Beschreibung

Aus Lehrkräftesicht ist digiLL weniger ein klassisches Schulsoftware-Produkt als ein offenes Fortbildungs- und OER-Portal für digitales Lehren und Lernen. Der Verbund wurde Ende 2016 gegründet, wird heute von elf lehrerbildenden Standorten getragen und durch die Professional School of Education der Ruhr-Universität Bochum vertreten. Seit Mai 2024 wird das Angebot mit digiLL_COM weiter ausgebaut; das Projekt läuft bis April 2027, wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und arbeitet mit Partnern an der Universität zu Köln, der Universität Duisburg-Essen und der Universität Münster an Community- und OER-Formaten für Lehrkräfte weiter. 

digiLL im Test – Funktionen, Preise & Erfahrungen für Lehrkräfte

  • Professional School of Education der Ruhr-Universität Bochum
Produkt Form
  Preise
  • Lernmodule: 0 €. Die Kernmodule sind frei zugänglich, als OER lizenziert und laut Qualitätsstandards ohne Anmeldepflicht angelegt; auf verlinkten Partnerplattformen werden viele Module zusätzlich ausdrücklich als „kostenlos“ ausgewiesen. 
  • Klassische Schul- oder Kollegiumslizenzen: nach öffentlichem Stand keine veröffentlichten Kauf-Lizenzmodelle. digiLL beschreibt sein Angebot stattdessen als offenes OER- und Community-Portal. 
  • Begleitangebote: Die OER-Werkstatt und einzelne Community-Veranstaltungen werden kostenfrei angeboten; bei Präsenzformaten kann ein optionales Rahmenprogramm auf Selbstkostenbasis hinzukommen. 

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Beschreibung

Aus Lehrkräftesicht ist digiLL weniger ein klassisches Schulsoftware-Produkt als ein offenes Fortbildungs- und OER-Portal für digitales Lehren und Lernen. Der Verbund wurde Ende 2016 gegründet, wird heute von elf lehrerbildenden Standorten getragen und durch die Professional School of Education der Ruhr-Universität Bochum vertreten. Seit Mai 2024 wird das Angebot mit digiLL_COM weiter ausgebaut; das Projekt läuft bis April 2027, wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und arbeitet mit Partnern an der Universität zu Köln, der Universität Duisburg-Essen und der Universität Münster an Community- und OER-Formaten für Lehrkräfte weiter. 

Passt digiLL zu mir?

✓ Geeignet für
  • Lehrkräfte, die sich kostenlos zu KI, OER, Medienkompetenz und digitalem Fachunterricht weiterbilden wollen.
  • Fachschaften, Fortbildungsgruppen und pädagogische Tage, die kurze, frei lizenzierte Module als gemeinsame Diskussions- oder Arbeitsgrundlage nutzen möchten.
  • Lehrkräfte, die Materialien nicht nur nutzen, sondern auch rechtssicher weiterverwenden, anpassen und teilen möchten.
  • Schulen oder einzelne Lehrkräfte, die ohne großen Beschaffungsprozess direkt mit einem offenen Angebot starten möchten.
✕ Weniger geeignet für
  • Lehrkräfte, die ein Tool für Klassenverwaltung, Aufgabenverteilung, Noten oder Lernstandsanalysen suchen.
  • Schulen, die ein einheitliches kommerzielles Produkt mit Adminfunktionen, Servicevertrag und klaren Lizenzstufen erwarten.
  • Nutzerinnen und Nutzer, die eine vollständig gleichförmige Oberfläche ohne Weiterleitungen auf externe Hochschulplattformen bevorzugen.
  • Schulen mit besonders strengen Datenschutzvorgaben für Community-Funktionen und eingebettete Drittanbieter-Dienste.

digiLL im Test – Funktionen, Preise & Erfahrungen

Einsatzbereiche im Unterricht

Für den Schulalltag ist digiLL vor allem dann interessant, wenn du dich gezielt zu digitalen Unterrichtsthemen fortbilden willst oder schnell brauchbare Impulse für deinen Unterricht suchst. Die Schulpraxis-Seite verweist unter anderem auf Module zu KI im Unterricht und zur Digitalisierung im Fachunterricht. Dazu kommen Grundlagenangebote zur Bewertung digitaler Lernmaterialien, zu OER, zu Game-Based Learning, H5P, Lehrvideos oder Big Data Literacy. Extern wird digiLL außerdem als Angebot für Primarbereich, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und Hochschule eingeordnet. 

