklung.
Lernmarktplatz: Bei all den neuen digitalen Möglichkeiten: Was sollte guter Unterricht auch in Zukunft nicht an Technik delegieren?
Katharina Kreinberger: Ganz klar, die pädagogische Beziehungsarbeit. Lehrkräfte nehmen wahr, was eine Lerngruppe gerade braucht, können Unsicherheiten auffangen, motivieren, nachfragen und Situationen einordnen. Diese professionelle Einschätzung lässt sich nicht einfach automatisieren.
Auch Verantwortung bleibt beim Menschen. Digitale Werkzeuge und KI können Vorschläge machen, Rückmeldungen vorbereiten oder bei der Differenzierung unterstützen. Aber zu entscheiden, was für eine konkrete Lerngruppe sinnvoll ist, wie Leistungen eingeordnet werden oder wann ein persönliches Gespräch nötig ist, gehört weiterhin zur pädagogischen Arbeit.
Lernmarktplatz: Wenn Sie sich Schule in fünf oder zehn Jahren vorstellen: Was müsste sich verändern, damit Lehrkräfte wieder mehr Zeit für ihre eigentliche pädagogische Arbeit haben?
Katharina Kreinberger: Entscheidend wäre aus unserer Sicht, technologischen Fortschritt und pädagogische Qualität nicht gegeneinander auszuspielen. Technik sollte weder die zentralen Aufgaben von Lehrkräften ersetzen noch Lehrkräfte zusätzlich beschäftigen. Im besten Fall übernimmt sie Routinen und unterstützt bei zeitaufwendigen Prozessen.
Dafür braucht es neben einer funktionierenden technischen Infrastruktur auch klare Zuständigkeiten, verlässliche Unterstützungsangebote und Zeit für Schulentwicklung. Schulen sollten Veränderungen nicht nur umsetzen müssen, sondern sie aktiv mitgestalten können.
Eine Schule der Zukunft schafft Freiräume – für Austausch, individuelle Förderung und die Gestaltung nachhaltiger Lernprozesse. Wenn uns das gelingt, gewinnen wir nicht nur Zeit zurück, sondern stärken auch die Qualität von Schule insgesamt.
Lernmarktplatz: Was möchten Sie Lehrkräften mitgeben, die RAABE bisher noch nicht oder nur wenig kennen?
Katharina Kreinberger: Wir wissen, dass nicht jedes Angebot zu jeder Schule oder zu jeder Lehrkraft passt. Deshalb möchten wir vor allem dazu ermutigen, sich in Ruhe ein eigenes Bild zu machen und auszuprobieren, was im jeweiligen Schulalltag tatsächlich hilfreich ist.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Lehrkräfte können unsere Unterrichtsmaterialien 14 Tage kostenfrei testen und sich einen Eindruck davon verschaffen, wie sie aufgebaut sind und sich im Unterricht einsetzen lassen. Schulen, die sich für die digitale Materialplattform wie RAAbits oder für die Schulplanungssoftware EduPage interessieren, können sich im persönlichen Austausch beraten lassen oder eine Demo nutzen.
Uns ist wichtig, dass eine Entscheidung nicht allein auf einer Beschreibung beruht, sondern auf der Frage: Passt das Angebot zu den eigenen Anforderungen und Arbeitsweisen? Genau das lässt sich am besten im praktischen Einsatz herausfinden.
Über Katharina Kreinberger
Als ausgebildete Lehrerin für Englisch und Spanisch unterrichtete sie über sieben Jahre an verschiedenen Schulformen in Sachsen und Baden-Württemberg. Diese vielseitige Praxiserfahrung prägte ihr Gespür dafür, was Lehrkräfte und Lernende im Unterricht wirklich brauchen. Heute ist sie als Fachliche Leitung für den Bereich Sprachen bei RAABE tätig und beschäftigt sich dort intensiv mit zeitgemäßen Lehr- und Lernmedien.
Über RAABE
RAABE ist Teil der Klett Gruppe und begleitet Schulen und Lehrkräfte seit über 30 Jahren. Aus dem klassischen Fachverlag hat sich RAABE zu einem umfassenden Bildungspartner entwickelt. Heute reicht das Angebot von Unterrichtsmaterialien über Schulorganisation und Fortbildungen bis hin zu Lösungen für Schulentwicklung und digitale Prozesse. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Lehrkräfte im Schulalltag praxisnah unterstützt und entlastet werden können. Der Leitgedanke: „Gemeinsam gestalten wir Schule.“
Lernen Sie die Lösungen von RAABE für Unterricht und Schule kennen: raabe.de
Redaktioneller Hinweis: Dieses Interview entstand in Zusammenarbeit mit RAABE. Für die Veröffentlichung wurde keine Vergütung gezahlt.