Besonders praktisch ist digiLL für die Unterrichtsvorbereitung, für pädagogische Tage, für Fachschaftsarbeit und für die eigene Professionalisierung. Die Module sind so angelegt, dass sie auch außerhalb des Verbunds genutzt werden können. Gleichzeitig ist wichtig: digiLL beschreibt auf seinen Produktseiten Lernmodule, Schulpraxis-Beispiele und Community-Angebote, aber keine Funktionen zur Klassenverwaltung, Aufgabensteuerung oder Notenführung. Wer also eher eine Lernplattform oder einen Unterrichtsmanager sucht, bekommt hier ein anderes Angebot als bei klassischen Schultools. 

Funktionen und Anwendung

Technisch bündelt digiLL nicht alles in einer einzigen proprietären App. Stattdessen sammelt und verlinkt das Portal Lernmodule, die auf unterschiedlichen Hochschul-Infrastrukturen umgesetzt werden. Damit du dich trotzdem schnell zurechtfindest, arbeitet der Verbund mit einem gemeinsamen Styleguide, Qualitätsstandards und einheitlichen Oberflächenelementen. Das ist sinnvoll, weil einzelne Module auf externe Lernumgebungen weiterleiten, etwa auf Plattformen von Hochschulpartnern. In der Praxis kann sich die Nutzererfahrung deshalb leicht unterscheiden, bleibt aber erkennbar im gleichen Grundkonzept. 

Inhaltlich setzt digiLL auf kurze bis mittellange Selbstlerneinheiten. Beispiele reichen von 20 Minuten für „Kriterien zur Bewertung von digitalen Lernmaterialien“ über 25 bis 45 Minuten bei KI- und Digitalisierungsmodulen bis hin zu 60-Minuten-Angeboten zu H5P, Lehrvideos oder Lehr-Lernprozessen. Neuere Formate gehen darüber hinaus: Der Online-Kurs „Digitale Kompetenzen“ vom März 2025 ist mit 8 bis 12 Stunden deutlich umfangreicher, kombiniert Informationstexte mit interaktiven Elementen, Transferfragen und Quizformaten und stellt bei bestandenem Abschlusstest eine Teilnahmebescheinigung in Aussicht. 

Für Lehrkräfte besonders nützlich sind die sehr konkreten Praxisbausteine. Das KI-Modul arbeitet mit Anwendungsbeispielen und Promptbeispielen aus unterschiedlichen Fächern, Klassenstufen und Schulformen. Das Modul „Digitalisierung im Fachunterricht“ liefert einen Vier-Schritte-Plan für den Medieneinsatz und sogar ein Poster zum Ausdrucken. Viele Module enthalten außerdem Quiz- oder Feedbackelemente, sodass du nicht nur liest, sondern dein Verständnis direkt überprüfen oder Rückmeldung geben kannst. Die neue Community-Plattform ergänzt das Ganze um Profile, Gruppen, Diskussionen und Veranstaltungen für den Austausch mit anderen Bildungsakteurinnen und Bildungsakteuren. 

Didaktischer Mehrwert

Der didaktische Mehrwert liegt klar in der Professionalisierung und im Transfer in den Unterricht. digiLL hilft dir weniger beim Organisieren von Lerngruppen als beim besseren Entscheiden und Planen: Welche digitalen Materialien sind sinnvoll? Wie kann KI reflektiert eingesetzt werden? Wie lassen sich Medien und Medienkompetenzförderung gewinnbringend in den Fachunterricht integrieren? Gerade für diesen reflexiven und zugleich praktischen Teil ist das Angebot stark, weil es gleichzeitig Grundlagenwissen, konkrete Beispiele und sofort nutzbare Denk- und Planungsraster kombiniert. 

Hinzu kommt der OER-Gedanke. Die Materialien stehen – sofern nicht anders angegeben – unter CC BY-SA 4.0 und sind plattformunabhängig weiter nutzbar. Für dich bedeutet das: Du kannst Inhalte nicht nur konsumieren, sondern auch in schulinterne Fortbildungen, Fachseminare oder kollegiale Austauschrunden einbauen und bei Bedarf anpassen. Gerade wenn ein Kollegium eine offene Materialkultur aufbauen möchte, ist das ein echter Vorteil gegenüber geschlossenen Lizenzsystemen. 

Positiv ist außerdem die Qualitätssicherung. digiLL arbeitet mit vereinbarten Qualitätsstandards, einem Vier-Augen-Prinzip nach der Produktion und einer Zielgruppenanalyse nach der Veröffentlichung. Das schafft nicht automatisch perfekte Inhalte, erhöht aber die fachliche und didaktische Verlässlichkeit. Aus Lehrkräftesicht ist das ein Pluspunkt, weil viele frei verfügbare Online-Materialien zwar schnell verfügbar, aber nicht immer gut geprüft sind. 

Datenschutz

Beim Datenschutz macht digiLL insgesamt einen bewussten Eindruck, aber nicht ohne Einschränkungen. Für das Hauptportal ist die Professional School of Education der Ruhr-Universität Bochum verantwortlich. Die Datenschutzerklärung nennt DSGVO-Rechtsgrundlagen, Auftragsverarbeitung, Server-Logfiles und eine Speicherfrist von maximal sieben Tagen für Logfile-Informationen. Positiv ist auch, dass für die Reichweitenmessung auf der Hauptseite ein WordPress-Analyse-Plugin eingesetzt wird, das laut Datenschutzerklärung einfache Statistiken anonymisiert erstellt und keine Cookies setzt. Für die reine Nutzung vieler Lernmodule spricht zusätzlich, dass diese laut Qualitätsstandards frei zugänglich und ohne Anmeldepflicht sein sollen. 

Ganz reibungslos ist die Datenschutzlage aber nicht. Die Hauptseite nennt Dienste von Google für Captcha und Webfonts. Auf der Community-Plattform kommen laut Cookie-Richtlinie zusätzlich analytische und Marketing-Cookies sowie Social-Media- und Videodienste hinzu. Die Community-Datenschutzerklärung nennt dabei Bestands-, Kontakt-, Inhalts-, Nutzungs- sowie Meta- und Kommunikationsdaten als mögliche verarbeitete Datenarten. Für dich als Lehrkraft heißt das praktisch: Wenn du nur Module still durcharbeitest, fällt vergleichsweise wenig persönliche Datenarbeit an. Wenn du jedoch die Community aktiv mit Registrierung, Profil, Beiträgen oder extern eingebetteten Diensten nutzt, sollte die Schule deutlich genauer hinschauen. 

Kritisch fällt auf, dass die veröffentlichte Datenschutzerklärung beim Drittlandtransfer noch auf das Privacy Shield verweist. Der European Data Protection Board hält fest, dass der EuGH das Privacy Shield 2020 für ungültig erklärt hat; das aktuelle EU-US-Regime ist das EU-U.S. Data Privacy Framework mit Angemessenheitsbeschluss vom 10. Juli 2023. Das ist kein K.-o.-Kriterium, zeigt aber, dass die Rechtstexte nicht in allen Details auf dem modernsten Stand wirken. Hinzu kommt die Barrierefreiheitserklärung vom 6. August 2025: Dort wird die Website nur als teilweise vereinbar mit BGG, LGG, BITV und WCAG 2.1 eingestuft. 

Kosten und Lizenzmodelle

Im Unterschied zu vielen kommerziellen Lehrer-Tools arbeitet digiLL nach außen nicht mit klassischen Einzellizenzen, Kollegiumspaketen oder Schülerlizenzen. Die Grundidee ist offen: freie Nutzung, freie Lizenzierung und OER statt Kaufmodell. Auch Einrichtungen außerhalb des Verbunds dürfen die Module nutzen. Für Schulen ist das finanziell attraktiv, weil keine öffentliche Seat-Logik, keine Bindung an Lehrwerke und keine sichtbaren Einstiegskosten im Weg stehen. Wer einfach gute Fortbildungs- und Unterrichtsimpulse sucht, kann sofort loslegen. 

Die Kehrseite dieser Offenheit ist, dass digiLL eben nicht wie ein typischer Software-Anbieter mit klaren Kaufpaketen, Adminrechten, Service-Level-Versprechen oder Schul-Management-Funktionen auftritt. Auf den offiziellen Seiten stehen freie Module, Community-Arbeit, Werkstätten und Vernetzung im Vordergrund. Das ist für Lehrkräfte mit knappem Budget sehr angenehm, aber für Schulen, die ein formal beschaffbares Komplettpaket mit klarer Produktverantwortung suchen, weniger passend. 

Auch bei den Zusatzformaten bleibt digiLL niedrigschwellig. Die OER-Werkstatt 2026 wurde kostenfrei angeboten, inklusive Teilnahmebescheinigung auf Wunsch; nur das informelle Warm-up am Vorabend lief auf Selbstkostenbasis. Einzelne Workshops der Community werden ebenfalls als kostenfrei beworben. Für die Praxis heißt das: Kosten entstehen eher indirekt durch Zeit und Fortbildungsorganisation als durch Lizenzgebühren. 

Erfahrungen und Bewertungen

Öffentlich sichtbar sind bei digiLL vor allem Fachstimmen und institutionelle Einordnungen, weniger klassische Massenbewertungen wie bei kommerziellen EdTech-Tools. Auf der Startseite finden sich positive Einschätzungen aus der OER- und Fortbildungsszene, die vor allem Offenheit, Praxistauglichkeit und die Bündelung qualitätsgesicherter Angebote hervorheben. Gleichzeitig sammeln die Modulseiten selbst strukturiertes Feedback zu Verständlichkeit, Kompetenzgewinn, fachlicher Korrektheit, didaktischer Gestaltung und Anpassbarkeit. Das wirkt seriös und zeigt, dass Rückmeldungen Teil des Produktverständnisses sind. 

Auch extern ist digiLL im deutschen Bildungsbereich sichtbar. Der Deutscher Bildungsserver führt digiLL_COM als Innovationsprojekt. Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg listet mehrere digiLL-Module in seiner Übersicht zu Online-Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte. Auch das digital.learning.lab beschreibt digiLL als offenes, weiterqualifizierendes Portal für Lehrkräftebildung. Das ersetzt keine Sternebewertung mit Tausenden Stimmen, spricht aber für hohe fachliche Sichtbarkeit und Anerkennung im Bildungskontext. 

Im praktischen Eindruck überzeugt vor allem die Kombination aus inhaltlicher Breite, sehr niedriger Einstiegshürde und offener Lizenz. Der Hauptnachteil ist die Produktlogik: Weil einzelne Module auf unterschiedliche Hochschulplattformen führen, fühlt sich digiLL eher wie ein qualitätsgesichertes Fortbildungsnetzwerk als wie ein einheitlich poliertes SaaS-Produkt an. Wer genau dieses offene Netzwerkmodell sucht, wird das als Stärke sehen. Wer ein komplett geschlossenes System mit überall gleichem Look-and-Feel erwartet, eher als Schwäche. 

Unser Fazit zu digiLL

Für Lehrkräfte ist digiLL ein starkes Angebot, wenn es um die eigene Professionalisierung in digitaler Bildung geht. Die Plattform ist offen, fachlich ernstzunehmend, thematisch breit und für den deutschen Schulkontext gut anschlussfähig. Besonders positiv sind die frei zugänglichen OER-Materialien, die praxisnahen Module zu KI, Medienkompetenz und digitalem Fachunterricht sowie die niedrige finanzielle Hürde. Dazu kommt ein erkennbarer Qualitätsanspruch, der digiLL von vielen beliebigen Materialsammlungen abhebt. 

Weniger stark ist digiLL überall dort, wo Lehrkräfte eine operative Schulplattform erwarten. Es ist kein Unterrichtsmanager, kein Klassenbuch und kein Aufgaben- oder Notentool. Die Stärken liegen in Fortbildung, Reflexion, Materialkultur und Unterrichtsentwicklung – nicht in Administration oder täglicher Lernstandssteuerung. Wer das weiß, bekommt mit digiLL im deutschen Markt ein sehr gutes, offenes und budgetfreundliches Angebot. Wer dagegen eine All-in-one-Schulsoftware sucht, sollte eher zu einem anderen Tool greifen. 

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